„Vielfalt im Einklang“

Im Gespräch mit der Künstlerin Gudrun Kargl

(c) Gudrun Kargl

Wenn es um einen gesamtgesellschaftlichen Wandel geht, der Frieden und einen konsequent nachhaltigen Umgang mit der Natur beinhalten soll, sind alle Menschen und alle Berufsgruppen gefragt, einen Teil dazu beizutragen. Wenngleich immer mehr Menschen sich für eine bessere Welt engagieren, ist die Menge jener, die aufgrund ihrer Berufe und Arbeitsverhältnisse, ihrer Kaufentscheidungen und ihrer Konsumgewohnheiten (noch) nicht erkannt hat, dass nur ein gemeinsamer Konsens zu einer besseren Welt beiträgt, vergleichsweise hoch. Ein Wandel hin zu einem neuen Bewusstsein braucht alle Beteiligten. Die Bedeutung der Kultur, sei es die Musik, die Literatur oder die gestaltende Kunst mit all ihren Facetten, hat dabei einen besonderen Stellenwert.

FRIEDA stellte bereits die Künstlerin Angelika Weigelt und den Künstler Peter H. Kalb vor, die mit ihrem Engagement und ihrer Arbeit individuell dazu beitragen, die Welt als „intelligentes Feld“ friedlicher und nachhaltiger zu gestalten. Auch die Österreicherin Gudrun Kargl gehört zu den Künstlerinnen, die sich schon seit langem für ein konstruktives Miteinander in unterschiedlichsten Bereichen engagieren und damit ein neues Bewusstsein auf dem Planeten etablieren.

FRIEDA im Gespräch mit Gudrun Kargl

FRIEDA: „Vielfalt im Einklang“ ist ein Leitmotiv für Ihre Arbeit. Wer sich Ihre Website ansieht, erkennt ihre künstlerische Ausrichtung, die die Themen Frieden, Natur und Bildung umspannt. Sie haben unter anderem die Peace Art Academy® ins Leben gerufen. Was hat es damit auf sich?

Gudrun Kargl: Die Peace Art Academy® habe ich im Frühjahr 2017, gleichzeitig mit der Friedensgalerie, gegründet. Sie erweitert das Angebot der Galerie (und führt darüber hinaus), indem sie Menschen aller Generationen und aus allen Kulturkreisen die Möglichkeit bietet, über verschiedene Bereiche der Kunst bzw. die künstlerische Arbeit allein, in einer Gruppe, Klasse, Familie, Firma etc. eigene Zugänge zum inneren Frieden zu finden und zu erfahren. Es geht darum, mit allen Sinnen zu lernen, wie man den inneren Frieden kreieren, dauerhaft halten und teilen kann. Dabei ist mir wichtig, dass jeder Mensch im eigenen Rhythmus, intrinsisch motiviert, frei von Leistungsdruck, Konkurrenz, Erwartungen und Bewertungen seinen persönlichen Friedensweg gehen kann.

Samen des Friedens (c) Gudrun Kargl

Kunst, Kreativität, Bildung und die Rückverbindung zur und mit der Natur sind – aus meiner Erfahrung und Sichtweise – die Schlüssel zum Frieden. Ich arbeite seit vielen Jahren als freischaffende Künstlerin und übe diesen wunderbaren Beruf in den verschiedensten Genres aus. Zusätzlich bin ich ausgebildete Dipl. Montessori-Pädagogin ÖMG/AMI und Dipl. Spirituelle Lebensberaterin.

In der Peace Art Academy® finden und entdecken wir die Kunst in allen Dingen. Durch die Kunst erschließt sich uns die Welt und durch die Erkenntnis über die Welt erschließt sich uns der Frieden. Der innere und auch der äußere Frieden, denn äußerer Frieden beginnt mit innerem Frieden.

FRIEDA: Mit Ihren Angeboten verbinden Sie somit viele Themen des menschlichen Miteinanders auf künstlerische Weise. Insofern passt Ihr Wirken gut zum Konzept von FRIEDA, denn was Sie mittels der Kunst versuchen, versuche ich mit Texten. Über die Bedeutung der Sprache gibt es in diesem Magazin bereits den Beitrag „Achtsam Sprechen“ sowie die Buchempfehlung „Meine Sprache und ich“. Sie bieten sogar eine Wortverkostung an! Was hat Sprache für Sie mit Frieden zu tun?

