Kundenbindung mittels Hormonspirale

Skandalöse Bekenntnisse betroffener Frauen

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Der Anfrage zweier FRIEDA-Leserinnen Folge leistend, sollen in diesem Beitrag die Nebenwirkungen von Hormonspiralen beleuchtet werden. Erfahrungen beweisen, dass Frauenärzte schnell mit der Empfehlung für solch ein Produkt sind. Die Hormonspirale wird als „Verhütungsschirmchen“ umworben, doch mit der Bandbreite der Nebenwirkungen werden Frauen oft im Regen stehen gelassen. Die Werbeargumente der Frauenärzte erweisen sich im Nachhinein meistens als falsch. Nebenwirkungen werden gar nicht thematisiert oder bagatellisiert. Die Hormonspirale, auch Intrauterinpessar (IUP) genannt, gibt in kleinen Dosen das Hormon Gestagen an die Gebärmutter ab. Die Verhütungssicherheit gilt als vergleichsweise hoch.

Die Kosten für eine Hormonspirale bewegen sich zwischen 250 und 400 Euro. Die von betroffenen Frauen beschriebenen Symptome reichen von Kopfschmerzen, Entzündungen, Zyklusunregelmäßigkeiten, Rückenbeschwerden, Gewichtsproblemen, Schilddrüsenfunktionstörungen, Müdigkeit, Blutungsschwankungen, Haarausfall und Ekzemen über Übelkeit, Nervosität, Schwindel, Depressionen, Herzrasen, Atemnot bis hin zu Panikattacken und schweren Angststörungen.

FRIEDA sprach mit Christa Müller und mit Marion Schmidt*

FRIEDA: Sie machten mich auf ein wichtiges Thema aufmerksam, das mir bisher gar nicht so bewusst war, da ich selbst nie auf Hormonpräparate zurückgegriffen habe. Wann ließen Sie sich eine Hormonspirale einsetzen?

Ch. M.: Ich ließ mir die Hormonspirale 2004 kurz nach der Geburt meines Sohnes einsetzen.

M. Sch.: Ich ließ mir die Hormonspirale 2009 einsetzen.

FRIEDA: Wurden Sie seinerzeit über die möglichen Nebenwirkungen von Ihrem Frauenarzt informiert?

Ch. M.: Nein, ich wurde nicht informiert. Mein Frauenarzt sagte, die Hormonspirale wäre äußerst sicher und sehr gut verträglich. Kaum Blutungen und Nebenwirkungen, da die Hormonspirale quasi lokal ihre Hormone abgibt.

M. Sch.: Nein. Mir wurde die Hormonspirale wärmstens empfohlen. Der große Vorteil wäre die doppelte Sicherheit: die Sicherheit einer Spirale und einer Pille, jedoch ganz gering dosiert und daher so gut verträglich. Auch wurde mir gesagt, dass wahrscheinlich die Periode ausbleiben würde und man daher die Investition durch Einsparung von Hygieneprodukten schnell wieder raus hätte. Ich muss zugeben, dass das Ausbleiben der Periode für mich den Ausschlag gegeben hat, da ich immer gerne sportlich aktiv war und oft schwimmen gegangen bin. Heute weiß ich, dass das eine Nebenwirkung ist, die behandelt hätte werden müssen.

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FRIEDA: Was kostete das damals?

Ch. M.: Soweit ich mich erinnere rund 350 EURO.

M. Sch.: Ich weiß es nicht mehr genau. Ich glaube ca. 360 EURO.

FRIEDA: Wie lange ist solch eine Hormonspirale wirksam?

Ch. M.: Fünf Jahre.

M. Sch.: Fünf Jahre.

FRIEDA: Ab wann stellten sich die ersten Symptome ein und welche waren das?

