Rotkohl – Was ist das nochmal für’n Gemüse?

Der Rotkohl, das unbekannte Gewächs

Foto: https://unsplash.com/photos/0tqK8y4yVYI?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText

Bei Gemüse, Obst und Kräutern kaufe ich möglichst „bio“. Auf der anderen Seite: Wenn die eingefolten Möhren im Bioladen zunächst im LKW durch die gesamte Republik gekarrt wurden, erkenne ich den „Bio-Effekt“ wegen der Ökobilanz auch nicht mehr wirklich. Darum muss es für mich nicht immer zwingend „bio“ sein, wenn ich regionales und saisonales Gemüse „konventionell“ einkaufen kann, beispielsweise einen Rotkohl.

Regional und saisonal hat gegenüber Importware eine bessere Ökobilanz

Unter Ökobilanz versteht man übrigens eine Methode zur Einschätzung aller Auswirkungen, die Herstellungsprozesse von Produkten auf die Umwelt haben. Dabei werden verschiedene Stadien von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung, Verarbeitung und den Transport berücksichtigt. Dass regionale und saisonale Produkte in Sachen Ökobilanz immer besser sind als andere, versteht sich von selbst. Die Natur hat es freundlicherweise so eingerichtet, dass in den jeweiligen Jahreszeiten auch zufällig meistens genau die Produkte vor Ort wachsen, die der Mensch für die Versorgung mit seinen Nährstoffen braucht. Früher, als noch mehr Menschen ihren eigenen Garten zur Selbstversorgung hatten, war das sonnenklar und niemand machte sich Gedanken über normierte Ökobilanzen.

Je komplexer die Transportketten, desto mehr kann zudem gemauschelt werden. Dass es dabei zu Umdeklarierungen kommen kann, ist beispielsweise in einem Beitrag zu lesen, der auf https://bio-markt.info/kurzmeldungen/spiegel-betrug-mit-umdeklarierten-bio-karotten.html zu finden ist.

Buch direkt bestellen

Gut versorgt mit „regional und saisonal“ ist man ja ansonsten auch, wenn man auf dem Wochenmarkt einkauft und sich dort für genau die Händler entscheidet, die ihre Produkte noch weitgehend selbst anbauen. Doch nicht überall ist das Angebot an Wochenmärkten gleich groß. So muss zuweilen auf andere Einkaufsmöglichkeiten ausgewichen werden.

Das Obst-, Gemüse- und Kräuterangebot im nächstgelegenen Supermarkt, einem von jenen, die jede Menge Produkte mit dem WWF-Siegel anbieten, empfand ich mehrmals als sehr enttäuschend. Die von mir in Augenschein genommenen Produkte hatten „weder Geruch noch Geschmack“, stammten zu einem großen Teil aus fernen Ländern und das, obwohl es die gleichen Produkte auch hierzulande gibt.

Weil ich im norddeutschen „Bio-Laden“ keine Möhren aus Bayern kaufen will, machte ich mich jüngst auf die Suche nach anderen Einkaufsquellen und fand einen Supermarkt, dessen Filialleitung offenkundig Wert auf regionale Produkte legt. Neben einigen anderen Gemüsesorten entschied ich mich für einen Rotkohl, der zusammen mit einigen Artgenossen – ohne Folie – in der Gemüseauslage des Supermarktes von vielen anderen Kunden offenbar übersehen wurde. Ein indiskreter Blick in die Einkaufswagen meiner Mitmenschen vor Ort offenbarte den möglichen Grund dafür – jede Menge TK-Produkte und Konserven.

