144 grades of …

Interview mit einem Asperger-Autisten über Sexualität

Sex photo
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Soziale Plattformen haben viele Vorteile. Man stolpert über Menschen, die man ohne Glasfasernetze nie kennen gelernt hätte. Das sind zuweilen Menschen, die weder zu A- noch B- noch C-Promis gehören, die sich nicht in Kochshows oder Supertalentwettbewerben präsentieren, die aber durch ihre Sicht auf die Welt ganz neue Impulse beisteuern können, nicht zuletzt deshalb, weil sie anders denken als andere.

Stefan Janetzky ist so ein Mensch. Er weiß, nach eigenen Angaben, alles über die 144 erogenen Zonen der Frau. Er bezeichnet sich als heterosexuellen Sexualaltruisten. Abgesehen davon hat er noch viele weitere Interessengebiete: die Straßenverkehrsordnung, die globale Wirtschaftsordnung, die Sicherheitslage, den Kanalbau in der Innenstadt Kiels, das Inklusionskonzept in der öffentlichen Bildung, den Datenschutz, die Gleichstellung von Mann und Frau, um nur eine sehr abgespeckte Auswahl der Themenbereiche zu nennen, zu denen Stefan Janetzky etwas zu sagen hat.

Die zurückliegende eMail-Konversation mit Stefan führte zu der Idee, ob er nicht als Interviewpartner für FRIEDA in Frage käme. Ob das eine gute Idee war, wird sich zeigen, aber, wie sagte Meister Yoda in Star Wars: „Tue es oder tue es nicht! Es gibt kein Versuchen!“

Immerhin finde ich Stefans Idee, ein Buch zu schreiben, das den Titel „Interview mit einem Autisten“ trägt und das mir dann – laut Stefans Prognose – Millionen einbringt, durchaus erwägenswert. Mit einem Teil der zu erwartenden Millionen könnte ich beispielsweise mein Drehbuch verfilmen lassen. Oder die Friedensbewegung finanziell unterstützen. Oder ein großes Gelände kaufen, auf dem sich Menschen in Gemeinschaften niederlassen könnten, die dort Earthships bauen dürften, Bienen ansiedeln, Permakultur betreiben und Festivals feiern könnten im Sinne der „Mujeres de despiertan“…

Bei der Themenvielfalt, die Stefan Janetzky zu bieten hat, fällt die Auswahl schwer. Sex, Straßenverkehrsordnung, Kanalbau sowie die Gleichstellung von Mann und Frau ließen sich ja noch irgendwie thematisch verbinden. Auch Datenschutz kann in Beziehungen ein Thema sein, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, aber eher keines, das zu anregender Unterhaltung beiträgt.

FRIEDA im Gespräch mit Stefan Janetzky

(c) Stefan Janetzky

FRIEDA: Nachdem wir uns über die Themenauswahl nicht wirklich einig werden konnten und Du meintest, dass Dein Lieblingsthema sowieso tagesformabhängig sei (bei wem ist es das nicht?), neige ich im Hier und Jetzt dazu, den Schwerpunkt doch auf das Zwischenmenschliche zu lenken – und auf Dein Dauerlieblingsthema, den heterosexuellen Sex, zumal Du, wie Du im Vorfeld berichtet hast, zu den Autisten gehörst, die gerne sexuell aktiv sind. Meine subjektive Erfahrung ist, dass bei Männern, die viel Wind um ihre sexuelle Kompetenz machen, meistens nicht viel Substanz dahinter steckt. Man sagt ja nicht umsonst „Der Gentleman genießt und schweigt“. Doch, ich gebe es zu, wenn Du Informationen über 144 erogene Zonen der Frau zu haben glaubst, macht das neugierig, selbst mich im gereiften Alter von 55. Wenn Du nun den Auftrag hättest, einen entsprechenden Ratgeber für Frauen und Männer zu schreiben, wie würdest Du die einzelnen Kapitel benennen?

