„Rat der Großmütter“

Im Gespräch mit Kristin Baege

„Großmütterkreis“
(c) „Rat der Großmütter“

„Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf“ ist eine aus Afrika stammende Weisheit. Sie bringt eine Menge zum Ausdruck und zeigt, dass es hierbei um ein Anliegen geht, das alle Menschen auf der Erde betrifft – und betreffen sollte. Ganz früher, als das Leben noch überwiegend und eng angebunden an die Rhythmen der Natur in Gemeinschaften stattfand, waren es gerade die älteren Menschen, die den Folgegenerationen mit ihrer Lebenserfahrung – und im besten Fall mit Rat und Tat – zur Seite standen.

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Durch die Industrialisierung haben sich gesellschaftliche Strukturen sehr verändert – mit Vor- und Nachteilen. Lebensrhythmen, die sich an der Stechuhr, an künstlichem Licht und am Lebensmittelangebot im Supermarkt orientieren, sind einige der „Errungenschaften“. Die sind zwar weder als gut noch als böse zu sehen, doch das alles hat Konsequenzen für die Lebensqualität der Menschen und die ökologische Situation der Erde – und auch auf das seelische und körperliche Wohlbefinden aller. Auch eine gewisse Entwurzelung gehört dazu, was besonders in Ballungsgebieten zu sehen ist, wo viele Menschen in Hochhäusern wohnen.

Wer in der Geschichte noch weiter zurückblickt, stößt auf gesellschaftliche Strukturen, die so organisiert waren, dass die Individuen in Gemeinschaften friedlich miteinander leben konnten. Es war nicht immer so, dass es Kriege gab! Überall dort, beispielsweise in der Steinzeit, war das Zauberwort für friedliches Zusammenleben Koexistenz und das Zaubermittel hieß Matriarchat. In den Interviews mit Dr. Hilde Schmölzer, Dr. Heide-Göttner-Abendroth und Iris Hammermeister wird näher beschrieben, was damit gemeint ist und wozu es führt, wenn sich Gesellschaften an patriarchal-hierarischen (imperialistischen) Strukturen und nicht (mehr) an der Mutterlinie im Besonderen oder an Ältestenräten im Allgemeinen orientieren.

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Manche Ideologien und besonders Religionen reduzieren Frauen auf ihre Teile, „verteufeln“ sie gar, versuchen sie „klein zu machen“. Das führte zu brüchigen Rollenidentitäten – bei Frauen und Männern gleichermaßen. Erfreulicherweise stieß gerade das Interview mit Iris Hammermeister „Die Heilung der Mutterwunde durch die eigene Stimme“ auch bei Männern auf positive Resonanz. Zumindest ist ganz deutlich zu spüren: Viele Menschen erkennen gerade jetzt bei der Suche nach heilsameren Gesellschaftsformen, dass die Bedeutung der Frauen über Jahrtausende nicht nur, teils gezielt, defragmentiert wurde, sondern auch, dass es in Zeiten des Wandels ganz besonders auf die Frauen ankommt – und auf Männer, die die Mütterlichkeit/Weiblichkeit in sich selbst integrieren.

Das übergriffige Sich-Einverleiben privater Angelegenheiten des (patriarchal-imperialistisch strukturierten) Staates wird gerade wieder daran deutlich, wie dieser Staat und seine Organe immer mehr in private Angelegenheiten eingreift, wie etwa in die Sexualerziehung der Kinder und die Gesundheitsprävention. Umso mehr sind all jene gefragt, die mit ihrer Lebenserfahrung ganz entscheidend dazu beitragen können, das „Informationsfeld“ um uns herum mit heilsamen Impulsen zu „imprägnieren“. Eine wunderbare Initiative von lebenserfahrenen Frauen ist „Der Rat der Großmütter“.

FRIEDA im Gespräch mit Kristin Baege vom „Rat der Großmütter“

FRIEDA: Wie auf der Seite vom „Rat der Großmütter“ zu lesen ist, fing 2004 alles an mit einem Treffen der „13 Weisen Alten“ aus indigenen Kulturen. 13 Großmütter aus Nord-, Mittel- und Südamerika, aus Afrika und Asien formulierten auf einer Konferenz ihre Empörung und ihren Unmut (ihre Besorgnis) über die rasante Ausbreitung von lebensverachtendem und Leben zerstörendem Verhalten großer Teile der Menschheit. Die Vision, ein neues, globales Frauenbündnis zu gründen, hatte sie zusammengeführt. Mit ihrer Stimme setzen sich diese Frauen mit ihrer Kraft für eine Zukunft ein, in der die Liebe zum Leben, zur Erde und zu all ihren Geschöpfen an erster Stelle steht. Worum geht es noch beim „Rat der Großmütter“?

