Haarprobleme – Perspektiven für die Heilung

Ein Gastbeitrag von Linda Hollatz

Dieser Gastbeitrag von Linda Hollatz über Haarprobleme und deren Lösungen war eigentlich schon für Ende 2019 angedacht. Da FRIEDA aber (unplanmäßig) von Anfang November 2019 bis Ende August 2020 inaktiv war, erscheint der Artikel von Linda erst jetzt.

Haarprobleme als Ausdruck mangelnder Selbstliebe

(c) Linda Hollatz

Linda Hollatz aus Hamburg hat sich der nachhaltigen und ganzheitlichen Haararbeit verschrieben. Sie ist Autorin der Bücher „Haare im Licht: Schönes Haar, strahlendes Selbst“, „Nie mehr Haarausfall: Durch gezielte Anwendungen zu gesundem und vollem Haar”, “Die Kleiderdiät: Nie mehr volle Schränke, Kleiderchaos und Fehleinkäufe. Mit Stilberatung und Typbestimmung” und des Leitfadens “Die 5 Elemente Haarschneidemethode – Ein DIY-Guide”. Letzterer steht als Gratis-Download auf Lindas Website zur Verfügung: http://haarexpertin.de/

Ich wurde auf Linda durch das Buch “Awakening Hair: Caring for Your Cosmic Antenna” aufmerksam. Dieses Buch ist die überarbeitete englische Version von “Haare im Licht: Schönes Haar, strahlendes Selbst”, bei dem Linda Co-Autorin war.

Linda Hollatz kommt nun selbst zu Wort. Sie wird das eine oder andere Klischee in Bezug auf Haare beleuchten und Haarprobleme in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Auch für hartnäckige Haarprobleme gibt es Hoffnung

Mein Interesse an den Haaren der Menschen entstand in meiner Kindheit. Ich hatte selbst Haarprobleme, denn ich litt an körperbezogenen Verhaltenswiederholungen: konkret Nägelkauen und „an den Haaren ziehen“. Das verstärkte sich im Teenageralter durch lange andauernden Haarausfall. Ich war verzweifelt und wollte den Symptomen auf den Grund gehen, deren Ursachen wirklich verstehen. Mein Bedürfnis nach Symptomfreiheit bzw. möglichst völliger Heilung machte mich zu einer Aficionada, einer regelrechten Liebhaberin von Haaren. Noch heute schreibe, forsche, fotografiere, praktiziere und unterrichte ich rund um das Thema Haare.

Inzwischen schaue ich auf drei Jahrzehnte zurück, in denen ich Tausende von Menschen traf und beriet. Viele von ihnen interessierten sich genau wie ich für das nicht so leicht Fassbare an diesen zarten und zugleich unglaublich kräftigen Proteinfäden, die aus unseren Körpern wachsen.

Haare als Spiegel der Seele

Das Wesentliche im Prozess auf dem Weg vom Status Haarprobleme bis zum Haarglück sind die ganz persönliche Einstellung und ein starkes Selbstwertgefühl in Bezug auf die eigenen Haare. Nachhaltige Pflege und ganzheitliche Methoden tragen auf praktischer Ebene zuverlässig zu einer optimalen Kopf- und Haargesundheit und damit zu allgemeinem Wohlbefinden bei. Außerdem bieten sie Hilfe bei Haarausfall und anderen Haarproblemen, wie etwa bei der Trichotillomanie.

Das ist eine relativ seltene Erkrankung, bei der Betroffene sich die Haare immer wieder ausreißen. Sie empfinden deswegen oft Scham, Ohnmacht und Ratlosigkeit. Falls unter den Leser/innen jemand ist, die/der dieses Verhalten von sich oder anderen kennt, sind am Ende des Artikels weitere Informationen zu finden.

Die meisten Menschen möchten für sich und für andere mindestens gut und am liebsten sehr gut aussehen. In zweiter Linie möchten sie sich mit dem eigenen Aussehen gut bis sehr gut fühlen. Was das Verhältnis zu den eigenen Haaren betrifft, zeigen sich dabei zwei grundlegend konträre Einstellungen. Entweder man nimmt die Haare an, so wie sie sind, ohne sich vom Schicksal benachteiligt oder betrogen zu fühlen, oder man lehnt sie ganz oder teilweise ab.