STEFAN: Warum ist Datenschutz kein anregendes Thema? Entschuldigung, ich wollte nicht ablenken…

Einschub FRIEDA: Datenschutz könnte sicherlich ein anregendes Thema sein. Das kommt auf die Perspektive an. Vielleicht könnten wir das Thema ein anderes Mal aufgreifen…

Fortsetzung S. J.: Vorweg: Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur erstaunliche Antworten. Auf Deine Frage hin existiert mindestens eine kurze und eine lange Antwort. Die kurze wäre, dass ein Sachbuch, das nicht von Fachleuten für Fachleute geschrieben ist, im Plauderton daherkommen darf. Es geht darum, etwas zu erzählen. Wenn man etwas zu erzählen hat, und alleine deswegen schreibt, um es los- oder nicht verrückt zu werden, dann spielen Titel und Einband keine Rolle. Der Inhalt zählt, nicht die Verpackung. Erst wenn es daran geht, den Inhalt zu verkaufen, wird eine ansprechende Verpackung benötigt. Ein Buch vom versierten Laien an die interessierten Laien, ein Laie ist auch ein Fachmann, nur halt immer auf einem anderen Gebiet, begänne ich nicht mit wissenschaftlicher Struktur und Kapitelbenennung, wie man ein Nachschlagewerk in der theoretischen Physik begänne, sondern wie einen Roman, in den ich mitten reinspränge, die Leserin und den Leser mitnähme in das angenehm temperierte Wasser und losschwämme. Daran, dass das die kurze Antwort war, kann man schon erkennen, dass ich ein Romancier bin. Die Dickbuchschreiber können sich einfach nicht kurz fassen.

Die lange Antwort auf Deine Frage ist diese: Ich betrachte mich als einen Schriftsteller, der von seiner Schreibe (noch) nicht leben kann. Kapitelüberschriften sind eine heikle Sache. In „Der Verflixte Bus – eine Bedienungsanleitung für alle Linienbusse – ein komisches Sachbuch“ hatte ich die Überschriften zuerst, dann den Inhalt. In meiner Novelle „Der Frauenvirtuose“ hatte ich nur die Kapitelüberschrift meines ersten Kapitels, weil das Buch aus einer meiner Kurzgeschichten entstand, die wiederum schon veröffentlicht worden war. Dann arbeite ich mit der automatischen Kapitelnummerierung und habe erst später die Kapiteltitel gefunden. Aber beides waren Unisexbücher, also mit einer sexuell gleichgestellten Zielgruppenverteilung.

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Ich glaube, ein Sachbuch über die 144 erogenen Zonen der Frauen, um Deinen Aufhänger einmal etwas auszuwalzen, wäre nicht automatisch ein Unisexbuch. Oft genug, nach meiner Erfahrung, ist das Wissen, das Frauen über sich haben, zwar auch erstaunlich inkomplett, aber es existiert ein schon recht komplexes Basiswissen, das alle Frauen, welche die Pubertät hinter sich brachten, einfach schon einmal haben und welches das Wissen der Männer, das diese über den weiblichen Körper besitzen, schlicht um Lichtjahre hinter sich lässt. Natürlich existieren auch ahnungslose Ausnahmen unter den Frauen und wissende Männer, aber Frauen darf man per se unterstellen, schon einmal sehr viel mehr über sich zu wissen als Männer über Frauen wissen.

