Hypnose bei Schwangerschaft, Geburt und Kinderwunsch

Mentaltraining als Mittel zur Selbsthilfe

(c) Angela Blumberger
(c) Angela Blumberger

Dass sich Hypnose bei der Nikotinentwöhnung oder beim Abnehmen bewähren kann, ist schon landläufig bekannt. Die Hypnotherapie kommt seit Jahren aber auch immer mehr ins Gespräch, wenn es um Themen wie Schwangerschaft, Geburt, unerfüllter Kinderwunsch, Babyblues oder andere Bereiche geht. Milton Erickson, ein amerikanischer Psychiater, Psychologe und Psychotherapeut, prägte den therapeutischen Einsatz der Hypnose maßgeblich. Frieda möchte zur Selbsthilfe ermutigen und stellte sich die Frage, inwiefern Hypnose dabei helfen kann, wieder mehr auf das eigene Potenzial zu vertrauen und die Selbstwahrnehmung zu stärken.

Hypnose nach Milton Erickson

Eine, die nach Milton Erickson ausgebildet wurde und heute in Bremen und Cuxhaven-Duhnen eigene hypnotherapeutische Praxen betreibt, ist die Diplom-Psychologin Angela Blumberger. Auf ihrer Website Hypnosystem ist über sie zu lesen: „Ich bin eine kreative Querdenkerin mit viel Humor. Mit leidenschaftlicher Beharrlichkeit und mit beharrlicher Leidenschaft verfolge ich meine Ziele. Was mich auszeichnet, ist mein Mut zum radikalen Wechsel mit der inneren Sicherheit, immer wieder auf meinen Füßen zu landen!“ Wer also, dachte Frieda, eignet sich besser für ein Interview über Hypnotherapie als diese Frau!

Frieda: Sie bieten Hypnotherapie für alle möglichen Themen an. Trauma, Kinderwunsch, Risikoschwangerschaft und Geburt, um nur einige zu nennen. Wie kamen Sie eigentlich dazu, ihren beruflichen Schwerpunkt auf Hypnotherapie zu lenken, und dabei besonders auf die Begleitung von Menschen rund um den Prozess Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt?

Angela B.: Vorweg: Ich bin gelernte Krankenschwester. Psychologin wurde ich erst im zweiten Schritt. Vor der Geburt meiner Tochter 1991 musste ich sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin wegen verfrühter Wehentätigkeit liegen. In der Zeit kreisten alle möglichen Sprüche durch meinen Kopf, u.a. dass meine Mutter gesagt hat, dass sie 33 Stunden in den Wehen lag, bevor mein schwerer Bruder mit 4500g geboren wurde. Da ich „Erstgebärende“ war, rechneten außerdem alle mit einer langen Geburt. Von Hypnotherapie wusste ich damals noch nichts, aber als die erste Wehe kam, dachte ich: „Nee, darauf hab ich keine Lust. Mit mir nicht!“ Als ich meine Atmung kontrollierte, merkte ich, wie mein Körper reagierte und ich dachte, ‚dein Körper weiß genau Bescheid, der macht das von ganz allein. Lass den Atem einfach laufen.‘

Schwangerschaft und Geburt gehören für mich zu den Merkmalen weiblicher Potenz. Es ist etwas Wunderbares und Kreatives, ein Kind auszutragen, eine wirklich ursprünglich weibliche Domäne. Sehr schön veranschaulicht das auch der Film „Der erste Schrei“ von Gilles de Maistre, den es mittlerweile schon auf DVD gibt. Ich visualisierte damals eine „innere Hängematte“, wo ich mich mit meinem bewussten Verstand hineinlegte, um mich zu entspannen und zu lernen, die Kontrolle dem Körper zu überlassen. Letzten Endes verlief die Geburt sehr schnell, nicht unbedingt komplikationslos, aber sogar mit einem orgiastischen Erlebnis. Damit hatte ich nicht gerechnet! Das zu erleben, prägte mich sozusagen nachhaltig und ebnete dann den Weg für die Hypnotherapie, denn die Kooperation zwischen Bewusstsein und Körper ist wirksam. Hypnobirthing ist ja quasi mentales Training und Mentales Training kennen ja nicht nur Sportler, Chirurgen und Piloten, sondern dieses Wissen macht man sich ja auch immer mehr in anderen Bereichen zunutze, z.B. in der Reha. Als ich mich bei der DGPFG als Mitglied angemeldet hatte, bekam ich einen unerwarteten Anruf vom Vorstand. Er sei gebeten worden, abzuklären, was Hypnobirthing sei, „nicht dass das so eine Esoterik-Tante ist“. Er selbst hätte schon davon gehört, aber der ältere Kollege wohl noch nicht. Nach kurzen Erklärungen durfte ich Mitglied bleiben… (lacht)

Frieda: Welche Vorteile bietet es konkret, sich beispielsweise mittels Hypnose auf eine Geburt vorzubereiten? Geht man da schon vorher in den Dialog mit dem Kind oder fokussiert man sich in erster Linie auf die eigentliche Geburt?

