Fluoridierung – toxisch oder harmlos?

Nachgefragt bei Dr. Inge Mittag

Dr. Inge Mittag (c) Florian Spiegel
Dr. Inge Mittag
(c) Florian Spiegel

Die Toxizität von Fluoriden gehört zu den vielen Themen, bei denen sich die Geister scheiden. Die Liga der Verschwörungstheoretiker vermutet hinter der Fluoridierung die bewusste Absicht, Menschen zu vergiften, zumal Fluoride die Zirbeldrüse nachhaltig schädigen sollen, doch die überwiegenden Medien halten diese Annahme für abstrus und sagen, Fluoride in kleinen Mengen, wie etwa in Zahnpasta, Dentallacken oder -gels, in Salz und Wasser, seien völlig harmlos, weil „die Dosis das Gift mache“.

Vorweg: Fluor ist ein gasförmiges chemisches Element, das zu den Halogenen gehört. Es ist sehr reaktiv und giftig – und zwar schon in geringen Mengen. Fluoride hingegen sind die Anionen der Fluorwasserstoffsäure. Sie entstehen bei der Eletronenaufnahme von Fluor und sind Bestandteile von Salzen, beispielsweise von Natriumfluorid. Zahnpflegeprodukten und fluoridiertem Salz werden Fluoride zugesetzt. Die sind zwar weniger toxisch als Fluor, aber in Abhängigkeit von der Dosis eben immer noch potenziell gefährlich für den Organismus.

Aus einigen Ländern, wie beispielsweise Indien und China, ist bekannt, dass Menschen, die regelmäßig fluoridreiches Wasser zu sich nehmen, vermehrt an der so genannten Knochenfluorose erkranken. Das Leiden ist durch eine sehr hohe Knochendichte gekennzeichnet, aber die Knochen verlieren gleichzeitig an Elastizität, verformen sich und werden brüchig.

Fluoridierung – sinnvoll oder nicht?

Was den Sinn oder Unsinn von fluoridierten Produkten angeht, hilft die Internetrecherche wenig weiter, denn die unzähligen Quellen spiegeln auch nur die eingangs erwähnten unterschiedlichen Argumentationsgruppen wider. „Was also tun?“, fragte sich Frieda. Bei der Suche nach seriösen Quellen und kompetenten Ansprechpartnern stieß Frieda auf Dr. Inge Mittag M.Sc., Zahnärztin in Bremen. Sie absolvierte ihr Studium an der Freien Universität Berlin und schrieb ihre Doktorarbeit über Fluoride. Titel der Dissertation: „Epidemiologische Studie über das Durchbruchsverhalten der permanenten Zähne bei Kindern mit Dentalfluorose“.

In der Einleitung heißt es wörtlich: „Seitdem bekannt ist, dass eine überhöhte Fluoridzufuhr Zahnverfärbungen verursachen kann, wird diskutiert, ob es dennoch sinnvoll ist, Fluoride zur Reduktion der Zahnkaries anzuwenden. Weltweit wird Kariesprophylaxe durch Fluoridapplikation durchgeführt. Das einschlägige Schrifttum mit dem gesamten Für und Wider der Kariesprophylaxe durch Fluoride soll nach Gräf & Beimler (1979) bei mehr als 500.000 Publikationen liegen, ohne dass es bisher möglich gewesen wäre, zu einer abschließenden, einstimmigen wissenschaftlichen Beurteilung der gesamten Problematik zu gelangen. Vor allem die Trinkwasserfluoridierung, deren Verfechter sie für die wirkungsvollste Form der Kariesprophylaxe bei gleichzeitiger gesundheitlicher Unbedenklichkeit halten, gibt bis heute Anlass zu Diskussionen. Die Gegner dieser präventiven Maßnahme lehnen eine solche Zwangsmedikation wegen bisher nicht überschaubarer Risiken für die Bevölkerung entschieden ab, unter anderem, weil die Spanne zwischen prophylaktischer und toxischer Dosis zu gering sei.“

