Politikum Glühlampe

Was wurde eigentlich aus dem "Heatball"?

In dem Film „Bulb Fiction“, auf den in FRIEDA bereits hingewiesen wurde, und den die Betreiberin dieser Seite für einen der ausgezeichnetsten Dokumentarfilme der letzten Jahre hält, wird auch auf ein Satire-Projekt namens „Heatball“ aufmerksam gemacht. Das Projekt wurde von dem Ingenieur Dr. Siegfried Rotthäuser ersonnen und gemeinsam mit seinem Schwager, Dr. Rudolf Hannot, Anfang 2010 ins Leben gerufen. Die Äußerungen von Sigmar Gabriel, dass die Glühbirne 95% Wärme und nur 5% Licht erzeuge, war die Offenbarung: Die Glühbirne ist keine Lampe, sondern eine Heizung und damit nicht von der EU-Verordnung zur zwangsweisen Eliminierung der Glühlampe betroffen. Das war die Geburtsstunde des Heatballs.
Mit der Begründung, die Energieausbeute einer normalen Glühlampe diene nur zu 5 Prozent der Beleuchtung, argumentierte die Kommission ohne Parlamentsbeteiligung für die quecksilberhaltige Energiesparlampe – trotz vieler Nachteile für Mensch und Umwelt. Diese Maßnahme fand unter dem Deckmantel des angeblich CO2-verursachten Klimawandels statt und sollte offiziell zum Ziel haben, CO2-Emissionen zu reduzieren: eine wohl bizarre Vorstellung, durch ein Verbot der Glühbirne das Weltklima retten zu wollen – und gleichzeitig Regenwälder abzuholzen, um Biodiesel zu gewinnen (…).
In Diskussionen mit seinem Freund Dr. Rainer Six, der sich im Arbeitskreis Energie und Umwelt engagiert, wurde immer klarer, dass das postfaktische Zeitalter begonnen hatte. Der offiziellen Kampagne „pro Energiesparlampe“ wollten Dr. Siegfried Rotthäuser und seine Mitstreiter nun mit einer absurden Satire begegnen, indem sie die Glühlampe als Heizung im Rahmen des „Kunstprojektes Heatball“ weiterhin zur Verfügung stellten.
(c) Logo Heatball, Dr. S. Rotthäuser

Das „Inverkehrbringen“ der klassischen Glühlampe wurde laut EU-Verordnung V 244/2009 seit September 2009 sukzessive verboten. Restbestände dürfen nach wie vor abverkauft werden. In dem Film „Bulb Fiction“ kommt ab Sekunde 33 Gordon Brown zu Wort, Premierminister in Großbritannien von 2007 bis 2010. Im Hintergrund ist das Logo des WWF zu sehen.

Was den WWF und die Seilschaften dahinter angeht, empfiehlt FRIEDA – nebenbei bemerkt – den Film „Der Pakt mit dem Panda“ des Bremer Filmemachers und Journalisten Wilfried Huismann.

Gordon Brown teilte der Öffentlichkeit seinerzeit das stufenweise Verbot der Glühlampe mit. Der Spiegel titelte damals „Verheizte Energie – Das Megakraftwerk zuhause! Sparen!“ und stimmte somit in den Kanon jener ein, die die Glühlampe plötzlich als Klimakiller verteufelten. Von heute auf morgen schienen sich (fast) alle einig zu sein und eine Anti-Glühlampenkampagne erfasste buchstäblich die ganze Welt – mit Deutschland in besonders exponierter Stellung als Vorreiter der so genannten „Energiewende“.

In „Bulb Fiction“ veranschaulicht Regisseur Christoph Mayr mit historischen Dokumentaraufnahmen aus Minamata in Japan, was Quecksilbervergiftungen bewirken können. In Minamata kam es im Sommer 1953 durch Quecksilbervergiftungen zu gravierenden Erkrankungen des Nervensystems, was zu unermesslichem Leid bei den Betroffenen und ihren Familien sowie zu Missbildungen noch in den Folgegenerationen führte, denn Quecksilber ist stark genotoxisch, was bedeutet, dass es weitervererbt wird. Über Jahre hatte ein Chemiekonzern quecksilberhaltige Schwermetallabfälle direkt ins Meer geleitet. Weitere Quecksilbervergiftungen epidemischen Ausmaßes, auch in anderen Ländern, dokumentiert Mayr ebenso in seinem Film. Nachdem die Vereinten Nationen erst 2009 auf die alarmierenden Fakten mit einem Verbot quecksilberhaltiger Geräte im Haushalt (Impfseren und Zahnfüllungen exklusive…) reagierten, wurde schließlich die gesundheitlich unbedenkliche Glühlampe durch die quecksilberreiche Energiesparlampe zwangsweise ersetzt. Im Rahmen groß angelegter Aktionen sorgten u.a. Planierraupen mit einem Greenpeace-Logo für die massenweise Vernichtung von Glühlampenrestbeständen.