Ch. M.: Die Symptome kamen schleichend und ich habe sie viele Jahre nicht mit der Hormonspirale in Verbindung gebracht. Ich war immer sehr gereizt, ständig unter Strom, litt unter Stimmungsschwankungen, war ständig müde. Ich habe mir damals nichts dabei gedacht. Mein Vater und Schwiegervater benötigten altersbedingt ständig meine Unterstützung, da kann das schon mal vorkommen. Außerdem musste ich mich um ein kleines Kind kümmern. Ich hatte auch ständig Blutungen, die ich eigentlich nicht haben sollte, und meine Brüste waren während der Regel und um die Zeit des Eisprungs immer angeschwollen und berührungsempfindlich.

M. Sch.: Nach ca. drei Jahren etwa fingen die ersten Symptome an. Da das ein schleichender Prozess war, habe ich das zunächst nicht in einen Zusammenhang mit der Hormonspirale gebracht: öfter Schwindelanfälle, Benommenheit, Pigmentstörungen im Gesicht, massive Gewichtszunahme – insgesamt 27 kg! (Mittlerweile habe ich mein altes Gewicht wieder zurück.) Weitere Symptome damals waren Herzrasen, das Gefühl, einen Schatten über dem Auge zu haben, Gangunsicherheit, Verdacht auf MS, der aber nicht bestätigt werden konnte. Ferner geschwollene Brüste, Abgeschlagenheit. Da dachte ich anfangs, das läge eben am Älterwerden. Nach Einsetzen der 2. Hormonspirale im Jahr 2014 ging es weiter bergab. Ich habe aber einen stressigen und verantwortungsvollen Job: Zehn Stunden täglich plus Haus, plus Ehrenamt, plus Umzug und Krankheiten der Schwiegereltern, Heimplatz gesucht, Umzüge bewerkstelligt usw.

Dann hatte ich sechs Monate später starke Schmerzen in der Brust. Also ging ich zu meiner Gynälologin, Nachfolgerin der ursprünglichen Praxis: Beim Abtasten wurde auch was gefunden. Also: Ab zur Mammographie! Natürlich mit der Angst, Brustkrebs zu haben. Auch in dem Rahmen wurde nie erwähnt, dass das eine Nebenwirkung der Hormonspirale sein könnte. Festgestellt wurden vier Zysten. Nach Entfernung der Hormonspirale war nach zehn Wochen eine Zyste weg und die anderen haben sich um die Hälfte verkleinert.

Dann ging es aber weiter weiter bergab. Nach der Arbeit war ich froh, im Bett zu sein und mich bloß nicht auch noch mit Freunden treffen zu müssen. Außerdem gab es noch extreme Reaktionen auf Insektenstiche. Im letzten Jahr hatte ich mehrfach einen Lagerungsschwindel. Wieder von Arzt zu Arzt. Kein einziger Arzt hat jemals nach Hormonen gefragt! Nach einem Ohreninfekt habe ich mich überhaupt nicht mehr erholt. In einem Kurzurlaub hatte ich dann einen Zusammenbruch. Ich hatte so heftiges Herzrasen, dass ich eine Panikattacke und Angstzustände bekommen habe. Urlaub abgebrochen und einen früheren Rückflug gebucht. Dann kamen Depressionen hinzu….

FRIEDA: Haben Sie Ihre Frauenärzte damals auf die Symptome angesprochen und wenn ja, wie reagierten sie darauf?

Ch. M.: Ich habe ihn auf die Blutungen und die geschwollenen, gereizten Brüste angesprochen. Er meinte, ich wäre da eine Ausnahme, das könnte eigentlich nicht von der Mirena kommen. Bezüglich der Stimmungsschwankungen habe ich ihn nicht angesprochen, da ich dies ja nicht mit der Mirena in Verbindung gebracht habe.

M. Sch.: Ich habe damals noch keinen Zusammenhang mit der Spirale gesehen. Erst als mich mein Heilpraktiker darauf gebracht hat, dass es doch die Hormone sein könnten, habe ich recherchiert und das Hormonspirale-Forum gefunden. Da ich dort 1000 mal „meine Geschichte“ gelesen habe, stand für mich fest, dass die Spirale raus musste!

