„Weltmeisterinnen – gewonnen wird im Kopf“

Ein Interview mit Lisa Fitz

Lisa Fitz
(c) Lena Busch

„Weltmeisterinnen – gewonnen wird im Kopf“

Ein Gramm Information wiegt mehr als 1.000 Tonnen Meinung!*

Der Titel des neuen Programms von Lisa Fitz spricht Bände. Man könnte ihn eigentlich so stehen und auf sich wirken lassen. Könnte. FRIEDA begnügt sich aber nicht mit „könnte“, sondern setzt lieber auf den „konkreten Bereich“ und fragte deshalb bei Lisa Fitz nach, ob sie zu einem Interview bereit wäre. Ihre Botschaft passt nämlich gut zu FRIEDAs Vision und der Frage, wieso wir eigentlich noch keinen Weltfrieden haben.

Lisa Fitz ist 1951 in Zürich geboren und in der Nähe von München aufgewachsen. Ihr wurde die Kreativität buchstäblich in die Wiege gelegt. Der Großvater väterlicherseits war Schauspieler, Schriftsteller und Bühnenautor, die Großmutter Opernsängerin, der Vater Komponist und Musiker. Lisa Fitz besuchte ab Ende der 1960er Jahre eine Schauspielschule, studierte Gitarre und nahm Unterricht in Gesang und Ballett. Anfang der 1970er Jahre moderierte sie beim Bayerischen Rundfunk eine Musiksendung. Später schrieb sie eigene Songs, hatte verschiedene Engagements als Schauspielerin beim Theater und Film und ab Anfang der 1980er Jahre startete sie ihre Laufbahn als Kabarettistin mit eigenen Shows. Als erste Frau in diesem Genre präsentierte sie ein Soloprogramm.

In den letzten Jahren machte die vielseitige Künstlerin immer häufiger von sich reden, weil sie Klartext spricht und öffentlich thematisiert, was sicherlich viele denken, aber wenige laut sagen. Dazu gehört auch ihre Kritik an der Politik im engeren und an der NATO im weiteren Sinne.

FRIEDA im Gespräch mit Lisa Fitz

FRIEDA: Von George Tabori, selbst vielseitiger Künstler, stammt das Zitat: „Künstler sind von Beruf Hexen. Ihr Auftrag war schon immer, das Verdrängte herauszukitzeln, das Verschwiegene anzusprechen, das Verlogene in Frage zu stellen“. Ihr Kommentar dazu lautet wie?

Lisa Fitz: Na ja, es gibt auch eine Menge Künstler, die „nur“ unterhalten wollen, ohne großen Anspruch. Auch bei Comedians liegt das Hauptgewicht eher auf einer möglichst hohen Anzahl von Pointen. Wir Kabarettisten bedienen uns der Satire, des Humors, um auf soziale oder politische Missstände aufmerksam zu machen, das Publikum zum Hinschauen und Nachdenken anzuregen. Aber ob das nun Hexerei ist…? Es ist unsere Form von Kunst. Ich würde es, wenn man schon die Mystik bemühen will, lieber kreative Zauberei nennen.

FRIEDA: Bei einem Auftritt im September 2016 beim SWR machten Sie auf die Paradoxie und Doppelmoral von Ursula von der Leyen und Angela Merkel aufmerksam. Ursula von der Leyen würde Waffen segnen und Angela Merkel mit Aussagen wie „Angst ist kein guter Ratgeber“ an das Volk appellieren, während sie selbst – auf Kosten der Steuerzahlenden – nur rundum bewacht auf Reisen geht. Bei diesen und vielen anderen Informationen kommt einem ja unweigerlich der Film „Die Wutprobe“ in den Sinn, in dem Jack Nicholson seinen Gutmensch-Patienten, gespielt von Adam Sandler, so lange provoziert, bis der sich endlich zur Wehr setzt und zu Recht aggressiv wird. Die Handlungsstruktur bei diesem Film entspricht, wie bei den meisten anderen US-Produktionen, der klassischen Heldenreise nach Aristoteles, nach der der Held/die Heldin etwas lernen muss als Bestandteil der Individuation. Wären Sie nun Soziologieprofessorin des gesamten deutschen Volkes – welche Aufgaben stünden bei Ihnen auf dem Lehrplan?

