Körperweisheit – Tanz als Ausdruck der Seele

Im Gespräch mit Edda Lorna

Körper, Geist und Seele – ein Begriffstrio, mit dem seit Jahren nahezu jedes Yoga-Studio wirbt. Der Körper könnte also als Tempel für die Seele und den Geist zu betrachten sein. Nicht umsonst wird auch von Bauchgefühl gesprochen, das mitunter verlässlicher als die Urteilskraft des Verstandes ist. Der amerikanische Autor John Gray schreibt in seinem Buch „Dein drittes Gehirn“ sogar, dass im so genannten Mikrobiom (Bakterienmasse im Darm) eine Art Bewusstsein vorhanden sei. Ein zweites Gehirn im Magen-Darm-Trakt wollen Forscher ja bereits vor etwa zwei Jahrzehnten identifiziert haben. Doch der Körper ist nicht nur ein Speichermedium von Informationen, zu denen auch traumatische Erlebnisse gehören können, sondern in erster Linie ein wunderbares Instrument, um Zugang zu den eigenen Gefühlen zu bekommen, ganz besonders über das Tanzen.

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Auch Edda Lorna, Kulturwissenschaftlerin, Zufriedensheitscoach, Tanztheatertherapeutin und Geschichtenerzählerin sieht Tanz als eine Ausdrucksmöglichkeit von Inhalten und Gefühlen. Sie begleitet Menschen seit vielen Jahren auf ihrem Weg zu mehr Authentizität.

FRIEDA im Gespräch mit Edda Lorna

FRIEDA: Deine Biografie lässt vermuten, dass du schon sehr früh genau wusstest, in welche Richtung die Reise gehen würde. Zu deinem Studium der Kulturwissenschaften gehörten Theater/Tanz, Kulturanthropologie als Hauptfächer und als Nebenfächer Kunst/Kunstpädagogik und Literaturwissenschaft. Viele Weiterbildungen in den Bereichen Körperarbeit und Bewegung kamen dazu. Gab es für diese Orientierung einen konkreten Auslöser oder wurde dir das Interesse für die Bedeutung körperlichen Ausdrucks in die Wiege gelegt?

(c) Edda Lorna

Edda Lorna: In meiner Schulzeit habe ich leidenschaftlich gerne experimentelles Theater gespielt. Wir hatten einen tollen Lehrer von unserer Theater AG, der uns viel Freiraum gegeben hat, so dass wir selber Szenen entwickeln konnten. In meinem Studium habe ich Tanztheater kennen gelernt. Es hat mich fasziniert, ganzkörperlich Inhalte und Gefühle auszudrücken und Bühnenstücke für Studentinnen zu inszenieren. Wenn der Körper frei ist, dann kann sich auch der Geist entfalten und frei sein.

FRIEDA: Du kannst auf neununzwanzig Jahre als Tanztheaterpädagogin und Choreografin zurückblicken. Worauf kommt es dir bei dieser Art von Arbeit hauptsächlich an?

Edda Lorna: In meinem Unterricht schaffe ich einen Raum, in dem die Teilnehmenden vertrauen können. Sie bekommen und wir entwickeln gemeinsam ein Angebot von Bewegungsvokabular, das sie selber in der Improvisation variieren und erweitern können. Da sie sich nicht bewertet fühlen, erreichen sie eine Authentizität, die Freude und Freiheit schenkt. Mir geht es immer wieder darum, neue Perspektiven im Tanz zu vermitteln und mit Humor die Inhalte auf den Kopf zu stellen.

Unser Körper ist intelligenter als wir. Es ist spannend zu erleben, inwieweit man dem Körper vertrauen kann. Ich liebe es Übungsaufgaben zu stellen, die scheinbar unlösbar sind. Die Teilnehmenden oder Patientinnen/Patienten wissen dann keine Antwort. Diese leichte Verwirrung birgt viel Humor und dann wird die Bewegung leichter in der Heiterkeit. Das macht viel Freude, diese positive Kapitulation zu erleben und wie sich dann in der Tanzimprovisation dem Körper anvertraut wird. Er findet immer eine Lösung, wenn man ihn dann lässt.

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Wertschätzung und Achtung vor dem eigenen Körper, der eigenen Persönlichkeit und dem Gegenüber wird in meiner Arbeit immer wieder erfahren. Jede/r schreibt Geschichten mit seinem, ihrem Leben. Wir können oft nicht beeinflussen, WAS uns passiert, doch WIE wir damit umgehen. Das Wichtigste ist für mich das WIE, also die Haltung dem Leben gegenüber. Deshalb ist eine meiner Leidenschaften, den Menschen Geschichten zu erzählen. In der Psychologie gibt es für die Therapie mit Geschichten den Begriff Bibliotherapie. Ich habe für mich den Begriff „Tanzbibliotherapie“ entwickelt. D.h. ich erzähle den Menschen nicht nur gerne Geschichten, sondern setze sie in Bewegung um, bzw. wir tanzen auch Elemente aus den Geschichten.

Den Teilnehmenden oder Patientinnen/Patienten biete ich an, wie man auch anders ‚Lebensgeschichte‘ schreiben kann. Es gibt auch andere Wege, andere Inszenierungen und sie können wählen, welche Wege sie gehen können. Das ist das Spannende beim Tanztheater. Man muss nicht eine ganze Geschichte tanzen. Es reichen oft nur Gesten, die ausgeführt, verfremdet, stilisiert oder spielerisch dramatisiert werden können. Der Gehalt der Geschichten wird in Bewegung ganz anders spürbar, nachhaltig und wirkt dadurch in den verschiedenen Bewusstseinsebenen.