Meine frühere Gynäkologin hat die Spirale gezogen. Ich hatte aber zu dem Zeitpunkt keine Kraft mehr zum Diskutieren. Sie meinte nur, dass sie hoffe, mir würde es dann besser gehen. Ich bat darum, einen Hormontest zu machen, aber der wurde mir verweigert mit der Begründung, dass es keinen Sinn mache, da es Frauen mit schlechten Hormonwerten gäbe, die sich gut fühlen, und Frauen mit guten Hormonwerten, die sich aber schlecht fühlen…

Ich habe später mal alle Ärzte abgeklappert und ihnen gesagt, dass all die Symptome von den Hormonen kamen. Manch einer schaute mich mit einem riesigen Fragezeichen über dem Kopf an. Der HNO-Arzt räumte immerhin ein, dass das sein könne…

FRIEDA: Wie ging es dann weiter?

Ch. M.: Die Stimmungsschwankungen wurden schlimmer, ich bekam Herzrasen, Mundtrockenheit, innere Unruhe und Panikattacken. Bei der schlimmsten Panikattacke in einem Einkaufszentrum, musste mich mein Mann abholen und zum Arzt bringen. Ich traute mich nicht mehr Auto zu fahren. Dort bekam ich eine Beruhigungstablette und eine Überweisung zum Nervenarzt.

Die Nervenärztin meinte, ich wäre überlastet mit Familie, Job etc., dies würde meine Stimmungsschwankungen und Panikattacken etc. auslösen und verschrieb mir ein Antidepressivum. Mit dem Antidepressivum ging es mir dann nach einiger Zeit besser, aber sobald ich das Medikament wieder abgesetzt hatte, ging die ganze Sache nach einer Weile wieder los. 2016 habe ich dann beschlossen, keine Antidepressiva mehr zu nehmen. Die Zustände wurden aber immer schlimmer; auch hatte ich in den letzten zwei Jahren ja deutlich an Gewicht zugelegt, trotz jeder Menge Sport und gesunder Ernährung. Ende Dezember 2016 hatte ich einen Vorsorgetermin beim Frauenarzt. An diesem Tag bin ich kurz vorher nochmal ins Internet gegangen und wollte wegen der Gewichtszunahme und meiner zunehmenden Röllchen am Bauch mal wegen Wechseljahren recherchieren. Da bin ich auf ein Forum gestoßen, in dem Frauen über ihre Zeit mit der Hormonspirale und danach berichteten. Das hat mir die Augen geöffnet. Ich habe mir die Hormonspirale an diesem Tag gleich ziehen lassen.

M. Sch.: Ich war bis dahin krankgeschrieben, insgesamt fünf Wochen, und bin dann an dem Tag wieder zur Arbeit gegangen, zunächst nur für vier Stunden täglich und nach einem Monat für sechs Stunden täglich. Ich war depressiv, hatte ständig Ängste, war total erschöpft, konnte mich aber nicht mehr erholen. Die Kilos purzelten nur und mittlerweile hatte ich alle 3-4 Wochen einen Lagerungsschwindel plus Benommenheit, Schweißausbrüche, Zittern, Magenschmerzen, trockene Haut usw.

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Mein Hausarzt hat mir geraten, zur Psychotherapie zu gehen. Ich habe Tage und Stunden heulend am Telefon verbracht. Ich habe in allen Städten im Umkreis angerufen, über 300 Telefonate geführt mit dem Ergebnis, dass ich bei einem Arzt auf die Warteliste gekommen bin. In meiner Verzweiflung habe ich dann zwei Versuche bei Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung gestartet, die ich natürlich privat gezahlt habe. Durch die Mutter einer Freundin bin ich dann doch zu einem Psychotherapeuten gekommen, da sie ihn überredet hatte, mich zu nehmen. Das hat in der ersten Zeit auch wirklich geholfen. Denn irgendwann hat auch keiner mehr Lust, sich das Gejammer anzuhören. Wer noch keine Depressionen hatte, kann sich gar nicht vorstellen, wie schrecklich das ist. Da sitzt du mir klaren Verstand und denkst:

Ich habe eine tolle Familie, einen tollen Mann, tolle Freunde, einen super Job usw. aber man will nur noch sterben. Man kann sich über nichts mehr freuen. Das Einzige, was mich davon abgehalten hat, mir was anzutun, war, dass ich das meiner Familie und meinem Mann nicht zumuten wollte. Die Einnahme von Antidepressiva habe ich abgelehnt. Ich war immer eine Kämpferin und wollte das so schaffen. Auch wenn es oft extrem schwer war.

