Zeitbombe Epstein-Barr-Virus

Im Gespräch mit Dr. Annette Pitzer

Ab etwa dem 40. Lebensjahr ist fast jeder Mensch mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) infiziert. Die Erstinfektion findet meistens schon im Kindesalter statt. Bis zur beginnenden Pubertät bleibt sie allerdings oft unbemerkt. Bei bis zu etwa 60% der vom Virus Betroffenen kommt es in der Jugend oder später zu Symptomen, die als Pfeiffer‘sches Drüsenfieber diagnostiziert werden, auch als infektiöse Mononukleose bekannt.

Viele Symptome können mit dem Epstein-Barr-Virus zu tun haben

Geschwollene Lymphknoten, häufige Mandelentzündungen, Erkältungsanzeichen wie Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber könnten somit auf das Epstein-Barr-Virus zurückgeführt werden. Müdigkeit, Nachtschweiß und/oder juckende Ekzeme deuten möglicherweise ebenfalls auf eine EBV-Infektion hin. Das Virus bleibt lebenslang im Körper und kann durch verschiedene Faktoren, ähnlich wie bei Herpesviren, reaktiviert werden.

Das Epstein-Barr-Virus und Hashimoto

Das Epstein-Barr-Virus wird außerdem als Cofaktor bei verschiedenen Krebs- und Autoimmunerkrankungen in Betracht gezogen. Es kann zudem ein Auslöser für Hashimoto Thyreoiditis sein. Wie es dazu kommt und was man dabei bedenken sollte, erklärt die Heilpraktikerin Dr. Annette Pitzer. In dem Beitrag „Integrative Medizin – Was ist darunter zu verstehen?“ stand sie vor längerer Zeit schon Rede und Antwort.

FRIEDA im Gespräch mit Dr. Annette Pitzer

FRIEDA: Wie wird das Epstein-Barr-Virus übertragen?

(c) Dr. Annette Pitzer aus Dillenburg

Dr. Annette Pitzer: Die Erkrankung, die das EBV-Virus beim ersten Kontakt auslöst, ist das Pfeiffersche Drüsenfieber (Mononukleose), im Volksmund Kusskrankheit (kissing disease) genannt. Das ist auch der Hinweis darauf, wie das Virus übertragen wird, nämlich über den Mund. Die Übertragung des Epstein-Barr-Virus‘ erfolgt von einem Menschen auf den anderen. Meistens geschieht dies auf der Basis von infektiösem Mundspeichel durch Tröpfchen- oder Kontaktinfektionen, seltener durch eine Schmierinfektion. Im Mundraum gelangen die Viren in die Körperzellen und vermehren sich in Mundhöhle, Ohrspeicheldrüse und auf der Zunge. Schreitet die Krankheit weiter voran, können auch die Mandeln, Leber und Milz betroffen sein.

FRIEDA: Lässt sich das Virus bei einer normalen Blutuntersuchung feststellen?

Dr. Annette Pitzer: Charakteristische Veränderungen des Blutbilds liefern eindeutige Hinweise für eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus. Die Infektion geht mit einer auffälligen Erhöhung der Lymphozytenzahl (B-Lymphozytose) einher. Die Lymphozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen und spielen eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr. Da 98 % der Bevölkerung mit EBV infiziert sind, ist die Serologie im Labor nahezu immer positiv. Wichtig ist daher vor allem die Unterscheidung zwischen den Infektionsstadien einer EBV-Infektion.

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Da die Antikörpernachweise nach erfolgter Primärinfektion lebenslang positiv sind und meist keinen Hinweis auf die Aktivität der Viren geben, ist es bei Verdacht auf eine Reaktivierung sinnvoll, einen Lymphozytentransformationstest (LTT) durchzuführen. Dieser ist zwar ebenfalls nach erfolgter Primärinfektion lebenslang positiv, doch kann hier durch die Stärke der Reaktion eine Aussage getroffen werden, ob sich das Immunsystem häufig oder aktuell verstärkt mit dem Erreger auseinandersetzt. Daher ist ein hoher Stimulationsindex im LTT ein Hinweis auf eine endogene Reaktivierung oder eine persistierend aktive Infektion.

