Vertrauen und Geduld statt Kaiserschnitt

Im Gespräch mit dem Theologen und Therapeuten Thomas Frister

Im März 2015 übernahm Dr. Katharina Lüdemann die Frauenklinik am Josef Hospital in Delmenhorst als Chefärztin. Doch Anfang des Jahres 2019 wurde die beliebte Medizinerin schon wieder „wegrationalisiert“. Die Entscheidung der Klinik-Geschäftsleitung stieß in der Bevölkerung auf große Proteste, denn Dr. Lüdemann ist für ihre empathische und kompetente Geburtshilfe nach dem Motto „Weniger ist mehr“ weit über die Stadtgrenzen von Delmenhorst bekannt.

Ihre Stelle wurde inzwischen mit einem Chirurgen besetzt, der zwar in den Medien jüngst beteuerte, die aufkeimende Sorge an der künftigen Qualität der Geburtshilfe sei unbegründet, doch, mal ehrlich, was soll er sonst sagen? Ihm fehlen schlichtweg die Erfahrungen seiner Vorgängerin und zudem entscheiden die PR-Abteilungen der Kliniken inzwischen weitgehend, welche Informationen nach außen getragen werden.

Ein Kaiserschnitt bringt mehr Geld

Die Delmenhorster Klinik folgt mit ihrer Entscheidung einem beklagenswerten Trend. Der Mensch wird immer mehr zum Werkstück, das sich rechnen muss. Und die Krankenversicherungen mischen dabei kräftig mit, denn sie stehen oft unter dem Druck der Pharmaindustrie. Diese buchstäblich menschenverachtenden Entwicklungen werden nicht nur am Beispiel Geburtshilfe deutlich, wie in den Filmen „Der marktgerechte Patient“ und „Der marktgerechte Mensch“ des Hamburger Filmteams Kernfilm dargestellt wird. Auch in der Altenpflege und in der Betreuung von „auffälligen“ Kindern und Jugendlichen geht es immer mehr darum, Schutzbefohlene zu verwalten und sie – sehenden Auges – in die Regression zu führen. Doch zurück zum Kaiserschnitt:

Früher galten diese Eingriffe als Not-OP bei Komplikationen während der Geburt. Heute sind sie eher Regel als Ausnahme. „Fast jedes dritte Kind kommt per Kaiserschnitt“, schrieb der Spiegel bereits am 14.09.2015.

Das Abrechnungssystem ist krank!

Dabei gibt es nur wenige medizinische Gründe für die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts: „Allerdings gibt es auch einen Trend, der uns von Prominenten vorgelebt wird. Gemeint ist der Kaiserschnitt auf Wunsch. Angst vor den Schmerzen einer natürlichen Geburt, das für den Terminkalender passende Einplanen der Entbindung oder auch die Sorge um die Figur danach – all das kann Frauen dazu bewegen, sich fürs Skalpell statt die Wehen zu entscheiden. Auch für die Kliniken kann ein Kaiserschnitt eine gute Sache sein. Der Eingriff ist in aller Regel nach spätestens 60 Minuten vorbei und bringt mehr Geld (ab 4000 Euro) als eine natürliche Geburt (ca. 2000 Euro), die zeitlich auch nicht kalkulierbar ist.“ Quelle: https://www.versicherung-in.de/kaiserschnitt-krankenversicherungen-uebernehmen-die-kosten-4510/

Für einen Kaiserschnitt kann eine Klinik also doppelt so viel Geld abrechnen wie für eine komplikationslose Geburt. Gleichzeitig werden Hebammen immer weiter reglementiert, so dass es vielen Frauen in diesem Beruf kaum noch möglich ist, die Risiken einer eigenen Praxis auf sich zu nehmen. Obwohl viele schwangere Frauen ihre Kinder möglichst natürlich und in Ruhe entbinden wollen, geht der Trend eindeutig in Richtung Massenabfertigung.