Selbstliebe – ein Thema, zu dem die Haare uns einladen

Vor dreißig Jahren, als ich mit meiner Forschung begann, hörte ich Geschichten von Menschen, denen die Frisur vor allem während der Pubertät vorgeschrieben wurde. Nun scheint es, dass Kinder und Jugendliche viel selbstbestimmter über ihre Haare und Frisuren entscheiden, doch Menschen, die einem nahe stehen – sei es in der Familie, im Freundeskreis oder Berufsumfeld – mischen sich immer noch gern ein. Sie kommentieren positiv oder negativ. Damit beeinflussen sie die Frisurwahl. Kaum jemand von uns kann sich aus dem Spannungsfeld von Konformität und Individualität ganz herausziehen.

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So manche von uns begeben sich im Laufe des Lebens in den Prozess, sich selbst lieben zu lernen. Diese Transformation kann sich auch über die Beziehung zu den Haaren ausdrücken. Wenn man sie annimmt, öffnen sich einem viele Möglichkeiten, das Beste aus den Haaren zu machen, sie zu tragen und zu pflegen.

Wenn man die eigenen Haare ablehnt oder gern anders hätte, dann gibt es unendlich viele Möglichkeiten, optische Veränderungen mit – meist künstlichen – Mitteln zu erreichen. Das Hadern mit den Haaren, das Hin – und Her, kann unglaublich viel Kraft kosten. Darum empfehle ich, sich selbst beizeiten auf der Skala zwischen Annahme und Ablehnung zu positionieren, wenn man nicht immer wieder Zeit, Geld und Energie für die Haare einsetzen möchte.

Ein gesundes Selbstwertgefühl in Bezug auf die eigenen Haare müssen sich die meisten von uns erarbeiten. Und wenn wir das einmal erreicht haben, müssen wir das auch noch durch bewusst ausgerichtete Wahrnehmungen aufrechterhalten. Von Geburt an speichern wir positive und negative Erfahrungen mit unserem Kopf und den Haaren. Fast jede/r hat Fremdbestimmung, Konditionierung, Manipulation, Traumatisierung und Verwirrung in Bezug auf die eigenen Haare erlebt. Selbstbestimmung und Selbstakzeptanz beginnen, wenn wir uns von der Kritik anderer befreien und uns nicht ihretwegen ändern. Das betrifft auch unsere Haare.

Haarprobleme – oft durch Klischees erschaffen

Die Konditionierungen, die wir im Laufe eines Lebens in Bezug auf Haare hören und sehen, sind vielfältig. Klischees wie „lange Haare ab 40 machen alt“, „lockige Haare sind schwierig zu schneiden“ liefern keine korrekten und nützlichen Informationen, sondern beeinflussen meistens nur das Haarproduktkonsumverhalten.

Auch müssen Haare nicht zweimal hintereinander gewaschen werden. Ich habe das früher auch eine Weile geglaubt. Die Erklärung, dass die erste Runde den Schmutz lockert und die zweite Runde diesen ausspült, leuchtete ja auch ein. Doch dann fragte ich mich, warum ich nicht auch regelmäßig meine Hände doppelt wasche oder jeden Morgen meinen ganzen Körper zweimal abseife? Die Antwort fand ich, als ich von einer Firma hörte, die in den 70er Jahren eine geniale Marketingidee umsetzte. Im Werbetext auf ihren Shampooflaschen stand nach der Anweisung, wie man sich die Haare waschen sollte, ergänzend noch ein Wort: WIEDERHOLE. REPEAT. Daraufhin sollen sich die Verkaufszahlen verdoppelt haben.

Es mag Ausnahmen geben, die „doppeltes Haarewaschen“ rechtfertigen, etwa nach ausgiebigem Toben im Sandkasten oder einer staubigen Wohnungsentrümpelung. Ansonsten ist die zweite Runde völlig unnötig.

