anamed – allen Hürden zum Trotz…

Engagement für Naturheilmittel in Afrika

anamed-Gründer Dr. Hans Martin Hirt warnt: „Wenn Sie diese Pflanze anfassen, werden Sie „Artemisia-positiv“!
(c) anamed

„Gesundheit sollten wir uns nicht nur wünschen, sondern als Recht erkämpfen“, ist ein Zitat von Kofi Annan, ein Diplomat aus Ghana, der von 1997 bis 2006 Generalsekretär der Vereinten Nationen war. 2001 erhielt er gemeinsam mit den Vereinten Nationen den Friedensnobelpreis für, wie es bei Wikipedia heißt, „seinen Einsatz für eine besser organisierte und friedlichere Welt“. So richtig erfolgreich durchgesetzt hat sich seine Botschaft seitdem ja nicht gerade (…). Das Zitat von Kofi Annan ist übrigens auf der Website der Organisation anamed zu finden und das nicht ohne Grund. Dr. Hans-Martin Hirt, ein deutscher Apotheker, der anamed international 1986 zusammen mit dem Zairer Bindanda M´Pia gegründet hat, weiß aus erster Hand, welche Hürden beim Kampf um Gesundheit zu bewältigen sind.

Selbstermächtigte Gesundheits- und Nahrungsvorsorge

Hauptziel von anamed ist die Förderung einer eigenverantwortlichen, selbstermächtigten, im besten Sinne nachhaltigen, und besonders einer allen Menschen zugänglichen Gesundheits- und Nahrungsvorsorge. Auf 30 Jahre weltweit erworbene Erfahrungen, insbesondere in den Tropen, kann die Organisation inzwischen zurückblicken.

Ich schrieb vor Jahren bereits zwei Beiträge über anamed. Einer davon erschien 2011 in der Raum&Zeit. Die Überlegung, anamed auch in FRIEDA vorzustellen, führte zu einer erneuten Kontaktaufnahme mit Dr. Hirt, denn die Philosophie von anamed passt genau zum Sendungsbewusstsein dieses online-Magazins.

Warum? Weil anamed international für Menschen, die unter einfachsten Bedingungen leben, Strukturen schaffen will, in deren Rahmen diese Menschen ihre Gesundheit autark und möglichst mittels der regional heimischen Heilpflanzen erhalten und verbessern können. Auf diese Weise könnten Familien, Gemeinden, Gesundheitszentren und somit ganze Regionen unabhängiger von den zumeist sehr teuren importieren Präparaten werden, wären da nicht so viele andere Interessengruppen, die ganz andere Ziele verfolgen…

Dr. Hirt untersuchte 59 in Afrika heimische Pflanzen genauer. Die Nr. 60 machte er selbst dort heimisch: Artemisia annua-anamed, eine spezielle Züchtung des einjährigen Beifußes, die (im Gegensatz zur Wildform) auch in den Tropen wächst. Pharmakologisch wirksam ist besonders die darin enthaltene Substanz Artemisinin. Vielfach nachgewiesen wurde deren positive Wirkung bei Fieber und Malaria, aber auch bei Erkrankungen wie Psoriasis und Lupus erzielte Artemisinin Erfolge. Zusammen mit Olivenöl und Bienenwachs lässt sich daraus eine bei vielen Hautleiden wirksame Salbe herstellen. Auch in der Therapie einiger Krebserkrankungen hat sich Artemisinin bewährt, darunter besonders Brust- und Prostatakrebs.

Heilpflanzengarten auf einer Fläche in der Größenordnung einer DIN-A-3-Seite
(c) anamed

Die Vermehrung der einjährigen Pflanze kann über Samen und über Stecklinge erfolgen. Besonders spannend daran ist, dass Artemisia annua auch hierzulande gedeiht. Der Anbau ist relativ einfach und insofern lässt sich für diese Heilpflanze nahezu überall eine Nische im Garten finden. Aber das nur nebenbei. Frieda befragte Dr. Hirt in Bezug auf die Probleme, mit denen anamed international seitens der Behörden und Pharmainteressen in all den Jahren zu kämpfen hatte, darunter auch die WHO, denn seine Erfahrungen dürften durchaus exemplarisch sein – und auch erklären, warum natürlichen Präparaten und Methoden auch andernorts nach wie vor so viele Steine in den Weg gelegt werden. Hans-Martin Hirt äußert sich auch dazu, dass Artemisia nicht gleich Artemisia ist und es Qualitätsunterschiede gibt, vergleichbar mit Moringa oleifera-Produkten, die inzwischen viele Hersteller mit in ihr Sortiment aufgenommen haben.

