Mehr Spaß in der Politik?

Humor als Gesundheitsprävention

Sonneborn photo
Photo by Martin Krolikowski https://www.flickr.com/photos/martinkrolikowski/

FRIEDA „outet“ sich hier nun ganz öffentlich als ehemalige TITANIC-Leserin. Das brachte der Betreiberin dieses Portals in den späten 1970er Jahren an der Schule immerhin die inoffizielle Nominierung zum „Subversiven Element“ ein. Die frühe Prägung hinterließ Spuren – bis heute. Um die schlimmsten Nebenwirkungen des Pokémon-Fiebers in Kindergarten und Grundschule beim eigenen Sohn zu neutralisieren, sorgte FRIEDA somit schon in der Vorpubertät des Sprosses dafür, dass zumindest gelegentlich eine TITANIC verfügbar war. Dass besagter Sohn heute als vergleichsweise gelungen wahrgenommen wird, könnte vielleicht auch mit dieser mütterlich vorausschauenden Entscheidung zu tun haben. Mit anderen Worten: FRIEDA mag den Sonneborn und findet, dass das Programm von „Die PARTEI“ lustig ist, wenngleich hier und da wohl noch Erweiterungsbedarf bestehen könnte. Und was lustig ist, verursacht Glückshormone und Glückshormone tragen zur Gesundheit bei. Das weiß auch der Arzt und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen.

Im Gespräch mit Barbara Rohrmoser und Ulas Sazi Zabci

(c) Barbara Rohrmoser

Die PARTEI: Herzlichen Dank für diese netten Worte! Wir beglückwünschen Sie zur Ihrer Lektüreauswahl und auch dazu, dass Ihr Sohn trotz des subversiven Elements, das ihn erzogen hat, anscheinend ein brauchbares Mitglied der Gesellschaft geworden ist. Wir sind uns sicher, die nun in uns vorhandenen Hormone machen uns gesünder als ein Antibiotika-angereichertes Putenschnitzel!

FRIEDA: Danke ebenfalls. Bleibt abzuwarten, wie sich der Sohn entwickelt. Vermutlich meinen Sie mit Hormone die eingangs erwähnten Glückshormone und nicht jene künstlichen oder „naturidentischen“ Hormone, die sich dank der subventionierten Massentierhaltung sowie der Pharma- und Lebensmittelindustrie über die Nahrungskette in Organismen anreichern. Aber zurück zum Thema: Angenommen, Ihre Partei ginge als klarer Sieger bei den Bundestagswahlen 2017 hervor und Ihnen obläge nun eine Reform des Gesundheitssystems. Was wären Ihre ersten Amtshandlungen?

(c) Ulas Zabci

 

Die PARTEI: Wir sollten nicht annehmen, was längst klar ist! Bei den anvisierten 100% + X sind wir natürlich der klare Sieger. Unsere erste gesundheitspolitische Amtshandlung wird die medikamentöse Ruhigstellung von Karl Lauterbach (SPD) sein. Desweiteren fordern wir die Umbenennung des Gesundheitssystems in Krankheitssystem, denn gesunde Menschen sind in unserem System völlig uninteressant.

FRIEDA: Wenn die Betreiberin dieses Portals in Ihre Partei einträte, wie würden Sie dann die Anregung „Lachyoga, mehr Musik und Kunst schon im Kindergarten statt Frühsexualisierung!“ bewerten?

Die PARTEI: Wer ernsthafte Politik betreiben möchte, muss sich das Lachen schon mal verkneifen. Für Lachyoga dann in den Keller gehen zu müssen, oder Kinder zu ihrem Glück zu zwingen, ist nicht in unserem Interesse. Getreu unserem Motto „Hoch die internationale Sexualität“ finden wir es nicht schlimm, wenn Kinder lernen, dass es auch toll ist, wenn der Papa mal mit dem Papa oder die Mama mal mit der Mama zum Essen geht. Wir sehen außerdem nicht, warum Kunst, Musik, Lachen und Sex einander ausschließen sollten und plädieren für eine freizügige Kombination dieser Elemente. Dass dies in unserer Gesellschaft noch nicht ausreichend weit verbreitet ist, schieben wir darauf, dass sexualpolitische Fragen von Menschen wie Horst Seehofer und Manuela Schwesig diskutiert werden.

