Fettsäuren im Blick?

Es muss nicht immer psychosomatisch sein...

Ekzeme, Lichtempfindlichkeit, Muskelschwäche, sprödes Haar, Konzentrations- oder Schlafstörungen, Depressionen – allesamt Symptome, die mitunter als „psychosomatisch“ klassifiziert werden, sofern keine eindeutige organische Ursache vorliegt.

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Was dabei oft nicht in Betracht gezogen wird, aber als mögliche Ursache erwogen werden sollte, ist ein Mangel an essenziellen Fettsäuren. Und der kommt insbesondere in den Industrienationen sehr viel häufiger vor als viele vermuten. Sogar Unfruchtbarkeit kann die Folge einer Unterversorgung der für viele Stoffwechselprozesse so wichtigen Fettsäuren sein.

Ziemlich raffiniert…

Die heute zumeist verwendeten raffinierten Fette enthalten zu viele Omega-6-Fettsäuren, während der Bedarf an Omega-3-Fettsäuren nicht mehr ausreichend gedeckt wird. Das kann zu chronischen Entzündungen, zu den eingangs erwähnten Symptomen und weiteren Beschwerden führen. Insbesondere bei Kindern kann ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren Fehlfunktionen hervorrufen, die als Aufmerksamkeitsdefizitstörung „AD(H)S“ diagnostiziert – und dann oft nicht ursachengerecht behandelt werden.  Konzentrationsprobleme und somit Lernschwierigkeiten können die ersten offenkundigen Anzeichen dafür sein.

Omega-3-Fettsäuren sind in hoher Konzentration besonders in Leinöl (etwa 55-60%), Chia-Öl (ca. 60%), Hanföl (ca. 17 %) und in Walnussöl enthalten. Diese Konzentrationen kennzeichnen den Gehalt an Alpha-Linolensäure (ALA). Das ist eine Fettsäurekette mit 18 Kohlenstoff-Atomen und drei ungesättigten Doppelbindungen. Die Bezeichnung Omega-3 leitet sich daraus ab, denn sie bedeutet, dass nur drei zusätzliche gesättigte Kohlenstoffatome bis zum Ende der Fettsäurekette auftreten. Die „3“ steht also für die Anzahl der Doppelbindungen und ist ein Maß dafür, wie gesättigt bzw. ungesättigt eine Fettsäure ist.

Was bedeutet das nun für den Organismus?

Omega-3-FS und Omega-6-FS sind essenziell, also lebensnotwendig und der Körper ist darauf angewiesen, dass er diese Fettsäuren zur Verfügung gestellt bekommt. Die in Omega-3-FS enthaltene Alfalinolensäure „ALA“ spielt eine wichtige Rolle aus Ausgangssubstanz bei der Synthese einiger Hormone oder hormonähnlicher Substanzen. Beispielsweise wird aus Eicosapentaensäure (EPA) Prostaglandin synthetisiert, das gefäßerweiternd und gerinnungshemmend wirkt. Docosahexasäure (DHA) ist wiederum eine Fettsäure, die für viele Gehirnfunktionen, die Augen (Netzhaut) und Zellmembranen wichtig ist. Sie spielt auch eine Rolle bei der Prävention von Herz-/Kreislauferkrankungen und Rheuma.

Ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren (Quellen: Leinöl, Chia-Öl, Walnussöl etc.) führt zu einem Überschuss an Omega-6-Fettsäuren (Quellen: Sojaöl, Sonnenblumenöl. Maikeimöl, Distelöl). Omega-6-Fettsäuren haben einen hohen Anteil an Arachidonsäure, die entzündungsfördernde Eigenschaften hat, während, wie weiter oben erwähnt, EPA und DHA entzündungshemmend wirken.

Die Qualität des Fettstoffwechsels ist ein Kriterium, das bei der Diagnostik und Therapie vieler der so genannten Zivilisationskrankheiten noch immer zu wenig berücksichtigt wird. Ein Mangel an essenziellen Fettsäuren kommt einem Mangel an wichtigen Vitaminen gleich.

Auf das Verhältnis kommt es an

Empfehlung: Omega-3-haltige Öle auf dem Speiseplan berücksichtigen. Wenn sich das im Alltag nicht immer realisieren lässt, kann auf entsprechende Nahrungsergänzungsmittel zurückgegriffen werden. Es gibt auch EPA- und DPA-haltige Präparate, die aus Fischölen (z. B. Krillöl) hergestellt wurden, ohne dass diese zwangsläufig einen „fischigen“ Geschmack haben. Wer vegetarisch oder vegan lebt, sollte bei der Ernährung auf jeden Fall für ausreichend Lein-, Hanf- oder Walnussöl sorgen. Bei Leinöl liegt das Verhältnis zwischen Omega-6 und 3 bei 1 : 4. Aber: Leinöl darf nicht erhitzt werden und es ist nach Öffnung auch nicht lange haltbar! Mit etwas Quark angerührt hat man damit zumindest schon eine gute Grundlage für die Versorgung des Körpers mit Omega-3-Fettsäuren.

Aber auch ein Mangel an Omega-6 kann zu unterschiedlichsten Symptomen führen. Es kommt auf das Verhältnis der beiden zueinander an. Was das ideale Verhältnis zwischen Omega-6-FS und Omega-3-FS angeht, sprechen einige von 2 : 1, andere von 5 bis 6 : 1, wobei manche ein Verhältnis ab 5 oder 6 : 1 schon bedenklich finden. Aufgrund der heutigen Ernährung mit einem deutlich zu hohen Anteil an Omega-6 ist ein Verhältnis von bis zu 50 : 1 leider schon keine Seltenheit mehr – mit zwangsläufig gravierenden Folgen für die Gesundheit.

Gerade die gängigen Speiseöle in der Küche sorgen für dieses Missverhältnis, darunter Sonnenblumenöl, Distelöl und Maiskeimöl. Bei Olivenöl, das idealerweise auch nicht erhitzt werden sollte, liegt das Verhältnis – je nach Herstellung – bei etwa 11 : 1. Das deutet zwar auf einen hohen Omega-6-Gehalt hin; dennoch gilt Olivenöl insgesamt als vergleichsweise gesundes Speiseöl. Als ausschließliche Fettsäurenquelle reicht es allerdings nicht aus. Ein intakter Fettsäurestoffwechsel hängt natürlich von mehreren Faktoren ab. Das Verhältnis zwischen Omega-3- und Omega-6-FS ist allerdings ein Kriterium, das stets berücksichtigt werden sollte.

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