Fortschritt – mehr, mehr?

Neulich auf der Autobahn

Neulich auf der Autobahn von Bremen nach Lübeck: Eine Stunde Stau. LKW an LKW… Auf der gegenüberliegenden Seite dasselbe Szenario. Ein LKW-Fahrer neben mir kurbelt die Fensterscheibe runter und flippt seine Zigarettenkippe auf den Asphalt. „Stumpfmucke“ unterbrochen mit penetranter Werbung eines Möbeldiscounters dröhnt aus seiner Fahrerkabine.

Ich bin ungehalten. Mit steigender Tendenz. Sehe mir die Logos auf den LKW-Planen an: Tiertransporte garniert mit Bildern von glücklichen Hühnern. Fotos aus der Massentierhaltung fehlen natürlich. Joghurt von Bayern nach Hamburg und Gemüse aus Norddeutschland in den Süden. Autotransporter, Baustoffe, Bauteile für Windkraftanlagen, dazwischen ein schwarzer Landrover mit Hamburger Kennzeichen. Innen zwei Mittvierziger, die aussehen wie die Typen aus „Men in Black“. „Wozu braucht man in Hamburg ein Geländefahrzeug“, frage ich mich?

Der hohe Preis für den Fortschritt

Denke plötzlich an das Märchen „Der kleine Häwelmann“, der nachts nicht schlafen konnte und immer mehr wollte. „Mehr, mehr!“, brüllte er immer dann, wenn seine Mutter aufhörte, ihn zu schaukeln. „Mehr, mehr!“ Ich will durch die Stadt fahren! Alle Menschen sollen mich fahren sehen“, rief er unablässig…

Aus dem Märchen: „“Pfui!“, sagte der Mond, und nieste drei Mal, „alles mit Maßen!“ und damit putzte er seine Laterne und alle Steme machten die Augen zu. Da wurde es im ganzen Himmel auf einmal so dunkel, dass man es ordentlich mit Händen greifen konnte.

Nicht, dass es uns mal geht wie dem Häwelmann

„Leuchte, alter Mond, leuchtet“ schrie Häwelmann, aber der Mond war nirgends zu sehen und auch die Sterne nicht. Sie waren schon alle zu Bett gegangen. Da fürchtete der kleine Häwelmann sich sehr, weil er so allein im Himmel war. Er nahm seine Hemdzipfelchen in die Hände und blies die Backen auf. Aber er wusste weder aus noch ein. Er fuhr kreuz und quer, hin und her, und niemand sah ihn fahren, weder die Menschen noch die Tiere noch die lieben Sterne.

Da guckte endlich unten, ganz unten am Himmelsrand, ein rotes rundes Gesicht zu ihm herauf, und der kleine Häwelmann meinte, der Mond sei wieder aufgegangen. „Leuchte, alter Mond, leuchte!“ rief er, und dann blies er wieder die Backen auf und fuhr quer durch den ganzen Himmel und gerade darauf los.

Es war aber die Sonne, die gerade aus dem Meere heraufkam. „Junge“, rief sie und sah ihm mit ihren glühenden Augen ins Gesicht, „was machst du hier in meinem Himmel?“ Und – eins, zwei, drei … nahm sie den kleinen Häwelmann und warf ihn mitten in das große Wasser. Da konnte er schwimmen lernen.

Ja und dann? Weißt du nicht mehr? Wenn ich und du nicht gekommen wären und den kleinen Häwelmann in unser Boot genommen hätten, so hätte er doch leicht ertrinken können!“

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Der Fortschritt hat uns längst überholt

„Erst wenn der letzte Baum gerodet ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann“, stand viele Jahre auf Aufklebern, die Menschen meiner Generation an ihren Autos befestigt hatten. Damals begannen die Grünen, sich zu etablieren. Und heute? Die „Grünen“ haben sich etabliert – und es sich bequem gemacht, wie die meisten anderen auch.

„Wieso hast du nicht den Zug genommen“, frage ich mich nun. Ich weiß warum. Beim letzten Mal mit dem Zug Personenschaden und lange Wartezeit. Und auf den Bahnhöfen ist inzwischen die Hölle los. Das wollte ich mir nicht antun, doch nun das!

Hilde, jemand aus meinem engeren familiären Umfeld, arbeitet in einem Seniorenheim. Dort sind inzwischen fast alle alten Menschen dement, erfuhr ich von ihr. „Doch egal, wie dement sie sind, rate mal, was sie kurz vor dem Sterben rufen?“, fragte Hilde mich neulich.

„Sch….“ vielleicht?“, antwortete ich. „Nee“, sagte Hilde, „sie rufen nach Mama!“

Zum Weiterlesen: „Heilung der Mutterwunde durch die eigene Stimme

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