Wenn Unternehmer Zeichen setzen…

...und Integrität signalisieren, macht das Mut!

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Ende April 2010 sank die vom BP-Ölkonzern geleaste Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko, ein Ereignis, das zu einer verheerenden Umweltkatastrophe führte. Ursache war eine Explosion gewesen. Große Rohölmengen gelangten über Monate aus mehreren Lecks ins Meer, was gravierende ökologische Konsequenzen hatte und weltweit Besorgnis erregte, während sich einige der Verantwortlichen aus der Affäre zu ziehen versuchten.

Ein Unternehmer, der seinerzeit nicht nur öffentlich Stellung zu den Vorfällen bezog, sondern auch Haltung zeigte durch konkretes Handeln, war Ernst Prost, Geschäftsführer des in Ulm ansässigen Unternehmens Liqui Moly.

Die Betreiberin dieser Seite erkundigte sich damals per eMail direkt bei Ernst Prost nach Einzelheiten und beglückwünschte ihn zu seiner klaren Haltung. Schon wenige Tage später war eine ausführliche Mail als Antwort da, die heute hier – selbstverständlich mit aktueller Zustimmung von Ernst Prost – veröffentlicht wird, denn nach wie vor bestimmen Konzerne nicht unwesentlich die Geschicke der Welt – durch Lobbyistenbüros in Brüssel und andere Einflussnahmen, während kleineren und mittelständischen Unternehmen durch immer mehr „Regulierungen“ oftmals Steine in den Weg gelegt werden.

Hier nun zur Antwort von Ernst Prost, datiert vom 02.07.2010.

Sehr geehrte Frau…,

vielen Dank für Ihre Meinung zu meiner Reaktion auf die wohl größte Umweltkatastrophe aller Zeiten, die von Menschen bzw. von einer Firma verursacht wurde. Vorausschicken möchte ich, dass uns dieser Schritt nicht leicht gefallen ist, weil dadurch nicht nur die verantwortungslosen Manager der BP getroffen werden, die durch ihre Unachtsamkeit, ihre Nachlässigkeit, ihre Fahrlässigkeit und durch das bewusste Unterlassen von Sicherheitsvorschriften diese Katastrophe ausgelöst haben, sondern möglicherweise auch redlich arbeitende Menschen, die in diesem Konzern und an seinen Tankstellen arbeiten. Es ist auch keine Katastrophe im Sinne eines unausweichlichen Unglücks passiert, sondern – wie man überall nachlesen kann – die unausweichliche Folge von Schlamperei, Geldgier und Verantwortungslosigkeit!

Mir sind große Konzerne schon lange ein Dorn im Auge. Nicht nur meine direkten Konkurrenten, sondern jeder multinationale Großkonzern, der sich um Mensch und Tier herzlich wenig schert und, wie man in dem Beispiel BP/ARAL/Castrol sieht, über Leichen geht – und wenn es „nur“ Tierleichen sind. Viel zu oft haben solche kapital- und gewinngetriebenen, multinationalen Gebilde in der Vergangenheit unternehmerische Werte der freien demokratischen Marktwirtschaft mit Füßen getreten. Während Mittelständler mit ihren Arbeitern und Angestellten an den Standorten in ihren jeweiligen Ländern ums Überleben kämpfen, ziehen Großkonzerne ungestört mit ihrer Holding in Steuerparadiese, verlagern Arbeitsplätze in Billiglohnländer und nutzen jedes Schlupfloch, um einer nationalen Gesetzgebung mangels einer internationalen Einigkeit zu entgehen. Ich weiß sehr wohl, dass unser Boykott der BP/ARAL/Castrol viel Mut von uns selbst erfordert. Sind wir doch ein Teil dieser Ölbranche und auch auf Lieferungen von Rohstoffen durch die großen Öl fördernden Firmen angewiesen. Aber so geht es nicht!

Den Ausschlag für unsere Reaktion (gewissermaßen der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat), hat ein Foto gegeben, das den Hauptverantwortlichen, den BP-Chef Tony Hayward, bei einer lustigen Segelpartie auf einer Rennyacht um irgendwelche Inseln herum zeigt.

Jeden mittelständischen Unternehmer hätte man schon in aller Konsequenz zur Verantwortung gezogen (möglicherweise sogar eingesperrt). Sicherlich hätten verantwortungsvolle Unternehmer in solch einer Situation auch Besseres zu tun, als einen Segeltörn zu unternehmen.

Wir wissen sehr wohl, dass unser Boykott der BP/ARAL/Castrol wahrscheinlich – salopp formuliert – „am Hintern vorbei geht“. Aber es ist mir auch ein Bedürfnis als Mensch, als Bürger und als Demokrat den Mund aufzumachen und zu sagen, was ich denke und empfinde. Und danach konsequent zu handeln. Es geht nicht nur um die BP, sondern generell um den notwendigen bürgerlichen Ungehorsam, um Aufschreien und Aufstehen, wenn Dinge falsch laufen.

Man muss den Verantwortlichen, der sogenannten Elite, einfach deutlich zeigen, dass man nicht mit allem einverstanden ist und klar machen, was man davon hält, wenn z.B. Politiker in unverantwortlicher Art und Weise Schuldenberge aufhäufen oder unanständige Steuersparpakete schnüren. Die rote Karte muss man genauso Konzernen zeigen, die ausschließlich dem Diktat des Kapitals gehorchen und dabei jede Verantwortung für Menschen, Länder und die Natur zur Seite schieben.

Schlussendlich drücke ich der BP massiv die Daumen, dass sie die Hölle, die sie im Golf von Mexiko verursacht haben, schnellstens in den Griff bekommen. Schadenfreude hilft hier nicht, aber öffentlicher Druck sehr wohl!

(…)

Frieda findet, entschlossenes Handeln ist ziemlich kernig und wirklich nachahmenswert! Dank an Ernst Prost für die Zustimmung zur Veröffentlichung seiner Mail und seine Courage!

2012 verhängte das US-Ministerium übrigens eine 4,5 Mrd. US-Dollar hohe Strafe gegen BP, das bis dahin höchste „Bußgeld“ für ein Umweltdelikt.

 Foto (c) Ernst Prost

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