Bienen – Eine Herzensangelegenheit

Engagement für eine gefährdete Art

(c) Mellifera e.V.
(c) Mellifera e.V.

Das Bienensterben ist seit Jahren gelegentlich ein Randthema in den Medien, eines, über das man beinahe hinwegliest, zumal dann, wenn Meldungen über Promi-News, Wahlkämpfe oder – nicht zu vergessen – Fußball den Löwenanteil der medialen Aufmerksamkeit binden. Dass Bienen als Art gefährdet sind, dürfte allerdings schon im Bewusstsein der meisten Menschen angekommen sein.

„Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ – das gilt zumindest nicht in diesem Fall. Die vielfältigen Gefahren für Bienen, darunter Insektizide, Elektrosmog und Nanostäube, nahmen bisher weltweit eher zu als ab. Wozu das führen kann, wird an der südwestchinesischen Provinz Sichuan deutlich, eines der bedeutendsten Obstanbaugebiete Chinas, einst sogar als „Land des Überflusses“ bekannt. Doch dieser Überfluss hatte seinen Preis: In Sichuan fliegt seit einem Vierteljahrhundert kein Vogel mehr, Bienen sind ausgestorben und auch sonst ist von der früheren Tierwelt nichts übrig geblieben. Chemikalien werden über den Agrargebieten per Flugzeug versprüht. Die restlichen Imker haben die Region daher verlassen, um fernab der Provinz nach Überlebensräumen für ihre Bienen zu suchen, aber auch das oft vergebens.

Honig und andere Produkte, die Bienen zu verdanken sind, erfreuen sich hierzulande konstanter Beliebtheit. Deutschland gilt sogar als Weltmeister im Honigverbrauch. Das Statistikportal Statistika geht von durchschnittlich 1,16 kg Honig pro Kopf und Jahr in Deutschland aus. Doch abgesehen von den Produkten, die uns Menschen direkt oder indirekt durch Bienen beschert werden: Diese Insekten sind auch sehr wichtig für unser Ökosystem. Durch ihre zahlreichen Blütenbesuche sorgen Bienen für die Bestäubung in der Pflanzenwelt. Die Ertragsrate vieler Nutzpflanzen, gerade im Obstholzbereich, ist in hohem Maße von der Bestäubung durch Bienen abhängig. Für das ökologische Gleichgewicht spielen sie somit eine entscheidende Rolle.

Bienensterben auch hierzulande

2008 beklagte Baden-Württemberg ein enormes Bienensterben. Grund dafür war der Einsatz von Insektiziden. „Ende April und Anfang Mai 2008 kam es in einigen Regionen in Südwestdeutschland zu einem Bienensterben, bei dem nach letzten Erhebungen etwa 11.000 Völker teilweise erheblich geschädigt wurden (…). Schnell richtete sich der Verdacht auf Maissaatgut, das mit dem insektiziden Wirkstoff Clothianidin behandelt war. Inzwischen haben die chemischen Analysen des Julius Kühn-Instituts eine Clothianidinvergiftung bestätigt“, ist auf der Seite vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu lesen. Aber auch der Mobilfunk wird als eine der Ursachen für das Bienensterben verantwortlich gemacht. Darüber berichtet u.a. die Verbraucherschutzinitiative „Diagnose Funk“.

Ein Herz für Bienen

Die Bienen verdienen also unsere Aufmerksamkeit. Eine nachhaltige und ökologische Bienenhaltung ist wünschenswert und die hat sich auch der Verein Mellifera in Rosenfeld, Baden-Württemberg, auf die Fahnen – bzw. in diesem Fall wohl besser, auf den Honigtopf – geschrieben.

„Wir engagieren uns in vielen verschiedenen, für die Bienen relevanten Bereichen: Mit Forschung, Lehre, Öffentlichkeitsarbeit und auch mit Lobbyarbeit für die Bienen. Der gemeinnützige Verein Mellifera e. V. setzt sich seit 1985 für den Schutz von Biene, Mensch und Natur ein. Um auf die Gefährdung der Bienen aufmerksam zu machen und ihre Lebensbedingungen zu verbessern, gründete der Verein diverse Initiativen wie das Netzwerk Blühende Landschaft, das Projekt „Bienen machen Schule“ oder das Bündnis zum Schutz der Bienen.

