Keine Angst vor Ubuntu-Linux!

Der Umstieg ist leichter als viele denken...

 

Linux photo
Foto: http://pixabay.com/en/users/Gergely

Die Zwangsjacken für Verbraucher seitens der etablierten Anbieter von Betriebssystemen werden immer enger geschnürt. Dabei gibt es längst Alternativen und die sind sogar bis zu einem Gewissen Grad kostenlos. Die Rede ist von Ubuntu Linux. Doch noch immer scheuen viele Menschen den Wechsel.

Der Begriff Ubuntu stammt übrigens aus der Bantussprache Zulu, die von etwa elf Millionen Menschen in Afrika gesprochen wird, und bedeutet so etwas wie Menschlichkeit, genauer: „Ich bin, weil wir sind!“ Die Linux-Entwickler suchten sich den Namen Ubuntu nicht zufällig aus. Sie wollten ein auf verständliche Weise zu installierendes Betriebssystem schaffen, das zugleich auch einfach zu bedienen ist. Das Projekt hat der südafrikanische Unternehmer Mark Shuttleworth gegründet.

Gerade im privaten Bereich geht es meist nur um Textverarbeitung, Terminplanung, Tabellenkalkulation und maximal noch um Bildbearbeitung. Ubuntu hat weit mehr zu bieten, aber allein die genannten Anwendungsbereiche werden damit bestens abgedeckt.

Frieda sprach mit Thomas Gregor Winterhalder, um Ubuntu hier näher vorzustellen

Frieda: Herr Winterhalder, möchten Sie sich kurz vorstellen?

Th. G. W.: Ich arbeite bei einem großen Messgerätehersteller und betreue dort die Web-Plattform. Dort gibt es insgesamt 33 verschiedene Webseiten in zwölf Sprachen. Mein erster Kontakt mit Linux war 1998 mit Suse 5.2. Die Windows-Welt ist mir aber auch nicht fremd. Diverse Anwendungen sind auf Windows besser aufgehoben. Es gibt kein Schwarz oder Weiß. Man sollte schauen, für welche Anforderungen welches Betriebssystem notwendig ist und sich dann entscheiden.

Frieda: Obwohl es Ubuntu schon lange auf dem Markt gibt, fällt vielen der Umstieg schwer. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür?

Th. G. W.: Wer sich einen neuen Rechner/Laptop kauft, hat zu 99% Windows vorinstalliert. Damit kann derjenige ja tun, was er möchte, surfen/Briefe schreiben etc. Wieso also wechseln, wenn man sich an etwas gewöhnt hat? Das ist wie mit einem Bankkonto. Viele wissen, dass es irgendwo etwas Besseres gibt, aber gewechselt wird nicht. Schaut man sich die mobile Welt an, haben Android (Google) und IOS (Apple) den Markt aufgeteilt. Windows spielt hier keine Rolle.

Frieda: An vielen Orten gibt es bereits Stammtische, Vereine und Gruppen, bei denen sich Ubuntu-Experten untereinander austauschen und auch Neulingen beim Einstieg in die Ubuntu-Welt helfen. Was kann man tun, wenn man keine Ansprechpartner in der Nähe hat?

Th. G. W.: Man gibt sein Anliegen in eine Suchmaschine ein. Wer keinen Text lesen möchte, kann sich auch bei YouTube diverse Videos ansehen. Hilfe gibt es auch stets hier: https://wiki.ubuntuusers.de/Einsteiger/

Frieda: Die meisten Viren werden für Windows geschrieben. Was macht Ubuntu sonst noch sicherer?

Th. G. W.: Aktuell ist der Verbreitungsgrad noch nicht so hoch. Daher lohnt es sich nicht, hier Viren/Trojaner, wie im Umfang für Windows, zu betreiben. Auch der integrierte Paketmanager, mit dem Programme installiert und deinstalliert werden können, trägt dazu bei, dass immer alle installierten Programme über den Paketmanager aktuell gehalten werden können. Unter Windows muss jedes einzelne Programm vom Anwender meistens selbst aktuell gehalten werden oder die Auto Update Funktion beim Installieren aktiviert werden.

Frieda: Braucht man irgendwelche Antiviren-Software, wenn man mit Ubuntu arbeitet?

Th. G. W.: Wer möchte, kann diese installieren; zwingend notwendig ist das nicht, da der Verbreitungsgrad von Viren etc. für Ubuntu, wie gesagt, nicht hoch ist, siehe hier: https://wiki.ubuntuusers.de/Sicherheitskonzepte/

Frieda: Welche Softwareergänzungen kann man sich noch gratis herunterladen als Ubuntu-User?

Th. G. W.: Es gibt eine sehr große Anzahl an Software, Firefox = Browser, LibreOffice = Microsoft Office Ersatz, Thunderbird = E-Mail Programm. Dazu ist eine gute Übersicht hier zu finden: https://wiki.ubuntuusers.de/Software/ Auch für Schüler und Studenten gibt es viele Programme, die nützlich sind.