FRIEDA: Dass Kunst, Musik, Lachen und Sex einander nicht ausschließen sollten, sich sogar freizügig kombinieren lassen, sieht FRIEDA auch so. Nun ist mit der Kritik an Frühsexualisierung ja nicht gemeint, dass Kindern Kenntnisse über homosexuelle Neigungen vorenthalten werden sollten; die Kontroverse um dieses Thema bezieht sich ja eher auf die Frage, ab welchem Alter Kinder mit dieser Art von Lerninhalten konfrontiert werden sollten, welche Materialien dabei überhaupt als „kindgerecht“ angesehen werden könnten bzw. welche nicht und auch, inwieweit die Politik überhaupt in sexualpädagogische Belange eingreifen sollte. Um mal bei einer satirischen Betrachtung zu bleiben und die Gesundheitspolitik nicht zu weit aus den Augen zu verlieren: Welche sexualpädagogischen Materialien entsprächen denn da den Vorstellungen Ihrer Partei und bis zu welchem Alter halten Sie „Sexualkunde“ für angemessen? Wäre mehr Sex in Seniorenheimen möglicherweise eine Maßnahme, um neurodegenerativen Erkrankungen (Alzheimer, Demenz…) entgegenzuwirken?

Die PARTEI: Um der Entwicklung ungeeigneter sexueller Fetische entgegenzuwirken, plädieren wir dafür, die Bienchen-und-Blümchen-Analogien aus der frühkindlichen Sexualerziehung zu tilgen. Als ein geeigneteres Mittel zur Frühsexualisierung schlagen wir vor, Lehrvideos aus dem RTL-Abendprogramm zusammenzustellen und diese als unaufdringliche Hintergrundbeschallung in Kindergärten laufen zu lassen. So können Kinder am schnellsten auf das angemessen sexualisierte Niveau unserer Zeit befördert werden. Sex in Seniorenheimen macht mit Demenz sicher noch mehr Spaß; daher möchte Die PARTEI anregen, Viagra als Teil der gesetzlichen Rentenleistung zu stellen.

FRIEDA: Wenn Sie könnten: Wen in unserer momentanen Noch-Regierung und wen im EU-Parlament würden Sie am liebsten mal so richtig durchimpfen und mit welchem Impfstoff?

Die PARTEI: Natürlich alle mit allem. An der Gesundheit unserer geschätzten Kolleginnen ist uns sehr gelegen!

FRIEDA: Die in diesem Land empfohlenen Impfungen allein für Kinder in den ersten Lebensmonaten sind seit 1976 von 11 auf 40 (Stand 2013) angestiegen. Dazu kommen dann noch weitere Impfempfehlungen: Vogel- und Schweingegrippe (nicht mehr aktuell, aber doch seinerzeit sehr populär), HPV, Grippe, Hepatitis, FSME, um nur einige zu nennen. Wenn Sie unsere gesamte Noch-Regierung und das EU-Parlament komplett mit allen derzeit empfohlenen Impfstoffen durchimpfen würden, dürfte die absolute Mehrheit für Die PARTEI in der Tat in nahe Zukunft rücken, weil sich die Noch-Regierung und das EU-Parlament dann vermutlich in „Wohlgefallen“ auflösen würden. Anregung von FRIEDA: Alle Politiker, die für die so genannte „Energiesparlampe“ plädierten, dürften Urlaub in der Nähe einer Quecksilbermine in China machen. Dann wäre die 100%-Hürde für Die Partei ein realistisches Ziel. Da Sie also 2017 die ultimative Mehrheit haben, wäre – neben der Gesundheitspolitik – dann die Außenpolitik eine weitere Herausforderung. Hat Die PARTEI dazu schon einen Plan?

Die PARTEI: Wir möchten darauf hinweisen, dass wir die gesundheitspolitischen, nicht die außenpolitischen Sprecher der PARTEI sind. Als gemeinsames Thema beider Bereiche liegt uns allerdings der Mauerbau am Herzen. Mit Mauern könnten wir verhindern, dass dubiose Ausländer wie Marine Le Pen unkontrolliert in unser Land einreisen und möglicherweise Krankheitserreger einschleppen oder durch ihre bloße Anwesenheit dem psychischen Wohlbefinden schaden. Außerdem hofft insbesondere Barbara Rohrmoser, nach der Machtübernahme die Kontakte zu den Hintermännern der weltweiten Pharmaindustrie knüpfen zu können, die sich in ihrer bisherigen Ausbildung zur Ärztin nicht realisieren ließen. Ständig hört man von Ärzten, die mit der Pharmaindustrie das große Geld verdienen, aber Frau Rohrmoser wartet nun schon seit fünf Jahren Studium vergeblich darauf, Teil dieses illustren Kreises zu werden.

