Der Hannibal aus der Nachbarschaft

Soziopathen sind unter uns

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Soziopathen: Der Hannibal aus der Nachbarschaft

Es gibt Charaktere, die man sich eigentlich maximal nur auf einer Kinoleinwand antun will. Die Rede ist von Soziopathen. Doch die kommen leider nicht nur im Film vor. Man findet sie in Führungsetagen, Machtzentralen und zuweilen ist es auch der „Hartzer“ in der unmittelbaren Nachbarschaft. In ihrem Buch „Der Soziopath von nebenan“ beleuchtet Martha Stout, Psychologin und Autorin aus den USA, die Persönlichkeitsmerkmale dieser Leute auf anschauliche Weise – kein leicht verdaulicher Lesestoff, aber einer, der Augen öffnen und Leben retten kann. „Die Skrupellosen – ihre Lügen, Taktiken und Tricks“ lautet der Untertitel.

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Rosarote Brille absetzen!

Wenig erfreulich ist, dass von etwa 4-5 Prozent Soziopathen in der Bevölkerung ausgegangen wird, wovon die überragende Mehrheit männlichen Geschlechts sein soll. Über die Dunkelziffer kann nur spekuliert werden. Scham, Schuld, Reue sind Emotionen, die im Gefühlsrepertoire dieser Wesen schlichtweg fehlen. Sie lieben nicht und lernen früh, Gefühle vorzutäuschen. Sie stellen sich gern als Opfer dar, erregen Mitleid und spekulieren bei ihrem Gegenüber auf genau die Tugenden, über die sie selbst nicht verfügen: Mitgefühl, Nachsicht und Hilfsbereitschaft. Sie geben sich eloquent, charmant, humorvoll und – je nach Publikum – durchaus hilfsbereit, damit die normative Fassade stimmt. Aber im Grunde geht es ihnen nur um Macht, Kontrolle, Habgier, Lust am Quälen. Und: Sie lügen, dass sich die Balken biegen. Dahinter steckt eine pathologische Sucht zum Größenwahn und zur Ich-Erhöhung. Um ihre selbstsüchtigen Ziele durchzusetzen, schrecken sie fallweise nicht davor zurück, manipulative Methoden wie Hypnosetechniken (posthypnotische Befehle), toxische Substanzen, NLP, magische Rituale oder/und so genannte Silent Subliminals zu nutzen. Damit „programmieren“ sie das Unterbewusstsein ihres Zielobjektes für eigene Zwecke, beispielsweise während ihr „Individual Target“ entspannt ist und/oder schläft.

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Früh genug das Weite suchen

Soziopathie ist Hardcore-Narzissmus – und quasi nicht heilbar. Der amerikanische Kriminalpsychologe Robert Hare bezeichnet Soziopathen als „seltsam angepasste Raubtiere“. Soziopathen führen ihr Umfeld an der Nase herum und täuschen selbst ihre besten Freunde. Letztere dienen ihnen zumeist nur als Alibi, um Dritten gegenüber den Anschein zu erwecken, gesellschaftlich integriert zu sein. Sie wühlen sich oft regelrecht in das Leben ihrer anvisierten Zielpersonen und weben dort spinnengleich ihr perfides Netz der Kontrolle. Im Beruf präsentieren sie sich häufig zunächst als loyaler Kollege oder sozial ambitionierter Chef, im privaten Bereich als Traumpartner, doch hinter der smarten Maske inszenieren sie bereits den Untergang ihrer Beute. Das ist für Soziopathen so etwas wie Unterhaltung, vermutlich, so wird angenommen, um die eigene seelische Leere zu kompensieren.

Martha Stout beschreibt in ihrem Buch verschiedene Ausprägungen dieser Persönlichkeitsstörung, erläutert aber auch, woran man Soziopathen rechtzeitig erkennen kann. Überschlägt sich ein neuer Partner mit Komplimenten, Schmeicheleien, Versprechungen und zu schnell geäußerten Liebesbekundungen, hat er es extrem eilig, sehr nah in das Leben seiner neuen Eroberung zu kommen und gibt es Widersprüchliches in seiner Biografie? Ist das der Fall, dann ist Skepsis angebracht!

Checkliste

Verdächtig ist zudem der Umgang mit Geld. Soziopathen können in der Regel nicht mit Geld umgehen, neigen zur Überschuldung oder/und unreflektiertem Konsum. Hat der neue „Traumpartner“ Kontakt zu seinen Eltern und falls nicht, was sind die Gründe dafür? Neigt er zur Prahlerei?

Versucht er, andere Menschen und deren Arbeit klein zu machen oder freut er sich aufrichtig über den Erfolg anderer? Wie ist sein soziales Umfeld? Hat er Kinder und wenn ja, wie ist das Verhältnis zu ihnen? Übernimmt er Verantwortung? Sind seine „Geschichten“ nachprüfbar oder weisen sie Ungereimtheiten auf? Diese Fragen sind zu stellen, falls erste Bedenken auftauchen. Im Zweifelsfall: Rette sich, wer kann! Aber nicht immer sind Soziopathen anhand der genannten Kriterien schnell zu identifizieren. Dass sie oft jahre- und jahrzehntelang ein nach außen hin unauffälliges Leben führen können, zeigt sich immer wieder, wenn Fälle ans Licht kommen, bei denen Nachbarn und Bekannte über lange Strecken völlig unbedarft waren. „Der Herr H. war doch immer so nett und hilfsbereit und hat doch immer allen ‚einen schönen Tag noch‘ gewünscht!“, hört man sie dann womöglich noch sagen.

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Die Technologie von heute ermöglicht Soziopathen mittels Spyware, Keyloggern, Webstorage, Remote-Zugriffen, Mini-Computern und Clouds eine große „Spielwiese“, um ihren perfiden Inszenierungen eine Bühne zu geben. Spyware ist in wenigen Minuten installiert, wenn der Rechner angestellt ist.

Ein fahrlässiger Umgang mit Passwörtern kann ganz unangenehme Ausmaße annehmen, denn der Soziopath wird sie garantiert missbrauchen, womöglich noch Camera- und Mikrofoneinstellungen nutzen, und das Zielobjekt observieren.

Merke: Lass nie einen neuen Partner, bei dem auch nur der leiseste Zweifel an dessen Integrität besteht, in die Nähe deines Computers oder deiner Bankunterlagen!

Ggf. zum Weiterlesen:

Die Masken der Niedertracht, Gewalt in der Partnerschaft, Soziopathie als gesellschaftliche Herausforderung

 

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