Wenn man ein Verhalten verändern möchte, kann der Verstand einem viel erzählen, doch wenn ich eine unterstützende Geste, Haltung oder Bewegung ausführe, dann wirkt es tiefer in verschiedene Körper- und Gehirnregionen. In unterschiedliche Rollen ganz körperlich zu schlüpfen, bringt viel Freiheit. Dadurch wird ein großes Spektrum von Verhalten deutlich gemacht. Das führt zu einer Entscheidungskraft, mit der man sich entschließt, welche Rolle man einnehmen möchte.

Absichtlich leite ich oft absurde Aufgaben an, damit man über sich lachen kann. Humor ist für mich ein ganz wichtiges Handwerkzeug. Es ist so befreiend, über sich selber lachen zu können. Die Welt ist oft viel zu ernst bzw. vieles wird zu tragisch ernst genommen. Natürlich gibt es massive Probleme und da ist es wichtig, mitfühlend zu arbeiten, doch wir entscheiden, ob wir ein Drama gestalten oder ob wir versuchen, Lösungen zu finden. In meiner Arbeit als Tanztheaterpädagogin und Zufriedenheitscoach wirkt genau diese Kombination von imaginären Inhalten und Körperausdruck nachhaltig in den verschiedenen Bewusstseinsebenen. Das eigene Potenzial wird erkannt und verstärkt.

FRIEDA: Du arbeitest auch mit psychisch kranken Menschen, die aufgrund unterschiedlichster Symptome stationär oder ambulant betreut werden, darunter Suchtprobleme, Borderline und andere. Sogar inhaftierte Frauen hast du schon begleitet. Welche Bedeutung hat tänzerischer Ausdruck gerade für diese Menschen?

Edda Lorna: Menschen in Krisenzeiten brauchen Ermutigung, Stärkung ihrer individuellen Fähigkeiten und Bezugnahme auf die Gruppe. Bei Geschichten, Bildern können sie sich mit der Heldin/dem Helden identifizieren und ihre eigene Kraft spüren. Sehr kostbar ist immer wieder, sich auf die Gemeinschaft zu beziehen, dass wir uns alle ein Spiegel sind. Jede und jeder kennt Eigenschaften, die Personen in der Gruppe präsentieren, ob es Antreibende, Verurteilende, Spaßmachende, Schüchterne, Forsche sind. Es macht viel Freude, wenn diese Unterschiede getanzt werden können. Genauso wichtig ist es, Gefühle anzunehmen und anzuerkennen. Jede und jeder ist mal ein Angsthase, ein kräftiger Löwe, oder/und eine langsame, weise Schildkröte.

Im Tanz wird die Akzeptanz von allem spürbar und kann sehr erlösend wirken. Man darf so sein, wie man ist. Man wird anerkannt und wertgeschätzt mit dem, wie man ist. Manchmal erfahren die Teilnehmenden, dass sie sogar ein Vorbild für die anderen sind, die ihnen Dankbarkeit zeigen.

Die schönste Erlebnisse sind, wenn die Teilnehmenden in das Vertrauen kommen, nichts erfüllen zu müssen und sie ganz sie selbst sein können – verschmolzen mit den zu tanzenden Inhalten. Diese Authentizität erschafft wunderschöne Begegnungen mit sich selbst und anderen.

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FRIEDA: Du bietest auch Tanzurlaub und Lebensfreude-Seminare für Frauen an. Was beinhalten sie und wo finden sie statt?

Edda Lorna: Ja, in diesem Jahr zwei Frauenurlaube. Den ersten vom 30.4 – 5.5., ein Tanzurlaub bei Kraftorten auf Mallorca, den ich jedes Jahr anbiete. Mut, Freude, Gleichmut, Kraft und Sinnhaftigkeit bilden den inhaltlichen Hintergrund. Tanzimprovisationen entstehen im Kontakt mit der Natur gepaart mit Weisheitsgeschichten und Mythen. „Bewegende“ Lebensthemen werden durch Bilderkraft greifbar und ermöglichen neue Sichtweisen. Innere Schätze und innere Wege zeigen sich. Vertiefung findet im Tanz statt. Diese erfahrbare Selbstwirksamkeit bringt Freude und Freiheit.

(c) Edda Lorna

Der zweite Frauen-Urlaub hat das Motto: „Lebens-Freude-Seminar“ auf Griechenland vom 2.9.-9.9.18. Den leite ich mit meiner Kollegin Ines Maurer, eine Paartherapeutin, die u.a. auch gestalttherapeutisch arbeitet und systemische Aufstellungen macht. Seit 30 Jahren leitet sie Gruppen an. In diesem Seminar wird ein Raum geschaffen für Selbsterfahrung, persönliche Themen, Entspannung. Es geht darum, ganz in der eigenen Mitte anzukommen, sich eine Auszeit zu gönnen. Mit Leichtigkeit und Tiefe kommen die Frauen dabei in Kontakt mit inneren Blockaden, mit ihrer eigenen Lebenslust und Verwandlungskraft. In der Gemeinschaft von Frauen erleben sie eine Zusammengehörigkeit, die trägt und viel Freude nachhaltig ins Leben bringt – und das alles in einer traumhaften Landschaft von Meer und Sonne.

FRIEDA: Vielen Dank für das Gespräch.

Titelfoto: (c) Edda Lorna

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