Christoph Mayr schildert auch den Fall eines Kindes in Bayern, das nach einer zerbrochenen Energiesparlampe schwere neurologische Symptome zeigte. In Bulb Fiction ist weiterhin zu sehen, wie bei Grenzwerten gemauschelt wurde, wie sich Konzernpressesprecher bei näherem Nachfragen verhaspeln, sich in abstrusen Ausreden verlieren und wie schnell sie nervös werden, wenn man sie konkret befragt: wie lückenhaft das Wissen im Grunde also ist – mit anderen Worten, dass man es auch in diesem Bereich mit einer Schlamperei unvorstellbaren Ausmaßes zu tun haben dürfte. Der einzige EU-Abgeordnete, der sich von Anfang an gegen das Glühlampenverbot aussprach, ist Holger Kramer, der sich aber mit seiner Haltung im EU-Parlament nicht durchsetzen konnte.

Die EU-Kommission habe auf Basis der Öko-Designrichtlinie das energieverbrauchende Produkt Glühbirne gemäß dem Gesetzestext nach Energieeffizienzkriterien definiert, was dann faktisch eben ein Produktverbot nach sich gezogen hätte, weil eben die klassische Glühbirne diese Kriterien nicht mehr erfüllt habe, so Holger Kramer in Bulb Fiction. Über das Verbot der Glühlampe sei im Europäischen Parlament nie abgestimmt worden. Noch ein „Schmankerl“ aus Bulb Fiction: „In Brüssel arbeiten 23.000 Kommissionsbeamte und 20.000 Lobbyisten!“ Ein EU-Abgehordneter verdient im Schnitt zwischen 8.000 und 10.000 Euro – neben diversen Benefits und vermutlichen Zuwendungen aus Lobbybüros. Und die EU-Abgeordneten zahlen selbst keine Steuern! Erinnert das alles nicht irgendwie an modernen Frondienst?

Der Berliner Elektroingenieur Dieter Binninger entwickelte eine Glühlampe mit nahezu grenzenloser Lebensdauer. Sie hielt 150.000 Stunden und übertraf somit alles an Lampen, was bisher auf dem Markt war und das bei gleichem Energieverbrauch und gleicher Helligkeit. Aufgrund einer Anfrage von Dieter Binninger in der Forschungsabteilung von Osram bekam er die Antwort, es gäbe keine Möglichkeit, die Lebensdauer von Glühlampen zu erhöhen. Für seine Entwicklung, mit der er die Argumentation der Osram-Forschungsabteilung widerlegte, erhielt Binninger ein Patent. Doch Binningers Glühlampen sollten nicht in Massenproduktion gehen, zumindest nicht hierzulande. Wenige Tage, nachdem Binninger ein Übernahmeangebot für ein ehemaliges ostdeutsches Lampenwerk in Polen abgegeben hatte, um seine Glühlampe dort produzieren zu lassen, stürzte er mit seinem Privatflugzeug ab und war sofort tot.

Bevor FRIEDA zum Interview mit Dr. Rotthäuser kommt, noch ein Hinweis: In Bulb Fiction kommt auch der Baubiologe Wolfgang Maes zu Wort, der das Lichtspektrum der Energiesparlampe untersuchte. Sein Fazit: Die Energiesparlampe verursache ein Konglomerat von verschiedenen Flimmerfrequenzen, wie man sie bei der Glühbirne oder der Halogenbirne überhaupt nicht finde. Die biologischen Konsequenzen für den Organismus seien daher insgesamt unklar; es gebe aber Hinweise auf negative Auswirkungen auf das Nervensystem.

Im Gespräch mit Dr. Siegfried Rotthäuser

(c) Dr. Siegfried Rotthäuser

FRIEDA: Sie machten sich schon frühzeitig Gedanken über den Sinn oder – besser gesagt – Unsinn des Glühlampenverbots durch die EU und versuchten über eine Art Schildbürgerstreich die „Öko-Designrichtlinie“ zu umschiffen. Wie Dr. Six im Vorfeld berichtete, sagten Sie sich: „Wenn die Glühlampen nicht mehr käuflich sind, deklarieren wir sie eben als Heatball und verkaufen sie als Heizquelle“. Geplant war, die Glühlampen alias Heatballs dann statt für einen Euro pro Stück für 1,10 Euro anzubieten, in China zu ordern und die 10 Cent Differenz für ein Regenwaldprojekt zu spenden. Geniale Idee, aber anscheinend eine, die bei Staat und Industrie auf wenig Gegenliebe stieß.