Also kann man Frauen ganz anders abholen mit einem Buch, und mitnehmen durch ein Buch mit deutlich mehr Details, ohne wirklich alles von Null an erklären zu müssen, wenn es um den weiblichen Körper geht. Zudem sind die meisten Personen, die ein nicht akademisches Buch lesen, sowieso weiblich. Das haben bislang alle Marktforschungen in der Literatur ergeben, erstaunlicherweise unabhängig von den Auftraggebern und damit auch Zielen der jeweiligen Studien. Frauen lesen mehr als Männer. Männer lassen sich hingegen mehr vorlesen. Aber an der einen oder anderen Stelle wird man um anschauliche Bilder in einem Buch über das sexuelle Funktionieren des weiblichen Körpers nicht herumkommen und spätestens dann ist Ende im Gelände des Hörbuchs…

Zudem kann man auch kein Buch, sagen wir „femal anatomy for male dummies“ schreiben und an Männer adressieren. Also schreiben schon, aber nicht verkaufen. Das verkaufte sich nur, wenn Atze Schröder es geschrieben hätte. Männer sind nicht nur allzu oft leider einfach unwissend um die Details des weiblichen Körpers, sondern hängen, ob der omnipräsent pornografisierten Welt, in der wir leben, der festen Überzeugung an, genau zu wissen, wie der weibliche Körper aussieht und tickt. Die Männer glauben zu wissen, dass sie an der Stelle nichts mehr zu lernen brauchen und sind davon so fest überzeugt, dass es mit Lernresistenz treffend zu beschreiben ist.

Das Problem ist allerdings, dass hier von Männern Hollywood mit der Realität verwechselt wird. Natürlich wissen wir alle, um mal ein paar asexuelle Vergleiche zu bemühen, wie ein Hubschrauber aussieht, ein Spaceshuttle oder eine Kirchenorgel. Hollywood, Bollywood, Pinewood, Babelsberg und Yeşil köknar zeigen uns auch oft genug, wie einfach es ist, einen Hubschrauber in einem Sturm auf einem Schiff zu landen, ein Space Shuttle an eine Raumstation anzudocken oder Bachs Noten durch eine Orgel strömen zu lassen. Wenn das Drehbuch es will, dann kann Tom Cruise das, oder Sandra Bullock, oder Daniela Katzenberger, oder Du, oder ich.

Und wenn das Drehbuch es will, dann hat die Frau im Porno immer ihren Höhepunkt. Und wenn das Drehbuch es will, dann hat der Mann ihn ihr verschafft. Genauso, wie er den Hubschrauber im Sturm auf einem Schiff landen kann und sie das Space Shuttle an die ISS andocken kann und wir alle eine komplexe Kirchenorgel fehlerfrei spielen können.

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Ich hatte in den 1990ern einmal eine Freundin, die war damals von Beruf Pornofilmregisseurin. Sie stellte fest, dass sogar Pornodarsteller erstaunlich wenig darüber wissen, wie der Körper einer Frau tickt und funktioniert. In allen Filmen wird getrickst und geschnitten und gemacht und getan, damit die Geschichte realitätsabweichend funktioniert und damit die Action realitätsabweichend gut aussieht. Warum sollte das in einem Porno anders sein?

Überraschenderweise ist es das eben nicht. Es ist in der Pornografie nicht anders als in irgendeinem anderen Genre und umgekehrt. Es wird getrickst. Es sind Schauspieler, die da vor der Kamera stehen und ein Porno ist eine Art Turnübung vor der Kamera. Der Rest ist eine Mischung aus Dekoration, Filmschminke, Bewegung und Text nach Skript und/oder Ansage. Und fertig ist der Film erst, nachdem der Schnitt zugeschlagen hat.

Davon, dass die Frau im Porno so tut als ob, und wir dabei zuschauen, wissen wir doch noch nichts darüber, wie es geht. Wir wissen gerade einmal, wie eine Frau aussieht. Genauso, wie wir nicht wirklich wissen, wie man einen Hubschrauber bedienen muss, will man ihn im Sturm auf einem Schiff landen, nur weil wir Tom Cruise dabei zuschauen. Wir wissen dann nur sehr genau, wie ein Hubschrauber aussieht.

