Gesundheit aus der Welt der Kräuter

Im Gespräch mit Cathrin Niebuhr

(c) Thomas Rehehäuser https://unsplash.com/photos/M3M7D7LZ_n0

Schon Hildegard von Bingen war der Ansicht, dass gegen alles ein Kraut gewachsen sei. Es mag zwar sein, dass die Erkenntnis der Benedektiner-Klosterfrau nicht in allen Fällen zutrifft und dass nicht gegen wirklich jedes Leiden tatsächlich Kräuter das Zaubermittel für die Heilung sind, doch als Ergänzung zu anderen Therapieformen spielt die Kräuterheilkunde gewiss eine große Rolle. Auch als regelmäßige Zutat auf dem Speiseplan erfüllen Kräuter nicht nur den Zweck geschmacklicher und optischer Aufwertung der Mahlzeiten, sondern auch als Quelle für Mineralien, Spurenelemente und Vitamine. Wer kann, baut seine Kräuter selbst im Garten, auf der Terrasse, auf dem Balkon oder der Parzelle an.

Auch Cathrin Niebuhr aus Varel am Jadebusen erkannte die Kraft der Kräuter. Sie machte das Wissen rund um Kräuter sogar zu einem beruflichen Standbein. Die 1981 in Wilhelmshaven geborene Mutter von drei Kindern setzt sich seit Jahren mit der Anwendung von Kräutern auseinander. Sie bietet inzwischen vielseitige Kurse zum Thema an. Wer wissen will, wie man z.B. Naturwaschmittel, Heiltee, Naturkosmetik, Heilöle und Tinkturen selbst herstellt, ist bei der Kräuterfee an der richtigen Adresse. Auch Kräuterwanderungen kann man bei Kräuterfachfrau Cathrin Niebuhr buchen oder erfahren, wie man das Zuhause ökologischer gestalten kann.

FRIEDA im Gespräch mit Cathrin Niebuhr

FRIEDA: Wenn man sich mal die so genannten Trendberufe 2018 ansieht, findet man Bezeichnungen wie Drohnen-Pilot oder so etwas wie Content-, Category und BIM-Manager (was auch immer das sein mag…). Auch der Beruf des Hörakustikers ist laut dem Portal www.karrierebibel.de anscheinend im Trend. Berufe wie Permakulturgärtner, Imker oder Kräuterfachfrau werden nicht besonders promotet. Schade eigentlich. Wie sind Sie dazu gekommen, Kräuterwissen professionell anzubieten?

(c) Cathrin Niebuhr

Cathrin Niebuhr: Als Schülerin hatte ich schon immer eine Vorliebe für Biologie und war eher draußen am Butschern, als drinnen Barbies spielen. Durch die erste Schwangerschaft und meine Hebamme fing ich an, mich mehr mit gesunder Ernährung zu beschäftigen und was das eigentlich bedeutet. Während der Schwangerschaft hatten wir das Gefühl, dass einem im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen eher gezeigt wird, was alles Schlimmes passieren kann, um viele so genannte Igel-Leistungen zusätzlich machen zu lassen. Außerdem stellten wir nach der Geburt fest, wie die angeblich so wichtigen Vitaminzusatzpräparate (D-Fluoretten) unser Kind negativ veränderten. Ich kaufte mir stattdessen Bücher (z.B. „Omas Lexikon der Kräuter und Heilpflanzen“) und eignete mir mehr und mehr eigenständig altes Wissen an, das leider durch die Industrialisierung verloren gegangen ist.

2017 lernte ich durch einen Gutscheingewinn für eine Fußreflexzonen-Massage die Heilpraktikerin kennen, die mich dann zur Kräuterfachfrau ausbildete. Ich würde es Fügung nennen, da ich davon ausgehe, dass im Leben alles einen Sinn hat. Und da ich der Meinung bin, dass jammern nix nützt und man den positiven Dingen im Leben mehr Aufmerksamkeit schenken sollte, dachte ich mir, dass es eine gute Idee sei, selbst Kurse anzubieten. Auf diese Weise kann ich allen, die Interesse haben, zeigen, wie einfach es doch sein kann, eigenverantwortlich etwas für seine Gesundheit zu tun und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.

