Campino – Blut ist eben dicker als Wasser

Über die Ahnenreihe des Vorzeige-Punkers

Photo by Steve Carrera on Unsplash

Mitte der 1970er Jahre entstand die Punkszene zunächst in London und New York. Deutschland hinkte, wie so oft, etwas hinterher. Ein Ableger der damals hierzulande entstandenen Punkbewegung ist die Band „Die Toten Hosen“ mit dem 1962 geborenen Frontman „Campino“, bürgerlicher Name Andreas Frege. Die „Toten Hosen“ wurden 1982 in Düsseldorf gegründet.

Charakteristisch für den Punk an sich waren – laut Wikipedia – eine rebellische Haltung und non-konformistisches Verhalten. „Der Punk stellt sich gegen alle Konventionen, gegen die Konsumgesellschaft und gegen das Bürgertum sowie gegen rechte Weltanschauungen. Und obwohl sich die meisten Punks mehr oder weniger links sehen, stellt er sich genauso gegen die politische Linke mit ihrem Etatismus. Dahinter steckt eine respektlose, resignierte bis aggressive Haltung gegenüber der Gesellschaft, eine Art rebellischer Nihilismus, und die Betonung der Freiheit des Individuums und des Nonkonformismus“, so steht es zumindest in der Erläuterung „Punk in der Theorie und als Lebensgefühl“ bei Wikipedia. Die Punkbewegung wurde also zumeist mit einer anti-kommerziellen, anti-bürgerlichen Haltung im Allgemeinen und einer anarchistischen  im Besonderen in Zusammenhang gebracht. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Punk#Punk_in_der_Theorie_und_als_Lebensgef%C3%BChl

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„Wer die Wahrheit nicht weiß, ist ein Dummkopf. Wer sie aber eine Lüge nennt, ist ein Verbrecher!“ (Bertolt Brecht)

Ob die steile Karriere der Band womöglich etwas mit dem familiären Hintergrund von Andreas Frege zu tun haben könnte, sei dahingestellt. Frege stammt nämlich aus einer Bankiersfamilie. In der Ahnenreihe von „Campino“ ist ein Christian Gottlob Frege zu finden, einer der entscheidenden Handelsherren in Leipzig im 18. Jahrhundert und Gründer des Bankhauses Frege. Über Christian Gottlobs Geschäfte schrieb eine gewisse Kathrin Krüger-Mlaouhia am 21.11.2015 in der Sächsischen Zeitung: „Frege wich dem Siebenjährigen Krieg aus, wickelte seine Geschäfte sehr flexibel von außerhalb ab und belieferte nicht nur Kursachsen, sondern auch die Reichsarmee und sogar Preußen. Für den Dresdner Hof war der rührige Financier inzwischen unverzichtbar, was ihm die Pacht über die Leipziger Münze eintrug.“ Christian Gottlob Frege stand übrigens in Briefkontakt mit Johann Wolfgang von Goethe, was auf eine Art Freundschaft zwischen den beiden Männern schließen lassen könnte.

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„Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank“ (Bertolt Brecht)

Im Auftrag Seiner Majestät – Christian Gottlob Frege zwischen Merkur und Fortuna“ lautet ein Beitrag von Daniel Thalheim, veröffentlicht am 16.09.2015 auf „Artefakte“, Journal für Baukultur und Kunst in Leipzig. Dort steht unter der Zwischenüberschrift „Ein Leipziger Unternehmer der Protoindustrialisierung“ wie folgt: „Der Maler Anton Graff verewigte den Leipziger Unternehmer in einem Ölgemälde, das heute im Besitz des Stadtgeschichtlichen Museums ist. Frege ließ sich als Handelsherr darstellen. Er und seine Söhne heirateten in die Bürgerschaft Leipzigs ein, und stiegen bald zu den führenden Unternehmern der Pleißenmetropole auf.“

Auf der Website des Goethe-Institutes ist in einem Interview mit Campino zu lesen, dass das Goethe-Institut selbst ein früher Förderer der Toten Hosen gewesen sei. Zufälle gibt’s! Ahnte ich doch, dass der Erfolg der Toten Hosen nicht wirklich an der künstlerischen Virtuosität gelegen haben kann (…). Zudem steht in dem Interview, dass der „Anfänger Campino“ mit seiner Band über 15.000.000 Tonträger verkauft habe (Stand 2011).