FRIEDA: Hat irgendein Arzt, den Sie in der Folge aufsuchten, nach der Hormonspirale gefragt und Sie auf mögliche Zusammenhänge mit den aufgetretenen Symptomen aufmerksam gemacht?

Ch. M.: Nein.

M. Sch.: Mein Heilpraktiker, der auch Allgemeinmediziner ist, also der, der mich überhaupt erst auf die Hormonspirale als Ursache all der Symptome brachte, hat sich dann viel Zeit genommen und mir mal die ganzen Zusammenhänge erklärt. Er hat mich auch durch den Hormonentzug begleitet.

Dann bin ich auch durch eine Empfehlung aus dem Forum zu einem Mitochondrien-Mediziner in Oberhausen gekommen. Ich habe mich einfach nicht erholt. Die Mitochondrien sind die Kraftwerke in unseren Zellen. Wenn es hier zum Erliegen kommt, kann keine Energie mehr erzeugt werden. Diese chemischen Abläufe im Körper benötigen viele Nährstoffe und Vitamine. Eine hormonelle Verhütung frisst unter anderem die B-Vitamine und Vitamin D3, Magnesium, Zink usw. Hier werden die Blutzellen auf Mängel untersucht und nicht das Serum. Und bei dieser Untersuchung wurden auch Defizite festgestellt. Daher rührten auch die Depressionen und – wie bei mir – auch noch eine Histaminintoleranz. Mein gesamter Stoffwechsel hatte aufgegeben. Zudem wurde bei mir noch festgestellt, dass ich genetisch schlecht entgifte und Stresshormone schlecht abbaue. Zudem werden auch bei meiner Genetik Östrogene zu langsam abgebaut. Laut dem Arzt in Oberhausen kommt es einem Kunstfehler gleich, Frauen wie mir eine Hormonspirale zu legen.

FRIEDA: Zusammen mit vielen anderen Frauen tauschen Sie sich inzwischen auf einem der Portale aus, die sich kritisch mit der Hormonspirale auseinandersetzen. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Ch. M.: Ja, wie schon gesagt, bin ich durch eines dieser Foren überhaupt darauf gekommen, dass die Hormonspirale etwas mit meinen Symptomen zu tun hat. Dafür bin ich sehr dankbar, denn ich hätte irgendwann meinen Alltag nicht mehr managen können.

Wir tauschen uns dort über den Stand der Dinge aus: Wie lange ist die Hormonspirale schon draußen? Ist der Zyklus wieder da, lassen die Symptome langsam nach. Und was kann man machen, damit man schnell wieder die „Alte“ ist? Vielen dort ging und geht es nicht anders als mir. Es tut einfach gut zu wissen, dass man nicht alleine ist und man erhält auch immer mal wieder gute Tipps, die einen weiterbringen.

Wir sind mittlerweile doch recht viele und es kommen fast wöchentlich neue dazu. Was wir vor allem gemeinsam haben, ist, dass wir alle von den meisten Ärzten im Stich gelassen wurden. Manche landeten auch schon in der Psychiatrie. Man konnte ja körperlich nichts bei ihnen finden und auf die Idee, einen Hormonspiegel zu machen, ist ja auch keiner der Ärzte gekommen. Denn das ist ja das Chaos, das die Hormonspirale anrichtet. Sie bringt den ganzen Hormonspiegel durcheinander und das ist der Auslöser für all diese Symptome.

M. Sch.: Das Forum hat mir sehr geholfen. Am Anfang zweifelt man ja doch immer noch daran, dass es wirklich an der Hormonspirale liegen könnte. Aber in dem Forum bekommt man viel Zuspruch und Tipps von Frauen, die das gleiche durchgemacht haben, und Gott sei Dank, immer noch im Forum Tipps geben, obwohl sie alles schon überstanden haben. Ich schreibe dort auch fleißig und hoffe, mit meinen Erfahrungen anderen helfen zu können.

