Mitochondrien – Zellkraftwerke im Organismus

Stoffwechsel und Gesundheit

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Man erinnert sich dunkel an den Biologieunterricht in der Sekundarstufe I. Irgendwann stand die Zelle auf dem Lehrplan und auf dem Tageslichtprojektor (1970er Jahre…) wurden Folien gezeigt, auf denen zu sehen war, wie Zellen aufgebaut sind. Dass ganz bestimmte Zellbestandteile mit der Bezeichnung Mitochondrien noch einmal in den Fokus der Medizin geraten würden, war damals nicht absehbar.

Auf der anderen Seite überrascht es hingegen, dass die medizinische Forschung dem Zellstoffwechsel erst seit vergleichsweise kurzer Zeit mehr Beachtung zu schenken scheint. In der Sekundarstufe II schließlich gehörten Citratcyclus und Stoffwechselphysiologie bereits zum Lehrstoff im Bioleistungskurs und das spätestens zu Beginn der 1980er Jahre, als ich noch die Schulbank drückte.

Wer ein wenig Ahnung von den sensiblen Stoffwechselvorgängen im Organismus hat, dürfte eigentlich schon vermuten, dass all die uns umgebenden Umweltgifte „nicht wirklich günstig“ auf das Zellgeschehen wirken.

Die Mitochondriale Medizin, kurz „Mito-Medizin“, ist also noch ein vergleichsweise neues Forschungsgebiet. Die Mito-Medizin führt allerdings zu ganz neuen Therapieansätzen. Manche Mediziner sehen in der Mito-Medizin sogar ein revolutionäres Potenzial in Bezug auf therapeutische Maßnahmen gerade auch bei Erkrankungen, bei denen herkömmliche schulmedizinische Ansätze versagen.

Mitochondrien – die Energiekraftwerke der Zellen

Insbesondere durch Dr. med. Heinrich Kremer, der das so genannte Cellsymbiosis-Konzept entwickelte, erregte die Mito-Medizin schon vor Jahren in therapeutischen Kreisen Aufmerksamkeit. Offenkundig spielen Mitochondrien eine Art Schlüsselrolle beim Entstehen chronischer Erkrankungen. Warum das so ist wird schnell deutlich, wenn man sich vor Augen hält, dass Mitochondrien als die „Energie-Kraftwerke“ der Zellen gelten. Sie haben die Aufgabe, jede Zelle im Organismus mit Energie zu versorgen und sind für die so genannte „innere Atmung“ zuständig.

Jede Zelle mit Zellkern verfügt über Hunderte bis Tausende von Mitochondrien, in denen – neben der Energieproduktion – weitere wichtige Stoffwechselprozesse ablaufen, darunter u. a. die Häm-Biosynthese, die β-Oxidation von Fettsäuren und die Synthese einiger Aminosäuren. Doch nicht nur das: Das Entgiftungspotenzial der Leber hängt eng mit der Vitalität der Mitochondrien zusammen. Ihre Rolle im Stoffwechsel ist daher außerordentlich relevant. Gerade bei chronischen Erkrankungen scheint die Mito-Medizin einen sehr erfolgsversprechenden Ansatz zu bieten.

Mitochondrien stehen im Zentrum der Erkenntnisse aus der langjährigen Forschungstätigkeit von Dr. Kremer. Verständlich wird das alles erst durch evolutionsbiologisches Wissen. Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse von Dr. Kremer „lässt sich mit einer bisher nicht gekannten Präzision darstellen, weshalb und wie unsere heutigen Zivilisationskrankheiten, einschließlich der Krebserkrankung, entstehen und wo spezifische Ansätze für die Behandlung sind“, schreibt Heilpraktiker Ralf Meier in der Einleitung seines Buches „Chronisch gesund“ über die Cellsymbiosis-Therapie.

Intakte Zellfunktionen – gesünderer Mensch

Inzwischen nimmt man sogar an, dass die Mito-Medizin der „missing link“ zwischen dem alten Paradigma der auf einem mechanistischen Weltbild beruhenden Medizin und einem neuen Verständnis der Funktionsweise des Körpers ist. Ist die Funktion der Mitochondrien gestört, spricht man entweder von Mitochondriopathie oder von mitochondrialer Dysfunktion. Die Fachwelt unterscheidet zwischen Mitochondriopathie und mitochondrialer Dysfunktion.

