„ELTERN wissen das nicht!“ – Für ein Bildungssystem mit Hirn UND Herz

Im Gespräch mit Horst Költze

Erhältlich im Buchhandel oder online-Buchversand

„Eltern wissen das nicht!“ lautet der herausfordernde Titel eines Buches aus der Feder von Antonio Quanto alias Horst Költze. Der Schulpraktiker und Bildungstheoretiker ist nicht nur schreibend unterwegs, sondern auch als Referent. Und Horst Költze ist bekennender Feminist. Das Bildungssystem krankt seiner Ansicht nach bereits seit Jahrhunderten am Mangel des weiblichen Bildungsprinzips und fahre daher wie ein Schulschiff nur mit halber Kraft. Daraus resultiere Halbhirnbildung und eine qualitative Bildungskatastrophe, stellt der engagierte Autor fest.

Dieses Buch eröffnet „die längst überfällige Diskussion über den patriarchalen Einfluss auf das Bildungssystem und dessen Konsequenzen“, lautet die Meinung einer Leserin. Das 95 Seiten umfassende Sachbuch ist für 9,90 Euro im Buchhandel oder online-Buchversand erhältlich.

Das gegenwärtige Bildungssystem produziert Halbhirnbildung

Der Autor zeigt auf, wie maskulin (linkshirnig) orientierte Denkmuster in der Schule Kinderopfer produzieren und warnt davor, dass das Lehrpersonal zu Vollstreckungsbeamten mutieren könnte, nur um die Quadratur des Kreises möglich zu machen.

Auf der einen Seite stünden die von Bildungsministerinnen und Bildungsministern verordneten, standardisierten Lerninhalte mit kurz getakteten Lernkontrollen und auf der anderen anspruchsvolle Eltern mit Erwartungen und Forderungen. Dazwischen die jungen Menschen.

Was braucht ein Bildungssystem, das das volle Hirnpotenzial fördert?

„Wie soll dabei Menschlichkeit bewahrt werden? Wie sollen Kinder und Jugendliche zu autonomen Erwachsenen heranwachsen, wenn sie in der Reifezeit ihres Hirnpotenzials mit Notendruck zu angepassten Funktionären konditioniert werden?“ Diese und viele andere Fragen stellt Horst Költze in den Raum, doch er benennt nicht nur das Dilemma des Bildungssystems, sondern er bietet auch Gedanken für mögliche Auswege daraus an.

Die Erkenntnisse und Lösungsansätze des Autors decken sich mit den Forschungsergebnissen der neueren Hirnforschung und der Kognitionspsychologie. Dabei kommt das alles nicht oberlehrerhaft daher, sondern in Form eines fiktiven Elterngespräches, das im Bundeselternrat in Berlin stattgefunden haben könnte…

FRIEDA im Gespräch mit Horst Költze

FRIEDA: Sie stellten sich in unserem Vorgespräch als Schulpraktiker vor. Um Missverständnissen vorzubeugen: Vor Ihrer Zeit als Studienseminarleiter waren Sie auch viele Jahre im Schuldienst tätig. Was führte bei Ihnen zu der Erkenntnis, es könne dem Bildungssystem am weiblichen Bildungsprinzip mangeln?

(c) Horst Költze

Horst Költze: Bevor ich auf Ihre Fragen antworte, ist mir daran gelegen, ein Wort zur Wahl eines Pseudonyms zu sagen. Ich habe mich für ein Pseudonym entschieden, weil dieses neue Buch zunächst ohne Vorurteile aufgenommen werden sollte, die durch meine bisher veröffentlichten, kritischen Schriften entstehen. In diesem neuen Buch vertrete ich zwar auch eine kritische Position, schreibe aber auch aus empathischer Perspektive.