FRIEDA: Sie haben sich inzwischen die Spirale entfernen lassen. Was hat sich seitdem verändert?

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Ch. M.: Die Hormonspirale wurde Ende Dezember 2016 entfernt. Danach ging es mir erst einmal noch schlechter. Man bekommt dann so etwas wie einen Hormonentzug. Glücklicherweise hatte ich zu dieser Zeit Urlaub und ich musste meinen normalen Alltag nicht bewältigen. Dann bekam ich die Adresse einer Heilpraktikerin, die sich auf Hormone und die Schilddrüse spezialisiert hat. Ich habe dann erst mal ca. acht Wochen eine Entgiftungs-Kur gemacht. Danach folgte ein Speicheltest und ein großes Blutbild, um meinen Hormonspiegel zu ermitteln. Das Ergebnis des Speicheltests war wenig überraschend für meine Heilpraktikerin. Meine Estriol, Estradiol und Progesteron-Werte waren total im Keller. Das Resultat des großen Bluttests war: Akuter Vitamin D-Mangel und die Schilddrüsenwerte waren nicht 100 %-ig in Ordnung. Seit ca. vier Wochen werde ich jetzt mit bioidentischen Hormoncremes behandelt. Seit ca. zwei Wochen kann ich sagen, dass es mir viel besser geht. Die Panikattacken sind fast vollständig verschwunden und wenn sie mal auftreten, dann in sehr, sehr abgeschwächter Form. Herzrasen, Müdigkeit und innere Unruhe sind weg. Der Zyklus hat sich noch nicht so eingespielt, aber das wird sicherlich noch ein wenig dauern. Am Gewicht hat sich noch nicht so viel getan, aber auch das braucht Zeit, denn vor allem das Progesteron muss wieder aufgebaut werden. Jedoch bin ich optimistisch, dass sich das auch noch regeln wird.

M. Sch.: Ich kann heute sagen, dass ich – fast neun Monate nach der Entfernung – wieder die Alte bin. Ich arbeite wieder Vollzeit, treffe mich wieder mit Freunden, habe meine tolle Figur zurück. Von 44/46 wieder auf 36/38. Ich habe aber auch gelernt, dass man mehr Selbstverantwortung übernehmen muss. Ich habe mit einer Heilpraktikerausbildung begonnen. Ich möchte mehr verstehen! Ich hatte das Glück, keine Freunde zu verlieren, hatte verständnisvolle Arbeitskolleginnen und -kollegen und eine Familie, die mich unterstützt hat. Aber das alles hat auch ein paar Tausend Euro gekostet. Gesundheit kann man sich doch kaufen. Aber was die Krankenkassen bezahlen, hat mit Gesundheit nicht viel zu tun…

FRIEDA: Halten Sie es für möglich, dass vielen anderen Frauen gar nicht bewusst ist, dass ihre Depressionen, Angststörungen etc. mit der Spirale zu tun haben könnten, d.h., dass sie womöglich Psychopharmaka bekommen, obwohl die Ursache für die Befindlichkeitsstörungen ganz woanders herrührt?

Ch. M.: Ja, da bin ich mir sicher. Das ist meine Erfahrung und es spiegelt sich auch in der Erfahrungen und Berichten der Forums-Mitglieder wider.

M. Sch.: Da bin ich mir sicher. Im Forum ist eine Frau Mitglied, die als klinische Psychologin arbeitet und nachdem sie selbst schlechte Erfahrungen gemacht hat, heute zunächst alle Frauen auf hormonelle Verhütung anspricht. Bei 75% lag es dann auch an der hormonellen Verhütung! Aber ihre Kollegen sehen das oft nicht so. Die würden sich ja auch sonst die Butter vom Brot nehmen lassen…

FRIEDA: Da Ärzte anscheinend wenig über die Nebenwirkungen aufklären, könnte es demnach also sein, dass es nach wie vor viele Frauen gibt, die sich falsch behandeln lassen, weil ihnen der Zusammenhang der Symptome mit der Spirale gar nicht bewusst ist? Wie schätzen Sie das ein?