Lisa Fitz: Männer wie Frauen neigen beide gerne zu horrender Selbstgerechtigkeit, d.h. die eigene Sicht auf Mitmenschen, Zustände und Handlungsweisen ist immer die richtige. Was hierbei fehlt, ist Empathie. Ich habe erst vor ein paar Jahren angefangen, besser nachvollziehen zu können, was mein Gegenüber fühlt. Eine sehr gute Übung ist (soll angeblich bei einigen Naturvölkern zur Streitschlichtung praktiziert werden): Die Konfliktpartner müssen ihre Rollen tauschen und die Sichtweise des anderen verteidigen. Beispiel: Person A ist gegen Islam und Flüchtlinge, Person B ist extrem tolerant-offener Gutmensch, kurz gesagt. Sie streiten. Nun tauschen beide die Positionen. A muss die Flüchtlinge verteidigen und B meinetwegen Pegida. Das macht sehr flexibel im Kopf und führt zu Toleranz und Verständnis. Und wer die innere Haltung des anderen versteht, kann ihn unter Umständen auch besser überzeugen. In so einem Wortspiel mit meinem Lebenspartner Peter und meinem Sohn Nepo bekam ich die Aufgabe, den Niqab zu verteidigen. Und das als absolute Gegnerin desselben. Das macht den Kopf auf.

FRIEDA: Insbesondere die so genannten sozialen Netzwerke spiegeln in zunehmendem Maße wider, dass der „Unmut“ (die Wut…) in der Bevölkerung über die Politik und über die zweifelhafte Berichterstattung in den Leitmedien um sich greift. Dieser Unmut ist zumindest in vielen Köpfen angekommen und er wird artikuliert, wenngleich zumeist nur im Rahmen der virtuellen Möglichkeiten. Vielen scheint das Wehklagen und das Sich-Beschweren zu reichen, während derzeit vergleichsweise wenige ins konkrete Handeln zu kommen scheinen und in den Kreisen jener, die nach einem „neuen System“ rufen, ist man sich häufig auch nicht einig. Leben wir Ihrer Ansicht nach in einer infantilen, narzisstischen Gesellschaft, in der man sich lieber gegenseitig in die Suppe spuckt, statt sich auf ein gemeinsames Ziel zu zentrieren? Oder sind es eher Ohnmacht oder Schockstarre, die ein kollektives Aufbegehren bisher verhinderten?

Lisa Fitz: Na ja, erst mal möchte man als Bürger ohne Angst in Ruhe und Sicherheit leben und sich einer Gemeinschaft zugehörig fühlen – Familie, Kultur, Schützenverein, Partei, was auch immer. Wenn das infrage gestellt wird, bekommt der Mensch schnell Angst. Und wenn ein/e Politiker/in nur Worthülsen absondert, beruhigt einen das nicht. Wir haben unsere Politiker gewählt, damit sie das Volk vertreten und nicht von oben herunter treten. Und die Medien sollten neutral (und kritisch) Bericht erstatten. Neuerdings hat sogar das ZDF zugegeben, dass das nicht der Fall ist. Hillary Clinton hat sich die größten US-Medien gefügig gemacht, wie aus Wikileaks hervorging, und vor dem Gerichtshof viermal gelogen. Derzeit zerfallen alle Fundamente der Demokratie, an die man lange geglaubt hat. Es sind keine Lügenmedien, eher Unterlassungsmedien. Sie berichten politstrategisch meist USA-freundlich und Russland-feindlich, zumindest bis zu Trump. Die Berichterstattung ist immer sehr tendentiös und nicht ausgewogen. Oliver Stone, der US-Regisseur, hat gestern im TV gesagt: „Deutschland ist das Schoßhündchen von Amerika.“

