Kinderbuch für Kinder der Freiheit

Im Gespräch mit Enno Samp

Buch direkt bestellen

Frühsexualisierung, „Gender-Gaga“ und „wir basteln uns eine Planwirtschaft“ sind Themen, die zunehmend auch die Kinderbuchliteratur sowie die „pädagogischen“ Lehrmaterialien in Kindergärten und an Schulen prägen. Wie Konditionierungen erfolgen und wie offen besonders Kinder für Gehirnwäsche sind, aber auch für Traumatisierungen, spricht sich zum Glück immer mehr herum.

Enno Samp hat sich auch Gedanken über diese Tendenzen gemacht. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er Wirtschaftswissenschaften und Musikwissenschaft an der Universität Oldenburg mit Abschluss „Dipl.-Oec.“ Daran folgte eine Berufstätigkeit im Bremer Konzerthaus „Glocke“ und später bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in den Bereichen Konzertmanagement, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Seit 2010 beschäftigt Enno sich darüber hinaus intensiv mit einem Thema, das an der Uni im Rahmen des Studiums der Wirtschaftswissenschaften erstaunlicherweise nicht vermittelt wurde: Die Österreichische Schule der Nationalökonomie.

Der 1969 geborene Enno Samp übersetzt nun auch Kinderbücher. Was es damit auf sich hat, erzählt Enno am besten selbst. Wir kennen uns übrigens schon seit etwa 2011 aufgrund unseres damals gemeinsamen Engagements für den Landesverband der Partei der Vernunft in Bremen, bei der ich allerdings wieder ausgetreten bin. Das heißt nicht, dass ich nicht im Großen und Ganzen noch zu dem Parteiprogramm stehe, aber ein Parteiprogramm ist eben noch nicht der Schlüssel für Konsens in der Gruppe und gemeinsames Handeln. Zudem schien Bremen seinerzeit nicht sehr offen für libertäre Gedanken zu sein, wohl auch, weil viele Menschen gar nicht genau verstehen, was Libertarismus bedeutet. Libertarismus setzt auch verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln voraus und das wiederum erfordert ein Bewusstsein für Fairness und ökologische Verantwortung. In einer Welt, in der das „Haben“ gegenüber dem „Sein“ dominiert, dürfte Libertarismus keine Chance haben; in einer Welt jedoch, in der das „Sein“ vor dem „Haben“ im Bewusstsein verankert ist, entsteht – das ist meine subjektive Meinung – Libertarismus von allein.

FRIEDA im Gespräch mit Enno Samp

FRIEDA: Soweit ich weiß, warst du schon lange auf der Suche nach Büchern für Kinder und Jugendliche, die einigermaßen die libertäre Sichtweise transportieren. Was es mit „libertär“ auf sich hat, können Interessierte ggf. in einem Interview nachlesen, das ich mit Dirk Hesse führte. Auch in dem Beitrag „Der mit den Golfern tanzt“, ein Interview mit Oliver Heuler, kommt das Thema zur Sprache. Nun ist Freiheit ja ein sehr interpretationsfreundlicher Begriff. Beinahe in jedem Wahlkampf werben die Parteien damit, wobei sich bei genauerem Hinsehen zeigt, dass es dabei meistens um die Freiheiten der Herrschenden geht, während die der „Untergebenen“ häufig weiter eingeschränkt werden. Wie definierst du denn Freiheit?

(c) Enno Samp

Enno: Eine schöne Frage. Ich würde sagen, die Freiheit, tun oder lassen zu können, was ich möchte, solange ich damit niemand anderem schade. Freiheit ist also mehr als alle vier Jahre zur Wahl zu gehen. Sie geht weit darüber hinaus, in einer Demokratie zu leben. Vor allem ist Freiheit etwas völlig anderes als eine Vollversorgung und eine Rundum-Absicherung durch den Staat. Freiheit meint auch die Freiheit, sehr verschiedene Lebensentwürfe ausprobieren zu können. Sie ist gekoppelt an Verantwortung für sich selbst, und sie ist verbunden mit dem Risiko, scheitern zu können. Sie bedeutet dann aber auch die Möglichkeit, es immer wieder neu und aus eigener Kraft probieren zu können.