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Ch. M.: Ja, das kann ich mir vorstellen. Ich habe ja auch zwölf Jahre gebraucht, um eins und eins zusammenzuzählen. Die meisten Frauen bekommen die Hormonspirale ja erst, nachdem sie eine Geburt hatten. Dann kommt erst mal Stress: Kind, Familie und wahrscheinlich auch noch Beruf. Wenn man dann mal müde und abgeschlagen ist, und schlecht gelaunt, da denkt man sich doch erst mal nichts dabei. Wenn es dann schlimmer wird, kommt in der Regel der Nervenarzt.

M. Sch.: Leider bekommt ein Gynäkologe auch am wenigsten für einen Kassenpatienten. Ich glaube, das sind nur ca. 16 Euro im Quartal. Er muss ja eine hormonelle Verhütung verkaufen, um über die Runden zu kommen. Die Ärzte behandeln ja auch keine gesunden Menschen, sondern Kranke.

FRIEDA: Grenzt es nicht an Fahrlässigkeit seitens der Ärzte, dass hierzu nicht ausreichend aufgeklärt wird oder könnte es sein, dass die Ärzte selbst nicht so genau wissen (oder es auch nicht so genau wissen wollen), welche Konsequenzen die Hormonspirale haben kann?

Ch. M.: Ich denke eher Zweiteres; viele Ärzte wissen es nicht genau und haben wahrscheinlich auch gar nicht die zeitlichen Kapazitäten, um sich darüber zu informieren. In einigen Fällen kann ich mir natürlich auch vorstellen, dass sie sich die Zeit dafür gar nicht nehmen wollen.

M. Sch.: Ich glaube, dass viele das wirklich nicht sehen, weil es auch bestimmt Tausende Frauen gibt, die, genauso wie ich, keinen Zusammenhang zwischen der Hormonspirale und all ihren Symptomen sehen und dann auch nicht mit ihren Gynäkologen Kontakt aufnehmen. Und ich muss ja als Kassenpatient in fünf Minuten fertig sein…

FRIEDA: Sie haben vielleicht mitbekommen, dass ich im Rahmen einer Parteienumfrage alle gesundheitspolitischen Sprecher/innen unserer Parteien kontaktiert und um ein Interview gebeten habe. Welche Qualifikationen sollte Ihrer Ansicht nach ein Politiker mitbringen, der das Amt eines gesundheitspolitischen Sprechers auskleidet?

Ch. M.: Er sollte zumindest in irgendeiner Form medizinische/homöopathische Grundkenntnisse haben. Natürlich wäre auch ein wenig betriebswirtschaftliches Denken von Vorteil.

M. Sch.: Wenn ich nun nach den ganzen Erfahrungen mal ganz böse wäre, würde ich sagen: Die sollten mal krank als Kassenpatient dem System ausgeliefert sein, dann würde sich vielleicht etwas ändern…

FRIEDA: Unser Gesundheits- und Krankenversicherungssystem dient in erster Linie der Verwaltung von kranken Menschen. Der Lobbyismus der Pharmaindustrie steht noch auf einem anderen Blatt. Hätten Sie Einfluss auf Reformen in diesem Bereich, welche Ideen hätten Sie dazu?

Ch. M.: Was mir am meisten am Herzen liegen würde ist, dass man sich gegenüber der Homöopathie und der alternativen Medizin mehr öffnen würde. Der Mensch muss wieder als ganzes Individuum gesehen werden. Momentan ist der Trend, immer mehr zum Facharzt geschickt zu werden. Darin sehe ich ein großes Problem. Der Mensch wird nur in Stückchen und in Momentaufnahmen gesehen und keiner setzt das daraus entstehende Puzzle mehr zusammen. Meiner Meinung nach sind dann Fehldiagnosen und falsche Medikation unausweichlich.

