Tattoos – Risiken und Nebenwirkungen

Sie gehen unter die Haut

Tätowierungen photo
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Tattoos sind angesagt. Seit den letzten Jahren sprießen Tattoo-Studios somit auch wie Pilze aus dem Boden. Waren sie früher nur in Puffmeilen und Hafenrevieren angesiedelt, findet man sie heute schon in beinahe jeder Kleinstadt. In Großstädten sowieso. Jede Menge Promis stellen ihre tätowierte Haut zur Schau und was die Promis machen, wollen viele andere auch. Zweifellos sind Tattoos gesellschaftsfähig geworden. Wer sich ein Tattoo machen lässt, ist meistens allerdings noch recht jung und kann etwaige gesundheitliche Konsequenzen womöglich noch nicht umfänglich absehen.

Laut einer Umfrage des Portals statistika zum Alter des ersten Tattoos lassen sich 34 Prozent der tätowierten Menschen in Deutschland das erste Tattoo im Alter von 18 und jünger stechen. 37 Prozent entscheiden sich im Alter von 19 bis 29 Jahre für die dauerhafte Tinte auf der Haut. 22 Prozent wollen es im Alter von 30 bis 45 Jahre nochmal wissen und sich mittels einer Tätowierung eine besondere „individuelle“ Note verleihen lassen.

Tattoos – permanente Belastung für’s Immunsystem?

Doch abgesehen von der künstlerischen Qualität der gestochenen Motive, die enttäuschend ausfallen kann, können Tattoos auch gesundheitsschädigend sein. Die Stiftung Warentest stellte in einer Untersuchung aus dem Jahre 2014 fest, dass eine Reihe von den getesteten Tattoo-Farben die allergieauslösende Substanz Nickel und die Konservierungsstoffe Benzylisothiazolinon und Methylisothiazolinon enthielten. Auch der aromatische Kohlenwasserstoff Naphthalin wurde vereinzelt gefunden. Naphthalin ist gemeinhin auch als Mottenpulver bekannt. Wie das Deutsche Ärzteblatt am 30. Mai 2012 berichtete, könne Naphthalin sogar Schäden am Erbgut verursachen.

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Umfassend untersucht sind sämtliche auf dem Markt angebotenen Tattoofarben allerdings noch nicht, insbesondere nicht in Bezug auf deren potenzielle Langzeitfolgen. Dass ungeachtet dessen so viele Tattoo-Studios ihre Türen öffnen dürfen, stimmt angesichts der sonstigen vielen Verordnungen und Regulierungen nachdenklich. Anscheinend beschäftigt das EU-Parlament sich lieber mit Kirschen, Tomaten und Gurken, die nicht verordnungskonform gewachsen sind (…).

Die Tätowiermittelverordnung aus 2008 des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz regelt, welche Kennzeichnungspflichten Tätowierfarben aufweisen müssen und welche Stoffe verboten sind. Laien werden damit allerdings nicht viel anfangen können und gerade junge Leute dürften dazu neigen, sich vor der Entscheidung für ein Tattoo nicht umfassend darüber zu informieren, ob der Totenkopf auf dem Oberarm oder das Arschgeweih auf dem Hintern nicht doch eines Tages zur Zeitbombe für die Gesundheit mutieren kann.

Das Magazin Spektrum der Wissenschaft ließ am 13.09.2017 in dem Beitrag „Nanoteilchen wandern in Lymphknoten“ wissen, dass die Gefahren für den Körper noch nicht geklärt seien. „Beim Tätowieren injiziert man eine Mischung aus Trägerflüssigkeit und Pigment in die Lederhaut. Welche Farbstoffe dabei zum Einsatz kommen, ist bisher nur zum Teil reguliert; verboten sind zum Beispiel bestimmte Azofarbstoffe und p-Phenylendiamin. Es gibt aber keine Positivliste der sicheren Farbstoffe – eine verlässliche Risikobewertung von Tätowiermitteln sei wegen fehlender Daten nicht möglich, stellte das BfR 2013 fest“, ist in dem Beitrag zu lesen. Dort steht ferner, dass eine Arbeitsgruppe um Andreas Luch vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Bestandteile von Tattoopigmenten im menschlichen Körper mittels Röntgenfluoreszenz verfolgt habe. Auch laut „Scientific Reports“ gelange ein beträchtlicher Teil der Farben aus der Haut in andere Gewebe, besonders in die Lymphknoten.

Mehr als 100mal sticht ein Tätowiergerät pro Sekunde zu. Die Farbe gelangt dabei bis zu drei Millimeter tief in die Haut. Was der Stoffwechsel mit der Farbe in den Folgejahren macht, ist zumeist nicht sichtbar. Tattoofarbe ist und bleibt ein Fremdstoff und das Immunsystem wird versuchen, damit umzugehen. In einem kurzen Videobeitrag (siehe ggf. unten), den Gerhard Eggetsberger über seinen Videokanal veröffentlichte, wird plakativ dargestellt, wie es der Lymphe mit den Tattoofarben geht. Doch abgesehen von der Farbe, die den Organismus in aller Regel mehr oder weniger belasten dürfte, stellt sich auch die Frage, wie permanente Darstellungen von Drachen, Totenköpfen, magischen Symbolen, Spinnen, Kreuzen, Tierköpfen und was der Tattoo-Markt sonst noch zu bieten hat, als „Information“ auf Geist und Seele des tätowierten Menschen wirken. Untersuchungen dazu gibt es meines Wissens nicht. Insofern bleiben dazu nur Mutmaßungen.

Mit dem Thema Tätowierungen hat sich auch Dr. phil., Diplom-Päd. Tobias Lobstädt beschäftigt. Er untersucht in seinem Buch „Tätowierung, Narzissmus und Theatralität“ die Bedeutung des Selbstwertgefühls und seiner narzisstischen Erhaltungsmechanismen. Beschrieben werden darin körperliche Gestaltungstechniken des Selbst, die sich auf den urbanen Bühnen und im Spiegel des Gegenübers abzeichnen oder durch internalisierte Objekte zur Selbstreflexion werden. Erarbeitet wurde darin, in welcher Weise sich diese Verfahren auf der sozialen Körperoberfläche abzeichnen und welche psychischen Funktionen Tätowierungen für ihre Träger/innen erfüllen. Seine Thesen hat Dr. Lobstädt anhand von über 20 Interviews mit jungen Erwachsenen überprüft, dokumentiert und ausgewertet. Quelle: https://www.tobias-lobstaedt.de/autor/schrift/

Weitere Buchhinweise zum Thema sowie Fachartikel sind auf der Seite von Dr. Lobstädt zu finden.

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Und wer den Vortrag über „Die normopathische Gesellschaft“ von Dr. Hans-Joachim Maaz noch nicht kennt…hier ist er nochmal:

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