Kaiserschnitt – von der Not-OP zum oft überflüssigen Routineeingriff

In einem Interview mit dem Arbeitskreis Frauengesundheit sagte Dr. Lüdemann zum Thema Kaiserschnitt: „Meines Erachtens steht dahinter oft zu wenig Geduld auf Seiten der Geburtshelferinnen und Geburtshelfer, oft auch fehlendes Vertrauen in die normale Geburt, manchmal auch fehlendes handwerkliches Können, so dass zu schnell mit einer Sectio eingegriffen wird. Ein typischer Mechanismus: Die kindlichen Herztöne sind schlecht, dann fällt – oft hektisch – die Entscheidung zum Kaiserschnitt.

Das Kind hat sich aber in der Zwischenzeit wieder erholt und es geht ihm gut nach dem Kaiserschnitt. Dann heißt es: Ein Glück, dass wir den Schnitt gemacht haben! Statt zu sagen: Dem Kind geht es trotz des Kaiserschnittes gut – ein Glück! Die Frau wurde aber womöglich unnötig körperlich und seelisch belastet. Die Option, bei schlechten Herztönen die Frau erst einmal auf die Seite zu legen, damit sich das Kind erholen kann und so wieder Ruhe in den Geburtsablauf kommt, wird leider seltener gewählt.“

Trauma durch Kaiserschnitt

Abgesehen von medizinischen Komplikationen für Kind und Mutter im Zuge von Kaiserschnitten, kann dieser Eingriff gerade auch für das Kind traumatisierend sein. Die Suche nach einem Ansprechpartner zum Thema „Trauma und Kaiserschnitt“ führte mich auf die Website von Thomas Frister. Er studierte evangelische Theologie, ist Heilpraktiker für Psychotherapie und betreibt eine Praxis in Stuttgart.

Als Spezialist für Traumata bietet er neben Traumatherapie in Einzelgesprächen, Gruppen und Workshops auch Coaching für Führungskräfte, Selbständige und andere an. Er erklärte sich spontan zu einem Kurzinterview im Rahmen dieses Themas bereit.

FRIEDA im Gespräch mit Thomas Frister

FRIEDA: Was motivierte Sie dazu, als studierter Theologe noch eine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie zu machen?

(c) Thomas Frister

Thomas Frister: Für die Seelsorge habe ich mich von Anfang an sehr interessiert. Im Rahmen des Seelsorge-Kurses, der Bestandteil meiner Ausbildung war, merkte ich, dass ich mein Interesse vertiefen wollte. Damals ging es vorrangig noch um Trauer und Suizid. Geprägt haben mich in dem Zusammenhang seinerzeit auch die Bücher von Verena Kast.

Ich schrieb ein Buch für Trauernde zum Thema „Klage“ und beschäftigte mich dabei auch mit negativen Glaubenssätzen („Einreden“). Mit der Zeit stand für mich die Frage immer mehr im Raum, wie ich selbst wirksam therapeutisch arbeiten konnte, doch bis zur Umsetzung einer weiteren Ausbildung in der Gestalttherapie, die ich berufsbegleitend absolvierte, dauerte es zunächst noch eine Weile. Schließlich legte ich noch die Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie ab, um therapeutisch arbeiten zu können.

FRIEDA: Was brachte Sie darauf, sich näher mit dem Thema Trauma zu beschäftigen?

Thomas Frister: Im Zuge der vierjährigen Gestalttherapieausbildung nahm ich an einem Intensivseminar teil, bei dem auch Familienaufstellungen angeboten wurden. Diese Methode kannte ich vorher noch nicht. Sie sagte mir aber sehr zu. Bei der Suche nach einer Ausbildung, die sich nicht an Bert Hellinger orientierte, wurde ich auf Prof. Franz Ruppert aufmerksam. Bei ihm machte ich 2007 eine Ausbildung.

Mir wurde die große Relevanz von Traumata in Familiensystemen bewusst und auch, wie wichtig die Arbeit mit den inneren Anteilen ist. In meine heutige Arbeit, die sich sehr auf die Integration der inneren Anteile (innere Kinder) bezieht, fließen wesentlich die Erkenntnisse von IFS (Internal Family Systems) ein, wobei es um die Arbeit mit der „inneren Familie“ geht.