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FRIEDA: Neben vielen Seminaren und Kursen, die Interessierten Wissen über die Kräuterheilkunde und Phytotherapie vermitteln, kann man sich inzwischen immerhin auch schon zum Diplom-Kräuterpädagogen ausbilden lassen, teilweise im Rahmen von Fernlehrgängen. Das Wissen um die Wirkung von Heilpflanzen im Allgemeinen und von Kräutern im Besonderen ist allerdings komplex. Auf welche heimischen Kräuter sollte man im Haushalt Ihrer Ansicht nach auf keinen Fall verzichten?

Cathrin Niebuhr: Da mittlerweile selbst heimisches Gemüse schon so verzüchtet ist, dass es „jedem schmeckt“, fehlen oft gleichzeitig die positiven Eigenschaften der Vitamine. Die so vergrämten „Unkräuter“ dagegen durften sich noch weitgehend ganz normal der natürlichen Evolution anpassen und besitzen daher auch heute noch eine Vielzahl wichtiger Vitamine, die in unserem Obst und Gemüse nicht mehr enthalten sind. Ganz wichtig finde ich die Brennnessel. Neben ihren Vorteilen bei der Durchspülungstherapie bei Harnwegsproblemen und Prostatavergrößerungen spielen bei der Brennnessel auch die vergleichsweise hohen Konzentrationen von Kalium, Calcium, Vitamin C und A eine entscheidende Rolle.

(c) Heimischer Kräutergarten von Cathrin Niebuhr

Bei der Ringelblume scheiden sich die Geister, selbst unter den Kräuterspezialisten, ob sie jetzt eher als Zierdroge oder als anerkannte Heilpflanze zählt. Ich finde sie wichtig, alleine schon als Heilsalbe bei Schürfwunden und habe selbst positive Erfahrungen als Heiltee mit ihr gemacht. Ebenfalls kann ich das geliebte Kaninchenfutter, den Löwenzahn, sehr empfehlen. Er eignet sich besonders zur Blutreinigung und für Entgiftungstees, aber auch er enthält viel Kalium und Vitamin C. Kalium ist besonders wichtig für Menschen, die Herzprobleme haben und sich aufgrund von anderen körperlichen Beschwerden oder Essenseinschränkungen nicht angemessen ernähren können. Solche wichtigen Informationen werden leider oft bei Schulmedizinern nicht erwähnt und kommen meist erst zur Sprache, wenn es fast zu spät ist.

FRIEDA: Plastik in den Ökosystemen dieser Welt, besonders in den Ozeanen, wird zu einem immer größeren Problem. Mit aus meiner Sicht oberflächlichen Kampagnen, die beispielsweise bewirken sollen, Plastikstrohhalme aus dem Verkehr zu ziehen, wird inzwischen versucht, die Öffentlichkeit mehr für das Thema zu sensibilisieren, ohne jedoch die Kernursachen zu beseitigen. Damit meine ich in erster Linie, die Industrie in die Verantwortung zu nehmen und endlich eine Verursacherhaftung einzuführen, beziehungsweise von Anfang an in Herstellungsprozessen möglichst auf Plastik zu verzichten. Es wird also nur ein wenig an den Symptomen herumgekratzt, statt die Verantwortlichen in die Pflicht zu nehmen. Sie erklären in Ihrem Kurs „Naturkosmetik“, wie man sich selbst Creme ohne Chemie und Mikroplastik herstellen kann. Kann man Ihrer Ansicht nach komplett auf jegliche Produkte aus der Drogerie verzichten?

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Cathrin Niebuhr: Ja! Wenn wir mal ein paar 100 Jahre zurückdenken und überlegen, wie sich die Menschen damals gepflegt haben müssen, so ganz ohne Drogeriediscounter und Co., müsste jedem klar sein, dass es natürlich auch ohne Chemie geht. Nur leider werden wir immer mehr dazu erzogen, nur noch Spezialisten für eine Sache zu sein und alles andere von anderen Spezialisten regeln und entscheiden zu lassen. Demokratie hin und her, ich denke, dass Politik und Wirtschaft immer nur an mehr Wachstum denken, anstatt sich Gedanken über das große Ganze zu machen. Wir leben heute zwar länger, aber sind wir deshalb glücklicher und gesünder als früher???

FRIEDA: Insgesamt wohl eher nicht. Welche Menschen nutzen denn Ihre Angebote?