Nun zu Ihrer ersten Frage, was mich zu der Erkenntnis geführt hat, es könne dem Bildungssystem am weiblichen Bildungsprinzip mangeln. Dieser Erkenntnis geht ein längerer Bewusstwerdungsprozess voraus, in dessen Verlauf ich eine Intuition erhielt. Einen ersten Impuls habe ich durch TZI erfahren, der THEMENZENTRIERTEN INTERAKTION, die Ruth C. Cohn kreiert hat. In der TZI-Ausbildung erlebte ich die fundamentale Bedeutung emotionaler Vorgänge im Lern- und Arbeitsprozess.

Mehrere Jahre später, nach Bologna, PISA-Schock und Testeritis in der Schule, fiel mir das Buch „Sophias Leib“ von Annegret Stopczyk in die Hände. Das war der Moment der Intuition. Mir wurde klar: Der Mangel an femininer Intelligenz, der Mangel des FemmeQ, ist die eigentliche Ursache der Bildungsdefizite, über die in Talkshows diskutiert wird und die seit Jahrzehnten von namhaften Bildungsexperten angeprangert werden. Gleichzeitig erkannte ich, dass diese fundamentale Ursache von einem blinden Fleck überschattet ist. Deshalb wird noch immer die patriarchalisch orientierte Schulbildung wie ein unveränderliches Schicksal hingenommen.

FRIEDA: Was verstehen Sie konkret unter „weiblichem Bildungsprinzip“?

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Horst Költze: Es gibt keine präzise Definition. Das weibliche Bildungsprinzip ist nach meinem Verständnis mit Attributen beschreibbar, die der femininen Intelligenz entsprechen. Dazu gehören Kooperation, Intuition, Denken in Beziehung, Empathie, der integrierende Ansatz, emotionale Intelligenz (EQ), Herzensenergie, zentrierendes Denken.

Eine Bildung, die die feminine Intelligenz in den Lernprozess integriert, aktiviert das Herz-Gehirn. Das bedeutet, der junge Mensch lernt, Körperempfindungen und emotionale Zustände während des Lernprozesses wahrzunehmen und zu reflektieren. Er wird für seine inneren Vorgänge sensibilisiert, während er seine kognitiven Fähigkeiten entwickelt. Im Laufe der Entwicklung einer bewussten Beziehung zu sich selbst wächst die Fähigkeit zu Kooperation und Empathie. Dazu gehören auch die Wahrnehmung und Akzeptanz von Intuitionen.

Diese knappen Hinweise können nur Andeutungen vermitteln. Umfangreiche neurologische und integral-pädagogische Erkenntnisse enthält das Buch „Bildung: integral“ von Daniela Michaelis.

FRIEDA: Sie schreiben über die Dominanz „maskulinen“ Denkens; sollte man nicht zwischen „maskulin“ und „patriarchalisch“ unterscheiden?

Horst Költze: Ja, das ist sogar geboten. Denn „maskulin“ meint eine wertfreie Bestimmung von Mann-Sein, während mit dem Begriff „patriarchalisch“ Herr-schaftliches Verhalten bezeichnet wird.

FRIEDA: Wozu führt es nach Ihrer Einschätzung, dass das Schulsystem schon seit so langer Zeit überwiegend linkshirnig ausgerichtet ist und wie kam es überhaupt dazu?

Horst Költze: In Ihrer Frage höre ich zwei Aspekte. Der erste Aspekt betrifft die linkshirnig fokussierte Schulbildung. Der zweite Aspekt bezieht sich auf die Historie des linkshirnigen Bildungsansatzes. Ich beginne mit der Historie.

Die junge Generation wird bereits seit zweieinhalb Jahrtausenden für die Interessen der Herrschenden funktionalisiert. Über diesen langen Zeitraum haben die patriarchalen Strukturen und Wertsysteme den Wahrnehmungshorizont für die feminine Intelligenz in ein Schattendasein gedrängt. Die maskulinen Denkmuster sind in der Tiefe des Unbewussten verankert und blockieren den Durchblick der Eltern, aber nicht nur der Eltern, sondern auch der Lehrerinnen und Lehrer, ja sogar der Bildungsministerinnen und Bildungsminister. Auf diese blinde Weise bestimmt das maskuline Bildungsprinzip der patriarchalen Tradition, was als Bildungswert gilt.