IFS geht zurück auf Richard Schwartz, der postuliert, dass nicht nur die Mitglieder der äußeren Familie ein System bilden, sondern auch die Anteile eines jeden Menschen. Sie wirken sozusagen als Unterpersönlichkeiten. Diese Anteile können die Kontrolle über das Leben eines Menschen übernehmen und in solchen Fällen hat dieser Mensch keinen eindeutigen Zugang mehr zu seinem wahren Selbst, sondern wird von „verbannten bzw. abgespaltenen“ Anteilen gesteuert. Bei traumatisierten Menschen ist das in der Regel der Fall. Übrigens arbeitet auch Bessel van der Kolk, der weltweit zu den führenden Traumatherapeuten gehört, unter anderem mit IFS.

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Die riesige Bedeutung von Traumata in unserer Gesellschaft wurde mir über die jahrelange Auseinandersetzung mit dem Thema immer bewusster. Daher dreht sich meine Arbeit heute zu einem entscheidenden Anteil um diese Thematik, denn in Traumata sind meiner Ansicht nach sehr viele Ursachen für die Konflikte unserer Welt begründet. Insbesondere die sehr frühen Traumata sind uns später ja nicht mehr bewusst. Das „Nicht-Willkommen-Sein“ und viele andere Einstellungen bleiben als Lebensgefühl dann allerdings häufig erhalten.

FRIEDA: Wie eingangs beschrieben, geht der Trend an vielen Kliniken in der Geburtshilfe zum Kaiserschnitt und/oder zu Reduzierung von Angeboten sanfter Geburtshilfe generell. Das ist nur eine Tendenz von vielen, die Menschen immer mehr zum Objekt machen. Inwiefern kann sich ein Kaiserschnitt Ihrer Ansicht nach traumatisch auf das Kind auswirken?

Thomas Frister: An dieser Stelle ist mir wichtig zu erwähnen, dass Traumata schon vor der Geburt erfolgen können. Auf meiner Website sind nähere Erläuterungen zu finden, wie es dazu kommen kann: https://www.praxis-frister.de/psychotherapie/methoden/trauma-traumatherapie/vorgeburtliche-traumata/

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Der Geburtsverlauf bestimmt ebenfalls entscheidend, ob es, insbesondere für das Kind, zu traumatischen Erfahrungen kommen kann. Alle Geburtstraumata können Schocks sowie Bindungsstörungen auslösen, die lebenslang nachwirken. Sie werden dann oft (unbewusst) als Muster im Leben wiederholt.

Auch weheneinleitende Mittel wie Pitocin oder Oxytocin können das begünstigen. Das sind chemische Eingriffe, die schockierend wirken können, denn normalerweise leitet das Hormonsystem des Kindes die Geburt ein!

Emotionale Folgen für das spätere Leben können sein: Groll, übereilte Entscheidungen, Gefühl von Kontrollverlust oder Panik. Speziell beim Kaiserschnitt ist das Kind unvorbereitet. Es ist ein buchstäblicher Überfall. Wichtige Bindungshormone werden dann nicht ausgeschüttet und oft gibt es keinen direkten ausreichenden Mutter-Kindkontakt unmittelbar nach der Geburt, weil die Mutter sich erholen muss. Das kann bereits zu Trennungsängsten beim Kind führen und die spätere Mutter-Kind-Bindung erschweren.

Erhöhtes Asthmarisiko, Probleme im Umgang mit Grenzen, Selbstwertschwäche können ebenfalls damit in Zusammenhang gebracht werden. Das ist alles hinreichend erforscht und mit vielen Publikationen als Wissen hinterlegt. Eine fundierte Literatur-Auswahl finden Interessierte auf meiner Website: https://www.praxis-frister.de/psychotherapie/methoden/trauma-traumatherapie/literatur-und-links/.

FRIEDA: Und welche Auswirkungen kann ein Kaiserschnitt für die Mutter haben?

