Satsang mit Bodhi-Gunda

Meditationsführung durch die innere Weide

Kuh photo
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Das wohl vielen Menschen innewohnende Bedürfnis nach Sinnfindung führt die eine oder den anderen zu aktuell inkarnierten oder bereits im Nirwana frohlockenden Zeitgeistern, die sich die Sinnstiftung auf die Fahnen, oder womöglich das dritte Auge, geschrieben haben. Events wie „Satsang mit Fridolin“, „Wochenenergien gechannelt von Walter“ oder ein Retreat mit einem in weiße Tücher gehüllten Segensbringer, der die suchenden Seelen mit verklärten Augen durchdringt und zum gemeinsamen „OM-Rezitieren“ aufruft, bieten in New (c)Age-Zeiten jede Menge Projektionsräume für Illusionen, vielleicht auch die Hoffnung auf Erleuchtung. Und daneben kosten diese „Events“ meistens noch einen Haufen Geld!

Frieda, in Ostfriesland geboren und aufgewachsen, ist da eher pragmatischer und hält sich an die schwarz-weiß-gefleckte Milchkuh Bodhi-Gunda. Wenn Bodhi-Gunda – solide geerdet – im Sommer auf der satt-grünen Weide wiederkäut, nicht die Ruhe verliert, sogar noch im Flow ist, während sich eine Armee insistierender Natur-Drohnen („Fliegen“) am Sekret in den Winkeln der wohlwollenden Kuhaugen labt, erkennt doch der beobachtende Mensch ein hohes Maß an Gelassenheit, das der Tierwelt – sofern man ihr ein naturnahes Revier überlässt – scheinbar auf die Wiese gelegt wurde. Frieda findet, es gibt kaum etwas Entspannenderes als den Anblick wiederkäuender Kühe auf einer Sommerweide in Ostfriesland.

Einfach mal wieder meditieren…

Zu Friedas allabendlicher Burnout-Prophylaxe-Meditation gehört so auch die Reise zu der „Inneren Weide“. Teelicht an, Ayurveda-Prana-Qui-Teebeutel auf den Solar Plexus legen, Augen zu und locker machen. Die innere Weide zeigt sich vor dem geistigen Auge. Pusteblumen und Sauerampfer verleihen der Weide eine pittoreske Kontrastierung. Eine alte Emaillebadewanne dient Bodhi-Gunda und ihren Freundinnen als Wasserreservoir. Am Horizont der Traktor von Bauer Eckart Zwolle. Selbiger sitzt in stoischer Ruhe vor dem Lenkrad, eine alte Ausgabe der Ostfriesenzeitung auf dem Schoß und „Ecki“ findet gerade gar nichts interessant. Wallhecken säumen das weite Land in der Nähe der Nordseeküste. Heuballen spenden Schatten vor der Sonne, die sich auch in Ostfriesland nicht mehr so oft wie früher am blauen Himmel zeigt. Das synchrone Quaken einiger Frösche tönt aus einem Graben. Eine leichte Brise weht über die Felder. Und atmen…

Plötzlich, zunächst schemenhaft, taucht Bodhi-Gunda mit ihren großen, wissenden Kulleraugen auf. Ihre prall gefüllten Euter erinnern an die Ur-Quelle allen Lebens, die Bodhi-Gunda-Natur. Ihr wenngleich einsilbiges, aber nicht minder durchdringendes „Muh“ hat Transformationspotenzial. Kein Koan von einem Zen-Mönch kann Budhi-Gunda das Weihwasser reichen, wenn ihr „Muh“ ertönt. „Muh“ sagt alles und „Muh“ sagt nichts. Bodhi-Gunda ist im Hier und Jetzt. Die Kuh und die Weide sind eins. Bodhi-Gunda hält keine langen Reden über Erleuchtung und sie verlangt keinen „Energieausgleich“ in Form von Silbermünzen oder Papiergeld.

Bodhi-Gunda ist die inkarnierte Güte schlechthin. Weder urteilt sie noch gibt sie vor, dass sie den Weg zum Erwachen kennt und alle anderen Tiere Schlafschafe seien. Bodhi-Gunda braucht kein schamanisches Krafttier. Bodhi-Gunda ist ihre eigene Meisterin. Die Weisheit ihrer animalischen Natur strahlt eine immanente Ruhe aus, lässt den äußeren Lärm leiser werden. Wahrnehmungsgrenzen verschmelzen zu einem immerwährenden Kuhfladen, dem „Stirb und Werde-Heuhaufen“ auf dem Feld. Ein stilles Verstehen entsteht zwischen Tier und Mensch. Auch die telepathische Konversation mit Bodhi-Gunda ist schlicht und erfolgt über Augenkontakt.

War das etwa eben ein „OM“? Nein. Bodhi-Gunda bleibt bei ihrem „Muh“. Bodhi-Gunda ist konsequent und authentisch. Sie braucht es nicht, verehrt zu werden. Sie weiß, dass sie kein Säbelzahntiger ist und darum versucht sie gar nicht erst, wie einer zu wirken. Bodhi-Gunda for president! Bodhi-Gunda wirbelt ihren Schwanz hin und her, rechtsdrehend natürlich – und dematerialisiert sich schließlich in Richtung 5. Dimension.

Rückwärts zählen 3, 2, 1…

Allmählich zurück im Paralleluniversum. Was gibt’s Neues? Ein Blick aus dem Fenster: In den Nachbarwohnungen flimmern gefühlte 100 Fernsehbildschirme. Schmidkes von gegenüber gucken gerade die Tagesschau. Merkel…

Dann doch lieber Tee machen und das Radio anstellen: Andreas Bourani „Es geht vorbei….“

(c) Frieda

Monetäres für FRIEDAs Kaffeekasse