„Bevor man wusste, dass die Mitochondrien eine zentrale Rolle für die Gesundheit und Krankheit spielen, konnten neuromuskuläre Syndrome auf eine Funktionsstörung der mitochondrialen Atmungskette zurückgeführt werden. Betroffen sind vor allem Organe, die auf einen hohen Energiebedarf angewiesen sind. Hierzu zählen die Skelettmuskulatur (mitochondriale Myopathie), das Gehirn und die Herzmuskulatur. Es wurde ebenfalls festgestellt, dass diese Syndrome vererbt wurden. Daher ist der Begriff der Mitochondriopathie eine Sammelbezeichnung für diese vererbten Syndrome wie die Lebersche hereditäre Optikusneuropathie, das Kearns-Sayre-Syndrom, das MERRF-Syndrom und das MELAS-Syndrom“, erklärt Prof. Dr. Brigitte König, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Vererbt oder erworben?

Inzwischen ist bekannt, dass Funktionsstörungen der Atmungskette auch außerhalb einer Vererbung im Laufe des Lebens entstehen können. Da der Begriff der Mitochondriopathie nun für vererbte Funktionsstörungen der Atmungskette belegt war, bezeichnet man im Laufe des Lebens erworbene Funktionsstörungen der Atmungskette als „mitochondriale Dysfunktion“ oder auch als „sekundäre Mitochondriopathie“. Eine Mitochondriopathie hat somit eine mitochondriale Dysfunktion zur Folge.

Symptome einer Störung des mitochondrialen Stoffwechsels können von Muskelschwäche, chronisch persistierenden Entzündungen, Allergien, Autoimmunerkrankungen über schwere Schädigungen des Nervensystems bis zu Krebs reichen. Bei Funktionsstörungen der Mitochondrien handelt es sich nicht immer, aber häufig um erworbene biochemische Fehlfunktionen, bei denen genetische Prädispositionen sowie besonders auch Umweltbelastungen, wie etwa Schwermetalle, Lösungsmittel etc. eine entscheidende Rolle spielen.

Anzumerken ist hierzu, dass bestimmte toxische Substanzen, darunter Schwermetalle wie Quecksilber, genotoxisch wirken, Zellschäden also im Erbgut verankert und weitergegeben werden. Aber auch traumatische Erfahrungen können mitverantwortlich für Stoffwechselstörungen im Bereich der Zellorganellen sein.

Als Auslöser erworbener mitochondrialer Fehlfunktionen wird der so genannte nitrosative Stress verantwortlich gemacht. Durch nitrosativen Stress können die Struktur und das Genom von Mitochondrien geschädigt werden, u.a. durch einen Mangel an mitochondrialen Cofaktoren, zu denen das Coenzym Q10, Riboflavin oder Niacin zählen.

Im Gegensatz zu anderen Zellorganellen haben die Mitochondrien eine eigene DNA, genannt mtDNA. Die schlechte Nachricht ist, dass geschädigte mtDNA zu großen Problemen in der Zelle und in der Folge im gesamten Organismus führen kann. Schlimmstenfalls führt das zur so genannten Multimorbidität. Das bedeutet, dass zum eigentlichen Leiden noch Sekundärerkrankungen kommen. Die gute Nachricht ist, dass sich mitochondrienbasierte Erkrankungen behandeln lassen. Und hier geht es nicht um das „Wegmachen“ von Symptomen, sondern um eine ursachenorientierte Therapie.

Gifte raus, Nährstoffe rein, fit halten…

In Bezug auf nachhaltige Heilungschancen scheiden sich allerdings die Geister. Es kommt eben darauf an, um welche Symptome es sich handelt und ab wann auf welche Weise therapeutisch interveniert wird. Insgesamt stützen sich die Behandlungsansätze auf die Entgiftung des Körpers sowie auf die Substitution von selektiv und individuell ausgesuchten Nährstoffen.

Es wird dabei versucht, das Milieu des Körpers wieder in einen Zustand zu bringen, in dem die Selbstheilungskräfte aktiviert werden können. Das bedeutet konkret, dass der Stoffwechsel wieder das erhält, was er zum optimalen Funktionieren braucht und man das ausleitet, was ihm schadet.

Antioxidantien, Vitamine, Mineralien, Spurenelemente gehören ebenso dazu wie die Bereitschaft der Betroffenen, durch eine gesunde Lebensweise mit vitalstoffreicher Ernährung, Sport, frischer Luft und Stressreduktion gut für sich selbst zu sorgen.

Letztendlich ist im Einzelfall zu entscheiden, welche therapeutischen Maßnahmen geeignet sind. Erfreulicherweise öffnen sich immer mehr Mediziner für die neuen Ansätze aus der Mito-Medizin. Dazu gibt es inzwischen auch einiges an Literatur sowie Vorträge auf youtube.

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