Ein Herz nicht nur für wilde Tiere…

Die Botolan Wildlife-Farm - Im Gespräch mit Martin Zoller

(c) Martin Zoller
„Ramses“

Martin und Juvy Zoller gründeten im Jahre 2000 in Zambales auf den Philippinen die Botolan Wildlife Farm. Das Familienprojekt bietet Tieren aus aller Welt ein Refugium. Zambales ist eine Provinz im Westen der Insel Luzon im Südchinesischen Meer. Doch nicht nur viele Tiere finden hier ein neues Zuhause; auch für zahlreiche exotische Pflanzen bietet das Farmgelände eine ökologische Nische. Die Infrastruktur der Farm, inklusive Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeiten und dem Naturpark, ermöglicht Gästen für kurze oder längere Aufenthalte eine paradiesische Auszeit, um die Seele baumeln zu lassen.

Martin Zoller wusste schon sehr früh, was er wollte. Bei seinem ersten Besuch in Zambales war er gerade erst zwanzig Jahre alt und entschied sofort, an diesem Ort etwas Sinnvolles aufzubauen. Seine Vision nahm schnell Formen an. Das Ehepaar Zoller kaufte Land und begann mit dem Anbau von Bananen, Limetten und Mangos. Auch seine Leidenschaft für Orchideen lebt Zoller hier aus. Inzwischen existiert auf der Botolan Wildlife Farm eine eigene Orchideenzucht.

Die Farm ist heute als Artenschutz- und Auswilderungspark anerkannt. Etwa 80 wilde Tiere beherbergt der Park inzwischen. Aber neben der vielen Arbeit, die das alles macht, wollen die Tiere auch versorgt werden. Die Futterkosten können nicht durchgängig über die Einnahmen durch den Tourismus gedeckt werden. Daher arbeitet Martin Zoller zeitweise noch in seinem ursprünglichen Beruf als Schlosser in der Schweiz.

FRIEDA im Gespräch mit dem Visionär und Umweltschützer Martin Zoller

FRIEDA: Sie hatten eine Vision und die hat inzwischen beachtliche Formen angenommen. Was waren während all der Jahre die größten Hürden, die Sie stemmen mussten?

Martin Zoller: Die Hürden der mühsamen Bürokratie. Ansonsten hatten und haben wir sehr viel Unterstützung von der Bevölkerung.

(c) Martin Zoller
Das Ehepaar Zoller

FRIEDA: Welche gefährdeten Tiere beherbergen Sie derzeit auf Ihrer Farm?

M. Z.: Unter anderem Krokodile, Kaimane (Unterfamilie der Alligatoren), Tiger, Adler, Eulen, Philippin Deer (eine Säugetierart aus der Familie der Hirsche). Da wir seit 2009 Quarantäne-Station sind, werden bei uns auch bedrohte und illegale Tiere in Verwahrung genommen, bis wir sie auswildern können.

FRIEDA: Aus welchen Ländern kommen die meisten Ihrer Gäste?

M. Z.: Unsere Gäste sind hauptsächlich Philippinos. Das liegt auch daran, dass wir seit 2005 im Schulwesen engagiert sind und rund um die Themen Artenschutz unterrichten. Ansonsten haben wir Gäste aus der ganzen Welt; die meisten davon kommen aber aus Europa.

FRIEDA: Immer mehr Menschen wandern aus unterschiedlichen Gründen aus Deutschland aus. Einer dieser Gründe ist auch die Angst vor Altersarmut und vor einer womöglich sehr teuren Unterbringung in einem Pflegeheim hierzulande. Wie stehen die Chancen für Rentner aus dem deutschsprachigen Raum, sich auf den Philippinen niederzulassen?

