Das Wunder von CERN

Neulich auf dem Weihnachtsmarkt...

silber

Auf dem Weg zum nächsten Interviewtermin im Stadtzentrum Bremens ließ sich das Überqueren des Weihnachtsmarktes diese Tage nicht vermeiden. Die Selbstdisziplin in Sachen Diätplanung wurde dabei auch noch auf eine harte Probe gestellt, steckte dann aber beim Elfmetersprint gegen den inneren Schweinehund am Stand mit den gebrannten Mandeln mit 0:200g eine beschämende Niederlage ein.

Die letzten Minuten bis zum vereinbarten Termin mit der Tüte Knabbergebäck über den Markt flanierend, erregte, was selten genug vorkommt, ein Mann mit Hut Friedas Aufmerksamkeit. Jener stand – oder besser gesagt – schwebte mit robustem Schuhwerk in silbrig-glänzender Manier in der Nähe der Bremischen Bürgerschaft.

Dass seine Performance womöglich nicht der Lobpreisung der bremischen Politik galt, soll an dieser Stelle – mit an innere Sicherheit grenzender Spekulation – vorangestellt werden. Die Digitalkamera bereit, wurde das Antigravitations-Wunder sogleich verewigt.

Die Gravitationskraft ist eine der physikalischen Grundkräfte und sie äußert sich normalerweise in der gegenseitigen Anziehung von Massen. Dass Silverman von diesen Naturgesetzen nichts wusste – oder sie außer Gefecht gesetzt hat – beweist das Foto, das nicht mittels Photoshop manipuliert wurde.

Überwindung der Schwerkraft, ein Straßenkünstler und das Wunder von CERN

Möglicherweise ist dieser Typ ein Ergebnis der Experimente von CERN, der Europäischen Organisation für Kernforschung in Genf, also die mit dem gigantischen Teilchenbeschleuniger, wo Wissenschaftler einen Haufen Steuergelder verbraten. Warum machen die das? Die suchen nach den fundamentalen Gesetzen des Universums.

Das Jahresbudget von CERN belief sich allein 2014 auf satte 1,11 Milliarden Schweizer Franken, was etwa 1 Milliarde Euro entspricht und monetär kräftig auch von Deutschland unterstützt wird. Was den ganzen Zaster angeht, den die Jungs da „dematerialisieren“, muss „’ne alte Frau lange für stricken“. Da fragt sich Frieda: „Warum beobachten die nicht einfach die Natur, wenn sie die fundamentalen Gesetze des Universums erforschen wollen?“ Wäre viel preiswerter und womöglich effektiver…aber wo kein Kläger ist!?

Ob das seltsame Wesen in der Bremer Innenstadt irgendwas mit der Protonenrennbahn CERN zu tun hat? Teilchenbeschleunigungsmäßig? Selbst eine nähere Inaugenscheinnahme brachte kein abschließend befriedigendes und naturwissenschaftlich reproduzierbares Ergebnis. Mr. Silver hielt sich an einem Stab fest, aber schwebte ansonsten locker 50 cm über dem Boden. „Wie macht der Typ das bloß? Darf man einen Pantomimen eigentlich ansprechen?“

Was soll’s? Es gibt eben nicht auf alles Antworten und manchmal, so wusste schon Rainer Maria Rilke, muss man auch die Fragen lieben. Aus Rilkes Briefen, erster Band (1897 – 1014) stammt nämlich folgende Passage:

„ (…) und ich möchte Sie, so gut ich es kann bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben, wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie jetzt nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antworten hinein.“

(c) Frieda

Monetäres für FRIEDAs Kaffeekasse