Wallungen und andere Wehwehchen…

Wechseljahre - na und?

Dr. Elisabeth Herterich
(c) Dr. Elisabeth Herterich

Das Ausbleiben der Menstruation oder Zyklusunregelmäßigkeiten sind bei Frauen ab Mitte 40 oft ein Zeichen dafür, dass es losgeht mit „dem Wechsel“. Der Prozess der hormonellen Umstellung des Körpers gliedert sich in unterschiedliche Phasen. Bei manchen setzt das Klimakterium früher, bei vielen deutlich später ein. Symptome, die im Zuge der Menopause auftreten, können sehr unterschiedlich sein, gehen aber in vielen Fällen mit ähnlichen Beschwerden einher. Die sprichwörtlichen Hitzewallungen sind wohl am bekanntesten als klassische Wechseljahreserscheinungen. Bei manchen Frauen treten auch gar keine nennenswerten Zipperlein auf.

Vielen allerdings macht das hormonelle „Uprade“ ziemlich zu schaffen. Die Verordnung synthetischer Hormone gehört in der Regel zu den Standardempfehlungen in gynäkologischen Praxen, doch hormonelle Substanzen nicht natürlichen Ursprungs sind in den letzten Jahren wegen diverser Nebenwirkungen immer wieder in Misskredit geraten.

Die naturidentische Hormontherapie sei hier eine Altermative für Frauen, die synthetische Produkte ablehnen, bei denen aber ärztlicherseits die hormontherapeutische Intervention empfohlen werde, sagen die Befürworter naturidentischer Hormone. „Naturidentisch“ klingt ja nicht wirklich „natürlich“, dachte Frieda und wollte wissen, was es damit eigentlich auf sich hat. Um das näher zu erklären, befragte Frieda die Gynäkologin Dr. Elisabeth Herterich, die seit 1994 in Gerolzhofen eine eigene Praxis betreibt.

Nachgefragt bei Dr. Elisabeth Herterich

Frieda: Unter welchen körperlichen und womöglich auch seelischen Symptomen leiden Frauen in den Wechseljahren am häufigsten?

Dr. E. Herterich: Die meisten Frauen kommen wegen ausgeprägter Hitzewallungen und Schlafstörungen in die Sprechstunde. Häufig wird auch über Gewichtszunahme, Haarausfall, Energieabfall, Leistungsschwäche und Herzrhythmusstörungen berichtet. Nebenbei wird oft gefragt, ob ich etwas für die Libido machen kann, weil die oft als „total verschwunden“ erlebt wird.

Frieda: Sie arbeiten mit der naturidentischen Methode nach Dr. Rimkus, die sich an Frauen und Männer gleichermaßen richtet. Dr. Rimkus stellte fest, wie auf seiner Website zu lesen ist, dass die Wirkstoffe in synthetischen Hormonpräparaten in ihrer molekularen Struktur nicht den im Körper vorkommenden Hormonen entsprechen und das, obwohl sie von der Industrie so wie die natürlichen Hormone („Originalhormone“) benannt werden. Für ihn war das der Schlüssel dafür, dass bisherige Hormontherapien nicht zu Wunschergebnissen führten. Daraufhin entwickelte er die so genannte „Natürliche Hormonersatztherapie“. Worum geht es dabei konkret und wie unterscheiden sich naturidentische Hormone von synthetischen und auch von natürlichen generell?

Dr. E. H.: Synthetische Hormone entsprechen von der chemischen Formel her nicht der Zusammensetzung, die mit unseren eigenen Hormonen übereinstimmt. Z.B. wird beim Präparat Presomen damit geworben, dass es natürlich sei. Ja, „natürlich“ – allerdings nur für die Stute, da es aus Stutenurin gewonnen wird, aber nicht „natürlich“ für Menschen. In der naturidentischen Hormontherapie wird die Yamswurzel als Grundbaustein verwendet und dann chemisch noch eine Veränderung vorgenommen, damit das Hormon, welches jetzt produziert worden ist, chemisch dem des Menschen entspricht.

Dadurch haben wird die Rückkopplung zum Gehirn, so dass wir das auch bei der Messung der Hormone sehen können. Das geht bei den synthetischen Hormonen nicht, da die Messung mit den normalen Messverfahren schon mal nicht möglich ist und die Rückkopplung nicht funktioniert, weil das für den Körper eben fremde Hormone sind. Die gängige Messung der Hormone ist also nur möglich bei naturidentischen Hormonen. Synthetische Hormone werden im Labor entwickelt, haben chemisch nichts mit unseren eigenen Hormonen zu tun.

Frieda: Wenn sich die Therapie nach Dr. Rimkus an Frauen und gleichermaßen an Männer richtet, wie unterscheiden sich dann die Substanzen?

Dr. E. H.: Die Substanzen, die für Männer und Frauen genommen werden, sind die gleichen, nur in unterschiedlichen Mengen. Die Normwerte für Männer sind deutlich niedriger als bei Frauen. Bei Frauen können wir die Wechseljahre besser eingrenzen, da Frauen menstruieren und wenn die Blutungen ausbleiben, dann ist das meistens ein eindeutiges Zeichen für den Beginn der Wechseljahre mit dem vielfältigen Symptomenbild. Bei jungen Frauen kommen Hormonstörungen bei Beschwerden wie PMS, Haarausfall, Stimmungschwankungen ebenso vor.