Vorweg: Können Sie Ihre Motive zu dem Projekt noch etwas konkretisieren und erzählen, wie die Resonanz zunächst darauf war?

Dr. S. Rotthäuser: Es war der Ärger über die unsinnigen Verordnungen und die falschen Argumente. Wenn man wirklich etwas für den Erhalt der Umwelt tun will, dann bestimmt nicht mit einem Glühlampenverbot. Beim Lesen der Verordnung und der Definition der Glühlampe ist mir dann klar geworden, dass ein elektrisches Gerät, was zu 95% Wärme produziert, nicht gemeint sein kann. Denn in der Verordnung war die Rede von Geräten zur Erzeugung von Licht. So entstand die Idee, es besser zu machen und den Kauf der Glühlampe zu Heizzwecken mit einer Regenwaldspende zu verbinden.

Das hat auf Anhieb super funktioniert und wir konnten einige Tausend Euro an Regenwaldprojekte überweisen, bis uns die ersten 4000 Heatballs ausgingen. Heatball war nie als Dauereinrichtung konzipiert, sondern sollte wachrütteln. Es war als Satireprojekt und somit als Kunstprojekt zu verstehen. Es ging uns nicht um eine „Verpackung“ mit dem Motiv, Verordnungen aus geschäftlichen Interessen zu umgehen, sondern ausschließlich darum, auf die Absurdität der Verordnungen hinzuweisen.

(c) Dr. S. Rotthäuser
Aufdruck Heatball

FRIEDA: Was haben Sie gemacht, als die „Heatballs“ zu Ende gingen?

Dr. S. Rotthäuser: Der Zuspruch war derart überwältigend, dass wir uns entschieden haben, noch eine 2nd Edition mit 40.000 Stück in China fertigen zu lassen. Diese sollten noch rechtzeitig zu Weihnachten 2010 verfügbar sein und daher haben wir beschlossen, die Heatballs 2nd Edition per Luftfracht kommen zu lassen. Während wir auf die Lieferung warteten, sind schon Bestellungen für alle 40.000 eingegangen und wir hätten die Heatballs nur noch verschicken müssen. Damit wäre die Aktion dann Anfang 2011 beendet gewesen.

Da die Resonanz in den Medien sehr groß war und ein Reporter der ARD in Brüssel einen Kommisionssprecher vor der Kamera mit Heatball konfrontiert hatte, wurden wir wenige Tage später zum Gespräch bei der Bezirksregierung Köln gebeten. Dort hat man uns gesagt, dass die Aktion ja ganz nett, aber nicht hinnehmbar sei und man die Anweisung habe, dem Heatball ein Ende zu bereiten. Zitat: „Koste es was es wolle!“ Es gab zu diesem Zeitpunkt noch keine Rechtsgrundlage für ein Verbot der elektrischen Heizbirnen, zumal andere Hersteller mit Spezialbirnen unbehelligt Geschäfte machen konnten. Wir haben dann der Bezirksregierung den Termin für die Ankunft der Heatballs am Flughafen mitgeteilt und auch, dass diese bereits verkauft seien und damit die Aktion ihr Ende finden würde.

(c) Dr. S. Rotthäuser

FRIEDA: Wie Dr. Six im Vorfeld erzählte, händigte Ihnen der Zoll die Heatballs am Flughafen aber nicht aus. Mit welcher Argumentation geschah das und wo sind die Glühlampen heute?

Dr. S. Rotthäuser: Nun wurde es spannend! Weil es keine Rechtsgrundlage für ein Verkaufsverbot gab, wurde also der Zoll vorgeschickt, um im „Rahmen der Gefahrenabwehr“ die Heatballs zu beschlagnahmen. Dieses Verhalten wurde später vom Finanzgericht als übergriffig bezeichnet und für unrechtmäßig erklärt. In der Zwischenzeit hat dann die Bezirksregierung eine Ordnungsverfügung erlassen und wegen der „akuten Gefahr für die Umwelt“ den sofortigen Vollzug angeordnet. Damit konnten wir zwar die Heatballs aus dem Zoll holen, aber nicht mehr an unsere Aktivisten verschicken. Wir haben sie nun eingelagert und warten auf den Sieg der Vernunft.

FRIEDA: Wie ist es dann mit dem Projekt weitergegangen?

