Psychopathie: „Die Masken der Niedertracht“

Psychopathen identifizieren

Buch bestellen

Ein Thema, das Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft, insbesondere aber im privaten Umfeld auf Frauen, hat, ist Psychopathie. Ich verwende diesen Begriff in diesem Beitrag gleichbedeutend mit Soziopathie, obwohl die Fachliteratur zwischen beiden differenziert, die „gemeinsame Schnittmenge“ der Merkmale aber sehr ähnlich ist. Marie-France Hirigoyen spricht vom „Perversen Narzissten“ in ihrem Buch „Die Masken der Niedertracht“.

Darin veranschaulicht die Autorin die vielfältigen Erscheinungsformen von seelischer Gewalt in unserer Gesellschaft – sei es am Arbeitsplatz, in der Familie und besonders in der Paarbeziehung. Und diese Gewalt nimmt offenbar stark zu. Sie richtet sich nicht nur, aber in erster Linie gegen Frauen.

Während eine narzisstische Beziehung zu Beginn durchaus „ganz normal“ beginnen kann und sich erst im Lauf der Zeit Machtspiele zeigen, indem destabilisierende Botschaften des narzisstisch gestörten Partners eine Kommunikation auf Augenhöhe vereiteln, setzt der Psychopath Techniken der Destabilisierung ganz bewusst ein. Er beginnt damit exakt dann, wenn er sich in Sicherheit wähnt und sein Opfer schon so umfassend ausspioniert hat, dass es kaum noch entkommen kann: Versteckte Anspielungen, böswillige Andeutungen, krankhaftes Lügen, Demütigungen – diese Strategie basiert auf sadistischer Zerstörungswut gegenüber der ausgewählten Person. Ein Psychopath stellt sich selbst nie in Frage. Seiner Ansicht nach hat es sein Zielobjekt so verdient. Dabei ist er sehr darauf bedacht, dass es für seine aggressiven Angriffe keine Zeugen gibt.

Im Beisein von Zeugen zeigt er sich oft sogar besorgt, was aber dazu dient, das Umfeld seiner Zielperson zu verunsichern oder gar zu instrumentalisieren. Das alles dient dem Psychopathen dazu, sein Gegenüber herabzuwürdigen – warum? Er ist gierig nach Macht und Kontrolle, er ist neidisch und lechzt nach Bewunderung und Anerkennung. Er sieht in seiner Zielperson kein menschliches Wesen, sondern ein Objekt, das ihm gehört. Ähnlich verhält es sich mit dem Eigentum seiner Zielperson. „Alles meins“, ist seine innere Haltung und insofern räumt er ohne Skrupel Konten ab, manipuliert Computer, sofern er die Möglichkeiten dazu hat, und inszeniert eine Show rund um sein Opfer, das – wenngleich schon längst ahnend, dass etwas nicht stimmt – oft erst merkt, in welche Situation es geraten ist, wenn es kaum noch ein Entkommen gibt.

Die Mehrheit der Psychopathen setzt auf Charme. Besonders beliebt ist bei ihnen, sich selbst als Opfer der Beziehung zu präsentieren. Um sich selbst nicht so böse und irre fühlen zu müssen, versuchen sie, die Zielperson in den Wahnsinn zu treiben und dazu nutzen sie alle Mittel. „Der Partner existiert nicht als Person, sondern als Träger einer Eigenschaft, die der Perverse sich anzueignen versucht“, schreibt Hiriguyen (…). Das Wunschbild des Perversen ist, dass der andere ‚böse‘ wird, was seine eigene Boshaftigkeit in den Normalzustand verwandeln würde. Er versucht, dem anderen das zu injizieren, was in ihm selbst an Bosheit ist“.

Besonders perfide ist, dass der Psychopath versucht, auch das gesellschaftliche und berufliche Umfeld des anderen zu manipulieren, etwa durch gespielte Besorgnis. Wurde das Zielobjekt so in die Ecke gedrängt, dass es selbst paradoxe Verhaltensweisen an den Tag legt, hat der Psychopath erreicht, was er wollte. Die Umgebung ist irritiert, da man sich nicht vorstellen kann, was „hinter den Kulissen“ geschehen ist. Der Psychopath strebt es an, sein „Ziel“ zum Zerrbild seiner selbst werden zu lassen, damit es Fehler macht und sich damit selbst diskreditiert. Er inszeniert bewusst, dass die Zielperson in eine heikle Lage gerät, schreckt teilweise sogar nicht davor zurück, Menschen aus dem persönlichen Umfeld „um Hilfe zu bitten“…

„Um den Kopf selbst über Wasser zu halten, muss der Perverse den anderen untertauchen“, schreibt Hiriguyen. Es käme ihm darauf an, den anderen und die Umgebung zu verwirren. Menschen aus der Umgebung distanzieren sich nicht selten von der diskreditierten Person, weil sie schlichtweg selbst nicht mehr wissen, was sie glauben sollen, oder weil sie mit der Sache nichts zu tun haben wollen, da sich das alles „ganz seltsam“ anfühlt – und es ja auch ist. So gerät die Zielperson in ein zusätzliches Dilemma, denn gesellschaftliche und freundschaftliche Kontakte, die zuvor noch strukturgebend waren, brechen nun auch noch weg, während der Psychopath seine Machenschaften insgeheim feiert – oder sie sogar – verschlüsselt – öffentlich zelebriert, natürlich stets so, dass ihm konkret nichts nachzuweisen ist…

Der buchstäbliche Teufelskreis, einmal in Bewegung geraten, lässt sich für die Zielperson kaum noch stoppen, weil der Perverse sich daran ergötzt, wenn sein Zielobjekt in der Falle sitzt. Marie-France Hiriguyen schreibt, der gegenwärtige sozio-kulturelle Kontext gestatte der Perversion, sich zu entfalten, weil sie toleriert werde. Soziopathie/Psychopathie ist kein seltenes Phänomen, sondern eine ernsthafte Bedrohung für das menschliche Miteinander. Die Zunahme an Literatur aus diesem Bereich und immer mehr Internetportalen, die sich mit diesem unglückseligen Thema befassen, bestätigt, dass wir es hier mit einer brisanten Problematik zu tun haben. Dass perverser Narzissmus/Psychopathie als nicht heilbar gilt, macht das Dilemma nicht gerade harmloser.

Ähnliche Beiträge:

Der Hannibal aus der Nachbarschaft, Soziopathie-Eine gesellschaftliche Herausforderung, Gewalt in der Partnerschaft – Vom Endorphinrausch bis zum Abgrund, Missbrauch – Eine Gesellschaft von Tätern?, Linie 41 – Ein Beispiel für kollektive Anosognosie?, Die Heilung der Mutterwunde durch die eigene Stimme u.v.a.m.

Weitersagen auf

Monetäres für FRIEDAs Kaffeekasse