Wenn eine Band quasi aus dem Nichts sehr schnell zu sehr viel Ruhm kommt, dürfte generell davon auszugehen sein, dass es eine entsprechende finanzielle und mediale Infrastruktur im Hintergrund gibt, und dass eine solche Band – wenngleich sich nach außen hin anders darstellend – system-konform agiert.

„Als ich älter wurde, entwickelte ich mich ein bisschen zum Querulanten, kleidete mich als Punk und sang God save the Queen… the fascist regime… she ain’t no human being von den Sex Pistols. Meine Mutter nahm sich das zu Herzen, und eine Zeitlang hing der Haussegen schief. Sie machte mir Frühstück, ging aber aus dem Zimmer, wenn ich hereinkam“, verkündet der Düsseldorfer Bankiersspross rührselig in besagtem Interview. Daraus erfahren wir auch, dass Campino 2006 in einer Inszenierung von Brechts Dreigroschenoper mitwirkte. Das führt mich zu der Frage, ob sich Campino jemals intensiver mit Bertolt Brecht beschäftigt hat oder einfach nur jemand ist, der gerne auf allen Hochzeiten tanzt und den Zeitgeist geschickt für sich zu nutzen weiß? Offenbar erkennt Campino die „gemeinsame Schnittmenge“ von Neoliberalismus und Faschismus nicht.

„Die Erfindungen für Menschen werden unterdrückt, die Erfindungen gegen sie werden gefördert.“ (Bertolt Brecht)

Immer wieder betont Frege seine entschiedene Haltung gegen den Faschismus. Doch auch seine offene Sympathie für Angela Merkel machte der „Non-Konformist“ mehrfach in der Öffentlichkeit deutlich. Mit medienwirksam aufbereiteten Spenden für Fußballvereine und die system-konforme (!) Krebsforschung verdingt sich Campino ebenfalls gern.

Campinos Bruder ist übrigens der Frankfurter Rechtsanwalt Michael Frege, der als Insolvenzberater bei der Neckermann- und Lehman Brother-Pleite von sich Reden gemacht hat. Der Spiegel nimmt am 23.12.2012 Stellung zu den „bis zu 800 Millionen Euro“ Honorarleistungen für die Insolvenzberater.

„Dem von Beginn an blinden und nun ‚normalen‘ Staat muss man sagen: Faschismus schleppt sich – zunächst mit verhangenen Zügeln, wie die Kinderprostitution nach Tschechien – überall dort über die früheren Grenzen, wo das Kapital ‚hoch auf dem gelben Wagen‘ des Neoliberalismus die Zügel führt. Faschismus gibt es seit dem Epochenbruch, seit der neuen Weltordnung, von Moskau bis New York. Hetzmaterial in vielen Sprachen und in großen Massen ist ein Exportschlager aus Amerika:“ Quelle: https://www.linksnet.de/artikel/17597

„Das Theater darf nicht danach beurteilt werden, ob es die Gewohnheiten seines Publikums befriedigt, sondern danach, ob es sie zu ändern vermag.“ (Bertolt Brecht)

„Bei dem Tempo, das der Neoliberalismus jetzt vorlegt, wird bald auch die Luft privatisiert sein, und dann werden die Experten eintreffen und erklären, dass diejenigen, die Luft gratis verbrauchen, ihren Wert nicht zu schätzen wissen und es deshalb nicht verdienen zu atmen.“ (Eduardo Galeano, Journalist aus Uruguay)

Punk und Profit in Tagen wie diesen“ lautet ein Beitrag aus der Wirtschaftswoche vom 08.06.2012, der veranschaulicht, wie und womit die „Toten Hosen-Firma“ Kasse macht. In den 30 Jahren ihres Bestehens habe Deutschlands erfolgreichste Punk-Gruppe ein Minifirmenimperium aufgebaut, das die Marke nach allen Regeln der Betriebswirtschaft auf eigene Rechnung ausschlachte, ist dort zu lesen.

