Rentenversicherung: Der große Wurf!

Lebenszeit wird auf 72 Jahre verkürzt!

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Vorsicht Satire!

ein Gastbeitrag von Christa Schyboll:

Bundeskanzlerin gibt Regierungserklärung ab!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

mit Freude kann ich Ihnen mitteilen, dass der großen Koalition nach langwierigen, zähen Verhandlungen gemeinsam doch noch eine große Rentenreform gelungen ist, die in ihrer Nachhaltigkeit bis 2085 garantiert werden kann. Kernpunkt ist das Verscheiden der Bundesbürger mit Vollendung des 72. Lebensjahres.

Natürlich mussten wir Kompromisse eingehen, wie beispielsweise hier und da eine Grundgesetzänderung vornehmen, aber das Endergebnis wird nicht nur unserer heutigen, sondern auch den nachfolgenden Generationen Sicherheit und Wohlstand auch im Rentenalter sichern. Nachdem die juristischen Hürden nun alle genommen wurden, kann ich Ihnen heute die Ergebnisse im Einzelnen präsentieren. Die Feinheiten der Ausführungsverordnungen und Interpretationen der einzelnen Gesetzespunkte wird die zuständige Ministerin im Anschluss an meine Worte erläutern.

Ich stelle Ihnen nun die Eckpunkte der großen Rentenreform vor:

  1. Die Bundesregierung beschließt ein neues Ministerium, das den Namen trägt: „Bundesministerium für ent- und verschiedene Bundbürger“ (BunevBü). Hauptaufgabe dieser neuen Bundesbehörde wird sein, die Voraussetzungen für das Gelingen der großen Rentenreform zu garantieren. Die Mitglieder einer noch neu zu wählenden Ethikkommission, zu der auch mindestens ein Imam gehören wird, werden in alle Belange mit eingebunden.
  1. Die Lebenszeit der Bundesbürger wird auf 72 Jahre verkürzt.

Dieser Entscheidung ging eine lange Debatte voraus, die die Abgeordneten des Deutschen Bundestages mit einer Reihe von Expertengremien führten. Diese waren u.a. aus der Versicherungswirtschaft, der Bestattungsindustrie, der Katholischen Kirche und insbesondere auch den muslimischen Verbänden. Zur Diskussion standen u.a. die Lebensalterverfügungen von 70, 72 oder 75 Jahren. Warum wir die Zahl 72 wählten, wird Ihnen später Ministerin Nahles näher erläutern. Denn nichts geschieht in dieser großen Reform ohne gründliche Prüfung und gewichtige Argumente.

  1. Zum Ausgleich für eventuell entgehende Lebensfreuden aufgrund  des früheren Verscheidens in manchen Fällen, kann die Rente um 27,8 Prozent in Ost und West ab sofort erhöht werden.

Mit dieser Rentenerhöhung können auch die bisherigen Sozialrentner in die Lage versetzt werden, vom 67. bis zum 71. Lebensjahr in den staatlichen Urlaubs-Heimen am Mittelmeer noch einen wunderschönen Urlaub zu genießen. Diese staatlich betriebenen Urlaubsheime werden in Antalya, auf Lesbos und auf Mallorca errichtet. Ein besonders großer Komplex jedoch wird Prora auf Rügen darstellen, der sich bereits in einer neuen Sanierungsphase befindet. Der Eigenanteil an diesen Freizeitmaßnahmen wird sozialverträglich gestaltet.

Unseren Mitbürgern mit türkischen, griechischen oder spanischen Wurzeln wird zudem für diese Urlaube ein besonderes Platzkontingent zur Verfügung gestellt, damit sie ihre letzten Angelegenheiten regeln sowie den Abschied vor Ort vollziehen können. In den nächsten Jahrzehnten planen wir noch weitere Heime, beispielsweise in Eritrea und Syrien. Da die meisten Verscheidenden jedoch ihre Wurzeln in der Bundesrepublik haben, wird Prora unsere besondere Förderung erhalten.

