Semco-System: Kooperation als Weg

Gewinnmaximierung als Sackgasse...

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In dem Buch „Das Semco-System“ wird die Erfolgsgeschichte eines brasilianischen Unternehmens auf unterhaltsame Weise dokumentiert. Das Unternehmen wurde 1980 von Ricardo Semler übernommen. Der Unternehmer sorgte dafür, dass die ursprünglich traditionell autokratisch geführte Firma nach seiner Übernahme konsequent in Richtung „Radikale Demokratisierung“ reformiert wurde. Ergebnis: Die Bilanzen besserten sich deutlich und die Mitarbeiterfluktuation sank rapide. Die revolutionäre Idee des innovativen Reformers lautete: „Management ohne Manager“.

Semler setzte auf das Verantwortungsgefühl seiner Belegschaft, indem er ihr möglichst viele Mitgestaltungsmöglichkeiten einräumte. Strenge Regeln, etwa in Bezug auf das Mobiliar in den Büros oder die Garderobe, wurden quasi aufgehoben und zeitgleich wurde die Buchhaltung für die gesamte Belegschaft transparent gemacht. Über alle relevanten Entscheidungen wurde abgestimmt. Eine Art Selbstorganisation trat buchstäblich „wie von Zauberhand“ ein. In der Biologie würde man in so einem Fall von „Natürlicher Sukzession“ sprechen. Je weniger von außen eingegriffen wird, desto größer das Potenzial, dass auf organische Weise ein Gleichgewicht eintritt. Das klappt natürlich nur, wenn nicht „jeder Chef sein will“. Am Beispiel des Erfolgsmodells Semco-System zeigte sich, dass sich dann neue Strukturen herausbilden, wenn Menschen sich in Gruppen organisieren und auf das Erreichen eines gemeinsamen Zieles ausrichten.

In rein profitorientierten Unternehmen werden die Strukturen „von oben“ festgelegt, die Hierarchien sind eindeutiger und die Motivation der Mitarbeitenden sinkt, was zu einer Art „inneren Kündigung“ oder „Dienst nach Vorschrift-Haltung“ führt und nicht selten mit Burnout und anderen Symptomen endet. Konstruktive Strukturen bilden sich somit nicht auf spielerische Weise aus, solange Unternehmen die Gewinnmaximierung über alles stellen. Das Semco-System bewies, dass die sich Gewinne buchstäblich von allein in den Bilanzen niederschlagen, wenn man der Mitarbeiterschaft freieren Lauf lässt.

Übertragen auf die Gesellschaft könnte man daraus schlussfolgern: Je weniger Macht, Kontrolle und Hierachien, desto besser gelingt die Selbstorganisation, die letztendlich dem Wohle aller dient und zu zufriedeneren Menschen führt, da ein höchstmögliches Maß an Freiheit dem Potenzial zur kreativen Mitgestaltung, je nach individuellen Talenten und Kenntnissen, der menschlichen Entfaltung gerechter wird als ein System der Überwachung.

Das Buch „Das Semco-System“ ist derzeit anscheinend nur noch antiquarisch erhältlich. Schade eigentlich. Es dürfte aber in etlichen Bibliotheken noch zum Ausleihen zur Verfügung stehen. Die gute Nachricht ist, dass Ricardo Semler inzwischen zu einem generellen Überdenken des Arbeitslebens anregt. „Was wäre, wenn Ihre Arbeit nicht Ihr Leben beherrschen würde?“, fragt der „Changemaker“, wie man ihn auch nennt. Tja, die Frage sollten wir uns doch mal auf der Zunge zergehen lassen und uns überlegen, was dann denn wäre?

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