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In der Gegenwart ist die feminine Intelligenz ins Blickfeld der Aufmerksamkeit gerückt. Und wir erkennen, dass FemmeQ in der Schulbildung nicht entwickelt wird. Emotionen werden ignoriert. Schülerinnen und Schüler sitzen im Unterricht als Kopffüßler, ihre Befindlichkeit als Mensch zählt nicht. Diese Situation ist nicht auf Deutschland begrenzt. Weltweit ergeht es Schulkindern so. In manchen Staaten beginnt die Funktionalisierung schon im Kindergarten. Zum Beispiel fordert eine Erzieherin eines französischen Kindergartens: „Im Kindergarten geht es nicht um die Entfaltung der Persönlichkeit eines Kindes, sondern darum, ihm beizubringen, ein Schüler zu werden.“ (DIE ZEIT Nr. 37/ 2013).

Aus dieser Situation ergibt sich der zweite Aspekt Ihrer Frage nach der Wirkung eines solchen Bildungsansatzes. Ich nenne an dieser Stelle nur die Wirkungen, die ich für fundamental halte:

  • Jeder Mensch ist von Natur aus mit linker und rechter Hemisphäre ausgestattet. Bei jeder Tätigkeit, also auch beim Lernprozess, werden die Areale beider Hirnhälften stimuliert. Wird im Lernprozess aber nur das Potenzial der linken Hirnhälfte beansprucht, lernt der junge Mensch über die Zeit von mindestens zehn Schuljahren, seine Gefühlssignale von seiner Persönlichkeit abzuspalten. Das bedeutet, das Potenzial der rechten Hirnhälfte fehlt bei der Verarbeitung der Lerninhalte.
  • Die linksdominante Bildung ignoriert das Herz-Gehirn. Das bedeutet: Die Signale des Herz-Gehirns, die die höheren Gehirnfunktionen beeinflussen, wie Wahrnehmung, Kognition und Verarbeitung von Emotionen, werden ignoriert. Damit sind die Kapazitäten des Herzgehirns nicht verfügbar. Die linksdominante Bildung fährt nur mit halber Kraft. Der junge Mensch wird – worauf ich schon hinwies – als Kopffüßler geschult, nicht als ganzer Mensch mit Kopf- und Herz-Gehirn.

Detaillierte Informationen zum Herzgehirn bietet das HeartMathInstitute.

In solcher Torso-Bildung bleibt die Persönlichkeitsbildung auf der Strecke. Wenn junge Menschen mindestens zehn Jahre lang lernen müssen, was sie im Grunde ihres Herzens nicht interessiert, entsteht ein Sinn-Vakuum. Abiturienten haben zwar das sogenannte Reifezeugnis in Händen, wissen aber mit ihrem Leben nichts anzufangen und wenden sich an Agenturen für Lebens- und Berufsorientierung. Torso-Bildung bleibt den jungen, werdenden Menschen schuldig, ihr eigenes SELBST mit eigener Sinnorientierung zu entwickeln. Sie verlassen die Schule als Derivat-Selbst (Karen Gloy).

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FRIEDA: Patriarchale Strukturen und Denkmuster haben demnach eine lange Tradition, die sich nicht nur im Schulsystem eingenistet hat, sondern auch in anderen Bereichen. Wie ließen sich denn Ihrer Ansicht nach weibliche Attribute mehr in den Schulalltag integrieren?

Horst Költze: Ja, das ist die entscheidende bildungspolitische Frage! Diese Frage ist nur aus mehreren Perspektiven zu beantworten. Ich beginne mit der politischen Perspektive. Einen fundamentalen Wandel zum ganzheitlich integralen Bildungsansatz kann nach meiner Einschätzung nur einer aufgeklärten Elternschaft gelingen. Denn Eltern sind die wirkmächtigste politische Kraft im Bildungssystem. Deshalb habe ich dieses Buch, über das wir ins Gespräch gekommen sind, für Eltern geschrieben.