Frieda: Frauen und Männer „wechseln“ unterschiedlich. Woran leiden die Männer denn am meisten?

Dr. E. H.: Bei Männern können die Wechseljahre zwischen dem 40. und 80. Lebensjahr auftreten; die Symptome sind häufig unspezifisch, wie. z.B. Depressionen, Gewichtszunahme, Potenz- und Erektionstörungen, Burn-out, Selbstwerteinbruch usw.

Frieda: In welchen Fällen empfehlen Sie Frauen überhaupt eine Therapie mit naturidentischen Präparaten?

Dr. E. H.: Ich empfehle die Hormone als Prävention, da die Natur uns nicht für 90 Jahre oder mehr konzipiert hat. Die körpereigene hormonelle Steuerung fällt mit ca. 50 Jahren aus; dann gehen die Krankheiten oft los. Prof. Dr. Alexander Römmler hat schon 2003 eine anschauliche Statistik gemacht, die zeigt, wie sich der Abfall der Hormone in Bezug auf Krankheiten äußert. Er stellte fest, dass ab ca. 55 Lebensjahren die Krankheitshäufigkeit und die Anzahl der Todesfälle zunehmen. Das ist auch der Zeitpunkt des Abfalls der Hormone. Aus medizinischer Sicht empfiehlt man in der Zwischenzeit die Hormone zur Prävention von Herzinfarkt, Osteoporose, Demenz, Depressionen usw. Das heißt, da die naturidentischen Hormone keine bekannten Nebenwirkungen haben, weil der Körper sie kennt, sollte man zeitig damit beginnen, damit es gar nicht erst zum Abfall des Hormonspiegels kommt.

Frieda: Männer kommen vermutlich nicht in eine gynäkologische Praxis. Wer übernimmt bei ihnen die Diagnostik und Therapie in Bezug auf naturidentische Hormone? Urologen oder Hausärzte?

Dr. E. H.: Tatsächlich gehen Männer häufig zum Frauenarzt, zumal ihnen von ihren Frauen oft dazu geraten wird, denn die Frauen vermuten, dass den Männern die Therapie mit naturidentischen Hormonen ebenfalls gut bekommt.

Frieda: Die Wechseljahre sind ja nicht nur aus physischer Sicht eine Zeit des Umbruchs. Viele Menschen in dem Alter erleben auch im privaten Bereich neue Herausforderungen. Was können Frauen und Männer selbst tun, um die „Phase des Wandels“ für sich ganz individuell optimal zu gestalten?

Dr. E. H.: Die Wechseljahre sind der 3. Umbruch. Der 1. ist die Pubertät, der 2. findet etwa im Alter von um die 21 statt. Der 3. Umbruch schließlich, also die Wechseljahre, kennzeichnet die Phase, in der es mehr um das Bewusstsein geht und auch darum, dass es jetzt Zeit wird, die eigenen Träume anzugehen, denn die Endlichkeit der Lebenszeit wird oftmals dann erst richtig wahrgenommen. Die Kinder sind aus dem Haus, im Beruf hat man sich etabliert, der Wohnort wird in der Regel nicht mehr gewechselt: Jetzt kommt der Beziehung eine große Bedeutung zu. Viele Paare haben dann schon lange verlernt, miteinander zu reden. Jetzt gilt es, wieder Gemeinsamkeiten zu finden, um wieder als Paar durchs Leben zu gehen. Sich als Paar wieder neu zu finden, setzt mitunter aber auch voraus, mit sich selbst wieder eine Beziehung einzugehen, denn auch das wurde oft vernachlässigt, insbesondere dann, solange die Kinder bei den Eltern wohnen. In den Wechseljahren ist es also wichtig, sich zu überlegen, was man schon immer tun wollte und es dann auch zu tun! Dabei kann es darum gehen, die Beziehung wieder zu beleben. Das kann in kleinen Schritten erfolgen, indem es zu Beginn vielleicht einfach mehr Zeit ist, die man für die Partnerschaft investiert. Da die Kinder normalerweise nicht mehr so viel Aufmerksamkeit binden, rate ich vielen auch dazu, mehr für die Bewegung zu tun, sich selbst einfach wieder mehr in den Vordergrund zu stellen, was ja manchmal lange vernachlässigt wurde. Auch dem sozialen Umfeld kann man mit neuem Schwung begegnen, indem man vielleicht neue Kontakte knüpft, alte oder neue Hobbies pflegt oder noch einmal etwas ganz Neues ausprobiert.

Frieda: Vielen Dank für die Informationen und das Gespräch!

Buchtipps:

Annette Bopp, „Wechseljahre – Den eigenen Weg finden“, Buch bestellen

Wolfgang Foisner, „Wechseljahre – Natürlich durchs Klimakterium“, Buch bestellen

Eveline Daub-Amend, „Wechseljahre – Gesund und selbstbewusst in die neue Lebensphase“, Buch bestellen

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