Kristin Baege: Natürlich haben alle Stammeskulturen in Amerika, Asien und Afrika unter den Machtansprüchen, der Profitgier und der Expansion aus Europa extremes Leid erfahren. Der patriarchale Wahn: „Macht euch die Erde untertan!“ hinterließ aber gerade auch in Europa katastrophale Spuren. Auch hier wurden die Menschen, vor allem Frauen, die spirituell eingebunden waren in die Natur und ihre Gesetze und danach lebten, zu Abertausenden verfolgt, gequält, verbrannt, vernichtet. Und doch gibt es auch in Europa, wie überall, Menschen, die Anschluss an das alte Wissen haben, es bewahren und weitergeben.

(c) „Rat der Großmütter“

Wir Frauen vom Rat der Großmütter sind seit langen Jahren auf dem Weg, an das alte Wissen unserer Ahninnen und unsere Spiritualität zu erinnern, in uns wieder zu beleben und nach außen zu tragen. Auf dieser Basis fanden wir zusammen und sehen uns als „indigene“ Großmütter Europas. Unsere Gründung traf mit dem spektakulären Fund der ca. 40.000 Jahre alten Venus vom Hohlen Fels zusammen, einer Höhle, die sich in unmittelbarer Nähe unseres Treffpunktes befindet. Wir betrachten das Auftauchen der Urmutter als Zeichen für uns, als Ermutigung und Inspiration.

FRIEDA: Bei seinem Engagement betont „Der Rat der Großmütter“ besonders, wie wichtig es ist, die Ressourcen der Erde zu schonen. Das Ergebnis des Raubbaus mit der Natur offenbart sich uns ja täglich anhand der Vermüllung der Meere, der Situation der Böden, der Landwirtschaft, der Tierhaltung und auch anhand des Umgangs mit Wasser, das ja Quell des Lebens ist. Für diesen Umgang müssen die Verbraucher letztendlich die Zeche zahlen – durch immer höhere Gebühren für Energie und Müllentsorgung und auch immer höhere Kosten für Wasser und Abwasser, alles Bereiche, die eigentlich in Bürgerhand gehören sollten, inzwischen aber immer weiter privatisiert wurden. Auf der anderen Seite gehen nach wie vor viele Menschen, besonders in den Industrienationen, sehr verschwenderisch mit den Ressourcen um. Prof. Dr. Ivan Illich, Theologe, Schriftsteller, Philosoph und Vordenker, schrieb sinngemäß in seinem Buch „H2O und die Wasser des Vergessens“, dass man die ethisch-moralische Situation einer Gesellschaft an deren Umgang mit dem Wasser ablesen könne. Dieses Buch, das es nur noch antiquarisch zu geben scheint, hat aktuell bei einem der bekanntesten online-Anbieter für Bücher gerade mal eine Rezension, während Psychothriller es, je nach Bekanntheitsgrad der Autoren, schon mal auf Hunderte von Rezensionen bringen (…). Haben Sie trotzdem Hoffnung, dass sich das Bewusstsein unserer Gesellschaft weg vom Fortschrittswahn hin zu mehr Respekt vor der Natur kurz- bis mittelfristig verändert oder muss es erst Katastrophen geben, bis die Menschen sich auf das besinnen lernen, was es wirklich zum Leben braucht und was es zu bewahren gilt?