Solange aber der Mehrheit der Eltern nicht bewusst ist, dass die gegenwärtige Schulbildung ihren Kindern nur Halbbildung vermittelt, solange Eltern nicht bewusst ist, dass zur vollständigen Bildung außer Sachkompetenz auch Sozial- und Selbstkompetenz gehören, so lange werden weibliche Attribute nicht in den Schulalltag integriert werden.

Hoffnungsvoll ist, dass es aufgeklärte Eltern gibt, die schon heute ein neues Bewusstsein von „guter“ Bildung haben. Sie wollen, dass ihre Kinder zu ganzen Menschen gebildet werden, dass Kopf- und Herz-Gehirn gleichermaßen entwickelt werden und schicken ihre Kinder auf entsprechende Privatschulen.

Bildungsministerinnen und Bildungsminister sind, wie die Vergangenheit gezeigt hat, nur unter Öffentlichkeitsdruck zum Wandel zu bewegen. Die Machtstrukturen gleichen Betonklötzen. Deshalb wird es notwendig sein, dass aufgeklärte Eltern eine Solidargemeinschaft bilden, wenn sie einen Wandel zur integralen Bildung erreichen wollen.

Eine weitere Perspektive ist die Realisierung weiblicher Attribute im Unterricht. Dafür gibt es bereits einige konkrete Ansätze, die in manchen Schulen schon praktiziert werden. Ich nenne nur einige, wie den morgendlichen Stuhlkreis, in dem jedes Kind über seine Befindlichkeit sprechen darf, Stilleübungen, Feedbackrunde am Wochenschluss. Eine herausragende Funktion kommt der Meditation zu, die in einigen Gymnasien schon angeboten wird, ebenso Yoga.

Einen besonderen Hinweis verdienen Privatschulen, die integrale Bildung seit einigen Jahren verwirklichen. Zu nennen ist hier an hervorragender Stelle die Evangelische Schule Berlin Mitte, aus der die Bewegung „Schule im Aufbruch“ hervorgegangen ist. Hier geht es um Beziehungsfähigkeit, Verantwortungsfreude und Potentialentfaltung durch selbstorganisiertes, projektbasiertes Lernen, wertschätzende Leistungsrückmeldung, Lernen durch Engagement, demokratische Mitbestimmung, Zusammenarbeit des Schulteams.

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Diese Bewegung wird begleitet von Professor Gerald Hüther, Professorin Ruth Mateus-Berr und Professor Markus Schaer. Ein Extrembeispiel ist die Frisch-Schule in Michelstadt. In dieser Schule ist jedes Kind sein eigenes Curriculum. Weitere Beispiele zeigt u. a. der Film von Reinhard Kahl „Treibhäuser der Zukunft“.

Die dritte Ebene, der eine Schlüsselfunktion zukommt, ist die Bildung der Lehrerinnen und Lehrer. Ohne Integration des FemmeQ in die Lehrerbildung sind die weiblichen Attribute nicht flächendeckend in der Schulbildung zu realisieren. Das mag ein wenig entmutigend klingen, denn auch wenn wir heute mit integraler Bildung beginnen würden, müssten wir etwa fünf bis sieben Jahre auf flächendeckende Realisierung warten. Soviel Zeit haben wir allerdings nicht mehr. Die rasante Gegenwartsentwicklung erfordert für das neue, das integrale Bewusstseinszeitalter einen Quantensprung in der Schulbildung JETZT!