FRIEDA: In der Reihe „Sonneborn rettet die EU„, Teil 4, erläutert Ihr Parteivorsitzender, wie er für seinen rasant anwachsenden Parteiapparat Gelder generiert. „Als Parteivorsitzender hole ich Geld immer bei Kreditinstituten, mit denen ich schon erfolgreich zusammengearbeitet habe und die sich mit undurchsichtigen Geldgeschäften auskennen.“ Orientiert habe er sich dabei an der Idee, Geld aus dem Nichts zu erschaffen. Mit diesem und mit anderen Clips veranschaulicht Sonneborn die Absurdität des gegenwärtigen Geldsystems. Mit dieser Haltung steht er ja nicht alleine da. Welches alternative Geldsystem schlägt Sonneborn denn vor und welche Währung?

Die PARTEI: Wir können nicht direkt für unseren GröVaZ sprechen, aber wir sind mit dem System „Geld aus dem Nichts“ eigentlich zufrieden. Ob es sich dabei um die bewährte Ostmark handelt oder um AfD-Gold, ist uns weitestgehend egal. Wir werden hier noch einmal die Nähe zu führenden Homöopathen suchen; wer Wirkstoffe durch Verdünnen potenzieren kann, kann dies sicherlich auch mit Geld.

FRIEDA: In Punkt 6 Ihres Parteiprogramms ist zu lesen: „Die PARTEI fordert, dass Angela Merkel sich – genau wie seinerzeit ihr Kollege Mubarak in Ägypten – in einem Schauprozess zu verantworten hat, für alles. Natürlich im Olympiastadion, aus einem Käfig heraus. Möchten Sie einige Punkte nennen, für die Frau M. öffentlich zur Verantwortung gezogen werden sollte?

Die PARTEI: Wir finden „natürlich für alles“ ist schon recht eindeutig. Natürlich auch dafür, dass Webseiten wie frieda-online.de, spiegel.de und elmarbrok.de noch nicht auf dem Index stehen.

FRIEDA: Sollte die Bevölkerung generell Kabarettisten und Satirikern mehr vertrauen als Politikern und wenn ja, warum?

Die PARTEI: Die Bevölkerung sollte lediglich uns, der PARTEI, vertrauen.

FRIEDA: 2009 produzierte „Die PARTEI“ einen Film (Genre: Doku-Drama, Geschichte, Politik, Komödie). Martin Sonneborn sagt darin eingangs etwas, das FRIEDA hier zitieren möchte: „Wie fühlt sich das an ganz oben? Das Problem ist, wenn Wünsche sich erfüllen, wenn sich Träume erfüllen, dann ist das nie so beglückend, wie es im umgekehrten Falle schmerzlich wäre, es nicht geschafft zu haben. Es ist eigentlich ganz normal, dass man es schafft. Man ist ja der Beste. Es ist ganz normal. Man macht es halt….“. Und da wären wir dann wieder bei Dr. Eckhard von Hirschhausen und dem „Glücksprinzip“. Gibt es zur nächsten Bundestagswahl einen weiteren Teil des Doku-Dramas, so im Sinne der Matrix-Trilogie, oder sagt Teil 1 bereits alles, was zu sagen ist? Anschlussfrage: Was gibt es abschließend noch zu sagen zur allgemeinen Lage der Welt?

Die PARTEI: Wir wollen den Fehler, den gerade Matrix gemacht hat, vermeiden und stellen uns gegen den Trend zur Triologie. Unser Film ist der Beste; warum sollten wir noch einen machen? Wenn jeder unseren Film sehen und die PARTEI wählen würde, wäre auch die Lage der Welt eine sehr gute.

FRIEDA: Vielen Dank für das Gespräch!

(Auf dem Beitragsfoto: Martin Sonneborn)

Anm.: Die Betreiberin dieser Seite fühlt sich lediglich für die Fragen an die PARTEI, nicht für deren Antworten verantwortlich. Zum Weiterlesen: „Erwachsen werden“, ein Gastbeitrag von Apotheker Carsten Pötter.

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