Kristin Baege: Es gab und gibt immer die „Rufer in der Wüste“, die nicht gehört, sondern eher als eine Art Spiel(Spaß)verderber gesehen wurden. Ich erinnere noch gut die ersten Warnungen vor dem Baumsterben. Die Warnungen wurden schlichtweg verlacht. Heute ist das Bewusstsein, dass unsere Bäume krank sind, bei jedem angekommen und zwar deshalb, weil wir nach jedem Gewittersturm in den Nachrichten entwurzelte Bäume sehen, die unsere Autos, Häuser und auch Menschen zerstören. Es bedroht unser Hab und Gut und Leben. Die Katastrophen gibt es bereits; trotzdem gibt es die hartnäckigen Leugner, die sich weigern, einen Zusammenhang zwischen sich selbst und der Umweltzerstörung zu sehen. Schauen wir doch nur über den großen Teich. Unser Anliegen ist es, die Unverbundenheit der Menschen mit der Natur als Ursache der Zerstörung zu benennen

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FRIEDA: Ist Ihnen bekannt, ob es schon so etwas wie den „Rat der Großväter“ gibt oder ein ähnliches Engagement?

Kristin Baege: Natürlich engagieren sich auch viele ältere und junge Männer für alle möglichen Projekte. Dass es ein männliches Pendant zum Rat der Großmütter gibt, ist mir nicht bekannt. Es wäre wünschenswert, einen „Rat der Großväter“ entstehen zu lassen, aber das ist Sache der Männer. Uns geht es ja auch und gerade um die weibliche, matriarchale, das heißt fürsorgliche, nährende Sicht auf die Strukturen, die wir verwandeln wollen und die eben patriarchal sind. Wir bekommen aber durchaus männlichen Zuspruch über Briefe, die uns über die Website erreichen.

FRIEDA: Mit Ihrem Engagement folgen Sie ja einer alten Tradition, die beispielsweise u.a. auch bei den Kelten angesiedelt war. Dass unsere Welt noch sehr nach dem Konzept „Teile und Herrsche“ organisiert ist, ist m.E. nicht zuletzt Ausdruck monotheistischer Religionen, in denen es ja nur das Konstrukt eines „Vater-Gottes“ gibt. Das hatte zur Folge, dass Ego und Intellekt als Maßstab aller Dinge eine m.E. völlig überhöhte Präsenz bekamen, während die Intuition auf der Strecke blieb. Das fängt spätestens im Schulsystem an und setzt sich später fort. Alles, was das Spielerische und das Kreative fördert, wird schon in der Grundschule, oftmals bereits im Kindergarten, weniger berücksichtigt als der Intellekt und das Wettbewerbsdenken. Das Ego wird buchstäblich vergöttlicht. Hauptsache, der Mensch funktioniert. Diese Entwicklung tendiert aktuell sogar zum so genannten Transhumanismus. Worin sehen Sie persönlich die wesentlichen Probleme unserer Zeit?

Kristin Baege: In unseren 13 Machtworten haben wir nicht nur diese Probleme benannt, sondern auch Heilungswege gezeigt. Ich könnte da jedes einzelne Machtwort herausnehmen, z. B. Nr. 1: „Wir sind verbunden. Wir Menschen sind nur eine von vielen Lebensformen der Erde. Du bist verbunden mit Allem und Teil von Allem. Alles, was du tust, hat eine Wirkung auf das Ganze. Lerne und respektiere die Naturgesetze! Sie wirken immer und überall!“ Und so könnte ich weitermachen: Nr. 11: „Gier und Egoismus verbreiten Lügen über die Ausbeutung der Erde und all ihrer Geschöpfe…“, Nr. 8: „…alle haben das Recht auf ein glückliches Leben mit gesunden Lebensgrundlagen. Alles ist eingebettet in die natürlichen Kreisläufe…“ Mit jedem unserer Machtworte haben wir einen uns wesentlich erscheinenden Aspekt des Lebens formuliert und unsere Visionen für eine Zukunft der Erde und ihrer Lebewesen. Jeder Mensch kann das auf unserer Website nachlesen und sich selbst engagieren.

FRIEDA: Im Jahre 2010 sind Sie mit den Machtworten an die Öffentlichkeit gegangen. Was hatte es damit auf sich?