Weil das Thema nur aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse sachlich diskutiert werden könne, machte sich Inge Mittag als junge Zahnärztin auf den Weg nach Kenya, um zu untersuchen, wie sich die zahngesundheitliche Situation bei Kindern verhält, die schon aufgrund der natürlichen Fluoridvorkommen in deren Lebensregion mit dem Element in Verbindung kommen. Dr. Inge Mittag fiel auf, dass die permanente Fluoridierung Einfluss auf den Zahndurchbruch bei Kindern, auf die Qualität des Zahnschmelzes sowie auf phänotypische Merkmale der Zähne hat. Bei ihrer Studie wurden natürlich auch andere Faktoren, wie die Genetik, das Klima, die sonstigen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten sowie das Geschlecht der Kinder, also sozioökonomische Bedingungen, mit in Betracht gezogen und verglichen.

Andere Publikationen zum Größenvergleich der Zähne wurden ebenso zu Rate gezogen, wie umfangreiche weitere medizinische Fachliteratur, die, wie Dr. Mittag versicherte, nicht nur im Literaturverzeichnis ihrer Dissertation stehe, um Eindruck zu machen, sondern Buch für Buch und Seite für Seite von ihr durchgearbeitet worden ist.

Dabei fiel der Zahnärztin auf, dass sich bei der gängigen wissenschaftlichen Literatur zum Thema eigentlich die eine Veröffentlichung auf die andere stützt, ohne dass klar wird, auf welche Primärliteratur man sich da verlässt, also auf wessen Studie die ursprüngliche Theorie beruht, dass Fluoride effektiv für die Kariesprophylaxe geeignet sein sollen. „Je tiefer man da gräbt, um den ersten Urheber dieser Theorie zu ermitteln, desto schwammiger wird es“, so Inge Mittag. Letztendlich könne man es wohl nicht genau herausfinden.

Alle toxischen Substanzen wirken vom Prinzip her hemmend

Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Fluoridzufuhr und Zahnveränderung beschäftigte die Medizinerin weiter. Klar sei, wer an Fluorose leide, hätte zu viel Fluor im Körper. „Es kommt natürlich immer auch auf das Individuum an. Generell reagieren manche Menschen sensibler als andere auf bestimmte Substanzen, gerade auch, wenn diese toxisch sind. Kerngesunde Menschen reagieren weniger sensibel auf Gifte als jene, deren Stoffwechsel sowieso empfindlicher ist. Es wird aber in der ganzen Diskussion oft vergessen, dass die Fluoride nicht nur da wirken, wo sie wirken sollen, sondern den gesamten Organismus überfluten. Als Faustregel gilt zudem, dass alle toxischen Substanzen vom Prinzip her hemmend wirken, insbesondere mit Blick auf die Enzymsynthese bzw. -funktion des Stoffwechsels. Otto Wolff schreibt in seinem Biochemiebuch (2013): „So kann man mit den meisten Fluorverbindungen praktisch alle Enzyme, also Lebenswirkstoffe blockieren.“ Daher seien, so Dr. Mittag, kleine Kinder mit einem kleinen Kopf gefährdeter für negative Fluoridwirkungen. Das heiße, dass ein zarteres Kind durch Fluoride einen größeren Schaden als ein robusteres erfahren könne.

Will man das Wesen des Fluors und seiner Verbindungen erforschen, so muss man berücksichtigen, dass es aus den kalten, toten und lebensfeindlichen Anteilen der Erde kommt. Es kommt vor allem in großen Tiefen der Erde oder in extremer Kälte vor. Es bringt Vorgänge mit großer Energie zum Abschluss.