…ohne Worte…

Wenn ein Supermarktkassierer nicht weiß, was ein Rotkohl ist…

An der Kasse schließlich legte ich den Kohl mit den anderen Waren, darunter noch ein Spitzkohl, Feldsalat, Möhren aus der Region und Rote Bete, auf das Förderband. „Was is‘n das nochmal für‘n Gemüse?“, fragte mich der junge und recht blasse Kassierer, als der Rotkohl an der Reihe war, denn er enthielt kein Strichcode-Etikett. „Bei diesem Wunder der Natur haben wir es mit dem gemeinen Rotkohl zu tun, einem traditionellen Wintergemüse, das sich sehr vielseitig zubereiten lässt, roh oder gegart. Die rote Färbung stammt übrigens vom hohen Anteil an Anthocyanen. Das sind Pflanzenfarbstoffe, die sehr gesund sind. Rotkohl hat zudem einen relativ hohen Gehalt an Vitamin C und Eisen“, ließ ich den anämisch wirkenden Mann wissen, dessen Alter vielleicht so zwischen 20 und 25 anzusiedeln war.

Buch direkt bestellen

Er suchte nun in einer Liste nach dem entsprechenden Code, tippte, insgesamt eher uninteressiert an meinen Erläuterungen, schließlich die Zahlenreihe in die Kasse ein, um Gewicht und Preis zu ermitteln. Neben der Kasse stand eine Plastikflasche mit einem grünlich aussehenden „Energy-Drink“, wohl das Pausengetränk des Angestellten. Tja, was will man erwarten?

Dass die mangelnde Kenntnis über regionale und saisonale Obst-, Kräuter- und Gemüsesorten bei vielen Menschen, insbesondere bei denen der jüngeren Generation, keine Seltenheit mehr zu sein scheint, bestätigten mir inzwischen einige befreundete Hobby-Köchinnen aus meinem Umfeld, die beim Einkaufen schon ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Schade eigentlich.

Promis wie Heidi Klum, Moritz Bleibtreu, Jürgen Vogel, Christian Ulmen und viele andere mach(t)en schließlich auch Werbung für Mac Donalds oder, wie Thomas Gottschalk, für Gummibärchen, und nicht für den heimischen Rotkohl.

Zur Erinnerung: Das sind diese Leute, die u.a. einen Haufen Geld damit einsacken, dass wir „Rundfunkzwangsgebühren“ zahlen müssen, damit sie sich Prunkvillen und hochpreisige Autos gönnen können…

Buch direkt bestellen

Ernährungslehre auf den Lehrplan!

Wenngleich die Lehrerschaft hierzulande gern klagt und häufig mehr Geld einfordert, obwohl gerade dieser Personenkreis insgesamt aus meiner Sicht recht privilegiert ist, scheinen die heutigen Lehrer nicht mehr in der Lage zu sein, unserem Nachwuchs elementare Kenntnisse über Ernährung zu vermitteln. Das sollten sie aber tun, wie ich finde, da leider inzwischen auch in vielen Familien das Ernährungsverhalten nicht mehr an „regional und saisonal“ orientiert ist.

In staatlichen Einrichtungen hält man sich an die „offiziellen Empfehlungen“ der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) und die Ernährungspyramide, wenn überhaupt. Und was die Unabhängigkeit der DGE angeht, bestehen berechtigte Zweifel. Siehe dazu: EU-Lebensmittelbehörde wird Lobbyisten nicht los: http://www.spiegel.de/wirtschaft/report-viele-lobbyisten-in-der-europaeischen-lebensmittelbehoerde-efsa-a-929376.html

Darum plädiere ich dafür, Fächer wie Ernährungslehre und Hauswirtschaft schon in der Grundschule mit auf den Lehrplan zu nehmen. Zum Weiterlesen: DEUTSCHLANDS KRANKE KINDER – ÜBER EIN BUCH VON ULRIKE VON AUFSCHNAITER: https://frieda-online.de/deutschlands-kranke-kinder/

Tja, und was den WWF betrifft, empfehle ich den Film „Der Pakt mit dem Panda“ und das gleichnamige Buch des investigativen Bremer Journalisten Wilfried Huismann.

Buch direkt bestellen

Monetäres für FRIEDAs Kaffeekasse