Risiko Silikonimplantate

Die Schattenseiten der schönen neuen Brüste

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Laut dem Statistik-Portal Statistica betrug die Anzahl der Frauen in Deutschland, die sich aus ästhetischen Gründen für eine Brustvergrößerung mit Silikonimplantaten entschieden haben, allein im Jahr 2015 mehr als 53.000. In den USA waren es 2015 310.000 Frauen, in Brasilien rund 166.000. Nicht berücksichtigt sind in diesen Zahlen die Fälle aus der Rekonstruktionsmedizin.

Silikonimplantate – Was die Schönheitschirurgie gern unter den Teppich kehrt

2013 erregte Angelina Jolie weltweites Aufsehen mit der Information, sie habe sich aus Angst vor Brustkrebs präventiv die Brüste amputieren lassen. Diese Angst wurde der Weltöffentlichkeit von den Medien als „Mut“ präsentiert. Überraschend schnell waren die Brüste der Schauspielerin mittels Implantaten dann allerdings wieder hergestellt.

Die medienwirksam aufbereitete Story führte weltweit zu einer nahezu „epidemischen Nachahmung“. Es war sogar von einem „Angelina-Jolie-Effekt“ die Rede. In der öffentlichen Diskussion kamen seinerzeit allerdings kaum die Frauen zu Wort, bei denen sich gesundheitliche Probleme nach einer solchen Operation zeigten. Nach wie vor wird das Einsetzen von Brustimplantaten oft als harmloser Eingriff dargestellt.

Brustimplantat – wer schön sein will, muss oft leiden…

Im Rahmen von Nachsorgeuntersuchungen ist Implantatversagen häufig nicht zuverlässig – wenn überhaupt – festzustellen. Ausgetretenes Silikon kann lokale Gewebereaktionen verursachen, sich im Körper verteilen und sich beispielsweise in den Lymphknoten der Achselhöhle ansammeln. „Bis heute finden Frauen mit Komplikationen nach Brustimplantationen kaum fachliche Hilfe. Fehldiagnosen und Fehltherapien verschlimmern oft noch die körperlichen und seelischen Beschwerden. Hinzu kommt die Stigmatisierung von Seiten der Gesellschaft und der Fachwelt, welche betroffene Frauen in eine große Verzweiflung und in die Isolation abdrängen“, ist auf der Internetseite der Schweizer Selbsthilfe-Gruppe für silikon-geschädigte Frauen zu lesen.

FRIEDA sprach mit einer Repräsentantin der Selbsthilfegruppe

FRIEDA: Über welche gesundheitlichen Beschwerden berichten die Frauen in Ihrer Selbsthilfegruppe am häufigsten?

SSF: Beim Auftreten der lokalen Komplikationen wenden sich die Frauen meist direkt an den Operateur. Ich sende Ihnen einen Auszug von verschiedenen Anfragen, die für sich sprechen.

Anm.: FRIEDA: Hier ein Auszug der Anfragen:

Exemplarischer Auszug aus Mailanfragen an SSF Schweiz

„In den Jahren danach hatte ich bei bisher sehr guter Gesundheit zunehmend Probleme: Hautausschläge, sehr trockene Haut , Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, Depression, Rückenschmerzen, hohe Entzündungswerte oft ohne Ursachen, dann entzündete und kariöse Zähne trotz guter Pflege.“

„Ich bin erkrankt mit vielen Symptomen. Kein Arzt stellt eine Diagnose. Seit gestern beschäftige ich mich zum 1. Mal mit dem Gedanken, dass meine Silikonimplantate, die seit 6 Jahren in meinem Körper sind, die Ursache sein könnten. Ich habe Angst, weil es mir körperlich alles andere als gut geht.“