Durch den Zahnschmelz erhält der menschliche Zahn einen Abschluss, der beim Tier fehlt. Deswegen dürfen kleine Kinder nur wenig Fluoride zu sich nehmen. Die Muttermilch enthält extrem wenig Fluoride. Daraus wird teilweise geschlussfolgert, dass diese substituiert werden müssten. Man kann jedoch genauso daraus schlussfolgern, dass das Kind von der Natur her keine Fluoride bekommen soll, damit es uneingeschränkt wächst, sich entwickelt und nicht „begrenzt“ wird. Die begrenzende abschließende Geste des Fluors wäre für die Entwicklung fatal; daher müssen Mineralwässer mit einem zu hohen Gehalt an Fluoriden auch extra gekennzeichnet werden, dass sie für Säuglinge ungeeignet sind.

Frage an Dr. Mittag: Aber wenn seit Jahrzehnten fluoridierte Produkte angepriesen werden, muss es doch wissenschaftliche Fakten geben, dass eine Kariesprophylaxe damit wirksam ist?

„In der Tat wurde nachgewiesen, dass Fluoride die Kariesentwicklung hemmen können“, sagt Inge Mittag. „Der Haken an der Sache ist nur, dass diese Wirkung nur so lange anhält, wie man Fluoride – ob systemisch oder in Form von Pflegeprodukten – gibt.“

Während dieser Zeit würden die Zähne tatsächlich härter werden, allerdings stelle sich dabei die Frage, ob diese Härte tatsächlich einen nachhaltigen Schutz bedeute. Die Erfahrung zeige hingegen, dass bei Absetzen der entsprechenden Produkte der Zahnschmelz anfälliger für Karies sei als ohne die vorherige Prophylaxe. Und niemand würde oder wolle wohl sein Leben lang fluoridierte Produkte zu sich nehmen.

Die gängige wissenschaftliche Meinung ist: Fluor macht Zähne härter. Das wird seit vielen Jahren als Argument für die Kariesprophylaxe propagiert. Das suggeriere allerdings, so Dr. Mittag, dass „härter auch gleich besser“ sei. „Fluor macht Zähne in der Tat härter. Es geht jedoch weniger um die Härte, sondern um die Güte des Schmelzes. Zähne, die durch Fluoridgaben härter sind als normaler Schmelz, lassen sich schlechter behandeln, weil die Schmelzstruktur verändert ist. Der entscheidende Punkt ist, dass Karies nicht durch einen Mangel an Fluoriden entsteht. Daher ist die Fluoridgabe keine Behandlung der Ursache. Noch nie habe ich von einer Person gehört, die an einem Fluoridmangel leidet“, erklärt Inge Mittag.

Erneute Frage: Sie erwähnten im Vorfeld, dass vor einer Weile eine Empfehlung an die Zahnärzte gegangen sei, die sich auf eine neuere Veröffentlichung stützte und dazu riet, von einer systemischen Fluoridierung bei Kindern bis etwa sechs Jahre abzusehen. Das heißt, eine neue Veröffentlichung taucht auf, die alle bisherigen widerlegt und obwohl über Jahre das Gegenteil behauptet wurde, wird nun diskret eine neue Empfehlung gegeben, ohne das in den Medien entsprechend publik zu machen?