FRIEDA: Mich hat bisher noch nie ein Arzt auf das Epstein-Barr-Virus aufmerksam gemacht. Auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis machte man ähnliche Erfahrungen. Woran liegt es Ihrer Ansicht nach, dass viele Ärzte nicht über die Möglichkeit einer EBV-Infektion aufklären?

Dr. Annette Pitzer: Jeder Mediziner ist über die möglichen Folgen einer EBV-Infektion informiert. Spätestens mit der IMMUC-Studie, an der renommierte Forschergruppen von der Technischen Universität München, der Ludwig-Maximilians Universität München, dem Helmholtz Zentrum München, dem Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg und der Medizinischen Hochschule Hannover beteiligt waren, sind die Fakten in der Medizin angekommen.

Fakt 1: Das Epstein-Barr-Virus verbleibt auch nach einer überstandenen Erkrankung ein Leben lang im Körper.

Fakt 2: Dies ist eine lebenslange Herausforderung für das Immunsystem.

Fakt 3: Sowohl immungesunde als auch immunschwache Menschen können im Laufe ihres Lebens an einer der Epstein-Barr-Virus-assoziierten Krebsarten erkranken.

Des Weiteren wird das EBV mit dem Risiko für das chronische Müdigkeitssyndrom und dem Risiko für die Entwicklung einer Multiplen Sklerose in Zusammenhang gebracht. Warum sich diese Erkenntnisse in den Praxen nicht niederschlagen, kann ich Ihnen nicht beantworten

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FRIEDA: Wie wird die Infektion schulmedizinisch behandelt?

Dr. Annette Pitzer: Man empfiehlt den Erkrankten viel Ruhe, genügend Schlaf und wenig körperliche Anstrengung, um das Pfeiffersche Drüsenfieber auszukurieren. Zum Einsatz kommen schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente. Bei sehr schweren Verlaufsformen des Pfeifferschen Drüsenfiebers werden antivirale Medikamente verordnet.

FRIEDA: Worin liegen Ihrer Ansicht nach die Gefahren einer rein schulmedizinischen Herangehensweise?

Dr. Annette Pitzer: Schmerzmittel wie Paracetamol könnten die Gefahr einer Leberproblematik, die ja schon durch das Virus gegeben ist, verstärken. Doch denke ich, dass kein Arzt Paracetamol als Schmerzmittel empfehlen wird. Die Ersttherapie ist auch nicht das Problem, sondern dass bei chronisch kranken Patienten das EBV in der Folge ihres Lebens aus dem Fokus rückt. Es ist schwierig nachzuweisen. Der Nachweis und die Therapie sind teuer und langwierig.

FRIEDA: Ist es schwierig nachzuweisen, weil es teuer ist oder weil der Laboraufwand zu groß ist?

Dr. Annette Pitzer: Im Grunde wird der Nachweis der latent chronischen Virenlast so gut wie nie geführt. Da nach der Erstinfektion die Antikörper lebenslang erhöht bleiben, benötigt man entweder einen LTT-EBV-Test (ca. 100 €) und einen EBV PCR-Test (ca. 120 €). Die Tests werden nicht in jedem Labor durchgeführt, so dass es aufwendiger ist, sie zu erheben. In den meisten Fällen werden diese Tests nicht von der Kasse übernommen. Da das Virus immer wieder versucht sich zu reproduzieren, müsste der Test bei entsprechenden Gesundheitsproblemen jedes Mal aufs Neue durchgeführt werden. Differenzialdiagnostisch gibt es Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, die auch abgeklärt gehören, darunter grippaler Infekt, Erkältung, bakterielle Angina tonsillaris, Diphtherie, Angina Plaut Vincenti, CMV-Infektion, Hepatitis, akute Leukämie, akute HIV-Infektion.