FRIEDA: Es heißt ja nicht umsonst „Vater Staat“, doch dass Abhängigkeit vom Staat unmündig hält, ist eben die Schattenseite der vermeintlichen Sicherheit. Wir sehen das ja unter anderem am so genannten Öffentlichen Dienst, wo das „Personal“ offiziell nicht aufmucken darf und das i.d.R. auch nicht macht: Anpassung geht vor Innovation und Kreativität. Das ermutigt ja nicht gerade zur Risikofreude und zum Widerspruch. Aber so ganz ohne Staat und Behörden geht‘s ja auch nicht, oder wie ist der libertäre Gedanke aus deiner Sicht da zu verstehen?

Enno Samp: Dass das staatliche Personal „nicht aufmucken darf“ – das ist ja in gewisser Weise noch in Ordnung, als man als Angestellter ja seinem Arbeitgeber eine gewisse Loyalität schuldig ist. 😉

Buch direkt bestellen

FRIEDA: Dazu eine Zwischenfrage: Wäre diese Loyalität nicht eher gegenüber jenen wichtig, die das Konstrukt „Staat“ finanzieren, somit auch den Öffentlichen Dienst, also gegenüber den Steuerzahlern? 🙂

So, wie ich Libertarismus verstanden habe, zielt er ja darauf ab, Wahlen überflüssig zu machen. Das ist also ein ganz anderer Ansatz als wir ihn jetzt haben, wo Parteien Wahlen gewinnen wollen, zumeist mit Versprechen, die dann meistens nicht gehalten werden. Damit generieren sich die Parteien zwar Wählerstimmen, doch letzten Endes werden die „Regulierungen“ durch den Staat dann für jene immer rigider, die „ihre Parteien“ gewählt haben – und für den Rest. Eigentlich sind Libertäre doch die wahren Anarchisten, die ein Bewusstsein dafür schaffen wollen, dass niemand dazu berechtigt ist, über andere zu herrschen. In dem Zusammenhang finde ich auch eine Aussage des Historikers, Ethnologen und Journalisten Wolfgang Aurose interessant, den ich kürzlich interviewte, nachzulesen unter „Evolution und Identität“. Er sagte nämlich, dass Verordnungen, Paragraphen, also die aufgeblasene Bürokratie und Reglementierung, zu den Schattenaspekten des „rationalen Zeitalters“ gehörten.

Enno Samp: Da hast du natürlich im Prinzip recht. Und u.a. deswegen hatte ich meiner Aussage oben ja einen grinsenden Smiley hinzugefügt. Aber zur Frage, „ganz ohne Staat?“ bzw. wie viel Staat wäre denn wohl richtig? Nun – ehrlich gesagt – ich weiß es nicht, und ich bin da in gewisser Weise unentschieden. Ich bin daher dafür, es auszuprobieren und sich langsam an immer mehr Freiheit heranzutasten. Je mehr libertäre Literatur ich gelesen habe, umso mehr verstehe ich die sog. Anarchokapitalisten, die den Staat komplett abschaffen möchten. Vorstellen, dass das möglich ist, und dann auch gut funktionieren würde, kann ich mir das aber nur bedingt – schon allein mit Blick auf die Außen- und Verteidigungspolitik. Denn man muss ja davon ausgehen, dass es andere Staaten weiterhin geben würde.

