Kadavergehorsam am Beispiel Segensroboter

Das Milgrim-Experiment gestern und heute

Im Oktober 2018 „feierte“ Hamburg seinen ersten „Segensroboter“, einen umgebauten Bankautomaten. Die Kirche gab der Maschine den verheißungsvollen Namen „BlessU-2“. Zuerst hielt ich den Netzfund ja für eine Satire. Doch heutzutage verschwimmen die Grenzen zwischen Satire und Realität ja ohnehin schon. Eigentlich, so scheint es, ist alles umgekehrt. Was uns als Satire angeboten wird, ist eher die oft traurige Wahrheit und der Rest, also die offiziellen Meldungen, na ja.

Sprach der König zum Priester: Halte du sie dumm, ich halte sie arm (Quelle unbekannt)

Unter dem Titel „Hamburg feiert ersten Digital-Gottesdienst mit Tablet und Segensroboter“ ist also auf der Website evangelisch.de allen Ernstes zu lesen, dass rund 400 Leute am ersten „digitalen Gottesdienst“ teilgenommen haben. Pastorin Corinna Senf ließ sich von dem Gerät sogar segnen. Ein Foto vom „Segensroboter“ ist übrigens auch in dem Beitrag zu sehen. Traurig, aber wahr: Quelle: https://www.evangelisch.de/inhalte/153061/28-10-2018/hamburg-feiert-ersten-digital-gottesdienst-mit-tablet-und-segensroboter

Kadavergehorsam und betreutes Denken

Heißt es nicht im Johannesevangelium: „Ich bin der Weinberg und Ihr seid die Reben“ – ? Oder muss das in der Bibel dann künftig heißen: „Ich bin der Server und Ihr seid die clients?“ Übrigens heißt es im Lukas-Evangelium (Vers 20): „Da er aber gefragt ward von den Pharisäern: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; man wird auch nicht sagen: Siehe hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch. Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, dass ihr werdet begehren zu sehen einen Tag des Menschensohnes, und werdet ihn nicht sehen.…“ (Fette Hervorhebung durch mich…).

Digitale Offenbarung?

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Im Ernst: Warum gehen die „Gläubigen“ in eine Kirche, in der ein die Grenzen der Geschmacklosigkeit sprengender, grotesk aussehender „Bankautomat“ als Segensroboter angepriesen wird? Weil‘s der Pastor bzw. die Pastorin gesagt hat?

Dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn fleißig weiter am Bargeldverbot gebastelt wird und die „Gläubigen“ dann irgendwann mit einem implantierten Chip zum Bäcker gehen, um ihre nährstoffbefreiten Weißmehlbrötchen und ihre Blödzeitung zu kaufen…

„Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus“ (Ignazio Silone)

In Schweden wird das „bargeldlose Sklaventum“ ja schon sukzessive umgesetzt. Und wenn irgendwelche Promis sich tätowieren lassen, machen es Hunderttausende nach. Lassen die Promis sich Silikon implantieren, folgen prompt unzählige Frauen, die das Verhalten imitieren. Wenn‘s die im Fernsehen machen, muss es ja wahr sein. Und wenn ein amtlicher „Gottesvertreter“ dazu aufruft, fortan einen alten Bankautomaten als Segensroboter zu akzeptieren, wird er schon wissen, was er tut.

Die Offenbarung der fatalen Autoritätsgläubigkeit

Je autoritätsgläubiger jemand ist, desto weniger ist er zum selbstständigen Denken in der Lage. Das zeigte die Geschichte zur Genüge. Sehr gut veranschaulicht wurde der Kadavergehorsam auch durch das legendäre Milgrim-Experiment. Dass das Milgrim-Experiment aus den 1960er Jahren heute noch funktioniert, bewiesen übrigens polnische Forscher erst vor wenigen Jahren.

„‘Die große Mehrheit der Menschen würde heute wohl von sich sagen, dass sie sich niemals so verhalten würden wie im Milgram-Experiment‘, sagt Tomasz Grzyb von der Universität Wrocław. Ob das stimmt, haben Grzyb und seine Kollegen nun überprüft. Für ihre Studie rekrutierten sie 40 Männer und 40 Frauen verschiedenen Alters und Hintergrunds. Für die Teilnahme an einem „Lernversuch“ versprachen sie ihnen eine Belohnung von umgerechnet zwölf Euro“, schreibt das Wissensmagazin scinexx. https://www.scinexx.de/news/geowissen/milgram-experiment-funktioniert-heute-noch/

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„Trotz der vielen Jahre, die seit Milgrams Original-Experiment vergangen sind, ist der Anteil der Menschen, die sich von einer Autorität zu so etwas bringen lassen, noch genauso hoch“, konstatieren die Forscher. „Das illustriert die extreme Macht dieser Situation und zeigt, mit welcher Leichtigkeit sich Menschen zu etwas bringen lassen, das ihnen eigentlich widerstrebt.“ Quelle ebenfalls: https://www.scinexx.de/news/geowissen/milgram-experiment-funktioniert-heute-noch/

Kadavergehorsam macht abhängig und hält unmündig

„Wer den Mut zum Ungehorsam hat, der entzieht sich nicht nur vermeintlichen Autoritäten, sondern nimmt die Menschen lebendig und mitfühlend wahr. Wie sehr die Kultur des Gehorsams entmenschlichen kann und welche Wege aus dem Kreislauf der Unterordnung führen, zeigt Arno Gruen: ein befreiendes Plädoyer für mehr Mitmenschlichkeit. Lange bevor wir sprechen können und sich unser Denken organisiert, müssen wir lernen, gehorsam zu sein und unsere Gefühle zu unterdrücken. In allen Lebensbereichen erzwingt unsere Zivilisation einen reflexartigen Gehorsam. Zugleich belohnt sie ein Gruppendenken, das ein selbstbestimmtes, freies Denken unmöglich macht. Scharfsinnig entlarvt der bedeutende Psychoanalytiker Arno Gruen die Pathologie der freiwilligen Knechtschaft: Wir selbst halten uns nicht für gehorsam und erkennen nicht, dass die Idealisierung des Unterdrückers ihm Macht über uns verleiht. Es ist höchste Zeit, gegen die Kultur des verschwiegenen Gehorsams zu revoltieren: Nur so können wir die Demokratie stärken und besser miteinander leben“, heißt es im Klappentext der oben empfohlenen CD.

Zum Weiterlesen: Missbrauch – Eine Gesellschaft von Tätern, Linie41 – Ein Beispiel für kollektive Anosognosie?, Souveränität – Von Karpfen und Delfinen, Über die blaue und die rote Pille u.v.a.m. sowie Pötters Perlen

Für alle, die vom Milgrim-Experiment noch nichts gehört haben:

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