M. Z.: Was unsere Farm speziell betrifft, ermöglichen wir interessierten Rentnern, ein Grundstück zu mieten, damit sie ihren Lebensabend genießen können. Wir haben bereits Rentner aus den USA, die auf der Farm leben. Die umliegende Infrastruktur ist bestens: Schulen, Spitäler usw. Gut ausgebildete Krankenschwestern stehen im Betreuungsfall auch zur Verfügung. Die Philippinen sind auch ansonsten für einige Rentner eine interessante Alternative, da das Klima für viele Menschen sehr viel angenehmer ist als beispielsweise in Nordeuropa und auch wegen der niedrigeren Lebenshaltungskosten und der vergleichsweise kostengünstigen und dennoch liebevollen Pflege im Alter, falls diese erforderlich wird.

(c) Martin Zoller

FRIEDA: Haben Sie Pläne, Ihr Unternehmen bzw. die Infrastruktur mit Blick auf „Seniorenresidenz“ zu erweitern, damit dort mehr Menschen im Alter eine „Lebensinsel“ finden?

M. Z.: Ja. Die haben wir bereits. Das Anwesen ist ein kleines Paradies und noch dazu in zentraler Lage. Für umgerechnet 50 Euro pro Monat kann man bei uns ein Grundstück mieten. Dazu kommen etwa 200 Euro für die Verpflegung. Eine Diplom-Krankenschwester kostet zwischen 200 und 300 Euro im Monat. Wer sich für ein Leben hier interessiert, sollte aber mindestens sechs bis zwölf Monate zur Probe hier wohnen. Dafür bieten wir Zimmer an. Alles in allem ist man – ohne Krankenschwester – dann mit 300 Euro im Monat dabei. Wer dann bei uns sesshaft werden und ein Grundstück mieten (pachten) will, kann sich darauf selbst ein Häuschen bauen. Das ist natürlich im Vergleich zu Europa sehr viel preiswerter. Wegen des Klimas spielt sich das Leben hier ja sowieso viel unter freiem Himmel ab. Und beim Hausbau bieten wir natürlich auch Unterstützung an.

FRIEDA: Sie engagieren sich auch im Wohltätigkeitsbereich. Was machen Sie da genau?

M. Z.: Wir unterstützen ein kleines Bergvolk bei der Installation einer Trinkwasserleitung. Im momentan noch eher kleinen Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen wir die Bergbevölkerung sicher weiter.

FRIEDA: Auf den Philippinen leben Menschen, die unterschiedlichsten Religionen angehören. Lebt man dort in Frieden miteinander oder gibt es Streitigkeiten wegen der verschiedenen Auffassungen von „Gott“?

M. Z.: Nein. Damit haben wir hier überhaupt kein Problem. Wir sind selbst römisch-katholisch. Ich habe an Mormonen eine Kirche vermietet und auch Baptisten sind unsere Gäste.

(c) Martin Zoller

FRIEDA: Was brauchen Sie akut, um Ihr Projekt weiter auszubauen?

M. Z.: Ganz akut und sicher auch weiterhin brauchen wir jemanden, der uns im Bereich Werbung unterstützt und somit auch dazu beiträgt, dass wir das Projekt erhalten und entwickeln können. Dabei geht es beispielsweise auch um Hilfe bei Anträgen für Solarstrom. Ich tue mich schwer damit, mich an Organisationen zu wenden und mich um Werbung zu kümmern, weil ich Legastheniker bin. Hilfe in dem Bereich wäre also schon toll.

FRIEDA: Besteht auch die Möglichkeit, dass junge Leute bei Ihnen ein Praktikum oder ein Freiwilliges Ökologisches Jahr machen?

M. Z.: Ja, das ist möglich, aber das können wir nicht gratis anbieten, weil wir unsere finanziellen Mittel sehr gezielt einsetzen müssen. Bisher erhielten wir keine Unterstützung und mussten alles aus eigener Kasse bezahlen.

FRIEDA: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Wer mehr über die Botolan Wildlife-Farm wissen oder das Projekt unterstützen möchte – einfach hier klicken!

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