„Nature deficit disorder“

Die Natur heilt

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Wer mal spaßeshalber die Begriffe „Liste Krankheiten“ in die Suchmaschinen eingibt, findet eine besorgniserregende Aufzählung mit allerlei Symptomen und Syndromen von A wie Abzess bis Z wie Zytomegalie, die sich körperlich, geistig und emotional äußern. Das „Mehr“ an Präparaten, „Experten“ und das hochgelobte Wirtschaftswachstum, so viel steht fest, hat unsere Gesellschaft nicht gesünder gemacht. Doch bricht man all diese vielen Symptome und Syndrome einmal auf die möglichen Kernursachen herunter, dürfte der Verlust an die Anbindung zur Natur, besonders in den Industrienationen, eine entscheidende Rolle spielen.

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Während unsere Politiker sich für den Einsatz von Smartphones möglichst schon im Kindesalter engagieren und dafür Steuergelder in Milliardenhöhe investieren, wird die Bevölkerung immer kränker. Dass auch die Erde darauf früher oder später reagiert, zeigt sich immer stärker an Extremwetterlagen.

Liegen die Prioritäten bei der Aufmerksamkeit auf der „Sicherung der Arbeitsplätze“, dem „Fortschrittswahn“, dem „Fußball“ und dem „Wirtschaftswachstum“ und eben nicht auf dem wertschätzenden Umgang mit Mutter Erde, erleben wir die Konsequenzen am eigenen Leib.

„Die Wälder waren mein Ritalin“, schreibt Richard Louv, ein amerikanischer Journalist, Umweltaktivist und Schriftsteller. Mit seinen Büchern richtet er sich eindringlich an die Menschen, um die besondere Bedeutung natürlichen Erlebens für die eigene Persönlichkeitsentwicklung hervorzuheben. „Kinder büßen ihre Kreativität ein. Sie werden um Lebensfreude betrogen. Sie funktionieren womöglich, aber sie verkümmern. Das prangert er an, und er macht Vorschläge“, heißt es in einem Interview, das die ZEIT mit Richard Louv führte.

Nature deficit disorder und Burnout

Der vom Burnout geplagte Homo digitalis darf dann irgendwann in einer REHA-Klinik in der Kunst- und Ergotherapie seine seelische Befindlichkeit mit Ton, Holz, Wolle, Tusche oder Speckstein zum Ausdruck bringen. Dabei lernt er dann vielleicht, dass der Umgang mit der Tastatur oder der Fernbedienung eben nicht Fertigkeiten ersetzen kann, die mit kreativer Gestaltung zu tun haben. Das kreative Gestalten mit natürlichen Materialien in der Natur hat heilsamen Einfluss auf Körper, Geist und Seele, besonders auf die Synapsenbildung im Gehirn.

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Mit „Nature deficit disorder“ wird – laut wikipedia – „das Phänomen einer zunehmenden Entfremdung von der Natur bezeichnet: die Nichtkenntnis und das Nicht-mehr-Erleben natürlicher Rhythmen und Erscheinungen sowie die sich aus dieser Entfremdung ergebenden Folgen, vor allem für Kinder und Jugendliche und deren Entwicklung, aber auch für Erwachsene und Gesellschaft.“ Vielleicht ist ein Aufenthalt in der Natur oder eine Ferienfreizeit mit den Pfadfindern manchmal das bessere Geschenk für den Nachwuchs als ein mega-neues Smartphone?

„Ich und kein Handy“ lautet übrigens der Titel eines Buches von Benjamin Neukirch. Aus der Beschreibung: „Kein Handy zu haben, obwohl alle anderen über eines verfügen: Wer als Kind die Stärke seiner Eltern in einer solchen Situation nicht im Rücken spürt, der wird gehänselt… gemobbt… ausgestoßen. Er wird scheitern. Schwimmt nicht mit dem Strom ist anders… unbequem… wird büßen. Benjamin steht im brisanten Erfahrungsraum ‚Ich und die andern: Wer bin ich in dieser Welt jenseits der Normen?‘. Sein klarblickendes Erleben führt ihn in die Beschreibung einer spannenden Zeit. Neues Selbstverständnis braucht die Welt. Wenn wirkliche Individualität Angst macht, dann sind wir verloren. Es braucht den Zugang zum echten Verständnis für unsere Wesensart, das auf dem Wahrnehmen und Empfinden gründet ‚Ich fühle mich getragen… gehe auf das zu, was mich anspricht… und wähle in meiner gefühlten Lebendigkeit!’“.

Initiationsrituale in der Natur fehlen unseren Jugendlichen heute zunehmend. Doch genau die sind wichtig für den Übergang zu einem erwachsenen Menschen, wenn wir nicht eines Tages in einer Gesellschaft von narzisstisch gestörten Egomanen leben wollen, die sich noch maximal für „Brot und Spiele“ begeistern lassen…

Ggf. zum Weiterlesen: Harfenklänge statt Ritalin, Infantile Gesellschaft, Die Heilung der Mutterwunde durch die eigene Stimme, Bienen – Eine Herzensangelegenheit, Earthships – nachhaltig bauen im besten Sinne, Kinderdrama vorbeugen, Soziopathie als gesellschaftliche Herausforderung, anamed – allen Hürden zum Trotz Aufruf zum Leben

Immer wieder unterhaltsam ist auch ein Beitrag von Gerhard Eggetsbergers youtube-Kanal (Original „Jasinna„) über das menschliche Verhalten unter dem Druck der Konformitätserwartung:

Monetäres für FRIEDAs Kaffeekasse