Lässt sich Ordnung verordnen?

Im Gespräch mit Dr. med. Christian Alex

In FRIEDAs Parteienumfrage, die sich an die gesundheitspolitischen Sprecher/innen einiger der neuen, und alle der so genannten etablierten Parteien richtet, ist Dr. Christian Alex nun der nächste Kandidat. Er ist Landesvorsitzender des Gesundheits- und Pflegepolitischen Arbeitskreises (GPA) der CSU. Zur Vorbereitung auf das Interview war natürlich ein Blick ins Parteiprogramm der CSU meine erste Amtshandlung.

Beim Aufrufen desselben im Internet öffnet sich eine Seite, die ein pittoreskes Landschaftsbild zeigt: Berge, grüne Wiesen, Bäume, Blumen, ein Bach mit offenbar klarem Wasser. Darüber hinaus sind zu sehen eine Ortschaft  und auf einem Wanderweg eine fünfköpfige Familie, die fröhlich am Bach entlang spaziert. Am azurblauen Himmel befinden sich nur wenige Wolken, die sich – wie von Zauberhand – dank einer Animation bald zu verflüchtigen scheinen.

Eine einzelne Kuh weidet in der Nähe des Baches. Ein Hubschrauber am Himmel, der über dem friedlichen Heile-Welt-Szenario fliegt, erscheint zunächst rätselhaft. Weder Mobilfunkantennen sind zu sehen noch Geflügelzuchtbetriebe noch behinderte Menschen noch qualmende Schlote… Klar, es geht um Werbung. Da werden Klischees bedient. Viele Parteien machen das so.

Zum Anklicken bietet das Idyll dem virtuell geschulten Menschen einige Punkte. Nach dem Klick öffnen sich verschiedene neue Optionen und spätestens jetzt wird klar: Es handelt sich um eine interaktive Seite. Ein Quiz namens „Hau den Lukas!“ ermutigt dazu, den eigenen Wissensstand über das CSU-Programm abzufragen.

Auch beim Anklicken der anderen Punkte öffnen sich Fenster, die zum Weiterleiten motivieren. Klickt man den Punkt in Hubschraubernähe an, öffnet sich ein neuer Bereich, der mit „Staats- und Rechtsordnung stark und verlässlich!“ benannt ist.

Freiheit, Sicherheit und Ordnung – lässt sich so etwas verordnen?

Begriffe wie „Ordnung, „Freiheit“ und „Sicherheit“ fehlen natürlich auch nicht. Nahezu jede Partei jongliert mit Worthülsen dieser Art, wohl voraussetzend, dass alle darunter dasselbe verstehen oder einfach auch deshalb, weil diese Begriffe irgendetwas suggerieren, das bekannt ist, das ersehnt wird, das Vertrauen schafft. Nun dürfte aber die Auffassung von Ordnung, Freiheit und Sicherheit individuell doch sehr unterschiedlich sein. Aber das komplette Programm der jeweiligen Parteien steht ja nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit der Parteienumfrage, sondern die Gesundheitspolitik. Dazu gibt die GPA-Seite dann zumindest etwas mehr her.

„Als Mitglied des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CSU (GPA) setzen wir uns dafür ein, dass unser Gesundheitswesen ständig verbessert und den aktuellen Anforderungen angepasst wird, damit die Menschen in unserem Land auch in Zukunft auf eine hervorragende medizinische und pflegerische Versorgung vertrauen können“, ist dort einleitend zu lesen. Das klingt gut, ist aber doch recht unkonkret.

Also geht die Suche weiter. Unter GPA-Positionen ist dann schon etwas mehr zu finden, so auch eine Regierungserklärung von CSU-Staatsministerin Melanie Huml aus dem Jahre 2015, die inhaltlich positiv überrascht. Melanie Huml engagiert sich darin für mehr Prävention, spricht sich sogar für eine „Bürgerbewegung Prävention“ aus, will mehr Ärzte auf’s Land bringen und in der Pflege eine Offensive für mehr Selbstbestimmung starten.

„Prävention vor Heilung“ ist offenbar ein besonderes Anliegen von Melanie Huml und auch eines, das sicherlich viel Zustimmung in der Bevölkerung finden dürfte. Ich empfehle, sich die GPA-Seite einfach selbst mal im Detail anzusehen, um sich ein Bild über die weiteren Ideen der Staatsministerin zu machen.