Allgemein gilt: Kurze und chemisch nicht vorbehandelte Haare sind meistens auch pflegeleicht. Bei chemisch behandelten, oder von Fön, Wind und Wetter ausgetrockneten Haaren, kann eine Pflegespülung beim Kämmen helfen, da das aufgeraute Haar sich leichter verhakt. In vielen Pflegespülungen befinden sich aber synthetische Polymere. Sie machen das Haar kurzfristig geschmeidig, trocknen es aber langfristig aus, besonders an den Enden, wo sie nicht ganz ausgespült werden. Da muss dann natürlich noch mehr Pflegespülung her… 😉

Pflegespülungen kann man übrigens auch selbst machen. Einige Ideen dazu finden Interessierte beispielsweise auf der Seite von smarticular: https://www.smarticular.net/natuerliche-haarspuelungen-selber-machen-und-anwenden/

Mythos: Häufiges Haareschneiden beugt Spliss vor

Ein weiterer Mythos ist, dass Haare regelmäßig, am besten alle sechs Wochen, geschnitten werden sollten, um Spliss zu vermeiden. Was ist mit den Menschen, die lange, gesunde Haare tragen und vielleicht nur ein- oder zweimal im Jahr einen Schnitt mögen? Oder mit denen, die gern kurze Haare tragen und am liebsten alle drei Wochen nachschneiden lassen? Jede Frisur, jeder Mensch also, hat seinen eigenen optimalen Haarschneiderhythmus. Ich horche bei Anti-Lange-Haare-Botschaften sofort auf und schaue, was sich dahinter verbergen könnte. Dazu habe ich beobachtet, dass Langhaarträger/innen oft glücklichere Haarmenschen sind. Sie shampoonieren oftmals weniger, gehen seltener zu Friseursalons und geben einfach viel weniger Geld für ihre Haare aus.

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Dazu kommt: Die Manipulation durch Werbung und soziale Medien geschieht in sehr vielen Fällen durch Fake Hair, also unechtes Haar, das uns als echtes präsentiert wird. Das soll zu erhöhtem Konsum von Produkten führen. Das Werbekonzept funktioniert ja auch. Genauso läuft es mit Hair Hate-Botschaften, die Ekel gegenüber den eigenen Körperhaaren schüren. Körperbehaarung wird dann als etwas Schmutziges dargestellt. Und genau das nährt ein lukratives Business für Haarentfernungsprodukte.

Fake Hair sind unechtes Haar wie Perücken und Extensions, Verlängerungen aus Echthaar oder Kunsthaar sowie Haare, die intensiv mit Chemikalien behandelt wurden. Mit ausgeklügelter Beleuchtung und Photoshop-Nachbearbeitung sehen sie dann glänzend und vital aus.

Wir wissen, dass wir von der Werbung beeinflusst werden. Auch wenn wir es nicht wollen, vergleichen wir uns dennoch unbewusst mit den Menschen, die in den visuellen Medien gezeigt werden. Es nützt auch nichts, dass wir schon mal darüber nachgedacht haben, dass diese Leute Make-up tragen, die Fotos digital verändert wurden und die Models im wirklichen Leben ganz anders aussehen. Wir müssen uns dessen konstant bewusst sein, um uns vor dieser Täuschung abzuschirmen!

Manipulation durch Werbebotschaften

Im letzten Jahrhundert stellten Marketing-Experten fest, dass Leute, wenn sie dünne Fotomodelle sehen, mehr auf deren Kleidung schauen und dazu neigen, diese zu kaufen. Wenn die Modelle kurviger sind, schauen die Menschen auf den Körper und nehmen die Kleidung nur am Rande wahr. Der Trend zu dünnen Modellen hat zu Diätenwahn, Essstörungen, und geringerem Selbstwertgefühl, vor allem bei Mädchen, Teenagern und Frauen beigetragen.

Was Haut und Haare betrifft, so werden wir gleichermaßen auf Kosten von Profitgier völlig falsch programmiert. Als Folge der falschen Darstellung von Haaren in der Werbung habe ich in den letzten Jahren erlebt, wie sich das vor allem auf die persönliche Entwicklung junger Mädchen und Frauen auswirkt. Sie denken, dass es sich in der Werbung um echtes Haar handelt und vergleichen ihres damit. Viele meiner Kundinnen zwischen 10 und 80 Jahren sagen zu mir: „Linda, meine Haare sind völlig kaputt. Sie sind abgebrochen. Sie sind gespalten. Ich habe Spliss.“ Zudem fühlen sie sich damit minderwertig, krank, nicht ganz in Ordnung, unattraktiv, hilflos und sogar verzweifelt.