Thomas Frister: Auch dazu biete ich auf meiner Website viele Informationen an: https://www.praxis-frister.de/psychotherapie/methoden/trauma-traumatherapie/nachgeburtliche-traumata/.

Eine missglückte Bindung zum Kind hat auch Auswirkungen für die Mutter und die ganze Familie, abgesehen vom erhöhten medizinischen Risiko bei einem solchen Eingriff und von den nicht absehbaren Folgen für Mutter und Kind, die bei Kaiserschnitten gravierender sind als bei Normalgeburten. Das Erleben der Geburt hat wesentlichen Einfluss darauf, ob sich eine sichere Bindung zwischen Mutter und Kind entwickeln kann.

Ohne es zu wollen, geben Eltern selbst erlebte Traumata und Spaltungen an ihre Kinder weiter. Das ist das Tragische dabei. Es kann zu subtilen oder offenen Aggressionen gegenüber dem Kind kommen. Häufig versteht die Mutter ihr Verhalten selbst nicht, wenn sie den Impuls hat, ihr schreiendes Kind zu schlagen.

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FRIEDA: Sie sind von Haus aus Theologe. Seitens der meisten Kirchen vermisse ich klare öffentliche Stellungnahmen, wenn es um Themen wie „überflüssiger Kaiserschnitt“, „Organspende“ und viele andere geht, Maßnahmen also, die unser lobbygesteuertes Gesundheitssystem inzwischen immer mehr kennzeichnen. Worauf führen Sie das „Schweigen der Lämmer“ zurück?

Thomas Frister: Mit dieser Frage berührt man natürlich ein großes Thema. „Die Kirche“ an sich gibt es ja eigentlich nicht, sondern nur verschiedene Spielarten, um es mal so zu nennen. Es gibt durchaus viele christlich orientierte Initiativen, die sich engagieren und Probleme auch benennen und zu lösen versuchen. Einige zeigen durchaus Problembewusstsein und Engagement. Dazu kommt, dass viele Pfarrer auch überlastet sind und sich kaum um Fortbildung kümmern können. Auf der anderen Seite kommen viele Kirchenvertreter auch nicht auf die Idee, dass beispielsweise Kaiserschnitt und Trauma Themen für die Seelsorge sein könnten.

Ich habe mit vielen Kirchenvertretern gesprochen. Die meisten haben kein Bewusstsein für die Bedeutung von Trauma für uns alle. In der konventionellen Ausbildung lernen Theologen leider auch zu wenig darüber und werden nicht ermutigt, an sich selbst zu arbeiten. Freilich: Nicht nur ein rigider Glaube, letztlich alles lässt sich missbrauchen, um nur nicht an sich selbst arbeiten zu müssen und um sich selbst nicht spüren zu müssen. Das ist ja gerade die Dynamik bei traumatisierten Menschen, dass sie „Überlebensanteile“ abspalten, um sich den Gefühlen dahinter nicht stellen zu müssen.

Daher hoffe ich, dass die, die gute Erfahrungen mit einer eigenen Psychotherapie gemacht haben, zu einem Wandel beitragen. Insgesamt wünsche ich der Kirche mehr Mut, das Thema „Trauma“ sowohl individuell als auch gesellschaftlich in den Blick zu nehmen. Gesellschaftlich entwickeln wir uns ja in die Richtung einer „Lobbykratie“, sowohl im Gesundheitswesen als auch in anderen Bereichen mit all den negativen Folgen.

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Ein Anliegen ist mir noch das Thema Bildung. Schon in der Schule sollten die Kinder und Jugendlichen viel intensiver und am besten durchgehend über Themen wie Traumata informiert werden. Das wäre auch ein wichtiger Schritt zur Gewaltprävention, denn wer mal Opfer wurde, wird später häufig irgendwann Täter. Die Wut, die man nicht losgeworden ist, sucht sich dann destruktive Kanäle und kann ganze Leben ruinieren. Was heute an den Schulen im Fach Psychologie angeboten wird, halte ich einerseits für zu lückenhaft und andererseits mangelt es oft an wirklich kompetentem Personal, das diese Themen adäquat vermitteln kann. Nötig wäre intensive Selbsterfahrung, um heilsam zu wirken.