Und egal, welche Form von libertärem Staat bzw. Gesellschaft wir möchten – die Frage ist ja immer, wie man da friedlich und sozial verträglich hinkommt von unserer derzeitigen, schon halb-sozialistischen Situation bei über 50% Staatsanteil am Sozialprodukt? Das kann ja nur in mehr oder weniger behutsamen Schritten gehen. Ich wünschte mir deshalb, dass dieser Weg in Richtung „weniger Staat“ erst einmal eingeschlagen werden würde. Und wenn man dann mal ein gutes Stück weit gekommen ist und die – hoffentlich und höchst wahrscheinlich – positiven Resultate einer solchen freiheitlicheren, eigenverantwortlicheren Situation sieht, dann kann man sich ja überlegen, ob es mit so viel Freiheit und so wenig Staat gut ist oder ob es vielleicht noch etwas weiter in Richtung Reduzierung des Staates gehen soll.

Buch direkt bestellen

FRIEDA: Auf deiner Website steht, Sozialpolitik sei kontraproduktiv und zwar immer. Ist so eine Aussage, Sozialpolitik sei kontraproduktiv, nicht sehr gewagt? Ich denke da beispielsweise auch an Wohnberechtigungsscheine für Geringverdienende oder an Zuschüsse wie Kindergeld, was ja auch in den Bereich Sozialpolitik fällt. Stell‘ dir vor, du hättest ein krankes Kind zu versorgen, könntest somit nicht mehr so viel arbeiten – wie sähe denn dann im Libertarismus das soziale Netz aus?

Enno: Das ist eine sehr wichtige Frage. Und sie schließt perfekt an meine vorige Antwort an. Es geht wieder um einen sozial verträglichen Übergang zu einer freiheitlicheren Gesellschaft. Wenn im Moment so viele Menschen für ihr Leben und Überleben vom Staat abhängig sind, dann kann man das nicht einfach von heute auf morgen streichen. Dann hätten wir ja außerdem auch Hunderttausende arbeitsloser Beamter.

Mit der zitierten Aussage ist insbesondere gemeint, dass jede neue sozialpolitische Maßnahme in der Regel das Gegenteil dessen bewirkt, was erreicht werden soll. Die Mietpreisbremse führt zu weniger Wohnungsbau, weil es sich für die Investoren weniger lohnt. Weniger Wohnungsangebot – zumal in einer Situation von aufgrund von Migration extrem steigenden Bedarfs – führt aber zu steigenden Preisen. Das schadet also letztlich allen. Oder Mindestlohn. Klar gönne ich jedem, nicht nur für mindestens 8,50 Euro zu arbeiten, sondern auch für 10, 20, 30 oder noch mehr Euro. Es wäre klasse, wenn alle Menschen so gut verdienen könnten. Aber so einfach geht es ja leider nicht. Wobei man sich ja auch gleich fragt, warum es linke Politiker mit den Menschen so schlecht meinen und einen so niedrigen Mindestlohn anbieten. Mit dem Mindestlohn verdienen jetzt also manche Arbeitnehmer mehr als zuvor. Und das ist sehr gut für diese Leute. Es gibt aber Unternehmen, die durch die so gestiegenen Preise nicht mehr wettbewerbsfähig gegenüber ausländischer Konkurrenz sind und ihren Betrieb aufgeben müssen. Während also manche von den höheren Stundenlöhnen profitieren, haben andere deswegen ihren Job verloren. Ist es das wert? Und es wird ja in diese Richtung weitergehen. Höhere Lohnkosten motivieren zu mehr Automatisierung und machen diese noch schneller rentabel. Da werden dann bald die nächsten Jobs wegfallen.

FRIEDA: Bei deiner Suche nach libertären Kinderbüchern bist du schließlich auf den Amerikaner Connor Boyack aufmerksam geworden. Connor Boyack ist Autor einer Buchserie über die „Tuttle Zwillinge“. Er ist zudem Vater zweier Kinder und ein Anhänger des Homeschoolings. Worum geht es überhaupt in den Geschichten der Zwillinge Ethan und Emily?