„Schon viele Jahre leide ich unter einer Verkapselung und Krämpfen im Brustmuskelbereich. Nun habe ich seit ein paar Jahren zunehmend diffuse Beschwerden, die für die mich behandelnden Ärzte nicht erklärbar sind und dementsprechend auch nicht behandelt werden können. Ich leide unter Schmerzen unterschiedlicher Art, Taubheitsgefühlen und Missempfindungen im Hals- und Kopfbereich, Tinnitus und mittlerweile auch starken Stimmungsschwankungen. Da ich keinen Zusammenhang mit meiner sonstigen seelischen Verfassung feststellen kann und auch nicht unter besonderen seelischen Belastungen leide, denke ich nun mehr und mehr, dass ich vielleicht unter einer silikonbedingten Unverträglichkeit oder sogar schon unter einer Schädigung leide.“

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„Man hat das Gefühl, gegen eine ‚Wand‘ zu laufen, weil einem keiner helfen kann/will und weil viele Ärzte in der Hochburg der Schönheitschirurgie das Problem einfach nicht wahrhaben wollen… Es ist wirklich so, dass auch so viele Jahre nach Bekanntwerden der Problematik immer noch eine ungeheure Ignoranz vorliegt. Diese ist vermutlich auch verbunden mit einer Angst vor möglichen Klagen. Das Hauptproblem wird jedoch sein, dass die Chirurgen für viele der Symptome keine Lösung haben und diese deshalb ausblenden. (Man richtet sich lieber an Erfolgen aus…)“

„Mein größtes Problem ist vor allem die schlechte Konzentration, das Gefühl, sich nicht mehr freuen zu können, einfach nicht mehr man selbst zu sein.“

„Was ich erst jetzt weiß (weil ich an den Füßen spürte, dass diese immer brannten und kribbelten, inzwischen ist das am ganzen Körper), ist, dass die Prothesen einem ‚Micro-Bleeding‘ unterliegen, dass das Zeug in extrem feiner Form austritt und die Nerven sowie die Leber kaputtmacht. Jetzt habe ich schon unerklärlich hohe Leberwerte, man ist dann schnell Alkoholiker hier. Der plast. Chirurg meinte: Über die neuen Implantate kann ein LKW drüberfahren. Die gehen nie kaputt…“

„Mein Name ist …, und ich bin sehr verzweifelt! Vor acht Jahren habe ich mir Implantate einsetzen lassen. Es war ein lang gehegter Wunsch, den ich mir ‚erfüllt‘ habe. Heute habe ich unerklärliche und immer stärker werdende Muskel- und Gelenkschmerzen! Alles begann vor ca. 2 Jahren, erst waren es nur Muskelschmerzen in den Beinen, die sich schnell auf die Arme ausbreiteten. Ab da begann meine Arztodyssee. Unter anderem wurde eine Woche lang stationär abgeklärt, ob es neurologisch oder entzündlich/rheumatischen Ursprungs ist. Alles ergebnislos! Da ich laut Ärzten „gesund“ bin, bleibt nur noch der Verdacht, dass die Implantate der Auslöser sind. Da meine Symptomatik mittlerweile unerträglich geworden ist, ich seit Monaten keine Nacht mehr schlafen kann, habe ich mich entschieden, die Implantate entfernen zu lassen. HABE GROßE ANGST DAVOR, DASS ICH MIT DEM ERGEBNIS NICHT UMGEHEN KANN!“

„Ich hatte 15 Jahre ein Silikonbrustimplantat und mein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich seit der Implantation Jahr für Jahr mehr, so dass ich mir im Sommer das Implantat schließlich wieder entfernen ließ. Meine Beschwerden sind schwere chronische Erschöpfungszustände, Müdigkeit, schwere Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Muskelschwäche, schmerzhafte Lymphknoten, Haarausfall, Pigmentstörungen, Hautausschläge.“