„Das war die Landesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Jugendzahnpflege, die sich an die Empfehlungen der Bundeszahnärztekammer hält. Ja, so ist das mit der Wissenschaft. Als ich promovierte, meinte man, dass der feste Einbau des Fluorids in die Kristallstruktur des Schmelzes die kariesreduzierende Wirkung auslöst. Auf jeden Fall sollten Fluoridtabletten eingenommen werden, am besten schon vor der Geburt, damit die entsprechende Fluorapatit-Kristallstruktur aufgebaut werden kann“, erläutert Inge Mittag und ergänzt: „Heute gilt das als überholt. Man spricht nun von einem Fluoridreservoir, das die Oberfläche bedeckt. Tabletten sollen nun nicht mehr eingenommen werden, sondern fluoridiertes Salz und entsprechende Zahnpasten. Wenn man aber doch Tabletten nehmen möchte, dann sollen sie gelutscht werden. Es gibt keine einheitliche Empfehlung. Es gibt das Positionspapier der Bundeszahnärztekammer von 2014. Darin steht, dass alles wissenschaftlich abgesichert ist und dass lokal angewandte Fluoride das Wichtigste zur Kariesprophylaxe sind. Die Kinder- und Jugendärzte sind wieder anderer Meinung. Sie wollen gerne weiter Tabletten geben. Mal ganz unabhängig von der Wirkung der Fluoride frage ich mich, wie es auf ein Kind wirkt, wenn es jahrelang jeden Tag mit einer Tabletteneinnahme beginnt. Es gibt so viele überzeugende Theorien für und gegen die Fluoridierung, dass niemand mehr durchblickt. Im Zweifel bin ich dann für die ungefährlichere Variante. Schauen Sie sich die Trinkwasserfluoridierung an. 1962 wurde das Trinkwasser in Basel fluoridiert. Das war dann lange die Vorzeigestadt mit weniger Karies bei Kindern. 2003 wurde die Trinkwasserfluoridierung aber eingestellt. Ich benutze kein fluoridiertes Salz und selten fluoridierte Zahnpasta, habe mir aber vor Jahren mal ausnahmsweise bei einer Behandlung einige Zähne mit einem fluoridierten Lack behandeln lassen. Danach stellten sich Symptome ein, die ich mit dem Lack in Zusammenhang brachte. Zu mir kommen viele Eltern, die keine Fluoride anwenden möchten. Die Entscheidung ist keine schwerwiegende und die Dramatik, mit der darüber diskutiert wird, erscheint mir übertrieben. Ich kann die Zähne z.B. auch einfach versiegeln. Das Problem ist, dass heute sehr viele Füllungsmaterialien ebenfalls mit Fluoriden versetzt sind. Karies ist gut behandelbar und zu großen Teilen vermeidbar – auch ohne Fluoride.“

Die Natur präventiv korrigieren?

Eine sehr kohlehydratreiche Ernährung verändert den pH-Wert im Körper, somit auch im Mund, wo dann ein saures Milieu entsteht. Das wiederum beeinträchtigt die Zahnqualität, denn die Säure greift den Zahnschmelz an. Die beste Kariesprophylaxe dürfte daher immer noch eine vielseitige und vollwertige Ernährung – möglichst ohne raffinierten Zucker – sein und eine Zahnpflege auf der Basis fluoridfreier Produkte.

Es gibt noch eine andere Sichtweise: Bei den ganzen Überlegungen geht der handelnde Mensch davon aus, dass die Natur korrigiert werden muss, da etwas im System nicht perfekt ist. Die Befürworter der Fluoridierung meinen, dass praktisch überall zu wenig Fluorid vorhanden ist: in der Muttermilch, im Trinkwasser, im Essen, im Salz. Demzufolge müsse es zugeführt werden. Außerdem sei der Zahnschmelz, so wie er von der Natur vorgesehen ist, nicht perfekt. Er müsse anders sein. Daher werden Fluoride gegeben. Wir meinen also, die Natur verbessern zu wollen, ohne dass eine Krankheit eingetreten ist. Wir korrigieren die Natur sozusagen präventiv. Die Kollateralschäden nehmen wir dabei in Kauf.

Zum Weiterlesen ans Herz gelegt:

Der Zahnarzt Dr. Rudolf Völker aus Hamburg hat zum Thema Fluoridierung noch einen sehr fundierten Artikel mit dem Titel „Gedanken zur Zahnheilkunde“ geschrieben, der auf anthronet (Netz anthroposophischer Initiativen) zu finden ist.

Weitere Buchtipps:

Max Otto Bruker und Rudolf Ziegelbecker, „Vorsicht Fluor!“, Buch bestellen

Thomas Klein, „Fluor – Vorsicht Gift!“, Buch bestellen

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