Hier nun die Antwort von Hans-Martin Hirt:

In meiner sechsjährigen Tätigkeit im Kongo haben wir uns mit 60 Heilpflanzen genauer befasst. Mit anderen Worten: Mit 60 Heilpflanzen könnte man extrem preisgünstig viele Krankheiten auch in Deutschland behandeln und schätzungsweise 50% der Arzneimittelkosten einsparen. Man könnte zudem Heilpflanzenfelder in Afrika anlegen und die dort dann produzierten Medikamente in Deutschland innerhalb oder außerhalb von Apotheken verkaufen. Nur: Will man das überhaupt? Nehmen wir als Beispiel die „Nobelpreispflanze“ Artemisia annua, wirksam gegen weit mehr als zehn Krankheiten. Artemisia-Tee als Arzneimittel (Heiltee) zu legalisieren, würde laut Auskunft des Bundesministeriums für Arzneimittelwesen pro Tee und Indikation etwa 300.000 Euro kosten mit ungewissem Ausgang – mit anderen Worten: anamed absolut ruinieren. Aber unsere Aktion will ja gar nichts patentieren lassen, sondern wir wollen, dass durch unsere Empfehlungen weltweit Klein-und Familienunternehmen entstehen, also auch Arbeitsplätze, und wo hoffnungslos Kranke eine Perspektive, eine Alternative zur chemischen Einbahnstraße bekommen.

„Deutschland als die Weltapotheke“ ist ein Ruf fantasiereicher Menschen wie die Brüder Böhringer, die ihre ersten Arzneimittel in der Küche der Eltern fertigten und die am Schluss in ihren Firmen in Ingelheim und Mannheim, später dann weltweit, Tausende Mitarbeiter beschäftigten. Hätte es zu ihrer Zeit schon das Heilmittelwerbegesetz gegeben, hätten sie durch solch hohe Kosten nie neue Arzneimittel finden können und nie Tausende von Mitarbeitern einstellen können. Unsere Erfahrungen lassen uns die Frage stellen: Will die Politik womöglich einen nachhaltigen Fortschritt in Richtung Naturheilkunde weltweit verhindern durch Gesetze wie das so genannte Heilmittelgesetz? Diese Frage muss man sich unweigerlich stellen. Unser Gesundheitssystem finanziert die Ausbeutung der Patienten. Das wird auch am Beispiel Hepatitis C und Medikamenten wie „Sovaldi“ (Quelle 1) deutlich. Die Herstellungskosten liegen bei 100 Euro, der Verkaufspreis bei 43.500,00 Euro! Durch einen solchen transatlantischen Wucher kommen allein durch ein einziges Medikament Mehrkosten auf die deutschen Krankenkassen zu in Höhe von 600 Millionen Euro pro Jahr*, was schätzungsweise dem Gehalt von 20.000 Krankenschwestern entspricht. Immer mehr Krankenschwestern in Deutschland sind überfordert. Warum wird da nicht gegengesteuert? Die Prioritäten müssten ganz anders gelagert sein!

Es gibt so viele Pflanzen mit antiviralen Bestandteilen – hat man sie jemals untersucht oder sind sie womöglich nur lästige Konkurrenz zur Chemie? Unser universitäres Gesundheitssystem basiert auf dem Trugschluss, dass Chemie besser sei als Biologie „dass ein bösartiger Tumor nur durch hochgiftige Chemie besiegt werden kann, „dass es in der Pflanzenwelt gegen Krebs nichts mehr zu entdecken gibt“**, „dass Heilpflanzen nichts schaden und nichts nützen“ usw. lauten die üblichen Argumente seitens der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Nur wer bei dem Monopoly mitspielt, macht an der Uni Karriere! Und nur wer all das unterrichtet, bekommt eine Professur und Forschungsgelder für seine Doktoranden. Nur jene Studenten, die diese Lügen in vorauseilendem Gehorsam verinnerlichen, werden zu Kongressen der Pharmaindustrie eingeladen, wo diese Gelder ausgegeben werden, Gelder, die zuvor durch horrende Aufschläge dem Gesundheitssystem gestohlen wurden!

Viel schlimmer noch: Unser Gesundheitssystem ist mitverantwortlich für die Flüchtlingsströme. Wir ernten quasi, was wir säen. Nehmen wir als Beispiel Daraprim, ein notwendiges Mittel gegen Toxoplasmose bei Schwangeren (zur Vermeidung von Hydrocephalus = Wasserkopf, Erblindung und Hirnhautentzündungen des Babys durch Toxoplasmodien). Bisher kostete das uralte Mittel nur 1 Dollar pro Tablette; durch den Weiterverkauf der Verkaufsrechte stieg der Preis über Nacht auf 750 USD pro Tablette. Wie soll ein AIDS-Kranker in den Tropen, dem eine jahrelange Einnahme von Daraprim empfohlen wird, denn plötzlich 634.000 USD pro Jahr aufwenden? Und das für womöglich nur eine von mehreren Infektionen?

Deswegen muss die Naturheilkunde in tropischen Ländern gestärkt werden, aber eben nicht durch Firmen, die amerikanischen Aloesaft für 100 USD im kongolesischen Urwald verkaufen, wie ich es erlebt habe, nicht durch Firmen, die den Produzenten Pflanzen abkaufen und dann teure Arzneimittel z.B. aus Moringa oder Artemisia von Europa nach Afrika verkaufen, sondern durch konsequente Aufklärung der Menschen vor Ort zur Selbsttherapie – und durch den Aufbau von nationalen „Volkshochschulen“ für Barfußärzte und Barfußapotheker. Damit meine ich „Akademiker“, die sich auch im tiefsten Urwalddorf noch wohlfühlen.