Und in den sozialen Netzwerken tummelt sich natürlich auch der gesamte deutsche (und islamische) Stammtisch, alle die, die man früher nie gehört hat, die keine Stimme hatten, außer bei der Wahl. Jetzt kann jeder sagen, was er denkt und es ist allemal leichter, irgendeinen Gedankenfurz zu posten als sich im Regen vors Kanzleramt zu stellen und zu protestieren oder eine Petition auf den Weg zu bringen. Wir könnten diversen unfähigen Politikern und gierigen Konzernchefs, die für ihr Versagen noch Millionenabfindungen bekommen, leicht heimleuchten, aber wir sind uns nicht einig. Und deshalb ist es immer noch möglich, dass Wenige die Vielen beherrschen und nicht das Volk die Politiker, die genau genommen unsere Angestellten sind, weil wir sie (sehr gut) bezahlen. Und genau deswegen versuchen unsere Volksvertreter alle, direkte Demokratie und Volksabstimmungen zu verhindern. Das wäre der einzige Weg, unsere direkte Mitsprache zu garantieren. Genau genommen hat jeder Bürger so viel mit den Anforderungen und Schwierigkeiten des eigenen Lebens zu tun, dass er seine geringe Freizeit nicht noch der Politik widmen will. (Was er aber müsste, ganz klar). Etwas oder irgendwer hat es geschafft, uns die letzten zwei Jahre vollkommen zu spalten. Der Riss zieht sich durch Familien und Partnerschaften. Im Internet werden ständig Meinungsschlachten geführt anstatt Konsens gesucht, um die Synergie als Handlungsimpetus zu nutzen.

Frieda: Die Politik verkauft der Bevölkerung neue Überwachungstechnologien und Kriegshetze gern mit der Botschaft, es sei ja alles nur für die „Innere Sicherheit“. Dass Deutschland kein souveräner Staat, sondern eine NGO sein soll mit Angela Merkel als Geschäftsführerin und dem deutschen Volk als Humankapital, ist ja kein wirkliches Geheimnis mehr. Viele der sogenannten Truther-Medien rufen seit Jahren dazu auf, „das System“ zu verändern. Obwohl: Nach Ansicht von FRIEDA kann ein souveräner Staat nur – von innen heraus – entstehen, wenn auch die Individuen souverän sind. Wie sehen Sie das? Und welche Eigenschaften machen einen Menschen Ihrer Ansicht nach souverän?

Lisa Fitz: Das sind harte Aussagen, die ich in den Medien selten bis kaum in dieser Deutlichkeit höre. Das Tragische daran ist, dass sogenannte Verschwörungstheorien oft genug 10 Jahre später als Wahrheit aufgedeckt werden, aber da ist der Zug dann bei allen durch, siehe Irakkriegs-Lüge. Aber nehmen Sie mal dem Deutschen seinen 1A-Spion, das Smartphone, die famoseste Premiumwanze seit Menschenbestehen….! Die Privatsphäre ist tot. In meinem Kabarettprogramm sage ich: Wir sind für die keine Menschen, wir sind Verbraucher, so was wie Laborratten mit Kreditkarte.

Souverän würde der Mensch erstens, indem er sich Mühe gibt, das Spiel der Mächtigen, wenn ich es vereinfacht formulieren darf, zu durchschauen. Zweitens muss er den Mut haben, es zu benennen und mit seinen Mitmenschen zu diskutieren, jeder in seinem Umfeld, nach seinen Mitteln. Drittens muss er einen gemeinsamen Nenner mit seinen Mitmenschen finden / suchen und sich nicht in den Meinungsschlachten verlieren. Er muss immer und immer wieder missionieren. Kurz gesagt: Denken hilft, Reden hilft – und vor allem: Ein Gramm Information wiegt mehr als 1000 Tonnen Meinung.* (Wäre das nicht ein guter Titel für dieses Interview?)

Dazu muss ich recherchieren und lesen. Wie sagt die Geheimagentin Olga in meinem Programm: Wenn du nur liest FRAU MIT HERZ – dann bleibst du FRAU OHNE HIRN!

FRIEDA: Stichwort Souveränität: Meine Idee dazu ist, dass souveräne Menschen über „innere Sicherheit in sich selbst als Haltung“ verfügen. Wer „innerlich sicher“ ist, braucht keine vermeintliche „Innere Sicherheit“ eines Systems mehr. Aber das sind eben meine Gedanken dazu. Was denken Sie darüber?

Lisa Fitz: Das stimmt nur so lange, wie Wohnen, Essen, Finanzen gesichert sind. Wenn ein IS-Terrorist oder ein Panzer vor der Tür steht, gilt nichts mehr. Und da nützt auch eine innere Sicherheit nichts mehr. Beispiel Nazi-Regime. Menschen in der Opposition wurden einfach umgebracht.