  1. Das pünktliche Verscheiden zum 72. Lebensjahr ist wie folgt gesetzlich geregelt.
  1. Natürlicher Tod
  2. Unnatürlicher Tod
  3. Unfreiwilliger Tod

Zu Punkt a)  – Natürlicher Tod

Hier handelt es sich um ein friedliches Hinscheiden aus den bisher uns allen bekannten  Gründen: Krankheit oder Siechtum aufgrund von Alter. Da aufgrund erhöhter Lebenserwartung das natürliche Siechtum für 72jährige in immer weniger Fällen nachhaltig greift, werden die bekannten Todesursachen wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen Hauptursache des Verscheidens bleiben. Wer diesen natürlichen Tod favorisiert, sollte sich prophylaktisch spätestens ab Vollendung des 60. Lebensjahres darauf einstellen, ab sofort jede sportliche Aktivität zu unterlassen, keine Beipackzettel von Medikamentenpackungen mehr zu lesen und auch auf Diäten aller Art zu verzichten. Zum Ausgleich empfiehlt sich jedoch täglicher Rotwein, der auch mehr als ein Gläschen beinhalten darf. Vor allem aber sollte man spätestens ab dem 60. Lebensjahr ungehemmt und in vollen Zügen sein Leben genießen. Dadurch erhöht sich die Chance auf ein natürliches Sterben um ein Vielfaches, was von staatlicher Seite unterstützt wird. So wird die Alkoholabgabe für Konsumenten ab dem 60. Lebensjahr nicht mehr versteuert.

Für die Personengruppe, die lebenslang ein gesundheitlich vorbildliches  Leben führte und sich im Alter nicht mehr umstellen kann oder mag, bieten wir staatlicherseits ab dem 70. Lebensjahr eine kostenlose Irrfahrt an.

Sie betrifft derzeit Reisen in die großen Sandwüsten Sahara und Gobi, die Wasserwüsten von Atlantik und Pazifik, den Dschungel von Vietnam oder den Kongo, sowie – für die etwas betuchteren Bundesbürger – auch Reisen in die Eiswüsten von Arktis und Antarktis. Ein finales Verirren mit einem unvermeidlichen Verscheiden, nach Wunsch alleine oder in einer kleinen Gruppe, wird garantiert. Ein natürliches Versterben durch Verdursten, Verhungern, Ertrinken oder Erfrieren ist in der Regel die Folge. Erfrieren ist dabei die angenehmste Variante, wie uns die ärztliche Expertenkommission bestätigte. Diese Art des Verscheidens allerdings bedingt einen Eigenanteil von 25 Prozent der Reisekosten ohne Rückkehr.

Zu Punkt b)  – Unnatürlicher Tod

Diese Variante steht jenen Bundesbürgern offen, die am natürlichen Tod keinen Gefallen finden und die Sache beschleunigen möchten, um nicht gesetzesbrüchig zu werden.

Das Angebot von staatlicher Seite umfasst

  • Die Gabe von tödlich wirkenden Medikamenten (Pharmaindustrie)
  • Die Gabe von hochwirksamen Giften (ökologische Produkte wie Fingerhut oder Fliegenpilz)
  • Absichtliches Verscheiden durch Verkehrsmittel wie Bus, PKW, LKW, Bahn – für dessen zielgenauen Einsatz das Ministerium sorgt.
  • Das Verscheiden durch das Verlassen eines Flugzeuges in ca. 10.000 Meter Höhe bedingt einen Eigenanteil von 50 Prozent. Überlebt man den ersten Sprung wider Willen, erhält man jedoch ein Bonusfreijahr an Lebenszeit. Zu diesen Bonuslebensjahren sage ich gleich noch etwas.

In allen Fällen dieser Art von Verscheiden stellt der Staat nicht nur entsprechende Schmerzmittel und Opioide zur Verfügung, sondern auf Wunsch auch ein Begleitteam von Fachleuten aus der Hospiz-Bewegung, der Seelsorge, Psychologie oder aus dem Schauspielfach „Komik/Schwarzer Humor“, um den Hinscheidenden in seinen letzten Stunden adäquat zu begleiten.

Es wurde erwogen, auch aktive Einsätze in Kriegsgebieten mit einzubeziehen. Aber nach längeren Erwägungen von Detailbetrachtungen, wie denn eine 71jährige Rentnerin mit dem Sturmgewehr den Taliban gegenübergestellt werden könnte, wurde auf diese Möglichkeit verzichtet, damit sich die gegnerische Seite nicht über den Einsatz unserer Bundeswehr am Ende noch totlacht und der Tote auf der falschen Seite in diesem Fall zu verorten ist.