Angela B.: Beim Hypnobirthing können wir ja nur mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten, aber die nutzen wir. Jede Geburt ist einzigartig, man weiß nie, was kommt. Beim Hypnobirthing wollen wir die Frauen stärken, egal was kommt. Selbst, falls ein Kaiserschnitt erforderlich wäre, kann die Frau alles Erlernte anwenden, um mit der Situation besser umzugehen. Mein Hypnobirthing habe ich auf vier Sitzungen konzipiert, in denen die Frauen Selbsthypnose und mit ihren inneren Bildern zu arbeiten lernen. Natürlich ist auch eine PDA erlaubt; falscher Ehrgeiz hilft nicht, sich zu lockern und darauf kommt es an. Die Gebärmutter ist ein reiner Muskel und bei Anspannung spannen sich die Muskeln an. Die Kraft braucht der Uterus aber für die Kontraktionen. Ich lasse z.B. die Frauen ihre Wunschgeburt per Hand aufschreiben, gern auch mit Herausforderungen, also keine Lillifee-Geburt. Mit allen Sinneseindrücken: Wie sie ihr Baby sehen, wie sie es hören, was sie fühlen und wie das Baby riecht. In Amerika hat man Highschool-Absolventen gebeten zu visualisieren, wo sie in zehn Jahren stehen werden. Die Hälfte hat es aufgeschrieben, die andere nicht. Nach zehn Jahren hat man sie wieder befragt und die Leute, die ihre Visionen aufgeschrieben haben, haben ihre Ziele zu einer hohen Prozentzahl erreicht, die anderen seltener.

Intuitiv streicheln die Frauen ja ihren Bauch und reden mit ihrem Kind. Beim Hypnobirthing nutze ich das ganz bewusst, um die Bindung zum Kind zu stärken. Manche Frauen verraten mir den Namen und es ist immer wieder spannend, dass die Schwangerschaft und bevorstehende Geburt realer wird, wenn ich den Namen des Babys beim Hypnobirthing nenne. Ich lese den Frauen in ihrer Trance dann deren Wunschgeburt vor.

(Anm. Red.: PDA = Periduralanästhesie)

Frieda: Was für Menschen kommen zu Ihnen in die Praxis, gerade wenn es um Themen wie Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt geht?

Angela B: Es kommen Menschen mit unterschiedlichsten Anliegen. Wenn es um Kinderwunsch geht, kommen nicht nur, aber überwiegend natürlich Frauen. Dabei merke ich oft, dass sie alles unter Kontrolle haben wollen. Die Gesellschaft, so auch die technischen Möglichkeiten in der Medizin und der Reproduktionsmedizin, suggerieren ja auch die Illusion, dass alles machbar ist. Kaum jemand fragt noch nach dem „Wie?“ und hinterfragt das alles. Bei Frauen, die wegen unerfüllten Kinderwunsches kommen, sagte ich manchmal: „So, wie Sie ein Kind bekommen wollen, habe ich früher erfolgreich verhütet!“

Aber der Wunsch der Frauen mit bisher unerfülltem Kinderwunsch nach Kontrolle ist so groß und auch der Perfektionismus, alles richtig zu machen, dass sie nicht davon ablassen. Den Kinderwunsch aufzugeben, wäre für sie so, wie die Hoffnung zu verlieren. Im Bereich Kinderwunsch ist es so, dass selbst dann meistens die Frauen kommen, wenn die Gründe für die ungewollte Kinderlosigkeit bereits nachweislich beim Mann liegen. Generell sagt man bei unerfülltem Kinderwunsch, dass bei etwa 1⁄4 die Gründe bei der Frau, bei 1⁄4 die Gründe beim Mann, bei 1⁄4 die Gründe bei beiden und bei 1⁄4 die Gründe unklar sind, weil organisch alles in Ordnung ist.

Manchmal kommen auch Frauen, die mehrere Fehl- oder Todgeburten hatten und dann einfach unsicher geworden sind, auch herausfinden wollen, was sie tun können, um nicht wieder ein Kind zu verlieren. Die Leidensfähigkeit bei solchen Frauen ist mitunter immens. Sie wollen um jeden Preis ein Kind. Es ist ja auf der anderen Seite auch bekannt, dass es dann doch oft mit der Schwangerschaft klappt, wenn man die Fixierung auf den Wunsch, unbedingt ein Kind haben zu wollen, loslässt, wenn man also die Kontrolle aufgibt. Dabei kann Hypnotherapie sehr helfen.