(c) Gudrun Kargl

Gudrun Kargl: Sehr viel! Die Menschheit hat hier auf dieser Erde im Laufe ihres Daseins und ihrer Entwicklung viele wunderbare Sprachen entwickelt. Sie hat dies aus einem Bedürfnis nach Kommunikation, Mitteilung heraus getan und dieses Bedürfnis nach Mitteilung und Kommunikation ist überall auf der ganzen Welt gleich. Das ist für mich die Basis und darauf sollte man den Fokus legen, denn dann erkennt man, dass Sprachen, so verschieden sie auch klingen mögen, immer auch etwas Gemeinsames haben.

In der Friedensarbeit ist das Miteinander-Kommunizieren eine wichtige Grundlage und bedeutet viel mehr als etwas zu verhandeln, denn der Weltfrieden und das Engagement dafür sollten im Interesse jedes Menschen liegen. Was und wie ich etwas von mir gebe, kann sehr viel bewirken und deshalb sollten wir mit unserer wunderbaren Gabe des Sprechens sehr bewusst, sorgfältig und liebevoll umgehen und die Sprache als ein Instrument der Liebe einsetzen. Nehmen wir das Wort LIEBE, sprechen wir es aus, vielleicht stellen wir uns dabei vor, wie der Wind dieses Wort in die Welt hinausträgt und was es bewirken kann.

FRIEDA: Sie bieten auch Musik aus einem Naturtonstudio an. Was ist darunter zu verstehen?

Gudrun Kargl: Ich schreibe seit einigen Jahren Lieder, die ich gemeinsam mit meiner Tochter Gloria bei verschiedenen Anlässen, wie Lesungen, Ausstellungseröffnungen, Feiern etc. singe und begleite. Als die Menschen nach Aufnahmen zu fragen begannen, machte ich mich auf die Suche nach einem Tonstudio bzw. Produzenten, konnte aber noch niemanden finden. Deshalb habe ich mir gewisse Grundkenntnisse angeeignet und nehme meine Lieder im eigenen Naturtonstudio auf, was einfach heißt, dass sie nicht perfekt und nicht bearbeitet sind. Sie sind wie sie sind und wie wir sind. Sie werden an einem Ort aufgenommen, an dem wir uns wohlfühlen, denn: Die Botschaft ist wichtig. Zurzeit arbeiten wir an Aufnahmen in freier Natur: Singen und Musizieren mit den Elementen, Tieren und Pflanzen.

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FRIEDA: Sie beschäftigen sich auch mit Geomantie. Worin sehen Sie die Brücke zwischen Geomantie und der Kunst beziehungsweise einem Wandel für die Gesellschaft?

Gudrun Kargl: Die Geomantie ist ein Teilbereich der Gea- oder Geokultur. Die Gea- oder Geokultur ist eine Kulturform, die sich jetzt entwickelt, die wir entwickeln dürfen. In naher Zukunft werden wir Menschen eine neue, viel bewusstere Verbindung und ganzheitliche Wahrnehmung zur Erde aufbauen müssen/dürfen und uns wieder mit der Natur rückverbinden, denn auch wir Menschen sind und waren immer ein Teil der Natur, genauso wie Pflanzen, Tiere und Mineralien.

Wir haben als gesamte Menschheit die große Verantwortung übernommen, im Einklang mit der Natur zu leben und uns zu entwickeln. Ich bin sehr dankbar, dass es immer mehr Menschen gibt, die dies erkennen und ihr Leben entsprechend ausrichten. Mit der Geokultur zu arbeiten bedeutet auch, das Feld für das „Herz der Liebe“ zu stärken, denn das Herz ist die Brücke für die neue Zeit.

Die aktuelle Ausstellung „Friedenssamen“ in der Friedensgalerie am Millstättersee ist mein diesjähriger künstlerischer Beitrag – im Rahmen der Geokultur – Brücken zwischen Mensch, Natur und Frieden zu bauen, denn wir sind alle als „Samen des Friedens“ auf die Welt gekommen und wir können diese Samen in Worten, Werken und Gedanken säen. Aus dieser Motivation heraus sind alle Kunstwerke entstanden, besonders inspiriert durch meine Liebe zur Erde und ihren Wesenheiten.