„Nach einem halben Jahr bekam ich eine Kapselfibrose re. (Backer 3). Das wurde operativ beseitigt. Gleichzeitig bekam ich Gelenkschmerzen zuerst in den Knien, dann Steifheit und Schmerzen in beiden Handgelenken. Ich erwähne, dass ich davor kerngesund gewesen bin. Medizinisch wurde alles abgeklärt und es wurde nichts gefunden. Die Beschwerden sind jetzt so stark, dass ohne Schmerzmittel gar nichts geht. Ich weiß im Moment nicht weiter, bin total verzweifelt, kann meinen Beruf kaum noch ausüben, auch die einfachsten Sachen im täglichen Leben bereiten mir Probleme aufgrund starker Schmerzen.“

FRIEDA: Silikon ist und bleibt ein körperfremdes Material, auf das der menschliche Organismus auf unterschiedliche Weise reagieren kann. Glauben Sie, dass über die möglichen Risiken und potenziellen Kombinationswirkungen überhaupt ausreichend mittels unabhängigen Studien geforscht wurde?

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SSF: Definitiv nicht! Das war unser Hauptanliegen über viele Jahre: Systematische Sammlung von Daten und eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene.

FRIEDA: Die Argumentation „pro Brustimplantat“ geht ja häufig in die Richtung, dass man heute viel bessere Materialien habe als früher. Wie sehen Sie das?

SSF: Es gibt sicher immer wieder Verbesserungen – aber auch immer wieder neue Probleme… Viele Komplikationen bleiben trotzdem bestehen. Es ist und bleibt ein Fremdkörper.

FRIEDA: Sind Brustimplantate aus körpereigenem Gewebe aus Ihrer Sicht eine Alternative zu Silikon-Implantaten?

SSF: Wenn Frauen aus ästhetischen Gründen die Brust vergrößern/“anpassen“ lassen, sind sie kaum bereit, zusätzliche Narben und allenfalls Muskelausfälle in Kauf zu nehmen. Anders kann es bei Frauen nach einem Brustverlust aussehen. Sie haben keine so großen „Ansprüche“, d.h. für sie ist die Annäherung an ein normales Brustbild schon eine große Entlastung. Sie sind ja meist mit der Diagnose Brustkrebs gefordert. Da sind sie (zunächst einmal) schon sehr froh, dass der Verlust der Brust kompensiert werden kann, selbst bei einem unbefriedigenden Resultat.

FRIEDA: Bleiben Frauen nach Brust-Implantaten lebenslang Patientinnen?

SSF: Hier spricht man wohl eher von Klientinnen. Auch ohne Komplikationen müssen sie sich tatsächlich lebenslang mit dem Umstand auseinandersetzen, ein Brustimplantat zu tragen. D.h. regelmäßige Nachuntersuchungen, anstelle von Mammographie die teurere MRI- und/oder Ultraschalluntersuchung! Jedes traumatisches Geschehen, Unfall, Schlag auf die Brust etc. wird große Unsicherheit auslösen. Treten dann Beschwerden auf, für die es keine Erklärung zu geben scheint, wächst die Unruhe. Wenn sich der Verdacht im Kopf festgesetzt hat, kommen oft wachsende Schuldgefühle auf: Was habe ich mir angetan, was meiner Familie? Hinzu kommen nicht selten finanzielle Sorgen…

FRIEDA: Einige Ärzte, darunter Dietrich Klinghardt, machen Umweltgifte, besonders Quecksilber, für die Entstehung von Brustkrebs mitverantwortlich. Ist Ihnen bekannt, ob Frauen, denen nach einer Brustkrebsdiagnose eine Amputation empfohlen wurde, von den behandelnden Medizinern über mögliche Zusammenhänge mit Umweltgiften aufgeklärt worden sind?

SSF: Ja, das haben Frauen auch schon erwähnt. Aber da sind wir nicht die richtigen Ansprechpartner. Was uns mehr beschäftigt, ist der Verdacht, dass Inhaltsstoffe der Brustimplantate den Körper belasten können. Aufgrund von Krankheitsbildern bei Implantatträgerinnen haben verschiedene Umweltmediziner schon früh auf mögliche Zusammenhänge hingewiesen.