(c) Mellifera e. V. "Bienenkiste"
(c) Mellifera e. V. „Bienenkiste“

Mellifera e. V. ist Vorreiter für eine wesensgemäße Bienenhaltung, welche sich an den natürlichen Bedürfnissen der Bienen orientiert. Hierzu wurden und werden in der vereinseigenen Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle neue ökologische Konzepte für die Imkerei entwickelt und erprobt. Dabei steht die langfristige Stärkung der Bienengesundheit im Vordergrund“, so ist auf der Website des Vereins zu lesen. Frieda findet diese Zielsetzung bewundernswert und sprach mit Sarah Bude, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins.

Frieda: Mellifera e.V. gibt es schon seit Mitte der 1980er Jahre, lange also, bevor das Bienensterben öffentlich thematisiert wurde. Die Initiatoren bewiesen demnach schon viel Weitblick. Welche Menschen standen hinter der Vereinsgründung?

S. B.: Damals breitete sich die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe in Deutschland aus und führte zu einem starken Anstieg bei Völkerverlusten. In den Jahrzehnten zuvor hatte sich die Imkerei technisch perfektioniert, um die Erträge zu steigern. Es war offenkundig, dass sich durch das veränderte Imkern seit dem Aufkommen der Varroamilben und deren jährlich zu wiederholenden Behandlungen mit chemischen Mitteln grundlegende Fragen aufdrängten. Für die Gründer von Mellifera e. V. war klar, dass die herkömmlichen Formen der Imkerei überdacht werden mussten. Ihnen ging es nicht nur um die Entwicklung einer ökologischen Behandlungsmethode gegen die Milbe, sondern es sollten auch imkerliche Betriebsweisen und Konzepte entworfen werden, um langfristig die Gesundheit der Bienen zu stärken.

Frieda: Was kennzeichnet eine wesensgemäße Bienenhaltung überhaupt?

S. B.: Die wesensgemäße Bienenhaltung orientiert sich an den natürlichen Bedürfnissen des Bienenvolks. Die Bienen dürfen hier ihre Waben selbst bauen und kriegen keine künstlichen Mittelwände vorgesetzt. Die Vermehrung erfolgt über den natürlichen Schwarmtrieb, auf die gängige Praxis der künstlichen Königinnenzucht wird verzichtet. Zudem wird die Integrität des sensiblen Brutnestes bewahrt. Dies alles sind wichtige Prozesse, um langfristig die Gesundheit der Bienen zu stärken.

Frieda: Mellifera e. V. hat auch das Netzwerk Blühende Landschaft ins Leben gerufen. Worum geht es dabei?

S. B.: Um Belastungen der Bienen zu erkennen, reicht es nicht, nur den Blick auf die Bienen im Bienenkasten zu haben. Wir müssen auch die Umgebung betrachten und da fällt auf, dass unsere Landschaft heutzutage größtenteils sehr eintönig ist, meist in Grün- und Gelbtönen. Bienen finden kaum noch Nahrung und ohne die Zufütterung vom Imker würden sie in einigen Regionen schlichtweg verhungern. Deshalb haben wir das Netzwerk Blühende Landschaft gegründet. Hier entwickeln wir gemeinsam mit Landwirten, Gärtnern, Imkern, Naturschützern, Landschaftsplanern insektenfreundliche Konzepte und setzen diese um. Denn wir wollen eine blühende Landschaft schaffen, in der Menschen und Tiere sich wohlfühlen können.

(c) Mellifera e. V. "Blühmischung"
(c) Mellifera e. V.
„Blühmischung“

Frieda: Was bietet Mellifera e.V. sonst noch an? Was sind aktuelle Projekte?

