„Der betrogene Patient“

Ein Mediziner im Ruhestand rechnet ab

Buch bestellen

Das Buch mit dem Titel „Der betrogene Patient“ steht aktuell auf Platz 40 der Spiegel-Bestseller-Liste. „Ein Arzt deckt auf, warum Ihr Leben in Gefahr ist, wenn Sie sich medizinisch behandeln lassen!“ lautet der Untertitel. Der Autor ist der bayerische Radiologe Dr. Gerd Reuther. Er hat lange abgerechnet – wie alle anderen seiner Zunft mit den Krankenversicherungen. Nun, im Ruhestand, rechnet er mit seinem eigenen Berufsstand ab. Aus der Fraktion mögen einige ihn jetzt vielleicht als Nestbeschmutzer betrachten, denn man sagt ja „Der Überbringer der Nachricht ist der Schuldige…!“

Aus der Seele dürfte Reuther zumindest vielen Patienten sprechen und gewiss auch einigen Kollegen, denn es gibt sie ja noch hier und da, Ärzte, die den Hippokrates-Eid ernst nehmen – im Rahmen ihrer Möglichkeiten versteht sich, doch diese Möglichkeiten sind durch das Krankheits- und Abrechnungssystem sehr begrenzt. Privatpraxen bieten da schon mehr Spielraum und vielen Ärzten, die etwas von Gesundheit verstehen, bleibt oft nichts anderes übrig als die Privatpraxis. Doch die kann sich dann wiederum nicht jeder Patient leisten – obwohl auch das oft nur eine Frage der finanziellen Prioritäten ist. Der Fehler liegt also im System. Wie so oft.

Gerd Reuther bietet in seinem Buch tiefe Einblicke in dieses System, das dazu geschaffen wurde oder sich zumindest dazu entwickelt hat, Menschen krank zu halten. Selbstverständlich – die Schulmedizin leistet auch Enormes, wenn es beispielsweise um die Notfallchirurgie geht. Auch bei chronischen Zahnschmerzen geht man normalerweise schließlich nicht zum Heilpraktiker. „Der betrogene Patient“ ist auch keine Kritik an der Schulmedizin an sich, sondern an dem, was aus ihr geworden ist oder zu was sie sich machen ließ. Es geht also nicht um die böse Schulmedizin und die gute Alternativmedizin, denn schwarze Schafe und lichtvolle Engel gibt es auf allen Seiten. Letzten Endes kann auch kein Arzt die Selbstverantwortung eines Patienten übernehmen und es gibt auch heute noch genügend Menschen, die die Qualität ihrer Ärzte daran messen, wie viele Rezepte für Präparate sie im Quartal bekommen, weil sie schlichtweg ihre Lebensgewohnheiten nicht ändern wollen.

Fazit: „Der betrogene Patient“ ist nun also ein weiteres von vielen Whistleblower-Büchern aus der Medizin, das aufzeigt, was doch eigentlich schon längst alle wissen. Das so genannte Gesundheitssystem ist ein lobby- und kartellgesteuertes Konstrukt, an dem viele Leute viel bis sehr viel Geld verdienen (Pharmaindustrie) und sehr viel mehr Leute viel Geld verlieren – oft zudem ihre Gesundheit. Und unsere Politik wähnt sich in Sicherheit, denn wenn sich wieder mal ein paar Leute eine Weile empört haben, geht irgendwann alles wieder zur Tagesordnung über. Schließlich hat Gerd Reuther – bei allem Respekt dafür, dass er mit seinen Enthüllungen nochmal für eine öffentliche Debatte gesorgt hat – sein Buch eben auch erst verfasst, nachdem er jahrezehntelang mitgespielt hat. Aber das soll ihm nachgesehen sein. Er hätte ja im Ruhestand auch den Golfschläger statt den Füller schwingen können. Insofern – lesenswertes Buch, das hoffentlich mehr als kurzlebige Empörung zurücklässt. Und es ist ein Buch, das vor allem dazu motivieren sollte, 2017 nicht mehr die zu wählen, die bislang unsere Stimmen – und unsere Steuergelder – nur dazu nutzten, um selbst mit den Wölfen zu heulen.

Weitersagen auf

Monetäres für FRIEDAs Kaffeekasse