Bei den Artemisia- und Moringa-Produkten, die heute auf dem Markt sind, lassen sich häufig gravierende Mängel nachweisen. Die anamed edition war 1997 weltweit die erste Organisation, die trotz vieler Widerstände, beispielsweise aus den Reihen der Tropeninstitute und der WHO, Artemisia annua-anamed (kurz: „A-3“) Tee zog, die Pflanzen mit befreundeten Forschern untersuchte, wirkstoffreiches Saatgut erlangte und freigebig die Samen und den Tee angeboten hat, so auch kostenlos an weltweite anamed-Gruppen, ökumenische Zentren und an Regierungen malariageplagter Länder. Zudem untersuchten wir die Anbaubedingungen in mehr als 80 Ländern, veröffentlichten die Forschungsergebnisse und erreichten dadurch inzwischen eine hohe Popularität und Wertschätzung dieser Pflanze, mittlerweile sogar auch bei vielen Ärzten und Tropenmedizinern. Zu erwarten war in dem Zuge natürlich auch, dass sich rein kommerziell orientierte Unternehmen anhängten und darunter ist selbstredend längst nicht alles Gold was glänzt. Einige von ihnen bieten ihre Artemisia-Wildformen an, verweisen dabei aber auf unsere Publikationen und Forschungsergebnisse.

Wir erhielten Teeproben einiger dieser Produkte zur Begutachtung und teilweise waren sie feucht und voller Schimmelpilze, bestanden oft überwiegend aus den Stängeln (was bei Artemisia annua-anamed nicht vorkommt), hatten teilweise überhaupt keine Wirkstoffe mehr, waren einmal bräunlich verfärbt und ohne jegliche ätherische Öle (und das sogar aus einem Apothekengroßhandel!) Schwer einzuschätzen ist es, wenn solche Rohstoffe dann in Kapseln verpackt werden. In einem Fall war der Cadmiumgehalt durch Verwendung von Kunstdünger zu hoch. Auch die Hygiene ließ stark zu wünschen übrig. Wir erhielten sogar Proben mit Käfern. Solche Tees sind nicht nur unwirksam, sondern teilweise auch gefährlich. Das Internet ermöglicht vielen unseriösen Händlern da natürlich Möglichkeiten für Nachahmer-Produkte – zum Schaden der Verbraucher.

Mein Fazit lautet: Zum Kampf gegen Hunger und Krankheit brauchen wir eine echte Reform, nicht nur ein paar Spenden von Superreichen zur dubiosen Förderung der Gentechnologie in Medizin und Landwirtschaft. Wir von anamed haben das selbst erlebt, was Arata Kochi, Chef des Malaria-Programms der WHO, 2008 beklagte, nämlich dass „die Förderpraxis von Bill Gates die Vielfalt der Meinungen von Wissenschaftlern erstickt“. Daher brauchen wir unabhängige Menschen in Nord und Süd, die sich bedingungslos engagieren und eine Bevölkerung, die die Politiker konfrontiert.

Was die Malaria angeht, so werden wir von der WHO total ausgebremst. Es gibt viele Angestellte dort, die einer Meinung sind mit uns, aber natürlich nicht die Führungsebene! Beispiel: Sie zeigen mir Ihren Garten, wo Sie 245 verschiedene Gemüsearten in ein Beet gesetzt haben. Meine Reaktion ist: „Das ist ja ein Beet, also eine Monokultur, das gefällt mir nicht“. Was wäre Ihre Reaktion? Doch sicher: „Herr Hirt ist entweder verrückt oder bösartig!“ Auf Malaria bezogen: Wir haben der WHO die Liste gezeigt, wonach in unserer Artemisiapflanze 245 aktive Substanzen enthalten sind, davon mindestens 10 malariawirksame Substanzen. Die Reaktion der WHO ist: „Das ist ein Tee, also ein Produkt, also eine Monotherapie, also das lehnen wir ab.“

Man könnte über diese Diskussion auf Kindergartenniveau lachen, würden da nicht laut den neuesten Zahlen der WHO nicht jede Stunde 60 Malariakranke sterben, von denen wiederum, laut Erfahrungen von anamed, 57 überleben würden, stünde ihnen Artemisia-annua-anamed zur Verfügung, dessen Saatgut anamed kostenlos an Regierungen abzugeben bereit ist!

* Stuttgarter Nachrichten, Rems-Murr Rundschau 14.4.2015

**Antwort des Leiters des DKFZ Heidelberg im Jahr 1976 auf Fragen von Dr. Hirt zu Beginn seiner Doktorarbeit

Zusätzliche Quellen: Pharmabriefe der Buko-Pharma-Kampagne

Weitere Informationen unter: www.anamed.org

Versand von Literatur und Samen bei:

www.anamed-edition.com

Spendenkonto: anamed international e.V., IBAN: DE12 6025 0010 0007 2190 69 bei der Kreissparkasse Waiblingen, BIC: SOLADES1WBN

A-3 kann sich selbst an kalte Gegenden adaptieren genauso wie an Oasen in der Wüste
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