Für die Integration des FemmeQ gäbe es aber eine Übergangslösung. Im Ruth Cohn Institute for TCI-international werden seit mehr als 40 Jahren Frauen und Männer fortgebildet, die dabei ihre linke und rechte Hemisphäre zu einer Einheit integrieren. Sie sind befähigt, die feminine Intelligenz in die Schulbildung zu integrieren, wenn sie als Lehrbeauftragte im Schuldienst eingesetzt werden. Darüber hinaus gibt es ähnlich wertorientierte Institute, die über solch ein Personal verfügen.

Fazit: Weibliche Attribute lassen sich in die Schulbildung integrieren, wenn

  • in der Elternschaft ein Bewusstseinswandel von guter Bildung erfolgt,

  • in die Lehrerbildung FemmeQ integriert wird,

  • in den Schulalltag z. B. Meditation, Yoga, Stilleübungen,Stuhlkreis- und Feedback-Runden aufgenommen werden.

FRIEDA: Sie bezeichnen sich als Feminist. War das schon immer so oder kamen Sie über einen schrittweisen Prozess zu dieser Haltung?

Horst Költze: Das war ein langwieriger Entwicklungsprozess. Ich bin noch mit der klassischen Rollenverteilung aufgewachsen und hatte diese Rollenzuschreibung auch in meiner Familie beibehalten. Einen ersten Impuls zur Wahrnehmung patriarchaler Strukturen im Alltagsleben erhielt ich von einer Frau. Sie wies mich auf die maskulinistisch dominierte Alltagssprache hin.

Das war vor etlichen Jahren. Noch heute wird zwischen Frauen und Männern um die Sprachhoheit gekämpft, wie die Auseinandersetzung zwischen der ZEIT-Journalistin Anna-Lena Scholz und ihrem Kollegen Thomas Kerstan vom 2. Juni 2016 zeigt und auch der Streit um die Anrede „Professorin“ oder „Professor“.

Bei mir setzte durch diesen Impuls der Frau ein Reflexions- und Bewusstseinsprozess ein, in dem ich zunehmend die patriarchalen Herrschaftsstrukturen wahrnahm. Mit diesen Machtstrukturen habe ich mich beruflich als Studienseminarleiter auseinandersetzen müssen, als ich in die Referendarausbildung meines Seminars das TZI-System einführte. Der Kontext dieser Auseinandersetzungen ist auch in meinem ersten Buch „Anthropologisch orientierte Lehrerausbildung“ erkennbar. Diese Erfahrungen haben meine Identität als Feminist geprägt.

FRIEDA: Halten Sie es denn generell für sinnvoll, dass Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtet werden?

Horst Költze: Ja, durchaus. In solchen Klassengemeinschaften können beide Geschlechter lernen, achtsam und empathisch miteinander umzugehen.

FRIEDA: Wie stehen Sie zur Gender-Mainstream-Ideologie?

Horst Költze: Die Gender-Theorie basiert auf Simone de Beauvoir´s Überzeugung, der Mensch wird nicht als Frau oder Mann geboren, sondern „dazu gemacht“. dass also die Eigenschaften der Geschlechter ausschließlich kulturell bedingt seien. Ich halte diesen Ansatz in seiner Verabsolutierung nicht für haltbar, weil er organische Unterschiede ignoriert. Dazu gehört nicht nur der sexuelle Phänotyp, sondern auch eine geschlechtsspezifische Anatomie des Gehirns. So ist z. B. das Sprachzentrum bei Frauen größer als bei Männern, und es liegt in unterschiedlichen Hirnarealen. Bei Frauen ist es auf beide Gehirnhälften verteilt.

Ein weiteres organisches Faktum: Bei Frauen sind die beiden Hirnhälften im Corpus Callosum stärker miteinander verknüpft, während bei Männern die Vernetzung innerhalb der Hemisphären enger ist. Fundamental scheint mir der Zusammenhang zwischen Organstruktur und Geisteshaltung zu sein. Da jeder Mensch eine Einheit aus Körper, Geist und Seele ist, wirkt sich seine organische Konstitution auch auf seine Geisteshaltung aus.