  1. Unfreiwilliger Tod

Eine Reihe von Bundesbürgern bevorzugt eventuell eine dritte Variante und kommt aufgrund ihres schwierigen Charakters, oder ihrer lebenslang eingeübten Protesthaltung gegen alles Staatliche, nicht pünktlich und freiwillig diesem neuen Rentenreformgesetz nach. In diesen Fällen ist der Staat verpflichtet, die Abteilung „Ab Marsch!“ des Bundesministeriums für ent- und verschiedene Bundesbürger zu informieren und zu instruieren.

Hierfür gibt es einen gesonderten Ablaufplan, der die verschiedenen Möglichkeiten des Verscheidens regelt. Er richtet sich unter anderem sowohl nach dem Status des Sterbeunwilligen, seines Vermögens, dem Wert und der Lage seiner Immobilie und dem Status seiner noch lebenserlaubten Nachkommen.

In jedem Fall handelt es sich bei der Maßnahme um eine Überraschungsaktion, der man in der Regel nicht entkommen kann. Sie kann am Tag oder auch in der Nacht ausgeführt werden. Es kann zuhause geschehen, im Kaufcenter oder am Urlaubsort. Die Details solcher Modalitäten richten sich nach dem Einzelfall. Zum Einsatz kommen dabei Schusswaffen, ein Strick, Glatteis, Klippen, Feuer, Bananenschalen oder sonstige Fußfallen beispielsweise an prekären Punkten, die ein schnelles Ableben begünstigen. Näheres kann Ihnen dazu gleich unsere zuständige Ministerin erläutern. Ihre Kommission hat da ganz hervorragend kreative Arbeit geleistet. Es mag in manchen Fällen zu mehrfachen Aktionen kommen müssen, sofern ein uneinsichtiger Bürger geschickt und mit krimineller Begabung fürs eigene Überleben vorgeht. Doch das wird die Ausnahme von der Regel sein, weil ein ständiges Verfolgtwerden den qualitativen Lebenswert der letzten Monate ja dramatisch sinken lässt.

Ich möchte Ihnen nun noch einen letzten Punkt aus dem umfangreichen Gesetzesvorhaben erläutern, bevor ich dann für die Details an die zuständige Ministerin das Mikrofon weiterreiche:

  1. Bonuslebenszeit

Nach langen Erwägungen und kontroversen Debatten haben wir uns für ein paar Ausnahmeregelungen für einige Berufsgruppen entschieden, die nach einer Staffelung entweder aufgrund ihrer Verdienste um das Volk oder aufgrund einer sachlich begründeten Notwendigkeit eine  Bonuslebenszeit geschenkt bekommen.

Folgende Bonuslebensjahre werden vergeben für:

  1. 3 Monate für Bürgermeister/innen und Stadtverordnete
  2. 1 Jahr für Todesspringer, die ihren Sprung aus 10.000 Metern Höhe überlebten und bereit sind, ein zweites Mal zu springen und Minister auf Bundes- und Landesebene, die mindestens sechs Monate ihre Ministertätigkeit ausübten
  3. 3 Jahre für Bundestagsabgeordnete
  4. 5 Jahre für Bundespräsidenten/innen und Bundeskanzler/innen
  5. 6 Jahre für Komiker, die nachweislich in der Lage sind, aufgrund ihrer Sichtweise Schaden des von drohender Depression betroffenen deutschen Volkes abzuwenden.

Aufgrund dieser Kernpunkte und einer Reihe weiterer Maßnahmen, die Ihnen gleich noch erläutert werden, ist eine großzügige Finanzierung der Renten dauerhaft garantiert. Daneben kommen flankierend positive Auswirkungen auch im Bausektor zum Tragen sowie auch in der Krankenversicherung, wo es bald eine spürbare Beitragssenkung geben wird. Staatliche Unterstützung erhalten jedoch einzelne Bereiche aus der Senioren-Bedarfs-Industrie, die zunächst  mit einem Einbruch zu rechnen hat, der jedoch durch neue Maßnahmen qualitativer Luxusgüter für Rentner, die nun erschwinglich werden, in Kürze wieder aufgefangen werden.

So. Und nun gebe ich das Mikrofon an unsere Ministerin weiter, die Ihnen für Fragen zur Verfügung steht. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

(Es erfolgt ein tiefes Schweigen in der Bundespressekonferenz)

Christa Schyboll, 2016

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