S. B.: Mit unserer Initiative „Bienen machen Schule“ bringen wir Imker und Pädagogen zusammen, damit Kinder die Möglichkeit haben, mit und von den Bienen zu lernen. Bienen sind perfekt geeignet, sie die Liebe zur Natur entdecken zu lassen. Nur was man liebt, das schützt man auch. Außerdem engagieren wir uns beim Bündnis zum Schutz der Bienen, hier kämpfen wir vor Gericht gegen Pestizide und Gentechnik. In unserer Imkerei haben wir dieses Jahr einige Bienenvölker in Bäumen angesiedelt. Diese alte Tradition der Waldimkerei (Zeidlerei) entspricht am ehesten den von den Bienen selbst gewählten Behausungen. Wir wollen herausfinden, wie sie dort zurecht kommen und diese Erkenntnisse lassen wir dann in unsere imkerliche Betriebsweisen mit einfließen. Übrigens geben wir uns Wissen, ob zu blühender Landschaft, Bienen machen Schule oder Bienenhaltung und Imkerei in zahlreichen Seminaren weiter (www.mellifera.de/veranstaltungen).

Frieda: Wie schätzen Sie aktuell die Gefährdung der Bienen hierzulande ein und was sind Ihrer Ansicht nach die relevantesten Einflüsse, unter denen Bienenvölker zu leiden haben?

S. B.: Nun, den Honigbienen hierzulande geht es an sich ganz ok, denn sie haben ihre/n Imker/in, der/die sie pflegt, füttert und behandelt. In der Wildnis würden sie jedoch kaum überleben und auch ihren Verwandten, den Wildbienen, geht es schlecht, die meisten davon stehen auf der roten Liste der UN. Es sind verschiedene Belastungsfaktoren, welche die Bienen schwächen. Eine wichtige Ursache ist die zunehmende Industrialisierung unserer Landwirtschaft mit dem Einsatz von Pestiziden, dem Anbau gentechnisch veränderter Organismen und Blütenarmut.

Frieda: Gibt es seitens der Politik Hilfe für Ihr Engagement oder ist die Bedrohung der Bienen eher ein Thema, das in den vielen Debatten untergeht?

S. B.: Dass es den Bienen nicht gut geht, ist den meisten Politikern wohl schon bewusst, nur getan wird leider sehr wenig. Bei der Agrarförderung wird immer noch Masse statt Klasse belohnt. Zudem ist die Agrarlobby sehr mächtig. Ende 2014 hat die EU-Kommission beispielsweise den Einsatz von drei Neonicotinoiden (Pestizide, die besonders bienengefährlich sind) endlich eingeschränkt, schon haben die Herstellerkonzerne sie verklagt.

Frieda: Gibt es eine Art Gütesiegel, das beim Kauf von Honig beispielsweise eine gewisse Sicherheit dafür gibt, dass die Bienenhaltung wesensgemäß ist?

S. B.: Unser Honig ist Demeter zertifiziert. An den Richtlinien zur Demeter-Bienenhaltung hat Mellifera e. V. damals maßgeblich mitgearbeitet. Bei Honig mit diesem Siegel werden die Bienen wesensgemäß gehalten. Hier steht das Wohl der Bienen an erster Stelle und nicht der Ertrag.

Frieda: Was können Verbraucher tun, um Bienen zu helfen?

S. B.: Wichtig ist, dass wirklich jeder etwas tun kann! Zum Beispiel haben die meisten von uns einen Garten oder einen Balkon, welchen sie mit bienenfreundlichen Blumen, Stauden, Kräutern etc. bepflanzen können. (Weitere Infos dazu auf Blühende Landschaft). Außerdem ist es wichtig, Bio-Produkte zu kaufen, denn diese werden nicht gespritzt. Besonders Wildbienen benötigen ausreichende Nistmöglichkeiten; wie wäre es also mit einem Bienenhotel im eigenen Garten? Durch den Kauf von regionalem Honig unterstützt man die hiesige Imkerschaft und gewährleistet so die Bestäubung vor Ort. Oder man hilft den Bienen, indem man Bienenpate wird (www.beegood.de).

Buchtipps:

Martin Ott, Martin Dettli, Pilipp Rohner, „Bienen verstehen – Liebeserklärung…“, Buch bestellen

Piotr Socha und Thomas Weiler, „Bienen“, Buch bestellen

Laline Paull, „Die Bienen“, Buch bestellen

„Bienen – Kleine Wunder der Natur“, Buch bestellen

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