(c) Gudrun Kargl

FRIEDA: Unter dem Motto „Wege zur Natur“ kann man bei Ihnen auch Workshops und Vorträge buchen. Sogar eine Ausbildung zum „Naturfühler“ ist möglich. Was wird bei diesen Angeboten vermittelt und an wen richten sie sich?

Gudrun Kargl: Die Wege zur Natur sind sehr individuell und vielfältig. Deshalb ist es wichtig, verschiedene Zugänge anzubieten, so dass jeder Mensch seinen eigenen Weg zur Natur finden kann und gleichzeitig andere Wege kennen lernt.

Ich spreche hier Menschen an, die den Wunsch und das Interesse haben, auf sanfte Art mit der Natur in Berührung kommen zu wollen und sich in dieser bewussten Verbindung zur Natur neu wahrnehmen zu können. Ganz besonders am Herzen liegt es mir, Kindern von Anfang an die Natur näherzubringen. Eine Liebe zur Natur kann man nur aufbauen, wenn man viel in der Natur SEIN darf und sich sozusagen als Teil der Natur begreifen lernt. Diese Liebe wird man dann sein ganzes Leben lang pflegen, indem man ein naturverbundenes Leben anstrebt und Sorge für die Umwelt trägt. Dazu biete ich Vorträge und Beratungen für Eltern, Lehrer, Schulen, Firmen und verschiedene Institutionen an.

Die Natur findet sich in allen Dingen und es wäre wünschenswert, wenn wir als Gesellschaft für unsere Kinder diese Zugänge ermöglichen könnten, denn mit der Natur zu sein, ist ein menschliches Grundbedürfnis, welches durch nichts ersetzt werden kann. Die Bilder, die uns die Natur im direkten Kontakt vermittelt, berühren alle Sinne. Das ist heute, wo Kinder, Jugendliche und auch wir Erwachsenen stark mit digitalisierten Bildern konfrontiert werden, sehr wichtig, denn Bilder beeinflussen nicht nur die Gehirnentwicklung, sondern auch das Unterbewusstsein. Digitalisierte Bilder begünstigen die Fragmentierung der Wahrnehmung, während erlebte Bilder in der Natur bei natürlichem Licht mit natürlichen Geräuschen die buchstäblich ganzheitliche Vernetzung im Gehirn fördern.

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Jeder Mensch sollte z.B. die Möglichkeit haben zu lernen, wie man einen Garten ganzheitlich pflegt und ihn fürsorglich, im Einklang mit der Natur, bewirtschaftet. Dabei geht es um viel mehr als um Säen, Pflegen und Ernten. Das echte Leben „begreifen“ wir nur über das echte Leben. In meinem Buch „Wege zur Natur“, welches voraussichtlich 2019 erscheint, beschreibe ich verschiedene Zugänge zur Natur in Kombination mit vielen praktischen Übungen.

Ich biete immer wieder einmal verschiedene Workshops und Vorträge an, welche dann kurzfristig auf meiner Homepage angekündigt werden. Die Ausbildung zur Naturfühlerin, zum Naturfühler wird im Rahmen der Peace Art Academy® erstmals 2019 von mir angeboten und besteht aus sieben Modulen. Interessierte Menschen können sich gerne jetzt schon anmelden bzw. vormerken lassen.

FRIEDA: Bieten Sie diese Veranstaltungen nur in Österreich an oder auch woanders?

Gudrun Kargl: Ich bin da offen und wenn mich jemand einladen möchte, um eine Ausstellung, eine Lesung mit Musik oder ein Seminar zu veranstalten, komme ich gerne.

FRIEDA: Auf Ihrer Website sind einige Ihrer Kooperationspartner genannt. Gibt es auch schon Verbindungen zu Menschen und Initiativen in Deutschland und wenn ja, zu wem?

Gudrun Kargl: In Deutschland kooperiere ich z.B. mit der Akademie für Potentialentfaltung, die von Prof. Dr. Gerald Hüther mitgegründet wurde, weil ich die Entfaltung von Potentialen in einer Gemeinschaft sehr wichtig finde und weiß, dass viele Potentiale verloren gehen können, verschüttet werden oder sich nie entfalten dürfen. Es geht um die Transformation der Beziehungskultur, um ein an Stärken orientiertes, wohlwollendes, inspirierendes und mitfühlendes Miteinander.