Frieda: Wäre da fallweise eine Psychotherapie, eventuell auch mit Blick auf systemische Ursachen, nicht angebrachter?

Angela B.: Hypnotherapie ist Psychotherapie, sie verwendet nur als Methodenschwerpunkt die Hypnose in der Psychotherapie. Bei einer Gesprächstherapie haben wir das Bedürfnis, dass alles logisch ist und benutzen mehr die logische linke Gehirnhälfte. Die rechte Gehirnhälfte ist musischer und hat oft noch andere Ideen und lässt auch Paradoxien zu. Die Arbeit mit dem Unterbewusstsein spielt da natürlich eine Rolle. Manchmal sind Menschen erschrocken, was da so alles an die Oberfläche kommt, obwohl es selten neu ist, was sie erinnern. Eine Klientin hörte in ihrer Jugend von ihrem Vater oft den Spruch: „Kühe, die nicht kalben, werden geschlachtet.“ Das hatte sich richtig in ihr Unterbewusstsein gegraben. So etwas macht auch deutlich, wie nachhaltig Worte wirken können.

Hypnosetherapie wird auch als systemische Therapie nach innen bezeichnet. Wenn sich jemand ganz verbissen ein Kind wünscht, reicht manchmal schon die Frage: „Fühlten oder fühlen Sie sich selbst denn erwünscht?“, eine Frage, die fallweise schon eine Menge bewirken kann. Auch suchte mich einmal eine Frau auf, die schwanger war, aber schon früher mal eine Fehlgeburt hatte. Sie redete unentwegt von ihrer Fehlgeburt und dem Verlust. Als das Baby boxte, schaute sie auf ihren Bauch und sagte, „jetzt ist aber mal gut!“

„Hören Sie doch mal hin, was Ihr Baby Ihnen sagen will!“, riet ich stattdessen. Es boxt so stark, als ob es sagen wolle: „Hallo Mama, ich bin hier, nimm mich wahr!“ Vielen Eltern ist nicht bewusst, wie viel beim ungeborenen Kind schon ankommt. Ich bat die Frau, dem Baby zu sagen, dass es gerade nicht um es gehe, sondern um das verstorbene Geschwister. Daraufhin war das Baby im Bauch sofort ruhig. In dem Zusammenhang spielt auch das Thema „verlorener Zwilling“ eine Rolle, das gerade auch mit Blick auf die Reproduktionsmedizin eine ganz neue Bedeutung bekommt, denn wenn fünf Eier befruchtet, aber nur zwei erwünscht sind, werden die anderen drei getötet.

Frieda: Das sehen ja auch viele Pränatalpsychologen so, wie beispielsweise William Emerson und Carlton Terry. Also glauben Sie, dass ungeborene Kinder schon für die Stimmungen der Mutter und deren Umfeld sensibel sind und auch schon verstehen, was gesprochen wird?

Angela B.: Ja, mit Sicherheit. Ich bin auch Mitglied in der ISPPM, die sich ja genau mit diesem Thema befasst. Einmal kam eine Frau mit ihrem Mann zum Hypnobirthing und sagte, dass ihr Baby heute so auf die Leber drücken würde. Ich bat die Frau, innerlich zu dem Kind zu sagen, dass es von der Leber weggehen möge, weil das drücken würde. Die Bewegung des Babys von der Leber weg erfolgte umgehend, der Mann staunte, weil es auch für uns sichtbar war. Und da hatte sie ja noch nicht mal laut gesprochen! Ich erzähle dann gerne aus dem Buch „Traumfänger: Die Reise einer Frau in die Welt der Aborigines“ von der amerikanischen Ärztin Marlo Morgan, wie sie sich wunderte, dass die Aborigines sich offenbar nicht unterhielten, bis sie merkte, die machen das telepathisch.

Frieda: Ich schrieb vor Jahren bereits einmal einen Beitrag, in dem es um bewusste Elternschaft und um ungewollte Kinderlosigkeit ging. In einem Gespräch mit einer Sozialpädagogin, die ungewollte kinderlose Paare betreute, die sich bereits für eine künstliche Befruchtung entschieden hatten, kam heraus, dass viele Paare gar keinen Sex hatten. Das wurde aber im Zuge der Kinderlosigkeit gar nicht beim Arzt thematisiert; lieber ließ man sich künstlich befruchten. Haben Sie auch solche Erfahrungen gemacht?