Dann schaue ich mir ihr Haar an und stelle fest, dass es nicht abgebrochen ist, sondern einfach nur seinem natürlichen Wachstumszyklus folgt, den die Kosmetikindustrie erfolgreich ausblendet. Wenn überhaupt Spliss zu sehen ist, macht dieser nur einen winzigen Anteil der Gesamthaare aus, vielleicht gerade mal ein paar Enden vom Deckhaar. Oft sind es einfach nur kürzere Haare, die für Laien wie abgebrochen oder gespalten aussehen.

Werbung bildet nicht die Wirklichkeit ab

Der Wachstumszyklus der Haare bewirkt, dass es immer Haare gibt, die etwas kürzer sind als der Rest. Fotos, auf denen Haare alle gleich lang aussehen, sind digitalisiert. Solche Haare existieren quasi nicht im realen Leben. Dieser Werbetrick veranlasst die Menschen dazu, nach Produkten zu suchen, mit denen sie ihr subjektiv als minderwertig, schwach, abgebrochen und dünn wahrgenommenes Haar reparieren oder pflegen können. Sie kaufen Spliss-Repair-Produkte für ein Problem, das sie vermutlich gar nicht haben. Und selbst wenn sie es hätten, wäre zu hinterfragen, ob sich dieses Problem durch das angepriesene Produkt überhaupt lösen ließe oder die Ursachen ganz woanders zu suchen wären.

Sobald ein Haar gespalten ist, kann es wie zwei Teile eines aufgesprungenen Astes an einem Baum nicht mehr zusammengebogen werden. Die Lösungen sind dann, das gespaltene Ende abzuschneiden und gegebenenfalls die Supplementierung von entsprechenden Nährstoffen in Betracht zu ziehen. Der Lebensstil und die allgemeine Gesundheit hängen stark voneinander ab. Dazu kann auch gehören, die gewohnte Pflege und das Styling der Haare zu überdenken.

Es gibt fünf Qualitäten, die den Verkauf vieler Produkte, und im Besonderen der Haarprodukte, vorantreiben: super glänzend, super lang, super voluminös, super fließend und super einheitlich. Ich habe die Haare von Tausenden von Menschen gesehen, berührt und geschnitten. Was ich sicher sagen kann ist, dass vielleicht ein junger oder auch älterer Mensch unter Hunderten diese Art von „perfekt aussehenden“ Haaren hat: „Super Hair“ sind im „Real Life“ äußerst selten. Und selbst die Haare der „Superwomen“ durchleben gute und schlechte Tage. Wenn diese Ausnahmemenschen sich in der Natur aufhalten, den Elementen und auch der Umweltverschmutzung ausgesetzt sind, oder sie ihre Haare mit verunreinigtem oder sehr kalkhaltigem Wasser waschen, sehen auch ihre Haare stumpf aus.

Haare sind nicht eklig

Da Haare im Laufe ihrer Wachstumsrhythmen ausfallen, also ausgeschieden werden, gibt es das Phänomen, sie bewusst oder unbewusst auf eine ähnliche Ebene wie andere Ausscheidungen unseres Körpers zu setzen. Ausgefallene oder abgeschnittene Haare können bei Menschen tatsächlich Ekel erzeugen und Ekel ist eine starke Emotion. Dabei polarisiert sich die Wahrnehmung unserer Gesamtbehaarung immer mehr in erwünschte Kopfhaare und unerwünschte Körperbehaarung.

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Alle Haare, die nicht direkt aus unserer Kopfhaut herauswachsen, also die Körperbehaarung, können somit als etwas Überflüssiges und auch Schmutziges empfunden werden. Körperbehaarung wird mit Fell und Tieren assoziiert. Diese Assoziation kann so weit gehen, dass wir Haare mit geringerer Intelligenz gleichsetzen. Dabei sollte man sich angesichts der leichten Manipulierbarkeit der Menschen tatsächlich fragen, wie es um dessen Intelligenz bestellt ist. Tiere, sofern sie nicht völlig domestiziert sind, verfügen immerhin noch über funktionsfähige Instinkte.