So einfach funktioniert es bei den meisten Frauen nämlich nicht, wie es gezeigt wird. Und auch nicht bei Hubschraubern. Ganz so, wie es eben auch nicht funktioniert, jemandem mit der Handkante gegen den Hals zu schlagen, oder mit einem harten Gegenstand auf den Hinterkopf, damit er ohnmächtig wird. In der Realität sind das lebensgefährliche bis tödliche Schläge, keine „knock outs“. In der Realität gehen Autos kaputt, wenn man mit ihnen über Hindernisse springt, und einen Hubschrauber in einem Sturm auf einem Schiff zu landen ist eine Sache, die neben einer umfangreichen Hubschrauberpilotenausbildung, und danach folgenden Hunderten von Stunden der Übung, auch noch ein Quäntchen Glück verlangt. Im Porno setzt man später beim Schnitt Szenen anders zusammen, um eine Illusion zu präsentieren, bei der der Mann meistens gut dasteht. So einfach ist das. Und da die Frau ja kommen soll, während er seine Nummer durchzieht, schauspielert sie eben. Dafür wird sie bezahlt. Das ist ihr Job. Und in der Folge des Filmgeschäfts wissen dann weder der Pornodarsteller noch der Pornofilmzuschauer, wie es richtig geht, glauben dann aber tatsächlich, dass sie es wüssten.

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Ein Tom Cruise, eine Helen Mirren, ein Arnold Schwarzenegger, eine Sandra Bullock wagten es hingegen nicht, nach dem Dreh einen Hubschrauber in der Realität auf einem Schiff im Sturm zu landen, ein Space Shuttle an die ISS anzudocken, oder einer Kirchenorgel Bachs Kantanten entlocken zu wollen. Die kennen sehr genau den Unterschied zwischen Film und Realität, den wir ausgerechnet den Pornos nicht zugestehen, obwohl er sehr wohl da ist.

Eine omnipräsent durchpornografisierte Gesellschaft hat allerdings genau wegen dieses stetig existenten Unterschiedes zwischen Filmtricksereien und Realität eben keine Sexualbildung, ganz so wie das Zuschauen bei einer Landung eines Hubschraubers im Sturm auf einem Schiff in einem Kinofilm keine Hubschrauberpilotenausbildung darstellt.

Und wenn wir nun dieses Bild verlassen und zurückkehren zur Frau, dann müssen Frauen sich nun einmal über die monatlichen Zyklen mit ihrem Körper beschäftigen, und es haben außerordentlich viele Männer keine Ahnung, wie weibliche Körper jenseits des Minimalaufklärungsunterrichts in den Bildungsinstituten und der maximalpornografisierten Welt wahrhaftig ticken. Also muss man die Männer mit so einem Buch an anderer Stelle abholen als Frauen. Und schon ist man nicht mehr bei einem Buch, das sich gleichermaßen an Männer wie an Frauen richtet. Es sei denn, man schaltete jedem Kapitel eine Art „Basiserklärung“ vor, die dann vielleicht kursiv gedruckt wäre, damit die, die das schon wissen, vorblättern können zum eigentlichen Text.

Und dann müsste man das Buch wahrscheinlich so strukturieren, dass man in jedem Kapitel noch vor der Basiswissenerläuterung ein gängiges Klischee darstellt, auf das sich das Kapitel dann beziehen wird, um eben jenes Klischee noch im gleichem Kapitel in der Luft zu zerreißen, oder wenigstens auf den Kopf zu stellen …

Ich nenne als Beispiel mal die Brust. Da jetzt kein Kapitel in dem Buch geschrieben, sondern ein Interview geführt wird, kommt erst das Basiswissen. Im Interview denkt man ja anders über einen Text nach als beim Schreiben eines Buches. Eine jede weibliche Brust besitzt sechs erogene Zonen: Brustwarze, Brustwarzenhof, obere Brustseite, die zur Schulter hin ausläuft, untere Brustseite, Brustaußenseite, zur Rumpfseite hin auslaufend, und die Brustinnenseite, zum Brustbein hin auslaufend. Dazwischen haben wir dann vom Kehlkopf bis runter zum Bauchnabel mehrere andere erogene Zonen, wie z.B. das Brustbein, oder die Kehle zwischen den inneren Schlüsselbeinenden gleich unterhalb des bei Männern sichtbaren und bei Frauen unsichtbaren Kehlkopfs.