Im Gespräch mit Dr. med. Christian Alex:

FRIEDA: Herr Dr. Alex, über dem Parteiprogramm der CSU steht in weißen Lettern der Begriff „Ordnung“. Von Niccoló Machiavelli (1469 – 1527), italienischer Philosoph, Politiker und Diplomat, stammt das Zitat „Der größte Feind der neuen Ordnung ist, wer aus der alten seine Vorteile zog“. Sie sind seit vielen Jahren in der CSU. Was meint Ihre Partei mit „Ordnung“ und wie ließe sich nach dem Verständnis des Begriffes Ordnung im Sinne Ihrer Partei reformierend auf das gegenwärtige Gesundheitssystem einwirken?

(c) Dr. med. Christian Alex

Dr. Christian Alex: Der Titel des neuen Grundsatzprogramms hatte in der Grundsatzkommission, in der ich mitarbeiten konnte, in den Diskussionen eine zentrale Bedeutung. Ordnung ist kein Selbstzweck, sie gibt Stabilität. Die Ordnung gibt den Rahmen für Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft.

Gerade und besonders ist dies auch im Gesundheitswesen von Bedeutung, damit die Menschen wissen, worauf sie vertrauen und sich verlassen können. Das Gesundheitssystem steht ständig vor neuen Herausforderungen, es gibt nicht „die Reform“, sondern die stetige Weiterentwicklung.

FRIEDA: Wie auf der GPA-Website zu lesen ist, und hier eingangs zitiert wurde, setzen Sie sich als Mitglied des Gesundheits- und Pflegepolitischen Arbeitskreises der CSU (GPA) dafür ein, dass „unser Gesundheitswesen ständig verbessert und den aktuellen Anforderungen angepasst wird, damit die Menschen in unserem Land auch in Zukunft auf eine hervorragende medizinische und pflegerische Versorgung vertrauen können.“

Welche ständigen Verbesserungen des Gesundheitswesens sind hier speziell gemeint und wie sehen Ihrer Ansicht nach die aktuellen Anforderungen der Menschen aus? Oder sind hier nicht die Anforderungen der Menschen gemeint? Und was betrachtet die CSU als hervorragende medizinische und pflegerische Versorgung?

Dr. Christian Alex: Es gibt meiner Meinung nach kaum ein komplexeres, vielschichtigeres, und in vielen Bereichen von unterschiedlichsten Interessen und Abhängigkeiten bestimmtes, System wie das der Gesundheit. Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt unseres Gesundheitssystems. Mit den berechtigten Anforderungen der Menschen meinen wir, „Kranke, Menschen mit Behinderung und Pflegebedürftige müssen auf die Solidarität der Gemeinschaft vertrauen können. Niemand, der Hilfe benötigt, darf alleine gelassen werden.“ (Zitat aus dem Grundsatzprogramm)

Zu den Verbesserungen zählt, dass in der vernetzten, globalisierten Welt Informationen, neue Erkenntnisse, Forschungsergebnisse und Erfahrungen für viele Menschen in Sekundenschnelle abrufbar geworden sind. Die Digitalisierung eröffnet neue Chancen der Kommunikation, Teilhabe, Interaktion. Der medizinische Fortschritt schreitet voran, die personalisierte Medizin hat den Einzelnen, das Individuum, im Fokus.

Eine hervorragende medizinische und pflegerische Versorgung gewährleistet sämtlichen Teilen der Bevölkerung, davon profitieren zu können. Hierbei zu berücksichtigen sind gesellschaftliche Veränderungen wie die veränderte Arbeitswelt, Arbeitsverdichtung und Stress. Sie führen zu neuen Krankheitsbildern.

Damit verbunden sind Fragen der Behandlung und der Prävention. Eine weitere Herausforderung ist die demografische Entwicklung. Geriatrische Krankheitsbilder und die verschiedenen Formen der Demenz sind für die Versorgung, aber auch für die Forschung von besonderer Bedeutung.

FRIEDA: Einem Bericht der Ärztezeitung zufolge hat sich die Arztdichte seit 1980 mehr als verdoppelt; allerdings sei die Verteilung problematisch, wie es dort heißt. Wie der eingangs erwähnten Regierungserklärung von CSU-Staatsministerin Melanie Huml zu entnehmen ist, engagiert sie sich für mehr Ärzte auf dem Land, denn immer weniger Mediziner wollen sich als Vertragsarzt in ländlichen Regionen niederlassen.

Gründe dafür sieht die Kassenärztliche Vereinigung (KBV) darin, dass die Budgetierung, die zunehmende Bürokratisierung und eine schwächere Infrastruktur auf dem Land junge Ärzte nicht dazu motivieren, dort eine Praxis zu übernehmen oder eine neue zu gründen. Ein weiterer Grund sei laut KBV, dass viele Ärzte ihre Aus- und Weiterbildung nicht in den Fachgebieten abschließen, die für eine flächendeckende ambulante Versorgung der Menschen auf dem Land nötig wäre. Welche Ideen hat die CSU, um eine Landpraxis für junge Mediziner wieder attraktiver zu machen?