Dr. S. Rotthäuser: Die Beschlagnahme der Heatballs am Flughafen durch den Zoll war sehr medienwirksam. Wir sind von vielen Tausend Mitstreitern dazu ermuntert worden, zu kämpfen und haben dann gegen die Ordnungsverfügung geklagt – und im Sommer 2012 vor dem VG Aachen verloren. Die ganzen Schriftsätze haben wir direkt öffentlich gemacht: http://www.heatball.de/verlauf.php

FRIEDA: Wie der EU-Abgeordnete Holger Kramer, ehemaliger DDR-Bürger, in dem Film „Bulb Fiction“ verlauten ließ, erinnert ihn das Verhalten in Brüssel stark an die DDR-Planwirtschaft. Eine gleichermaßen entscheidungskräftige wie beklagenswerte Rolle dürften die Lobbyisten der Konzerne und Kartelle spielen. Eine ähnliche „Dynamik“ erleben wir ja auch im Bereich Gentechnik, Pharmaindustrie, Agrarwirtschaft, Lebensmittelindustrie, in der Baubranche, in den Medien etc. etc. Verstrickungen zwischen Politik und Wirtschaft bzw. Industrie scheinen es unmöglich zu machen, dieses engmaschige Netz der Korruption zu durchleuchten. Sie haben erlebt, dass, wenn diese Dinge publik werden, Bürger/innen aber durchaus handeln und Unterstützung signalisieren. Wie ist gerade der Stand der Dinge in Bezug auf den juristischen Verlauf und bekommen Sie aktuell noch Hilfe? Wenn ja, von wem? Wenn nicht, was brauchen Sie akut?

(c) Saskia Porkay
http://www.artists.de/271298-veto

Dr. S. Rotthäuser: Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich habe mich nie als fanatischen Kämpfer für die Glühbirne verstanden. Es ging doch vielmehr darum, ein Licht auf Dinge zu werfen, die unter der Flagge des CO2-Wahnsinns auf den Weg gebracht werden und das auf eine lustige Art und Weise. Besonders bitter ist, dass es juristisch so dargestellt wird, als ob wir das Glühlampenverbot umgehen wollten, um Geschäfte zu machen. Der tiefere Sinn der Aktion ist nur von wenigen erkannt worden. Umso mehr habe ich mich über die Auszeichnung 2011 mit dem Deutschen IQ-Preis gefreut.

Akut brauche ich Schmerzmittel, um den Wahnsinn in dieser Welt noch zu ertragen. Nein, Spaß beiseite, ich glaube an die Kraft der Vernunft und dass wir einfach beharrlich unserem Ziel treu bleiben, auch wenn das anstrengend ist.

FRIEDA: Dass die Energiesparlampe ungesund bis stark gesundheitsgefährdend sein kann, hat sich ja inzwischen angesichts einiger engagierter Menschen und Initiativen herumgesprochen mit dem Ergebnis, dass die federführenden Leuchtmittelhersteller wiederum reagierten: Mit teuren LED-Lampen beispielsweise und das, obwohl, wie die Erfindung von Dieter Binninger bestätigte, nahezu „unkaputtbare“ Glühlampen herstellbar wären. Das alles müsste doch eigentlich zum kollektiven Protest führen. Woran hapert es Ihrer Meinung nach, dass die Menschen sich so schwer damit tun, geschlossen aufzutreten, um Abgeordnete konkret zu konfrontieren?

Dr. S. Rotthäuser: Abgeordnete konfrontieren? Abgeordnete durften ja gar nicht über das Glühlampenverbot abstimmen. Was erwarten Sie? Nein, die Weichen werden leider nicht durch den Souverän, das Volk und dessen Vertreter, gestellt. Mittlerweile bin ich sicher, dass hinter dem Klimawahn und den daraus abgeleiteten Verordnungen das mittelalterliche Instrument der Macht, die Angst steht. Es gibt nur einen Weg: aufklären, aufklären und noch einmal aufklären!

FRIEDA: Es herrscht nicht ohne Grund eine allgemeine Politikverdrossenheit, weil viele der Meinung sind, es käme sowieso nicht mehr darauf an, wer am Ende an der Macht sitzt, weil „ganz oben“ wieder die gewohnten Verstrickungen über die Geschicke der Welt entscheiden. Daher hier noch eine Frage, die ich meinen Interviewpartnern öfter stelle: Würde man Sie zum König von Deutschland ernennen, was wäre Ihre Botschaft an das Volk?

Dr. S. Rotthäuser: Selber denken und im Kleinen tun, was möglich ist. Um es mit Aristoteles zu sagen: Den Wind können wir nicht ändern, die Segel aber richtig setzen.!

FRIEDA: Vielen Dank für die Informationen und das Gespräch! Dann bleibt zu hoffen, dass viele dabei mithelfen, die Segel neu zu setzen!

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