Cathrin Niebuhr: Zur Zeit sind es mehr Frauen als Männer, aber selbst Kinder bekunden Interesse. Insgesamt sind es immer Menschen, die sich vorher schon mehr für Natur oder alternative Medizin interessiert haben. Kommt man jedoch mal privat ganz ungezwungen auf das Thema, ist das Interesse bei viel mehr Menschen vorhanden als man denken würde. Ich denke, dass einigen noch der Mut fehlt, um den ersten Schritt zu gehen, obwohl ihnen vielleicht ihr Bauchgefühl schon länger dazu rät, es doch einfach mal zu versuchen.

FRIEDA: Aus meiner Sicht sollte das Wissen um die Heilkräuter aus der unmittelbaren Natur schon im Kindergarten, spätestens aber in der Schule gelehrt werden. Das wäre womöglich wichtiger, als die Digitalisierung an Schulen für Milliarden von Steuergeldern voranzutreiben. Wie sind Ihre Erfahrungen in Bezug auf Kooperationen mit Kindergärten oder Grundschulen in der Region?

Cathrin Niebuhr: Ich wurde bereits angesprochen, ob ich nicht im Nachmittagsbereich einen Kurs an der Schule geben möchte. Das ist aber aus organisatorischen Gründen zeitlich bei mir noch nicht möglich.

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FRIEDA: Einige unserer Großmütter haben sich ja noch vergleichsweise intensiv mit Kräutern beschäftigt. Doch in der Generation danach scheint eine große Obrigkeitsgläubigkeit in Bezug auf das medizinische Establishment vorzuherrschen. Haben Sie das Gefühl, das Bewusstsein wandelt sich diesbezüglich wieder oder ist der vorauseilende Gehorsam gegenüber der Ärzteschaft noch eher dominierend?

Cathrin Niebuhr: Bei den Älteren (70+) gibt es zum Teil Umdenker, die aber leider oft nur davon reden und sich dann doch nicht trauen, Alternativen auszuprobieren. In meiner Altersklasse hingegen gibt es schon ein paar mehr Menschen, die auch vieles hinterfragen und altes „Wiederentdecktes“ ausprobieren. Ich bin vor allem gespannt auf die Generation meiner Kinder.

FRIEDA: Die „Bildschirm-Epidemie“, wie ich sie nenne, infiziert nicht nur immer mehr den öffentlichen Raum, sondern auch die Krankenhäuser. Abgesehen davon, dass heutzutage schon in jedem Krankenzimmer ein TV-Gerät an der Wand hängt, gehen immer mehr Kliniken dazu über, ihre Patienten und deren Angehörige bereits im Foyer und in Wartezonen mittels Fernsehgeräten zu beschallen, indem nonstop Horrormeldungen aus aller Welt via n-tv oder Werbung für überflüssige Produkte zu sehen sind. Viele Menschen finden diese Dauerbeschallung anscheinend inzwischen normal. Doch was als „normal“ empfunden wird, ist noch lange nicht „natürlich“. Angenommen, Sie hätten eine führende Position an einer x-beliebigen Klinik inne, welche Reformen würden Sie dann anstoßen?

Cathrin Niebuhr: Ich würde dafür sorgen, dass, egal ob Arzt, Schwester oder Pfleger, alle mehr Zeit für jeden einzelnen Patienten hätten. Es ist nicht nur menschlich für den Genesungsprozess wichtig zu merken, dass da jemand zuhört und sich kümmert. Es ist auch für eine richtige Diagnose von großer Bedeutung, nicht nur das vorherrschende Problem zu betrachten, sondern durch genügend Zeit gezielte Fragen stellen zu können, um der eigentlichen Ursache auf die Schliche zu kommen. Auch wäre es sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, wenn man Menschen mit einbeziehen würde, die sich z.B. mit der Ahnenlehre befassen und man hier nicht immer nur von Genen und Vererbung im körperlichem Sinne sprechen würde. Es gibt bereits einige Schulmediziner und Heilpraktiker, die bei dem großem Thema Krebs durch ihre jahrelange Erfahrung festgestellt haben, dass jede Krebsart einem aktuellen oder verdrängten psychischen Thema im Körper zugeordnet werden kann (z. B. Rosina Sonnenschmidt: Homöopathisches Krebsrepertorium). Reformen dieser Art können natürlich nicht auf Verwaltungsebene der Krankenhäuser umgesetzt werden, da Krankenhäuser heute mehr denn je ökonomisch agieren müssen. Daher braucht es neue politische Zielsetzungen. Mehr Kooperation mit naturheilkundlich tätigen Therapeuten in den Kliniken halte ich zudem für sehr wünschenswert.