Dr. Christian Alex: Seit Jahren nimmt die Spezialisierung in der Medizin ständig zu, was am deutlichsten an der Zahl der Facharztqualifikationen und Zusatzbezeichnungen deutlich wird. Ein Blick in die Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer macht dies besonders deutlich. Die Allgemeinmedizin, leider nur mit sehr wenigen Lehrstühlen an den Universitäten vertreten, hat in den letzten Jahren sehr an Attraktivität verloren, wie die Facharztanerkennungen zeigen.

Die Berufswelt verändert sich, unter dem Begriff der „work-life-balance“ besteht zunehmend der Wunsch nach Teilzeitbeschäftigung und dem Arbeiten in einem größeren Team, nicht in einer Einzelarztpraxis. Die Medizin ist „weiblicher“ geworden, d.h. mehr als 60% der Studierenden sind Frauen, das verstärkt den Trend. Adäquate Arbeitsplätze für die Partner sind ebenfalls von Bedeutung.

Die Bayerische Staatsregierung hat bereits auf die neuen Herausforderungen des Ärztemangels im ländlichen Raum reagiert. So gibt es ein Stipendienprogramm für Medizinstudierende und eine Förderung der Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in ländlichen Regionen (siehe www.stmgp.bayern.de). Auch soll eine Landarztquote bei den Medizinstudienplätzen auf den Weg gebracht werden.

FRIEDA: Wenn die Bürokratisierung zu den Gründen gehört, warum Ärzte eine Landpraxis scheuen, wäre die nächste Überlegung, wieso so viel Bürokratie überhaupt sein muss? Ich postuliere hierzu mal Folgendes: „Für Gesundheit braucht man keine Verwaltung, nur für Krankheit!“ Also: Cui bono?

Dr. Christian Alex: Der Abbau der Bürokratie ist seit vielen Jahren ein Dauerthema, nicht nur im medizinischen Bereich. Das Patientenrechtegesetz z.B. macht deutlich, dass bestimmte Dokumentationen für die Patienten allerdings durchaus positiv zu bewerten sind.

FRIEDA: Das wissenschaftliche Institut der AOK stellte vor Jahren fest, dass die Lebenserwartung in einer Region proportional mit der Zunahme der Arztdichte sinke. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob wir wirklich mehr Ärzte brauchen oder mehr Aufklärung im Bereich Prävention? Letzteres setzt allerdings auch Fachleute voraus, die sich mit Prävention auskennen.

Wenn einerseits für mehr Prävention gesorgt werden soll, wie es ja auch Frau Huml anregt, ist andererseits ja die Forderung nach immer mehr Ärzten, die sich ja i.d.R. weniger mit Prävention, sondern mehr mit Krankheiten befassen, eine, die voraussetzen würde, Präventivmedizin bereits im Medizinstudium zu etablieren.

Im Rahmen eines Interviews (in diesem Magazin) mit dem Landarzt Dr. Franz Sperlich, fiel der Satz, dass Ärzte sich gut mit Krankheiten auskennen würden, aber nicht mit Gesundheit. Das sei so, als würde man Höhlenforscher nach dem Weg ins Licht fragen. Gibt es Bestrebungen seitens der CSU, die Inhalte des Medizinstudiums mehr in Richtung Prävention zu reformieren und wenn ja, auf welche Weise soll das konkret geschehen?

Dr. Christian Alex: Bis Ende letzten Jahres war ich Mitglied im erweiterten Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP) und auch im GPA der CSU ist die Stärkung der Prävention für uns von hoher Bedeutung. So haben wir uns für das Präventionsgesetz eingesetzt und die Bedeutung der Prävention auch im Grundsatzprogramm dargestellt. Vorbeugen ist besser als Heilen. Dies gilt es im Medizinstudium zu erlernen; Präventionsleistungen müssen aber auch entsprechend honoriert werden!

FRIEDA: Im Bereich Umweltmedizin steigt der Bedarf, aber das Angebot an Fachleuten sinkt. Immer mehr Erkrankungen, insbesondere im neurodegenerativen Bereich, sind auf multikausale Ursachen zurückzuführen, bei denen Umweltgifte eine mehr oder weniger große Rolle spielen.