M. Sch.: Das ganze System hinkt. Die vorgeschriebenen Fortbildungen für Ärzte, um an ihre Punkte zu kommen, werden durch die Pharmaindustrie und Ärztekammern abgehalten – nach dem „lecker Essen“. Sobald man in der Teilnahmeliste eingetragen ist, verschwinden die meisten. Wenn dort 70 Ärzte sitzen, sind max. drei interessiert und stellen Fragen. Das habe ich selbst erlebt. Schon während des Studiums werden die meiner Ansicht nach verblendet von der Pharmaindustrie. Und mit jedem Medikament, sei es der Betablocker, die Schilddrüsentablette usw., kauft man die nächste Krankheit. Jede Tablette sorgt für Mängel im System und schon brauche ich die nächste. Ärzte reparieren die Reparatur, der Reparatur, der Reparatur.

FRIEDA: Danke für Ihre Bereitschaft zu dem Interview und die aufschlussreichen Informationen!

Hormonspirale-Forum

Anmerkung von FRIEDA:

Als Frau Christa M. als Leserin von FRIEDA mit der Bitte an mich herantrat, das Thema doch mal aufzugreifen, ahnte ich nicht, welches Fass ich da aufmachte. Während der Konversation mit Christa M. erfuhr ich, dass auch Frau Marion Sch. ihre Erfahrungen beitragen wollte und somit entstand ein Interview mit zwei betroffenen Frauen.

Ich werde gelegentlich zu Fortbildungen für Ärzte eingeladen. Zuletzt war ich im Sommer 2016 in Hamburg bei einer solchen. Dort waren ca. 80 Ärzte. Es ging am Rande um mitochondriale Medizin. Von dem Arzt, der die Veranstaltung organisierte, erfuhr ich, wie viel Mühe es ihn gekostet hatte, diese Inhalte überhaupt als „Weiterbildungsverstaltung mit Punkten“ genehmigen zu lassen.

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Um die Mito-Medizin zu verstehen, erfordert es u. a. Wissen um den so genannten Citratcyclus. Ich habe in der Sekundarstufe II Bio- und Ernährungslehre-Leistungskurse gehabt. Damals stand schon der Citratcyclus auf dem Lehrplan. In Bio nahmen wir Stoffwechselphysiologie, Verhaltensforschung, Cytologie, Genetik, Ökologie u. a. durch. Zudem machte ich vor langer Zeit eine Ausbildung zur BTA. Physikalische Chemie, Mikrobiologie, Zoologie, Organische/Anorganische Chemie – das und mehr wurde gelehrt. Das ist nun mehrere Jahrzehnte her! Insofern erstaunt es, dass diese Zusammenhänge offenbar wenig Bedeutung im Medizinstudium zu haben scheinen, denn wer auch nur etwas Ahnung von Stoffwechselphysiologie und dem Cytratcyclus hat, sollte wissen, was Umweltgifte/Schwermetalle/synthetische Hormone etc. und mangelnde Nährstoffe für den Organismus bedeuten. Bei der Ärztefortbildung in Hamburg im letzten Jahr war ich erschüttert darüber, dass – erkennbar an den (wenigen überhaupt gestellten) Fragen der anwesenden Mediziner – definitiv kaum jemand Ahnung (!) von diesen grundlegenden Zusammenhängen zu haben schien. Ein Grund zu Fremdschämen…und die, die keine Fragen stellten, interessierten sich anscheinend sowieso nicht für die Inhalte der Veranstaltung, wie ich bei den Pausengesprächen feststellte…

Und nun verweise ich nochmals auf FRIEDAs Parteienumfrage zur Gesundheitspolitik! Wir sollten uns für ein neues Gesundheitssystem stark machen! Wer möchte, kann beispielsweise den Link zu diesem Beitrag an Ärzte, Ärztekammern, Krankenversicherungen, Freundinnen, Kolleginnen etc. mailen…

* Namen von FRIEDA auf Wunsch zur Wahrung der Anonymität geändert. Die richtigen Namen der Interviewpartnerinnen sind FRIEDA jedoch bekannt.

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