Kristin Baege: Bei der intensiven Suche nach unserem Selbstverständnis als Großmutter, unserer Vorstellung vom Wesen einer Weisen Alten, fanden wir in dem Buch von Jamie Sams „The 13 Original Clan Mothers“ (Haper Collins 1994) genau die Beschreibung der Qualitäten, die wir Weisen Alten in uns tragen und die uns als Großmutter ausmachen. So spiegelt sich in unseren Machtworten die Weisheit dieser 13 Clanmütter. Wir Großmütter hatten bei den ersten Treffen das Bedürfnis, unsere Stimme zu erheben, um ein Machtwort zu sprechen. Wir knüpften an die Tradition an, dass – entgegen der patriarchalen Vorstellung von „Omas“ in unserer Gesellschaft – Großmütter in ursprünglichen Gesellschaften geachtete Autoritäten sind, auf die gehört wird. Sie tragen das über Generationen gewachsene Wissen in sich, wie Nachhaltigkeit gelebt und Beziehungen gestärkt werden können und haben durch ihre Lebenserfahrung dieses Wissen zu Weisheit werden lassen.

Zur praktischen Entstehung der Machtworte: Sie entstanden im Kreis der Großmütter, durch Inspiration, Meditation, Geführt-Werden, astrologische Hilfe, Symbolsprache…. Gemeinsam gossen wir die so gewonnenen Einsichten in Worte, die im Konsens in ihrer seit damals bestehenden Form vom Kreis beschlossen und gesegnet wurden.

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Im Jahr 2000 wurde vom Hambacher Schloss, von dem einst die Demokratie ausgerufen wurde, das Jahrtausend der Frau ausgerufen, ein bewegendes großes Ereignis. Beim nachfolgenden Hambacher Kongress 2010 riefen wir als „Rat der Großmütter“ die 13 Machtworte aus: „Wir leben in einer Zeit des globalen Wahns. Das Machtwort, der heilige Zorn der Großmütter, richtet sich gegen alle weltweiten patriarchalen Herrschaftsformen, gegen den Machbarkeitswahn, gegen Gewalt, Profitgier, Ausbeutung und Zerstörung. Gegen dieses lebensfeindliche Weltbild erheben wir unsere Stimme.“

Wir ermächtigten uns, ohne dass uns irgendeine Institution dazu ermutigt hätte. Wir nehmen unsere großmütterliche Autorität in Anspruch, denn wir tragen die Verantwortung dafür, dass nachfolgende Generationen gut auf der Erde leben können. Wir holen altes Frauenrecht ins kollektive Bewusstsein zurück und machen es zur Grundlage unseres politischen Handelns.

FRIEDA: Wie bei öffentlichen Diskussionen oft zu sehen ist, geht es dabei häufig nur ums Rechthaben, wiederum ein Ego-Thema. Argumentativ wird mehr oder weniger versucht, das Gegenüber von der eigenen Weltsicht zu überzeugen. Auf der Strecke bleiben dabei die Gefühle. Dr. Hans Hein, Arzt und Psychotherapeut, mit dem ich bereits zwei Interviews für FRIEDA führte, arbeitet mit so genannten Synergie-Aufstellungen. Diese Methode bedient sich der Wirkweise des uns umgebenden Feldes und dabei ergeben sich ganz erstaunliche Lösungen. Aus der Methode heraus lassen sich auch Heilkreise ableiten, die überall dort, wo sie praktiziert werden, neue Impulse in das Feld geben, so dass Heilung geschehen kann. Auch der „Rat der Großmütter“ nutzt das Wissen um heilsame Rituale. Wie gehen Sie da vor?

Kristin Baege: Wir sehen eine unserer wichtigsten Aufgaben darin, mit Heilritualen für die Welt (Fukushima, Flüchtlinge, Kriegsgeschehen, Hungerkatastrophen…) zu wirken sowie für jede Einzelne im Kreis oder in unserem Umfeld, die es braucht. Aber für mich sind unsere Treffen an sich schon Rituale: Wir haben seit unserer Gründung die Erfahrung gemacht, dass es der Kreis ist, der uns die Arbeitsergebnisse schenkt. Der Kreis ist ein magischer Raum. Er verbindet, konzentriert, hält zusammen und ist gleichzeitig geöffnet ins Universum; er erhält so seine Kraft von den „göttlichen“ Kräften, wird gleichsam „von oben“ inspiriert. Diese Kraft fließt im Kreis als kreative Energie von Mensch zu Mensch und verwandelt als Botschaft, als Vision, als Machtwort, als Aktion, um den Kreis wieder zu verlassen und ins Außen gegeben zu werden. Wenn wir uns treffen, ist es selbstverständlich, dass wir im Kreis sitzen (ein nicht hierarchischer Raum – kein Oben und Unten oder Vorne und Hinten: Gleiche unter Gleichen begegnen sich). Wir erkennen und benennen die magische Wirkung des Kreises und verzichten inzwischen fast völlig auf den Austausch über Telefon oder email zwischen den Treffen, da diese Medien oftmals Verwirrung stiften und zu kreativem Austausch nicht taugen; allenfalls zum Austausch von sachlichen Informationen. Was im digitalen Austausch fehlt, ist eben der Kreis, die Verbindung unter uns und die Anbindung an die göttlichen Kräfte, ohne die wir kein einziges unserer Machtworte „gefunden“ hätten.