FRIEDA. Vielen Dank für Ihre Antworten und Ihre spontane Bereitschaft zu diesem Kurzinterview.

Noch einige Anmerkungen von mir zum Thema: In den 1960 und 1970er Jahren gab es bereits einen Trend „zurück zur natürlichen Geburt“, damals insbesondere auch ausgelöst durch den französischen Gynäkologen Frédérick Leboyer, der zu den Vorreitern einer „sanften Geburt“ gehört. Die Risiken übergriffiger Maßnahmen schon vor, während oder direkt nach der Geburt basieren also nicht auf neuen Erkenntnissen. Und im Grunde braucht es für dieses Wissen nicht einmal Bücher, sondern nur eine intakte Intuition und gesunden Menschenverstand.

In Bezug auf die aktuelle Situation Frau Dr. Katharina Lüdemann betreffend, wurde Anfang Januar 2019 eine Petition gestartet, die bereits nach kurzer Zeit mehr als 1000 Mitzeichner verbuchen konnte. Wer die Petition unterstützen möchte – einfach hier klicken und zeichnen:

https://secure.avaaz.org/de/community_petitions/Florian_Friedel_Geschaeftsfuehrer_des_JosefHospitals_Delmenhorst_JHD_Wertschaetzende_Geburtshilfe_erhalten_Unsere_Aerzti/?fgGEbab&fbogname=Beate+W.&utm_source=sharetools&utm_medium=facebook&utm_campaign=petition-647265-Florian_Friedel_Geschaeftsfuehrer_des_JosefHospitals_Delmenhorst_JHD_Wertschaetzende_Geburtshilfe_erhalten_Unsere_Aerzti&utm_term=gGEbab%2Bde&fbclid=IwAR2mo3jrV64SJeL3mmlRYKbACH43gueIT4OXCu2XbujROT9M6ZU02wS9uwc

Doch machen wir uns nichts vor: Online-Petitionen sind zwar ein Signal, um Proteste zum Ausdruck zu bringen, doch viel verändert haben sie bisher nicht. Manchmal suggerieren sie kaum mehr als das Gefühl, „ja was getan zu haben“. Daher halte ich es für wichtiger denn je, die Verantwortlichen vor Ort zu konfrontieren, darunter Politiker, die sich seit Jahren gegen „Mehr Demokratie“ wehren, wie die jüngste Pressemitteilung von „Mehr Demokratie e.V.“ erneut bestätigt. „Wir Wähler/innen haben deutlich weniger Einfluss auf die Zusammensetzung der Parlamente. Die Parteien schotten sich gegen Einflüsse von außen ab“, schreibt Katrin Tober von „Mehr Demokratie e.V.“ am 07.01.2019 in einer Pressemeldung per mail angesichts des Scheiterns eines Antrags für ein Volksbegehren.

Dabei könnte sich die Delmenhorster Klinik am Markt ganz neu und positiv positionieren, wenn sie dem zunehmenden Wunsch vieler Frauen, ihre Kinder möglichst natürlich zu gebären, nachkäme, etwa durch ein Neben- und Miteinander zwischen Dr. Lüdemann und ihrem Nachfolger, durch ergänzende Kooperationen mit Hebammen, Bindungspsychologen und Körpertherapeuten. Eine solche Umorientierung „rechnet sich“ vielleicht nicht sofort, aber sie würde dem Grundgesetz eher entsprechen, denn die Würde des Menschen muss unantastbar bleiben.