Die rasierte Totalglatze wird in der gegenwärtigen Zeit als Symbol von Männlichkeit, Durchsetzungsvermögen und Potenz bestärkt und längst nicht mehr als Schwäche. Aus Freudscher Perspektive repräsentiert sie den Phallus. All das wissen unsere Mitmenschen, die für die Kosmetikindustrie arbeiten. Saubere, glatte, haarlose Haut wird als Schönheitsideal hochgehalten, damit wir die entsprechenden Werkzeuge und Produkte kaufen. Damit wird die Haarentfernung als Statussymbol noch verstärkt, denn Haarentfernung kostet Zeit und Geld.

Regelrechte Haartraumata entstehen, wenn Haare gegen den eigenen Willen zu kurz oder anders als gewünscht, oder von einer Person, die man nicht mag, geschnitten werden. Der Lernprozess lautet dann, sich durchzusetzen und zu befreien. Um die eigenen Haare von einem anderen Menschen so geschnitten zu bekommen, wie man es sich vorstellt, muss man klar kommunizieren lernen, sich etwas Haarvokabular aneignen, Fotos zeigen und gegebenenfalls ein Lineal zücken.

Liebe deine Haare wie dich selbst und sei authentisch!

Gefühle von Überforderung und Verwirrung entstehen, weil es Tausende von Frisuren und Optionen zu geben scheint. Welche Frisur passt zu mir? Wie drücke ich meine Besonderheit über meine Haare aus? Die Suche nach der „Soulmate Forever Haarfrisur“ kann anstrengend sein. Die „33 sexy Sommerfrisuren“ oder „21 Frisuren für das Bewerbungsgespräch“ machen neugierig und die Beauty-Zeitschrift wird gekauft. Dieses Werbekonzept funktioniert seit Jahrzehnten erfolgreich. Werbung zielt darauf ab, das Reptiliengehirn zu erreichen. Wie das funktioniert, beschreibt Hans-Georg Häusel übrigens detailliert in seinem Buch „Think Limbic!“

Es gibt tatsächlich nur sechs Grundfrisuren: kurz, mittellang, lang gestuft oder kurz, mittellang, lang visuell auf einer Länge. Die unendliche Frisurenvielfalt entsteht durch verschiedene Haarfarben, Texturen, also glatt, wellig, lockig, Stylingarten, Winkel der Konturen und Ponyfransenvariationen.

Die Individualität ergibt sich durch das Zusammenspiel von Persönlichkeit und dem Aussehen des Körpers und Gesichts. Es ist entspannender zu akzeptieren, dass unterschiedliche Frisuren zu einem Menschen passen können, je nachdem, in welcher Lebensphase dieser Mensch sich befindet. Der Wohlfühlfaktor und die Gesundheit sollten dabei im Vordergrund stehen.

Haarprobleme lassen sich ganzheitlich meistens in den Griff bekommen

Eine nachhaltige Pflege der Kopfhaut und Haare ist ganz einfach. Sie beinhaltet gesunde, ausgewogene Ernährung, chemiefreie Produkte, je nach Haartextur auch das regelmäßige Bürsten oder Massieren von Kopfhaut und Haaren. Zu empfehlen ist zudem der Kaltwasserguss nach dem Ausspülen des Shampoos (bzw. idealerweise der Seife). Das kalte Wasser schließt die Schuppenschicht der Haare und schützt sie somit. Es regt zudem die Durchblutung der Kopfhaut an und trägt dazu bei, dass die Haare Licht besser reflektieren. Haarseifen, die auf Verpackung verzichten, sind meine erste Wahl. Es kann allerdings zu unbefriedigenden Resultaten kommen, wenn lange Haare und ein natürliches, kaum schäumendes Produkt auf kalk- und mineralienhaltiges Wasser treffen. Wenn man nicht auf enthärtetes Wasser zurückgreifen kann, muss man evtl. verschiedene Haarseifen ausprobieren, bis man das erwünschte Ergebnis hat.