FRIEDA: Welche Faktoren können dazu führen, dass das Virus im Laufe des Lebens reaktiviert wird?

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Dr. Annette Pitzer: Eine Vielzahl von Faktoren sind denkbar. Dazu können gehören:

  • Darmprobleme
  • Hormoneinnahme
  • Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen
  • Schlechte Ernährung
  • Schwangerschaft
  • Stress
  • Umweltfaktoren wie Schwermetalle
  • Wechseljahre
  • Zu viel Alkohol oder Drogen
  • Zu viel Sonne
  • Zu wenig Schlaf
  • Und, und, und…

Da die Reaktivierung auch bei immungesunden Menschen nachgewiesen wird, sind die Auslöser nicht wirklich bekannt.

FRIEDA: Zu viel Sonne? Woran liegt das?

Dr. Annette Pitzer: Durch die UV-Strahlung wird das Immunsystem geschwächt, da durch die Einwirkung von UV-Strahlung die Immunantwort – also die Reaktion des Immunsystems auf Organismen oder Substanzen, die es als fremd erkannt hat – unterdrückt wird. Man nennt dies Immunsuppression. Viele von uns kennen das, wenn durch zu viel Sonne das Lippenherpesbläschen ausbricht.

FRIEDA: Welche Symptome treten dann auf, die mit dem Virus direkt oder indirekt in Verbindung zu bringen sind, wenn es also zu Reaktivierungen kommt?

Dr. Annette Pitzer: Von einer Reaktivierung spricht man, wenn dieselben Symptome wie bei der Erstinfektion wieder auftreten, also: fieberhafte Angina tonsillaris (gerötete, vergrößerte Tonsillen mit weiß-gräulichen konfluierenden Belägen) oder Pharyngitis, generalisierte Lymphknotenschwellungen, Splenomegalie, epatomegalie und Hepatitis mit Entwicklung eines Ikterus, Petechiales Enanthem am harten Gaumen, zusätzliches Exanthem (feinfleckig-makulopapulös). Das ist aber selten der Fall.

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Doch schon die Tatsache, dass das Virus im Körper verbleibt und unser Immunsystem es ständig in Schach halten muss, stellt für viele Menschen eine Herausforderung dar, die ständig Energie verbraucht. Das nennen wir einen latent chronischen Verlauf. Kommt es zu einer Reaktivierung des Virus, treten selten Symptome auf, die den Viren zugeordnet werden könnten. Es kommt so gut wie nie zu erneutem Fieber, Mandelentzündung oder angeschwollenen Lymphknoten. Menschen mit Symptomen wie:

  • chronische Müdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Nervenschmerzen
  • rheumaähnliche Schmerzen
  • Schlafstörungen
  • schlechte Leberwerte, die nicht zugeordnet werden können
  • Schwindel
  • subfebrile (leicht erhöhte) Temperatur
  • unspezifische Kopfschmerzen
  • vergrößerte Milz (meist Zufallsbefund)
  • chronische Darmentzündungen

und Menschen mit Diagnosen wie:

  • Autoimmunerkrankungen, wie z.B. Hashimoto-Thyreoiditis
  • Hodgkin-Lymphom
  • Magenkrebs
  • Multiple Sklerose
  • Nasopharynxkarzinom
  • NK-/T-Zell-Lymphom

tun gut daran, einen LTT- auf EBV durchführen zu lassen.

FRIEDA: Hashimoto-Thyreoditis ist eine Autoimmunerkrankung, die eine chronische Entzündung der Schilddrüse verursacht. Welche Rolle spielt das Epstein-Barr-Virus in dieser Kausalkette?