Enno: Connor ging es ganz ähnlich wie mir: Er war auf der Suche nach Büchern für seine Kinder, die die Prinzipien der Freiheit vermitteln. Er fand nichts – also hat er selbst zu schreiben angefangen. Bei meiner entsprechenden Suche fand ich zunächst auch nichts, bis ich dann nach einiger Zeit die Tuttle Zwillinge entdeckte. Mir gefielen die Bücher. Mein Sohn liebte sie in meiner mündlichen Übersetzung. Und daraufhin habe ich Connor angeboten, die Übersetzungen zu machen und mich um die Verbreitung im deutschsprachigen Raum zu kümmern.

Worum geht es? Zunächst mal sind es immer schöne, teils lustige, nette, sehr ansprechende und wunderbar illustrierte Kindergeschichten. Diese Geschichten umschreiben in jedem Buch die Kernaussagen eines der Klassiker der libertären Literatur. In Band 1 – „Die Tuttle Zwillinge und das Gesetz“ – geht es um den Inhalt von Frédéric Bastiats Essay „Der Staat“. Der Staat bzw. seine Politiker und Beamten dürfen Dinge tun, die wir nicht dürfen – z.B. Menschen Geld wegnehmen, indem man es Steuern nennt. Das ist doch komisch, oder? Und das hat auch eine Menge Nachteile. Darum geht es in dieser Geschichte.

Buch direkt bestellen

Die weiteren Bände widmen sich u.a. den Aussagen von Edward Griffins „Die Kreatur von Jekyll Island“, Friedrich August von Hayeks „Der Weg zur Knechtschaft“, Henry Hazlitts Klassiker „Economics in one Lesson“ oder Ayn Rands großartigem Roman „Atlas Shrugged“.

Schön und besonders wichtig ist, dass die Bücher immer positiv sind. Sie verzichten auf Horrorszenarien oder pauschale Verurteilungen. Sondern sie weisen auf Probleme und Gefahren hin und geben auch den Kindern schon Handlungsmöglichkeiten: indem sie dieses Wissen weitersagen und die Bücher weiterverbreiten.

FRIEDA: Das Buch „Die Tuttle-Zwillinge und das Gesetz“ kostet 9,95 Euro. Kann es nur bei dir über die Website bezogen werden oder auch über den Buchhandel?

Enno: Klar, am meisten freue ich mich über Bestellungen über meine Webseite www.kinder-der-freiheit.com. Bei Amazon Marketplace ist es auch bestellbar. Über den Buchhandel kommt es hoffentlich noch. Das ist eine meiner nächsten Aufgaben – das Buch ist ja noch ganz neu. Und ich mache das ja neben meiner „normalen“ Berufstätigkeit. Außerdem arbeite ich bereits an Band 2. Da geht es um die „Tuttle Zwillinge und der wunderbare Bleistift“, wenn die Kinder die vielfältige Vernetzung und Arbeitsteilung innerhalb der Marktwirtschaft entdecken. Mit etwas Glück kommt Band 2 noch im Dezember in Deutschland heraus.

FRIEDA: Dann wünsche ich dir weiterhin viel Freude bei dieser neuen Passion und viel Erfolg!

FRIEDAs Kaffeekasse:

Danke.

Zum Weiterlesen:

Gender – Themen, die die Welt nicht braucht, Gendermainstream, Lämmer und „Demokratie“, Aufruf zum Leben, Eltern wissen das nicht!, Rechte und linke Ideologien, Die Parkinson’sche Erkrankung, Emanzipation mal anders betrachtet, Der mit den Golfern tanzt, Weniger Staat, mehr vom Leben, FRIEDAs Parteienumfrage, Zum Opportunismus geboren?, Vom Boom der Hobbyköche, Jamaika und der Kammerton A, Populismus – Haben wir das Fragen verlernt?, Gemeinwohl: Bürger vermögen viel, Gesellschaft im Aufbruch, Souveränität: Von Karpen und Delfinen, Die Sache mit der roten und der blauen Pille, … u.v.a.m.

Und nochmal der m.E. geniale Vortrag von Dr. Maaz, den die Wissensmanufaktur auf ihrem youtube-Kanal bereitstellt:

Weitersagen auf

Monetäres für FRIEDAs Kaffeekasse