„Das organisierte Verbrechertum ist das höchste Stadium und die Essenz des Kapitalismus selbst. Wo die totalitär gewordene Warenrationalität und die weltweite Verblendung wüten, sind das Gemeinwohl, der Staat, das Gesetz in höchster Gefahr. Die demokratische Gesellschaft wird ihrer Immunkräfte beraubt.“ (Jean Ziegler, Soziologie-Professor und bekannter Globalisierungskritiker)

„Zorn und Unzufriedenheit allein genügen nicht, so etwas muss praktische Folgen haben.“ (Bertolt Brecht)

Wenn Campino, der früher mal „ein bisschen querulantisch“ war, sich mit seinen Toten Hosen im Rahmen des  Großkonzertes in Chemnitz nun wieder als Antifaschist und Gutmensch profiliert, wäre ihm anzuraten, sich einmal mit den Menschen aus unterschiedlichen Lagern vor Ort zu unterhalten, auch mit den vielleicht „querulantischen“ unter ihnen, und nicht nur den neoliberalen Medien zu vertrauen, denn Faschismus „lebt“ von der Spaltung des Volkes und nicht von Konsens! Vergessen sollte Campino dabei dann auch nicht seinen elitären Stallgeruch.

Während der mediale Einheitsbrei ganz Chemnitz nun als rechtsextrem darstellt, hat Russland.Today einen ganz anderen Tonfall in Bezug auf die Ereignisse in Sachsen. Andreas Richter schreibt auf RTDeutsch: „Was derzeit in den Medien und – schlimmer noch – auch in den sozialen Netzwerken zu lesen ist, macht vor allem eines deutlich: Die Sachsen oder ganz allgemein die Ostdeutschen sind die einzige Minderheit, die noch ungestraft beleidigt und unter Generalverdacht gestellt werden kann. Oft genug von denen, die sonst von politischer Korrektheit nicht genug bekommen können. Das Ganze geht einher mit moralischer Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit, die wirklich schwer zu ertragen sind.“

Anlass der Demonstrationen in Chemnitz war der Mord an einem Mann mit kubanischen Wurzeln. Aus Kuba stammte übrigens auch der Arzt und Revolutionär Che Guevara. Ein Zeit- und Gesinnungsgenosse von Che Guevara war Fidel Castro. Und von dem stammt das Zitat:

„Das erste was Diktatoren tun, ist die freie Presse abzuschaffen und die Zensur einzuführen. Es gibt keinen Zweifel, dass die freie Presse der erste Feind der Diktaturen ist.“

Ach ja, Campino ist auch ein Fan der Queen, wie er gegenüber der BZ am 07.08.2016 verlauten ließ. Vermutlich kennt er das Buch „Hitlers heimliche Helfer – Der Adel im Dienst der Macht“ von Katarina Urbach noch gar nicht? Obwohl…

Auch der Tonträger „Opium fürs Volk“ (1996) der Toten Hosen war übrigens auch ein Kassenschlager. Ein Titel daraus heißt „Viva la Revolution“ (eine Anspielung auf Che Guevara…?).  In einem am 27.11.2009 in der WELT veröffentlichten Interview äußert sich der Düsseldorfer zu Auftritten der Band in der DDR wie folgt: „Das Ganze war als Messe getarnt. Der Pfarrer hielt zuerst eine Predigt, bevor wir spielen durften. Es waren aber nur 25 oder 30 Zuschauer da. Die Leute hatten Angst, es weiterzusagen. Sie konnten dafür ins Gefängnis kommen (…)“ und ferner sagte er in dem Interview „Ich hoffe, dass wir den Anstand haben, im richtigen Moment den Absprung zu schaffen.“