Es gibt einige Künstlerinnen und Künstler sowie Friedensbewegungen aus Deutschland, mit denen ich immer wieder einen erfrischenden Austausch, im Sinne der Friedensarbeit, pflege. Es freut mich, dass nun auch mit FRIEDA eine Kooperation entstanden ist und hoffe, dass noch weitere folgen werden.

FRIEDA: Was sind Ihre aktuellen Projekte?

(c) Gudrun Kargl

Gudrun Kargl: Die Friedenssamen werden mich wohl noch einige Zeit begleiten und ich habe vor, mit ihnen auf Reisen zu gehen, um sie in der ganzen Welt zu verstreuen. Erst vor kurzem war ich mit einigen von ihnen in der Toskana und bald geht´s nach England.

Gleichzeitig arbeite ich an der Ausstellung für 2018 und bin dabei, verschiedene Landartprojekte z.B. „Kunst in der Millstätter Schlucht“ zu realisieren. Dann fliegen mir Lieder zu, die auch niedergeschrieben und vertont werden wollen. Ebenso ist es mit anderen Texten, Gedichten und immer, wenn mich die Muse küsst, arbeite ich an meinem Buch „Wege zur Natur“.

Die Organisation für das World Peace Game, welches seine Kärnten-Premiere heuer im Sommer in der Friedensgalerie hat, bereitet mir auch große Freude. Ich bin ein sehr vielseitiger, interessierter und begeisterungsfähiger Mensch; durch die Kunst habe ich so wunderbare Möglichkeiten, diese Vielfalt schöpferisch zu leben und auszudrücken, deshalb auch mein Motto „Vielfalt im Einklang“. Vielfalt im Einklang ist im weiteren Sinne aber auch ein „Friedensmotto“.

FRIEDA: Wie schätzen Sie die weltpolitische Lage ein und wie würde Ihr Appell an die Menschen lauten, die sich ja angesichts der vielen Schreckensmeldungen in den Medien oft emotional auf die eine oder andere Seite ziehen lassen?

„Wohin, weshalb, wofür?“ Ein Vortrag von Prof. Dr. Gerald Hüther, DVD bestellen

Gudrun Kargl: Die weltpolitische Lage sehe ich als Spiegelbild unserer derzeitigen Kultur und ich schätze sie so ein, dass jeden Tag alles möglich sein kann. Vielleicht brauchen wir als Menschheit noch gewisse Erfahrungen, um wachsen zu können, und wenn es so ist, dann werden wir diese Möglichkeiten bekommen, indem wir sie uns selber erschaffen.

Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, den Wandel herbeizuführen, indem wir unsere Herzen jetzt öffnen. Gemeinsam – aber auch jeder für sich – können wir uns auf den Weg machen, alles Trennende zu überwinden und die Erkenntnis wird sein, dass wir alle, und hier beziehe ich die Erde und das ganze Leben – auch das feinstoffliche – mit ein, in Liebe verbunden sind und dass es nie etwas Trennendes zwischen uns gab, bis auf das, was wir uns selber erschaffen haben. Jeder fängt bei sicher selber an. Wir dürfen uns darin üben, in unserer Mitte zu ruhen, unsere Intuition zu schulen, unsere Selbstverantwortung zu leben und wahrhaftige Menschen zu werden. Let´s create Peace together!

FRIEDA: Liegt Ihnen noch eine Frage auf dem Herzen, die ich nicht gestellt habe, die Sie aber gern beantworten möchten?

Gudrun Kargl: Eine Frage nicht, aber ich möchte mich bei FRIEDA sehr herzlich für die Möglichkeit dieses Interviews bedanken und wünsche diesem so aufbauenden, informativen und ermutigenden Online Magazin weiterhin viel Erfolg und viele offene Leser. Möge sich die Vision des Weltfriedens verwirklichen!

FRIEDA: Danke schön für Ihre Bereitschaft zum Interview und Ihre lieben Wünsche!

FRIEDAs Kaffeekasse:

Danke.

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