Frieda: Auch im Bereich der Arbeit wird gern damit argumentiert, dass es um die Sicherheit von Arbeitsplätzen gehe, wenn wieder „Einkaufszentren“, „Industriegebiete“ etc. gebaut werden sollen. Das Rentenalter wird ständig heraufgesetzt, doch die Anträge auf Frühberentung nehmen auf der anderen Seite zu: Burnout, Rückenleiden, Depressionen (…). Es soll also immer länger gearbeitet, Arbeitsplätze sollen „gesichert“ werden, während für die meisten immer weniger übrig bleibt. Woran krankt „das System“ Ihrer Meinung nach am meisten?

Lisa Fitz:: Ich glaube, ganz banal, es liegt an der Profitgier. Unser Gott ist Geld geworden und nicht Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft oder so was Altmodisches… Mein Großvater hat mal gesagt: „Es muss soweit kommen, dass ein reicher Mann eine lächerliche Figur ist.“ Warum finden die Leute die Geißens oder Dieter Bohlen oder Trump gut? Weil die Geld haben und der kleine Mann kämpft sich durch und hofft, dass er sich den Urlaub leisten kann. Warum dürfen sich Politiker mittlerweile ihre Diäten selbst erhöhen? Warum bekommen sie über 9000 Euro im Monat, davon 4000 Euro steuerfreie Aufwandsentschädigungen?? Warum bekommt ein Bundespräsident bis ans Lebensende einen Wagen, ein Büro, Mitarbeiter und eine wahnwitzige Rente vom Staat? Ich habe auch „viel für das deutsche Volk getan“ in 40 Arbeitsjahren und ca. 3000 Soloabenden mit Herzblut und Engagement gekämpft und bekomme das nicht. Wenn mich keiner mehr sehen will, ist Schicht im Schacht. Die Bundespräsis werden auch irgendwann abgewählt und führen aber weiterhin eine Leben, das viel zu weit über dem Durchschnitt ist. Deswegen leben Politiker auch wie ein einem Raumschiff mit Null Ahnung von Problemen und Ängsten der Durchschnittsbürger.

Frieda: Die Betreiberin dieser Seite ist, ähnlich wie Sie, der Ansicht, dass die Speichelleckerei der federführend Regierenden dieses Landes gegenüber den USA eigentlich nur noch mindestens Sodbrennen, wenn nicht sogar Brechreiz verursachen kann. Was würde sich aus Ihrer Sicht durch einen Austritt aus der NATO mit einer deutlichen Hinwendung in Richtung Kooperation mit Russland für Deutschland und Europa verändern?

Lisa Fitz: Ich halte immer viel davon, diverse Personen selbst reden zu hören. Hören Sie sich mal auf YouTube George Friedman von STRATFOR an, dem geostrategischen US-Thinktank. Er sagt wortwörtlich (und nicht nur er, auch der alte Zbigniew Brzezinksi, Mastermind hinter ca. 4-5 US-Präsidenten), dass der größte Albtraum für die USA ein Zusammenschluss von Russland und Europa wäre. Warum? Weil diese Fusion von Ressourcen, geographischer Nähe und Historie für ständig im Nahen Osten herumtrampelnden Amis eine verheerende Aussicht wäre, sagt er selbst. Weiterhin sagt er deutlich, dass das erste Ziel der USA sein muss, diesen Zusammenschluss zu verhindern. Das Problem ist, wenn Männer sich Fußball anschauen und Frauen dem Shoppingwahn verfallen, anstatt sich über politische Zusammenhänge zu informieren, was wollen Sie da groß erwarten?

FRIEDA: Die Truther-Szene schimpft über die Mainstream-Medien, doch immerhin präsentieren zuweilen auch die Öffentlich Rechtlichen manchmal, wenn meist auch nur zu später Stunde, kritische Inhalte. Bei „Neues aus der Anstalt“ wird man häufig recht konkret, Volker Pispers und auch Sie bekommen immer mal wieder die Möglichkeit, deutlich werden zu können, wenngleich sicherlich auch mit Einschränkungen. Nur – was nützt es, wenn die meisten Informationen über Hintergründe eigentlich schon offenkundig sind, das Volk sich aber weiterhin über irgendwelche Ideologien streitet und letzten Endes nicht aus dem Quark kommt. Würde eine Revolution überhaupt Abhilfe schaffen oder wären dann am Ende sowieso wieder eines Tages ähnliche Charaktere in den Machtzentralen, wie heute schon? Oder anders gefragt: Hat der Weltfrieden eine Chance?