FRIEDA: Was raten Sie Frauen, die sich für Silikon-Implantate entscheiden – sei es, weil sie selbst unzufrieden mit ihrer Brust sind, oder weil sie sich nach einer Amputation rekonstruktionsmedizinisch behandeln lassen wollen?

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SSF: In jedem Fall ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Ausgangssituation wichtig. Man sollte sich Fragen stellen wie:

– Wie sehr leide ich unter der Situation? (Der Leidensdruck entscheidet wesentlich mit, wie hoch die Risikobereitschaft ist.)

– Will tatsächlich ich selber die Brustvergrößerung/-rekonstruktion oder gibt es Druck von außen? (Der gesellschaftliche Druck „perfekt“ zu sein, ist enorm!)

– Bin ich mir bewusst, dass ich nach der Implantation einen Fremdkörper unter der Haut trage, den ich nicht kontrollieren kann?

Es wäre sehr gut, wenn die Situation mit einem Partner/einer Freundin mehrmals besprochen werden kann. So bekommt man eher einen Einblick in die Problemstellung und vielleicht auch, ob sich mit einem Eingriff die Risiken rechtfertigen.

Der weitere Schritt ist dann der Besuch beim Chirurgen: Es kommt nur eine ausgewiesene Fachperson der Ästhetischen und Rekonstruktiven Chirurgie in Frage. (Dies ist keine Garantie für einen komplikationslosen Verlauf, aber zumindest sollte man davon ausgehen können, dass das Handwerk verstanden wird, auch bei Komplikationen.) Im Aufklärungsgespräch sollte es nicht nur die schönen „Vorher-/Nachher-Bilder geben. Die möglichen Komplikationen und Folgekosten sollten ebenso ehrlich kommuniziert werden. (Chirurgen/Chirurginnen, welche keine solche Fälle kennen, sollte man sich auf keinen Fall anvertrauen!) Bei einem Entscheid für den Eingriff sollte nicht nur das Honorar für die OP vorhanden sein, auch für mögliche Folge-OP sollte man stets gewappnet sein.

Und falls es nach allen Erwägungen bei der Entscheidung für Implantate bleibt, sollte man im Vorfeld Folgendes bedenken:

Folgeuntersuchungen sind sehr wichtig, auch dann, wenn es keine Komplikationen gibt! Mit zunehmendem Alter der Implantate sollte man jährlich deren Zustand prüfen. Treten Probleme auf, sind bildgebende Untersuchungen (MRI, Ultraschall) unerlässlich. Bei rupturierten Implantaten muss ein Ersatz/eine Entfernung sorgfältig geplant werden. Eine fachgerechte Explatation („en bloc“) ist enorm wichtig! Eine Explantation/ein Ersatz muss auch bei Krankheiten, für die es keine Erklärung gibt, in Betracht gezogen werden – natürlich nach sorgfältigen Abklärungen.

FRIEDA: Vielen Dank für die Informationen und das Gespräch!

Ggf. zum Weiterlesen:

Mammografie – Pseudoprävention?, Die Heilung der Mutterwunde durch die eigene Stimme, Spenderkinder ohne Lobby, Der männliche Gebärneid, Blut und Bewusstsein, Pfusch an der Frau, Emanzipation mal anders betrachtet, Kundenbindung mittels Hormonspirale

Ergänzung am 03.11.2017: Heute stieß ich auf einen schönen Beitrag zum Thema Heilung der Weiblichkeit:

http://transinformation.net/6-wesenszuege-des-verzerrten-weiblichen-und-5-wege-die-natuerliche-weiblichkeit-in-uns-zurueckzubringen/

Ansonsten: Wenn ein Mann deine Brüste nicht mag, sind nicht die Brüste falsch, sondern der Mann! 😉

FRIEDAs Kaffeekasse:

Danke.

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