Glyphosat, Nano-Partikel, Aluminium, Quecksilber, um nur einige zu nennen. Wie erklären Sie sich, dass im Bereich Umweltmedizin/Toxikologie gespart wird und nicht bzw. nicht ausreichend im Medizinstudium auf die Zusammenhänge zwischen Umweltgiften, deren Kombinationswirkungen und das Stoffwechselgeschehen des Menschen hingewiesen wird?

Dr. Christian Alex: Umwelt- und Arbeitsmedizin sind exakt die Bereiche, die für die Zukunft sowohl im präventiven wie auch im kurativen Bereich an Bedeutung gewinnen werden, weil diese Themen die Menschen bewegen und oft auch ängstigen.

FRIEDA: Bereits im Jahre 2008 äußerte sich Ihr Parteivorsitzender Horst Seehofer in einer ZDF-Sendung sinngemäß dahingehend (damals ging es um die so genannte Positivliste), dem Druck der Pharmalobby nicht gewachsen gewesen zu sein. In Brüssel gibt es 23.000 Abgeordnete und etwa 20.000 Lobbyisten, deren Einfluss auf alle möglichen Bereiche kein Geheimnis ist; dennoch ändert sich nichts. Technologien und Präparate gelangen oft auf den Markt, ohne ausreichend auf Risiken geprüft worden zu sein.

Bürgerengagement ist dann häufig zu verdanken, dass solche Themen überhaupt – oft erst nach Jahren – öffentlich diskutiert werden, aber das heißt noch lange nicht, dass regierungsseitig auch reagiert wird. Horst Seehofer hat auch einmal öffentlich gesagt: „Die, die ihr gewählt habt, haben nichts zu entscheiden, und die, die entscheiden, habt ihr nicht gewählt!“ Deutlicher geht es eigentlich kaum. Nun sind einzelne Politiker auch nur Rädchen im Getriebe; dennoch stellen sie sich als Vertreter/innen des Volkes zur Verfügung und entscheiden sich somit bewusst für diese Aufgabe.

Ohne jetzt irgendwen für das Lobbyisten-Dilemma verantwortlich machen zu wollen, dessen Ursachen ohnehin komplex sein dürften, könnte man dieser unglückseligen Entwicklung doch durch neue Gesetze und „Verordnungen“ begegnen, indem beispielsweise endlich die Verursacherhaftung eingeführt wird. Bürger/innen werden ja auch ständig mit neuen Verordnungen konfrontiert. Gegenüber der Industrie scheint man da allerdings mehr Laissez faire zu üben. Wie steht die CSU dazu?

Dr. Christian Alex: Nicht noch mehr Gesetze und Verordnungen, sondern mehr Transparenz und Information sowie die Anwendung der bestehenden Gesetze sind zielführend. Wir als Verbraucher sind gefordert, mehr Teilhabe einzufordern. Im Patientenrechtegesetz ist geregelt, auf welche Informationen ich als Patient Anspruch habe und wie eine Risikoaufklärung aussehen muss – ein echter Fortschritt. Qualitätssicherung und Nutzen-Risiken-Bewertung von unabhängigen Instituten sind sicher Schritte auf dem Weg in die richtige Richtung.

FRIEDA: Immer mehr Eltern hinterfragen die gängigen Impfempfehlungen, die sich ja zudem auf die so genannte Infektionshypothese stützt. Anzumerken ist hierzu, dass eine Hypothese definitionsgemäß nur eine Unterstellung ist. Die Bundesregierung hat auf die „Impffaulheit“, wie die skeptische und besorgte Haltung vieler Menschen in Bezug auf die „Impfflut“ nun in manchen Medien bezeichnet wird, u.a. mit der Kampagne „Deutschland sucht den Impfpass“ reagiert, die ja von Steuergeldern finanziert werden dürfte.

Mir ist nicht bekannt, dass die Bevölkerung gefragt wurde, ob sie mit einer Investition in Kampagnen dieser Art einverstanden ist. Da Ärzte, besonders Kinderärzte, sowieso über die vom RKI und der STIKO empfohlenen Impfungen informieren, stellt sich die Frage, wieso die Bundesregierung hierzu noch eine vermutlich kostspielige Kampagne starten muss. Traut die Regierung etwa den eigenen Ärzten nicht mehr? Wer hat überhaupt entschieden, dass es diese Kampagne „Deutschland sucht den Impfpass“ gibt?