Lisa Fitz: Na, Sie haben ja heute die ganz kleinen Themen im Gepäck…. So ein Orakel bin ich auch wieder nicht. Aber Sie packen mich an meinem empfindlichsten Punkt. Der Krieg ist so alt wie die Menschheit, auch in der Natur gilt: Kann ich es fressen oder frisst es mich? Selbsterhaltung und Arterhaltung, im weitesten Sinne bestimmt auch unser Denken und Handeln und jede/r ist sich sicher, dass er /sie die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Im Netz verbreitet sich neben Schrott auch viel Aufklärung, das beeinflusst und ändert das Denken der Bürger nachhaltig. Ich halte es allerdings für möglich, dass die Freiheit im Netz bald eingeschränkt wird, um Machterhalt zu sichern. Gestern erst habe ich gesagt: Wenn ich im Ameisenhaufen als Ameise wenigstens eine Tannennadel zum Weltfrieden beitragen kann, will ich es tun. Und wenn mir heute jemand sagen würde: „Du bekommst eine riesige Chance, Wesentliches zum Frieden der Völker beizutragen“, wäre das für mich der einzige Anreiz, das Kabarett aufzugeben.

FRIEDA: Sie sind eine mutige, attraktive, kreative, engagierte und talentierte Frau, allerdings, so der Eindruck, weit entfernt von dem, was man sich unter einer „Emanze“ vorstellt. Ihre Meinung zum Gender-Mainstreaming lautet wie?

Lisa Fitz: Emanzipation im ureigensten Wortsinn heißt ja, „sich aus Abhängigkeiten befreien“. Das tut sicher jeder Frau gut – (finanziell, emotional, sexuell usw.) Empfehlen kann ich dabei immer Humor und Liebe zum Mann, auch wenn das zuweilen schwerfällt, weil die Kriegstreiberei in der Welt zum Großteil männlich ist. Manchmal denke ich, das ist „Spermiendenken“, biologisch determiniert: „Ich muss siegen– ich bin der Größte, der Schnellste, der Beste- Sieg oder Tod!“ Nur eine Spermie macht das Rennen, alle anderen sterben ab. Und das Ei der Frau sitzt protzig da und sagt: Ich mach gar nix, i wart – auf den Größten, Schnellsten, Besten.

Alle US-Filme sind nach diesem Strickmuster: Der Held besiegt im Alleingang das Böse in der Welt (Russen, Aliens, Chinesen, Viren) und die Frau schaut ihm ohne jegliche wirkliche Gestaltungskraft dabei blöd und schön zu. Es gibt einzelne Ausnahmen, aber das Gros der Filme läuft so dämlich ab. Das prägt schon Kleinkinder und Teenies bei dummen Video-Gewaltspielen. Sie lernen, dass man das Böse nur besiegt, indem man es nachhaltig zerstört, und nicht z.B. durch Überredung, Verführung, Reifeprozesse etc. zum Guten werden lässt.

Noch zum Thema Gender-Mainstreaming: Natürlich brauchen wir Frauenrechte und eine institutionelle Verankerung. Dann können wir uns um die Umsetzung kümmern, das Umdenken vorantreiben und die Gleichstellung beider Geschlechter in den Köpfen der Menschen verankern.

FRIEDA: Derzeit ein auch häufig diskutiertes Thema ist „Weiblichkeit/Männlichkeit“. Wären Sie nun „die liebe Göttin/der liebe Gott“ – was würden Sie Frauen und Männern ans Herz legen wollen?

Lisa Fitz: Voneinander lernen. Anschauen, wie der Andere etwas löst. Auch die männliche Nichtkommunikation (unter Zuhilfenahme von Bier) kann z.B. mitunter dazu beitragen, dass sich ein (Schein-)Problem auflöst, d.h. Schweigen anstatt des weiblichen Niederschwafelns aller Probleme. Und in sozialpolitischer Hinsicht natürlich die Gleichheit bei Gehalt und Anerkennung. Wer Arbeit leistet, hat dafür gerechten Lohn verdient, egal ob Mann oder Frau. Wenn beide die gleiche Arbeit verrichten, dann haben sie auch beide die gleiche Bezahlung verdient.

FRIEDA: Sie stammen aus einer kreativen Familie. Dort wurde anscheinend eine Menge richtig gemacht, denn sonst wären Sie nicht so, wie Sie heute sind. Gehen Ihre Entschlossenheit, Ihr Mut usw. auf das Konto Ihrer Erziehung oder ist das eher erworben?