Um in Sachen Gesundheit neue, menschenfreundlichere Wege zu gehen, ob bei der Geburtshilfe oder in der Altenpflege, braucht es allerdings seitens der Klinik- und Betreuungsstättenleitungen auch ein entsprechendes Bewusstsein und genügend Pioniergeist, um neue Strukturen zu schaffen. Und es braucht Politiker, die das, was sie beispielsweise auf ihren Websites kundtun, auch so meinen: „Als Oberbürgermeister möchte ich für die Menschen und ihre Belange da sein“, schreibt der Delmenhorster Oberbürgermeister Axel Jahnz auf seiner Website. „Das Amt des Oberbürgermeisters ist in Delmenhorst mit der Besoldungsgruppe B7 dotiert, daraus ergibt sich ein Grundgehalt von 9.769,51 Euro (brutto). Grundsätzlich richtet sich die Besoldung nach der jeweiligen Einwohnerzahl der Kommune. Hinzu kommen Einkünfte aus Nebentätigkeiten. Nach dem Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz fallen darunter alle Tätigkeiten in Aufsichtsräten und weiteren Gremien von Unternehmen und Einrichtungen, an denen die Stadt unmittelbar, mittelbar, anteilmäßig oder in sonstiger Form mitwirkt. Diese können der unten aufgeführten Liste entnommen werden“, ist dort ferner zu lesen. Quelle: https://www.delmenhorst.de/rathaus-online/ob-jahnz/einkuenfte.php

Zwar stellt er seine Nebeneinnahmen über seine verschiedenen Aufsichtsratsämter öffentlich dar, doch das Dilemma ist die Ämterhäufung an sich. Und wir erinnern uns: Beamte zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein! Axel Jahnz hat sich inzwischen auch zur Situation geäußert. Die Diskussion soll seiner Ansicht nach „versachlicht“ werden. Damit unterstellt er einerseits, dass die Diskussion zu emotional geführt worden sei und lässt andererseits vermuten, dass er mit den Gefühlen der Bürger nicht zurechtkommt, denn: Das sensible Thema Geburtshilfe IST emotional! Quelle: https://delmenews.de/axel-jahnz-aeussert-sich-zum-fall-luedemann-jhd-will-kaiserschnittrate-nicht-steigern/?fbclid=IwAR0bFVAgeLGmWlnqZIbgIb-LR7bAaJadqQl4E-ljMPaKQk25tXNms_GEwN8

Und wenn Menschen das zum Ausdruck bringen, unter Umständen auch mit Gefühlen, ist das ihr gutes Recht und ein Zeichen für Lebendigkeit! Reden Politiker diese Impulse klein, zeigen sie nur, dass ihnen die Befindlichkeit der Menschen egal ist, solange sie ihre wohldotierten Posten innerhalb der m.E. viel zu langen Legislaturperioden behalten können.

Zwar heißt es in der Stellungnahme von A. Jahnz auf Delmenews, es gehe der Klinik nicht um Steigerung der Kaiserschnittraten, doch unklar bleibt, warum die Stelle von Dr. Lüdemann dann neu besetzt wurde…?

Wenn Menschen mit Kompetenz, Empathie und Pioniergeist als „nicht wirtschaftlich genug“ betrachtet werden, wie Dr. Katharina Lüdemann, und wenn dem großen Bürgerbegehren in dieser Angelegenheit nicht Rechnung getragen wird, sind wir aus meiner Sicht als menschliche Gesellschaft nicht mehr zu retten.

Übrigens kann auch das zu frühe Abtrennen der Nabelschnur auf das Kind traumatisch wirken, davon abgesehen, dass es für das Immunsystem des Kindes wichtig ist, die Nabelschnur auspulsieren zu lassen. Die Natur, die nie profitorientiert vorgeht, hat das alles eigentlich schon recht gut eingerichtet, wären da nicht all die „Holdings“ und „Aktiengesellschaften“, die Dividenden und Renditen…

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u.v.a.m.!

Sowie noch ein längerer Artikel von mir zum Thema „Immer, wenn man ihnen Pillen gab“ über Neuroleptikavergabe in Seniorenheimen, der in der raum&zeit erschien, und ein Beitrag über die Plazenta und die Nabelschnur aus dem Spirit of Health Magazin: http://www.spiritofhealthmagazin.com/2016/09/01/plazenta-und-nabelschnur-nur-rohstoffe-fuer-die-pharmaindustrie/

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Danke.

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