Dr. Christian Alex: Informationskampagnen der zuständigen Ministerien halte ich grundsätzlich für positiv, da sie wesentlich mehr Bürgerinnen und Bürger erreichen als Veröffentlichungen in Fachmedien oder auf Kongressen. Es ist aus meiner Sicht nicht Ausdruck von Misstrauen gegenüber einzelnen Akteuren, sondern Ausdruck der oft geforderten Formulierung von Gesundheitszielen. Die tägliche Erfahrung in den Arztpraxen und Ambulanzen zeigt, dass nur wenige Patienten über ihren Impfstatus informiert sind und/oder ihren Impfpass dabei haben.

FRIEDA: Haben Sie sich gegen Vogel- und Schweinegrippe impfen lassen?

Dr. Christian Alex: Nein. Aber ich bin fest davon überzeugt, Impfungen dienen dem Schutz des Einzelnen und dem Schutz der Gesellschaft vor bestimmten Erkrankungen und ihren Komplikationen und Folgeerkrankungen und sind eine der größten Errungenschaften der Medizin in über 100 Jahren.

FRIEDA: Wir dürften uns alle darüber im Klaren sein, dass einzelne Politiker, weder ein Herr Seehofer noch Sie, noch eine Frau Huml, ein System, das sich derart „verselbstständigt hat“ völlig reformieren können, selbst dann nicht, wenn sie es wirklich wollten. Und keine Regierung kann das Volk dazu zwingen, eigenverantwortlich zu handeln, denn die Entscheidung, seine Gesundheit in die eigenen Hände zu nehmen, obliegt jedem selbst.

Allerdings setzt diese Entscheidungsfindung auch umfassende Kenntnisse über Präventivmaßnahmen und therapeutische Alternativen (Naturheilkunde) voraus. Sie setzt aber auch voraus, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Menschen möglichst gar nicht erst krank werden. Müsste hier nicht auch den öffentlich-rechtlichen Medien eine Sorgfaltspflicht obliegen, objektiver aufzuklären?

Dr. Christian Alex: Wie bereits anfangs ausgeführt sind für mich die Weiterentwicklung und die Anpassung an neue Gegebenheiten und Herausforderungen entscheidend. Information und Transparenz sind zwingende Voraussetzungen für Eigenverantwortung und Patientenautonomie.

Wir, die wir uns politisch engagieren, sind zuerst Mensch, Verbraucher, Angehöriger, potentieller Patient und ich persönlich noch Arzt und Arzt für Naturheilkunde. Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, wir alle aber müssen uns einbringen.

FRIEDA: Müsste nicht das Abrechnungssystem der KV für Ärzte grundlegend reformiert werden, damit Präventionsberatung auch interessanter für Ärzte wird, statt nur Medikamente zu verordnen?

Dr. Christian Alex: Es ist nicht nur eine Frage des Abrechnungssystems bzw. einzelner Honorarziffern, sondern ein Paradigmenwechsel ist notwendig hin zu mehr Prävention statt teurer „Reparatur“. Die moderne Medizin hat wieder den ganzheitlichen Blick auf den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist und seinem Umfeld zu richten.

FRIEDA: Wie bereits in dem Text „FRIEDAs Parteienumfrage“ mitgeteilt, bin ich der Ansicht, dass es in jeder Partei integre Leute gibt, aber eben auch viele Opportunisten, die sich nur aus eigenen Interessen politisch engagieren. Welche Kerneigenschaften zeichnen Ihrer Ansicht nach einen integren Menschen aus?

Dr. Christian Alex: Jeder Mensch ist mit vielen, aber durchaus unterschiedlichen Talenten ausgestattet. Wir Menschen sind Gemeinschaftswesen, das Leben in der Gemeinschaft erfordert Regeln und Absprachen, d.h. den gesellschaftlichen Konsens und ein breites Wertefundament.

Zu Integrität gehören aus meiner Sicht Ehrlichkeit, Glaub- und Vertrauenswürdigkeit, Unbestechlichkeit, Toleranz, Offenheit, Lernfähigkeit, Kritikfähigkeit, eigene Schwächen zugeben und erkennen können, für Fehler einzustehen und Verantwortung zu tragen, die Würde der Mitmenschen achten.

FRIEDA: Was wünschen Sie sich als Politiker und Mensch von den Bürger/innen dieses Landes?

Dr. Christian Alex: Ich wünsche Frieden in unserem Land und weltweit, ich wünsche mir ein Mehr im Miteinander, Solidarität, Toleranz und Nächstenliebe, weniger Ellbogen und Egoismen.

FRIEDA: Vielen Dank für Ihre Bereitschaft zu diesem Gespräch!

Anm.: Weitere Informationen zum aktuellen Stand in Bezug auf die Resonanz der Parteien auf FRIEDAs Parteienumfrage sind hier zu finden.

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