Ganzheitlich bedeutet, dass es keine Trennung im Körper-Geist-Seele Gefüge und damit zwischen mir und meinen Haaren gibt. Meine Haare zeigen mir, wie es meinem Hormonhaushalt, Energielevel, meiner Gesundheit und Psyche geht. Wenn das Symptom Haarausfall, Schuppen oder trockene, gereizte Kopfhaut auftritt, dann ist das kein Pech, sondern ein Signal des Körpers und der Psyche, das dazu auffordert, sich besser um sich selbst zu kümmern. Ich habe an mir selbst und an vielen anderen Menschen bleibende Verbesserungen bis zur kompletten Heilung von Symptomen mithilfe von nachhaltiger Pflege, Ernährung, klassischer Homöopathie, Akupunktur und psychosomatisch orientierter Aufarbeitung erlebt.

Was Haarausfall betrifft, so gibt es keine Lösung für alle, sondern höchstens eine für jeden einzelnen Menschen. Und je nach Art und Ausmaß ist diese auch nicht schnell oder leicht umsetzbar. Der Prozess erfordert eigene und eventuell professionell unterstützte Detektivarbeit, die Bereitschaft hinzugucken und Verantwortung zu übernehmen. Der Lernprozess beinhaltet hier wiederum, die Signale des Körpers zu deuten und sich darauf einzulassen, Ursachen und Lösungen zu ergründen.

Nachhaltige und ganzheitliche Haarpflege stellt unsere Körper, Köpfe und Haare in einen täglichen Bezug zu Themen wie globaler Nachhaltigkeit, Umwelt-, Klima- und Naturschutz. Unsere Entscheidungen, wie geringfügig sie auch erscheinen, haben immer einen Effekt auf das große Ganze. Viele Nahrungsmittel sowie Kosmetikprodukte beinhalten außerdem Palmöl. Um Ölpalmen als Basis für Palmöl anzubauen, werden riesige Flächen des Regenwaldes gerodet und Ölpalmen in Monokulturformen angebaut. Wozu das führt, ist in dem Dokumentarfilm „Asimetris“, der am Ende dieses Beitrags eingebunden ist, zu sehen.

Haare symbolisieren Wurzeln und Antennen

Sich mit der symbolischen oder metaphysischen Bedeutung von Haaren, zum Beispiel dem Konzept der Haare als Antennen, zu beschäftigen, kann bereichernde Selbsterkenntnisse sowie Inspirationen zur Alltagsbewältigung und individuellen Ritualen bringen.

Den Zugang zur kollektiven Symbolik von Haaren machen uns beispielsweise auch die Märchen und Geschichten der Menschheit möglich. Mein nächstes Buch- und Ausstellungsprojekt „Haarsymbolik in Grimms Märchen“ basiert auf meiner Magisterarbeit, in der ich mich nicht nur mit Rapunzels langen Haaren, sondern mit Haarsymbolik in elf weiteren Grimm‘schen Märchen beschäftige. Haare spielen in den verschiedenen Lebensbereichen und Lebensphasen eine Rolle für uns Menschen. Die ganze persönliche Bedeutung erschließt sich am besten durch die Arbeit mit Träumen und der eigenen Biografie. So kann das Verlieren von Haaren Kummer über den Verlust eines geliebten Menschen ausdrücken oder ähnlich wie die Häutung, die eine Schlange vollzieht, auch einen Neuanfang.

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Haare sind gemäß ihrer Physiologie gleichzeitig Wurzeln und Antennen. Als Wurzeln verbinden sie uns mit unserer Körperlichkeit und mit der Natur. Als unzählige kleine Brücken verbinden sie den Körper mit seinem umgebenden Energiefeld, der Aura. Haare haben energetische Funktionen, die einer Antenne ähnlich sind: Haare können Energie aufnehmen, speichern und ausstrahlen.

Wurde die Funktion unserer Haare bislang weit unterschätzt?

Ich habe Menschen getroffen, die ihre Antennen nicht oder ganz selten schneiden. Es gehen wirklich ein besonderer Zauber und eine spürbare Kraft von ungeschnittenen Haaren aus, die ich respektiere. Meiner Freundin Aka, eine hawaiianische Kahuna (Heilerin), ließ ihre Haare jahrzehntelang nicht schneiden. Sie ließ nicht einmal eine Haarschere in ihre Nähe kommen.