Angela B.: Ja. Über unerfüllten Kinderwunsch kann man sprechen, das ist „gesellschaftsfähig“, über nicht gelebte Sexualität nicht. Das ist eher noch ein Tabu-Thema, zumal in einer Gesellschaft, in der Sex oberflächlich so ein großes Thema ist oder zu sein scheint. Wenn ein Paar keinen Sex miteinander hat, ist das so ein „No go-Thema“. Kaum ein Paar würde das zugeben. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang noch an meine Kindheit und an meine Ausbildungszeit als Krankenschwester. Meine Eltern waren damals noch vergleichsweise fortschrittlich und ich hatte eine schwarze, männliche Puppe mit Lachfalten und knackigem Hintern und detailreichen Sexualorganen, während beim entsprechenden weiblichen Anschauungsobjekt lediglich ein Loch war. Diese Erfahrung setzte sich auch in der Ausbildung zur Krankenschwester fort. Das weibliche Genital war und ist zuweilen noch irgendwie ein Mysterium, das auf ein Loch reduziert wird.

Viele Krankenschwestern wussten in der Ausbildung damals nicht, von 1983-86 war das, wie sie denn bei einer Frau einen Katheder anlegen sollten, und selbst in den Anatomiebüchern war das weibliche Geschlecht nicht vollständig abgebildet. Die Klitoris war nur als kleiner Knopf sichtbar, die Klitorisschenkel, die bis zum Sitzbein reichen, waren quasi nicht existent.

Viele Menschen wissen nichts über die weibliche Ejakulation, auch Ärzte nicht. Dazu empfehle ich übrigens das Buch „Weibliche Ejakulation“ von Sabine zur Nieden. Über meine eigene Unkenntnis war ich damals total erschüttert, weshalb ich heute über die weibliche Anatomie beim Hypnobirthing aufkläre, ebenso über die Hormone, die bei der Geburt ausgeschüttet werden. Man weiß bis heute nicht, wodurch der weibliche Körper weiß, dass die 40 Schwangerschaftswochen um sind, denn von einem Tag auf den anderen wird kein Progesteron, das Anpassungshormon, mehr ausgeschüttet. Stattdessen steigt das Oxytocin, das sog. Bindungshormon, das für die Uteruskontraktionen sorgt, die Prostaglandine, die sog. Weichmacher, die auch im männlichen Sperma vorhanden sind und das Cortison zur Schmerzreduzierung. Bei vorzeitigen Wehen sollte man deshalb keinen Sex haben, damit kein Oxytocin ausgeschüttet wird, allerdings schon, wenn das Kind „überfällig“ ist, weil die Prostaglandine dann wirken können. Das sind exakt dieselben Hormone, die manchen Frauen zur Geburtseinleitung als Infusion oder Scheidenzäpfchen verabreicht werden.

Frieda: Finden Sie, dass in den Kliniken heute zu häufig anästhesiert wird, zu häufig Forceps, Saugglocken und Kaiserschnitt zum Einsatz kommen?

Angela B.: Ein Gynäkologe sagte auf einer Tagung mal, dass der Kaiserschnitt ein Notausstieg sei. Diese Bezeichnung finde ich absolut passend und jeder Arzt, der ein Skalpell ansetzt, sollte sich fragen, ob es jetzt auch ein solcher Notausstieg ist! Studien gehen von 3-4% bei diesem Notausstieg aus, daher sind aktuelle ca. 30% Kaiserschnitte bei Geburten eindeutig zu viel. Wir alle haben von den horrenden Gebühren der Hebammen gelesen, bei denen die Versicherung um 300% Steigerung quasi unbezahlbar geworden ist. Es hat fast den Anschein, als sei es eine politische Entscheidung, in Zukunft auf Hebammen verzichten zu wollen! Wir sind dabei, eine ganze Berufssparte wegzurationalisieren – zumindest bezeugen das die Handlungen und in meinem Leben habe ich gelernt, mehr darauf zu achten, wie Leute handeln und weniger darauf, was sie sagen! Man sollte also den Politikern – und den Ärzten – mehr auf die Hände als auf den Mund schauen.

Frieda: Danke, liebe Angela Blumberger, für dieses Gespräch!

Buchtipps:

Sabine zur Nieden, „Weibliche Ejakulation“, Buch bestellen

Bianca Maria Heinkel, Jhari Gerlind Kornetzky, „Mama werden mit Hypnobirthing“, Buch bestellen

Marie F.Mongan, „HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, leichten und sanften Geburt“, Buch bestellen

Tatje Bartig-Prang, „Autogene Geburt. Mit Hypnobirthing selbstbestimmt gebären“, Buch bestellen

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