Unser Kreis hat ein Zentrum. In diesem Zentrum sind die Dinge, die uns wichtig sind: Blumen oder Zweige als Geschenke der Natur, Licht in Form von Kerzen, der Großmütterkreis aus Ton als Spiegel unserer selbst, der Redestab aus Rumänien und unsere persönlichen Kraftgegenstände, die unser spirituelles Eingebundensein in den Kreis symbolisieren, und – nicht zu vergessen – die Urmutter aus dem Hohlen Fels. In diesem Zentrum sammeln sich aber auch unsere Erfahrungen, unsere Visionen, unsere Wünsche – kurz: all das, was uns als Großmütter in dieser Zeit der Zusammenkunft im Rat ausmacht. Nicht zuletzt legen wir in dieses Zentrum auch unsere eigene Begrenztheit, um die Machtworte wirklich umzusetzen. Sie sind Vision und Wunsch, Richtung und Ziel. Und vielleicht ist das Eingeständnis unseres eigenen Unvermögens der größte Schatz im Kreis. Beim wortlosen Darstellen des Machtwortes „Wir lieben“ wurde uns bewusst, dass wir nur dann lieben, wenn wir die Befähigung dazu aus der göttlichen Liebe geschenkt bekommen. Und das gilt für alle Machtworte.

Hier im Kreis lassen wir uns rufen, stellen uns zur Verfügung und sind offen füreinander und die göttliche Botschaft und Klarheit. Wir sind Empfangende und Gebende zugleich. Der Kreis ist aber auch ein Schutzraum. Wir dürfen uns dort zeigen, wie wir sind – in unserer Verletzbarkeit und Unfertigkeit. Ohne diese „Gaben“ gäbe es nicht das oft mühsame Ringen um Worte und unsere Visionen würden in gewohnt patriachaler Weise zu Predigten werden, die niemand braucht, weil sie nicht mit Leben gefüllt sind. Weitere wichtige Gaben, die sich im Schutz des Kreises entfalten, sind Trauer und Zorn. Trauer über all das, was wir Menschen über Jahrhunderte der Erde und ihren Geschöpfen angetan haben oder zumindest antun ließen und, der Zorn, der sich im Machtwort äußert. Wir erheben unsere Stimme zum lauten Protest.

Um diese Qualitäten des Kreises zu erhalten, können wir ihn nicht beliebig vergrößern. Es gibt deshalb den Beschluss, den Rat der Großmütter nicht zu erweitern. Wir haben die Vision, dass viele solcher Kreise entstehen, die sich verbinden, berühren, miteinander kommunizieren und wirken. Da die Geburt neuer Kreise unser Anliegen ist, stellen wir unsere Erfahrungen beim Entstehungsprozess gerne zur Verfügung. Bei manchem entstehenden Kreis konnten und können wir bereits Hebammendienste leisten.

Alle Frauen, die die Kraft des Widerstandes in sich spüren, die Empörung über patriachale Verirrungen und den Schmerz über das daraus entstandene Leid, sollten aufstehen, sich zeigen und ein Machtwort sprechen. Wir Großmütter, wir Frauen haben durchaus etwas zu sagen und wir schweigen nicht länger!

FRIEDA: Herzlichen Dank für das Interview!

Ggf. zum Weiterlesen: Souveränität: Von Karpfen und Delfinen, Linie 41: Kollektive Anosognosie?, Spenderkinder ohne Lobby?, Bienen – Eine Herzensangelegenheit, Earthships – Nachhaltig bauen im besten Sinne, Indigene Völker – Mogelpackung Naturschutz?, Der politische Wille fehlt, anamed: Allen Hürden zum Trotz

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