Und was Chemnitz angeht: Wenn Menschen dafür, dass sie gegen Gewalt demonstrieren, mehr Aufsehen erregen als die Gewalt es tut, sind wir sehr wahrscheinlich an einem Punkt angelangt, der uns besorgt stimmen sollte.

Eine Spende für die Angehörigen des Mordopfers mit kubanischem Migrationshintergrund wäre seitens der Toten Hosen beispielsweise ein Signal für non-konformistisches Verhalten diesem neo-faschistischen System gegenüber gewesen. Ansonsten: Extremismus, ob von rechts oder links, hat die Welt noch nie verbessert. Das Problem ist der Globalismus/Neoliberalismus – und somit gehören wir schon durch unser Konsumverhalten dazu!

Und dass die Wasserprivatisierung voranschreitet, ist auch ein Symptom des Globalismus/Neoliberalismus. Aber wir wissen ja: Blut ist dicker als Wasser. Für den alteingesessenen Geldadel sowieso. Und somit auch für Campino. Bleibt zu hoffen, dass die Toten Hosen wirklich den Anstand haben, im richtigen Moment den Absprung zu schaffen. Der Moment dürfte gekommen sein. Unter echtem Punk verstehe ich nämlich, den Finger in die Wunde des Establishments zu legen und kann daher nur resumieren: „Stellt euch vor, es gibt ein Konzert mit den Toten Hosen und keiner geht hin!“

Siehe ggf. auch: Der Optimismus des Willens

Hier ein Interview, das KenFM mit Jean Ziegler führte. Bitte direkt auf den Kanal von KenFM klicken.

sowie – bitte direkt auf den Kanal von Jasinna klicken – :

Quellen:

https://archive.is/20130217042830/http://www.dnn-online.de/web/dnn/kultur/detail/-/specific/Von-der-Bank-zum-Punk-Toten-Hosen-Saenger-Campino-mit-Leipziger-Verwandtschaft-1366980926

http://www.goethe.de/ins/gb/lp/prj/mtg/men/lau/cam/de7234368.htm

https://www.huffingtonpost.de/2015/10/28/campino-lobt-angela-merke_n_8406346.html?utm_hp_ref=de-campino

https://www.huffingtonpost.de/entry/campino-tote-hosen-wahlen_de_5a39128ae4b0fc99878eb236

http://time.com/3589255/angela-merkels-angry-punk-rocker/

https://www.huffingtonpost.de/2017/09/14/angela-merkel-klartext-zdf-rente_n_17999758.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Punk#Punk_in_der_Theorie_und_als_Lebensgef%C3%BChl

https://www.sz-online.de/nachrichten/der-grosse-bankier-3255920.html

https://archive.is/20130217042830/http://www.dnn-online.de/web/dnn/kultur/detail/-/specific/Von-der-Bank-zum-Punk-Toten-Hosen-Saenger-Campino-mit-Leipziger-Verwandtschaft-1366980926

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/lehman-zoff-um-das-mega-honorar-fuer-insolvenzverwalter-frege-a-868939.html

Neoliberaler Faschismus: Hinter der liberalen Fassade lauert die Diktatur

http://russland.today/meinung/75280-chemnitz-debatte-packt-nazi-keule/

https://www.welt.de/kultur/article5339059/Die-Toten-Hosen-tarnten-Konzert-als-Gottesdienst.html

https://www.bz-berlin.de/kultur/musik/punk-rocker-campino-ist-ein-fan-der-queen

https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/tote-hosen-mit-merchandising-auf-der-jagd-nach-profit/6726522-4.html

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