Dr. Annette Pitzer: Eine Studie aus dem Jahr 2015 zeigt, dass 80% der an Hashimoto-Thyreoiditis erkrankten Menschen im Schilddrüsengewebe ein EBV-Virus aufweisen. EBV befällt besonders gerne die Schilddrüse. Das Schilddrüsengewebe reagiert auf die Eindringlinge, indem es Antikörper bildet. Die Art, wie Viren Zellen befallen, ist der Grund dafür, dass das Immunsystem in diesem Fall Freund und Feind nicht unterscheiden kann.

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Viren benutzen einen Tarnmechanismus, die sogenannte „Moleculare Mimicra“. Durch diese Tarnung sind sie dem körpereigenen Gewebe zum Verwechseln ähnlich und werden deshalb vom Immunsystem übersehen. Die immunologische Reaktion richtet sich deshalb auch gegen das eigene Schilddrüsengewebe, das zerstört wird.

FRIEDA: Frauen sind von Hashimoto deutlich häufiger betroffen als Männer. Woran liegt das Ihrer Ansicht nach, wenn doch fast alle Erwachsenen mit dem Epstein-Barr-Virus infiziert sind?

Dr. Annette Pitzer: Frauen sind zyklische Wesen, die innerhalb eines Zyklus großen Hormonschwankungen unterliegen. Hormone sind Futter für das Virus. Das trifft auch auf die Stresshormone zu. Viele Frauen sind aufgrund von Mehrfachbelastungen deshalb zusätzlich gefährdet. In Phasen von Hormonschwankungen breitet sich das EBV-Virus in weitere Organe aus, wie z.B. die Schilddrüse. Das ist auch der Grund dafür, dass es vielen Frauen mit latent chronischem EBV-Verlauf während der Menstruation schlechter geht als sonst. Nicht selten treten dann sogar grippeähnliche Symptome ohne Fieber auf.

FRIEDA: Welche speziellen Erkrankungen bringen Sie bei Männern mit dem Epstein-Barr-Virus in Verbindung?

Dr. Annette Pitzer: Bei Männer kann es zu Hodenentzündung (Orchitis) kommen.

FRIEDA: Wenn das Virus beim Küssen übertragen werden kann, sogar schon beim Nutzen eines gemeinsamen Strohhalms, kann man sich ja kaum davor schützen. Gibt es Ihrer Ansicht nach trotzdem Tipps, um eine Infektion zu vermeiden?

Dr. Annette Pitzer: Nein.

FRIEDA: Was können Betroffene selbst tun, um das Virus und/oder eine der damit in Zusammenhang stehenden Erkrankungen in den Griff zu bekommen?

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Dr. Annette Pitzer: Eine antivirale und stärkende Ernährung ist hilfreich. Stressvermeidung ist ebenfalls ein wichtiger Faktor.

FRIEDA: Wie gehen Sie in Ihrer Praxis vor, um betroffene Menschen therapeutisch zu unterstützen?

Dr. Annette Pitzer: Vor der Therapie steht immer eine ausführliche Diagnostik. Nur dann kann eine individuelle Therapie ausgearbeitet werden. Der Eine hat zu viel Stress und braucht eine Stressreduktion. Der Zweite hat eine hohe Schwermetallbelastung, die die Viren fördert. Der Nächste ist extrem defizitär bei bestimmten Vitaminen oder Mineralstoffen. Es gibt einiges dabei zu bedenken, wenn die Therapie erfolgreich sein soll. Wichtig ist, dass der betroffene Mensch versteht, dass ihn das EBV sein restliches Leben begleiten wird und er sehr achtsam mit seiner Lebensführung sein muss, wenn er langfristig symptomfrei leben möchte.

FRIEDA: Vielen Dank für Ihre Bereitschaft zum Interview und die Informationen.

Websites von Dr. Annette Pitzer:

https://annette-pitzer.de/

https://integrative-psychotherapie-dillenburg.de/

https://blog.annette-pitzer.de/

https://gesundheitscoaching-dillenburg.de/

https://anti-aging.annette-pitzer.de/

https://gewichtsreduktion.annette-pitzer.de/

https://rauchentwoehnung.annette-pitzer.de/

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Vielen Dank!

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