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Ich vertrete die These, dass die Geisteshaltung zum kooperativen Verhalten aus der Natur-Bestimmung der Frau resultiert, Mutter werden zu können. Eine schwangere Frau lebt in Beziehung zu ihrem werdenden Kinde in ihrem Leibe. Ihr Organismus kooperiert mit dem werdenden Menschen. Infolgedessen ist Kooperation das Ur-Wesensmerkmal des weiblichen Potenzials. Unverkennbar ist allerdings die kulturelle Wirkung auf die Identitätsbildung.

FRIEDA: Eine abschließende Frage: Hat die von Ihnen geforderte Integration des „weiblichen Bildungsprinzips“ in die Schulbildung überpersönliche Bedeutung?

Horst Költze: Ja, durchaus! Die Bedeutung integraler Bildung ist unübersehbar. Dazu nehme ich aus ökonomischer, gesellschaftspolitischer und evolutionärer Perspektive Stellung.

Zum ökonomischen Aspekt: Unternehmen werden z. B. ihre Berufsanfänger nicht mehr in Sozial- und Selbstkompetenz nachschulen müssen, wie es gegenwärtig geschieht. Und Berufsanfänger werden selbstständiger sein, so dass eine Realisierung des Kooperationsmodells mit flachen Hierarchien ermöglicht wird, ohne aufwendige finanzielle und temporäre Investitionen in die Fortbildung des Personals.

Zum politischen Aspekt: Eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft ist auf Dauer nur überlebensfähig, wenn sie ihre junge Generation zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern integral bildet. Denn vollständig gebildete Menschen, deren Kopf und Herzgehirn entwickelt ist, sind eher befähigt, ihr Leben zwischen Autonomie und Interdependenz in der Werthaltung der Menschenrechte zu gestalten, als halbhirngebildete Menschen.

Zum evolutionären Aspekt: Die umfassendste überpersönliche Bedeutung liegt nach meiner Einschätzung allerdings im weiten Horizont der Evolution. Die Menschheit befindet sich im Übergang vom mentalen zum integralen Bewusstseinszeitalter. Schauen wir auf die Menschheit aus der Metaperspektive und sehen sie als eine sich evolutionierende Gestalt, dann können wir erkennen, wie sie auf dem Wege ist, mündig zu werden. Sie entwächst der Pubertätsphase und tritt in das Erwachsenenalter ein; unabhängig von Despoten und Autokraten, die gegenwärtig Aufmerksamkeit beanspruchen und besonnenes bewusstes Handeln herausfordern.

Auf diesem Wege ist integrale Bildung eine Grundbedingung der Entwicklung von Mündigkeit. Denn Bildung mündigen Verhaltens ist nur realisierbar, wenn das ganze Hirnpotenzial eines Menschen entwickelt wird. Erst dann verfügt der Mensch über die Schlüsselqualifikationen, die Mündigkeit konstituieren. Diese Qualifikationen sind Sach- und Methoden-Kompetenz, Sozial- und Selbstkompetenz.

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Insofern ist ganzheitlich integrale Bildung, in der Kopfgehirn und Herzgehirn im Lernprozess zusammen wirken, als integraler Bestandteil des sich gegenwärtig vollziehenden Evolutionsschritts überpersönlich. Basis einer solchen Schulbildung sind nicht Bildungsstandards und Lehrpläne. Basis ist das individuelle SELBST des jungen Menschen.

Diese Gedanken entstammen keiner Sonntagsrede. Um ihre Effizienz zu beweisen, bedürfen sie keiner langwierigen empirischen Untersuchungen. Ihre Konkretisierung und Effizienz sind zu besichtigen, z. B. in der Schule Berlin Mitte, von der, wie schon erwähnt, die Bewegung „Schule im Aufbruch“ ihren Anfang genommen hat. In dieser Bildungsrealität liegt eine hohe Evidenz.

FRIEDA: Vielen Dank für diese wichtigen und fundierten Impulse!

Interview-Advertorial

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