Bei Kindern würde ich ohnehin solange warten, also bis die Haare ihnen ins Gesicht fallen und sie beim Entdecken der Welt stören, bevor ich sie schneiden oder aus dem Gesicht binden würde.

Unsere Haare lassen sich wundervoll als eine Art Sprachrohr gestalten, das der Welt verkündet, wo wir politisch, religiös, kulturell, psychisch und gesundheitlich stehen. Ein Haarschnitt kann jedes Mal zu einem Neuanfangsritual erhoben werden. Wir lassen etwas los, das permanent unseren Körper und unser Energiesystem verlässt. Manchmal sind die abgeschnittenen Haarspitzen ein paar Jahre alt und die Vorstellung, dass damit ein Teil dieser vielleicht schwierigen Zeit wegfällt, kann sich erleichternd anfühlen.

Es gibt die ungewöhnlichsten Vorlieben und Eigenarten zu den Haaren der Menschen. Ich würde sagen, dass mehr als 20% – der geschätzte Anteil an hochsensiblen Menschen unter uns – meiner Kund/innen sehr empfindsam bis hochsensibel in Bezug auf ihre eigenen Haare sind. Ich verstehe sie bestens, denn für mich müssen es auch genau der richtige Kamm, die richtige Schere, die ideale Haarschneidetechnik, der passende Mensch und das stimmige Umfeld sein, damit ich mich wohl fühle und den Haarschnitt als Verschönerungs- und Loslassritual sowie auch als „Balancing“ erleben kann.

Wenn es zum Haareausreißen ist…

Nun liegt es mir noch am Herzen, auf die Menschen aufmerksam zu machen, die sich die eigenen Kopf- und Körperhaare ausreißen, auszupfen oder abbrechen. Trichotillomanie, Nägelkauen, das „An-der Haut-Pulen“ (Skin Picking oder Excoriation Disorder) und das Beißen auf den inneren Wangenseiten („Cheek Biting“) gehören zu den „Body Focused Repetitive Behaviors“, den körperbezogenen, repetitiven Verhaltensweisen. Sie sind den Zwängen zwar ähnlich, aber nicht direkt mit ihnen gleichzusetzen. Daher gelten sie als Zwangsspektrumsstörungen.

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Betroffene haben das Gefühl, dass sie ihr Verhalten gar nicht, oder nur sehr schwer, stoppen können. Die geschätzte Zahl von Menschen, die mindestens einmal in ihrem Leben zeitweise betroffen sind, liegt zwischen 0.5 % und 20% der Bevölkerung. Es gibt umfassende Literatur und Information in Büchern und im Internet zu möglichen Ursachen, Behandlungsmethoden sowie Hilfe und Selbsthilfe für diese Menschen und ihre Angehörigen. Ein Verein in Deutschland für die BFRBs – angelehnt an das weltweit größte Hilfsnetzwerk: www.bfrb.org – ist in Planung. Wer an Trichotillomanie leidet, kann sich auch gern an mich wenden.

Momentan bereite ich im Rahmen eines Promotionsstudiums an der Universität zu Köln Studien zu Trichotillomanie und Haarpflege vor. Also, liebe Friseur/innen und Betroffene, gern bei Interesse am Mitmachen bei mir melden!

Wer noch weitere Tipps möchte, kann sie in meinem Buch „Haare im Licht“, Autorinnenname Linda Deslauriers, finden, und in „Alles klar mit Haut und Haar“ von meiner Kollegin Susanne Kehrbusch. Außerdem empfehle ich unbedingt einen Besuch bei einem Biofriseur/einer Biofriseurin! Sie sind meistens gut in Bezug auf nachhaltige Haarpflege ausgebildet, nehmen sich Zeit für die Beratung, Behandlung, den Haarschnitt und die Gestaltung eines persönlichen möglichst einfachen Pflegeprogramms.

Mein Ausbildungs-, Beratungs-, und Dienstleistungsangebot ist hier zu finden: www.haarexpertin.de

In der Schweiz empfehle ich Seminare und Termine mit Isabelle Schintu: www.hair-balancing.ch

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