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Reformbedarf sehe ich auch im Umgang mit dem Tod. Er wird immer mehr als etwas Schlimmes dargestellt, als etwas, das wir um jeden Preis verhindern müssen. Es wurde in den letzten 100 Jahren dafür gesorgt, dass das Sterben fast hinter verschlossenen Türen passiert, unausgesprochen im Raum hängt und man schnell zusieht, dass im Todesfall, wenn er dann doch eintritt, alles von Fachpersonal erledigt wird. Es bleibt kein Raum für Trauer, zum Verabschieden oder für die Akzeptanz, dass der Tod, ebenso wie die Geburt, zu unser aller Kreislauf gehört. Auch dafür sollte in den Kliniken und Altenheimen mehr Platz, Zeit und Raum geschaffen werden.

FRIEDA: „Zurück zur Natur, zu traditionellen Werten“ – das sagt sich so einfach, doch die Notwendigkeit einer Rückkehr zu natürlichen Lebensformen mit einer entsprechenden Ernährung und auch zu natürlichen Sterbeprozessen zeigt sich in vielen Bereichen der Gesellschaft, ohne dass das politisch großartig thematisiert, geschweige denn umgesetzt wird. Beispiel: Die „Grünen“ sind seit etwa 30 Jahren im Bundestag und entsprechend auch in den Landesregierungen und in der Kommunalpolitik vertreten. Doch wir haben gerade mal etwa 5% Biobauernhöfe. „Bündnis 90/Die Grünen“ erhalten u.a. Parteispenden aus der Zuckerindustrie, aus dem Versicherungsgewerbe, vom Verband der Metall- und Elektroindustrie, um nur einige Sponsoren zu nennen. Da wundert einen die Dieselpanikmache besonders seitens der Grünen ja eher nicht so. (https://lobbypedia.de/wiki/Parteispenden)

Auf Ihre Weise tragen Sie durch Ihre Entscheidung, ihr Wissen über Kräuter anderen Menschen anzubieten, ein wenig dazu bei, die Welt zu retten. Sie erwarten gerade ihr viertes Kind, was man als Beweis ihrer Zuversicht in die weitere Entwicklung der Menschheit interpretieren könnte. Was wünschen Sie sich für sich, für Ihre Familie und für uns alle?

Cathrin Niebuhr: Ich wünsche uns allen, dass wir den Kopf öfter mal ausschalten und uns wieder auf unsere Instinkte und unser so wichtiges Bauchgefühl verlassen. Es gibt bereits Studien, die belegen, dass Entscheidungen, die innerhalb von maximal fünf Sekunden getroffen werden, glücklicher machen und richtiger sind als reine Kopfentscheidungen. Außerdem würde ich mir ein Umdenken wünschen, was alles Materielle betrifft. Mit dem bunt bedruckten Papier kann man sich zwar etwas kaufen, was einem oft durch die Werbung Glücksgefühle suggeriert, doch viele Menschen, die Nahtoderfahrungen gemacht haben, erzählen immer nur, dass einem ein Schnelldurchlauf der Erinnerungen widerfährt und nicht, dass da jemand steht, der einem auf die Schulter klopft und sagt: „Das hast du verdient, das hast du ausgegeben und das ist jetzt dein Soll für alles, was nach dem Tod kommt.“ Wir können nichts von all den Gütern, die wir angeschafft haben, mitnehmen. Aber die schönen Erinnerungen bleiben für immer und die besten davon haben meist kein Geld gekostet.

FRIEDA: Vielen Dank für das Interview!

Cathrin Niebuhr: Ich möchte mich ebenfalls bei Ihnen bedanken für die tolle unabhängige und sehr zukunftsweisende Plattform, die Sie hier geschaffen haben. Es hat mich gefreut und auch Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich Glück und Gesundheit!

FRIEDA: Lieben Dank! 🙂

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