Frieda: Wie sieht es mit den Updates aus?

Th. G. W.: Die Updates für die Sicherheit des Systems werden relativ schnell zur Verfügung gestellt. Sobald die Updates verfügbar sind, können diese installiert werden. Oft ist dazu nicht einmal ein Neustart notwendig. Bei Ubuntu gibt es zwei Versionen, einmal die LTS (LongTerm Support), die fünf Jahre lang gepflegt wird. Danach ist ein Upgrade zur nächsten LTS Version möglich, ohne neu zu installieren. Und danach gibt es noch die normale Version, bei der es neuere Software und Änderungen an der Öberfläche (Desktop) gibt. Bei dieser Version gibt es nur neun Monate lang Updates. Danach muss man schon auf die nächste Version wechseln. Informationen dazu sind hier zu finden: https://wiki.ubuntuusers.de/Long_Term_Support/

https://wiki.ubuntuusers.de/Ubuntu/Releases/

Frieda: In vielen Haushalten werden alte PCs und Laptops gehortet. Könnte man da nicht oft einfach einen alten Rechner formatieren, ggf. mit einer neuen Festplatte ausrüsten und Ubuntu installieren? Was wäre dabei zu beachten?

Th. G. W.: Grundsätzlich ist es eine sehr gute Idee, alte Rechner weiterzuverwenden. Es gibt jedoch mit speziellen Rechnern Probleme, wenn sie einen Pentium M besitzen. Aber auch dafür gibt es Abhilfe:
https://wiki.ubuntuusers.de/Ubuntu_Precise_installieren_auf_non-PAE_Systemen/

Leider wird die Installation in diesem Fall etwas kompliziert für Laien. Solche Geräte sind aktuell über zwölf Jahre alt, somit nicht mehr häufig anzutreffen. Es gibt sonst auch noch die Möglichkeit, Ubuntu von CD oder USB-Stick als Live-System zu starten. Damit kann man experimentieren, ohne etwas kaputt zu machen:
https://wiki.ubuntuusers.de/Desktop-CD/

Frieda: Nicht erst seit Edward Snowden wissen wir, wie massiv die Überwachungstechnologien auch schon in das private Leben eingreifen können. Ist Ubuntu auch in dieser Hinsicht eine Alternative?

Th. G. W.: Ja, Ubuntu ist dazu eine Alternative, da hierzu noch keine Daten erhoben werden. Es wurde in Ubuntu 12.04 eine Shopping-Lense installiert, die Daten gesammelt hat. Diese lässt sich aber deinstallieren oder ausschalten. Es gab seinerzeit einen großen Aufschrei seitens der Ubuntu-User: https://wiki.ubuntuusers.de/Unity/Unity_Lenses/

Eine Deaktivierung dieser Funktion ist übrigens möglich und zwar unter „Systemeinstellungen -> Privatsphäre -> Suchergebnisse -> Online-Suchergebnisse

Frieda: Welche Softwareergänzungen kann man sich noch gratis herunterladen als Ubuntu-User?

Th. G. W.: Es gibt eine sehr große Anzahl an Software, darunter Firefox = Browser, LibreOffice = Microsoft Office ersatz, Thunderbird = E-Mail Programm. Auch für Schüler und Studenten gibt es viele Programme, die nützlich sind. Eine Übersicht bietet: https://wiki.ubuntuusers.de/Software/

Frieda: Wenn sich mehr User für Ubuntu entscheiden, droht dann auch hier die Kommerzialisierung oder wird innerhalb der Ubuntu-Community darauf geachtet, dass man den ursprünglichen Zielen treu bleibt?

Th. G. W.: Viele werfen ja dem Gründer von Canonical, Mark Shuttleworth, seit jeher eine Kommerzialisierungs-Strategie vor. Irgendwie muss ja auch Geld verdient werden, um gewisse Ideen und Konzepte zu erstellen. Jemand muss den Entwickler bezahlen, der die Security-Patches für das System testet und bereitstellt. Ubuntu ist mittlerweile im Server-Bereich stark vertreten. Jedes System wird, wenn es einen gewissen Marktumfang hat, kommerzialisiert, sei es, indem Dienstleistungen oder Schulungen dazu angeboten werden. Ich denke, es würde dann eine Mischung aus beidem sein.

Frieda: Wo kann man sich denn sonst Hilfe bei Fragen oder Installationsproblemen holen?

Th. G. W.: Neben den oft von regional aktiven Linux-Gruppen, die zum Teil Informationstage für Interessierte anbieten und meistens auch sonst für Fragen zur Verfügung stehen, gibt es im Internet noch Quellen. Eine davon ist die Seite der Linux-Community: http://www.linux-community.de/

Frieda: Vielen Dank für das Gespräch.

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