Lisa Fitz: Ich hatte eine unglaublich starke, intelligente, in der Erziehung unnachsichtige Mutter. Sie war mehr Coach als Modell italienische Mama, die Spaghetti kocht und bedingungslos liebt. Und eine starke Großmutter, ebenfalls streitbare Künstlerin. Der Grundstein dafür wird sicher in der Erziehung gelegt, den Rest erarbeitet man sich im Leben. Mein Selbstbewusstsein habe ich mir in jahrelanger Lebens- und Berufserfahrung angeeignet – und auch im „Nahkampf“ mit Männern.

FRIEDA: Was für ein Umfeld braucht Ihrer Meinung nach ein Kind, um zu einem selbstbewussten, integren und authentischen Menschen heranwachsen zu können?

Lisa Fitz: Ein Umfeld der Liebe und Wertschätzung. Wenn ein Kind merkt, dass es geschätzt und respektiert wird, so wie es ist, dann hat es den Mut, es selbst zu sein und wird sich entsprechend entwickeln.

FRIEDA: Angenommen, Frau Merkel hätte die Silvesteransprache in diesem Jahr aufgrund quälender Gewissensbisse abgesagt und man hätte Sie gebeten, für Sie einzuspringen. Wie hätte Ihre Botschaft an das deutsche Volk gelautet?

Lisa Fitz: Sucht Konsens! Diskutiert, aber lasst euch nicht entzweien. Tauscht Meinungen und Sichtweisen aus und denkt über die des Gegenübers nach. Findet ein gemeinsames Ziel und verfolgt es! Diese Aufgabe ist von erwachsenen Menschen zu bewältigen. Und: Die Wahrheit ist durchaus zumutbar.

Frieda: Der Titel Ihres neuen Programms heißt „Weltmeisterinnen“ Und „gewonnen wird im Kopf“ lautet der Untertitel. Welche Botschaft verbinden Sie damit?

Lisa Fitz: „Gewonnen wird im Kopf“ ist eigentlich ein Sportler-Credo. Es bedeutet, dass unser Denken darüber entscheidet, ob wir bei einer Sache Erfolg haben oder daran scheitern. Sobald man sich einredet, dass man etwas nicht schafft, verzagt man, beginnt das Projekt womöglich gar nicht erst. Der Untertitel soll uns daran erinnern, unser Ziel immer vor Augen zu haben und es zu verfolgen. Wenn wir selbst daran glauben, dass wir etwas tun können, dann können wir es meist auch tun. Wie Boris Becker beispielsweise. Der wurde seinerzeit einmal gefragt: „Wie haben Sie das Match gewonnen?“ Daraufhin sagte er: „Das habe ich schon gestern Abend im Kopf gewonnen.“ Dieser Satz zeigt deutlich wie viel Kraft positives Denken und Motivation haben können.

FRIEDA: Ohne schon zu viel aus dem Nähkästchen zu plaudern – worum geht es in Ihrem neuen Programm hauptsächlich?

Lisa Fitz: Nun, das sollten Sie sich am besten selber ansehen (lacht). Es gibt die Charaktere vierer Frauen. Jede von ihnen beurteilt die Gesellschaft und die Politik aus ihrer ganz eigenen Perspektive.

Die patente Putzfrau Hilde sieht sich als Opfer der Politik und der Umstände, die Journalistin Inge analysiert scharf den Spähskandal und die Folgen der Überwachung, Olga, die Geheimagentin, klärt über die politische Geostrategie der USA auf und Gerda Wimmer ist CSU Abgeordnete, Botschafterin Niederbayerns. Am Schluss komme ich dann noch als Lisa Fitz – also als ich selbst – aus dem Verkehrsstau und mache den Abschluss. So ist garantiert, dass sich die Zuschauer nicht langweilen. Und ich langweile mich auch nicht und hab‘ mal Urlaub von mir selbst…

FRIEDA: Herzlichen Dank für Ihre Bereitschaft zum Interview und viel Erfolg für Ihr neues Programm!

Lisa Fitz: Ich danke Ihnen. Sie haben mich ganz schön gefordert – intellektuell und zeitlich… 😉

Hier geht’s übrigens zur Internetseite von Lisa Fitz.

 

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