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Also, Brustwarze, Brustwarzenhof, Brustunterseite, Brustoberseite, Brustinnenseite und Brustaußenseite stellen sechs erogene Zonen dar mit fließenden Übergängen zueinander, außer zwischen Brustwarze und Brustwarzenhof und zwischen Brustwarzenhof und Brust. Da sind die Grenzen recht scharf. Eine Frau, die nie eine Brust-OP erfuhr und auch keine Brusterkrankung, besitzt immer diese sechs erogenen Zonen je Brust. Und, einmal abgesehen von leichten Berührungsjustierungsänderungswünschen, die von Frau zu Frau und von Moment zu Moment zwischen extrem sensibel bis hin zu sehr rustikal variieren können, funktionieren diese sechs erogenen Zonen immer gleich. Unabhängig davon, wie groß, oder wie klein die Brüste sind. Und die gleichen sechs erogenen Zonen je Brustseite besitzt auch jeder gesunde Mann. Und trotzdem haben wir eine Kultur, in der dürre Frauen mit großen Brüsten zum Vorbild stilisiert werden. Wozu, wenn doch am Ende der Sex vor allem eines sein soll: — gut, bis sehr gut, und wenn doch die Größe der einzelnen Brüste auf dem Weg zum Orgasmus keinen Unterschied macht, da die sechs erogenen Zonen einer jeden Brust anatomisch immer gleich ticken, egal, wie groß oder klein jede einzelne Brust tatsächlich ist?

Zurück zur Ursprungsfrage, wie ich denn die einzelnen Kapitel benennen würde, schriebe ich einen an Männer wie Frauen adressierten Ratgeber über den sexuell den Frauen angenehmen Umgang mit dem weiblichen Körper: Ich hätte eine klare Idee über Gliederung und Aufbau, aber keine zu den Kapitelnamen.

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Wahrscheinlich marschierte ich im Plauderton die essentiellen erogenen Zonen entlang, die wir alle zu kennen glauben, beschäftigte mich dann noch mit ein paar wundersamen Effekten, wie dem Umstand, dass im Grunde jede Stelle, die kitzlig ist, auch eine erogene Zone darstellt und auch jeder Schmerzpunkt in eine verwandelt werden kann, ohne dann noch Schmerzen zu verursachen, und ließe die vielen Leserinnen und die wenigen Leser dann mit einer Menge „aha“ und einer Menge Dinge auszuprobieren zurück.

FRIEDA: Obwohl deine anatomischen Kenntnisse gewiss der Wertschätzung bedürfen, fühlte sich deine Antwort beim Lesen ein wenig an wie eine Gebrauchsanweisung für einen Hubschrauber, bei dem es ja so ist, dass er in erster Linie fliegen soll und der Pilot nicht unbedingt eine durch Empathie getragene Beziehung zu seinem Fluggefährt aufbaut. Hierin mag aber auch die Gefahr von Pornofilmen liegen, die Bilder vermitteln, die dann in den Hirnen von vermutlich überwiegend infantilen/narzisstischen Männern wirksam sind und dort eben auch ein Eigenleben entwickeln können. Zum Thema Sexualität würde ich, sofern ich es für FRIEDA nochmals aufgreifen sollte, vermutlich auch die Erkenntnisse von Wilhelm Reich und Alexander Lowen hinzuziehen. Spätestens nach mittlerweile zwei Interviews mit Dr. Hein, der darin erklärte, dass alles um uns herum ein intelligentes Feld sei, das wir mit Informationen bestücken, postuliere ich, dass pornografische Filme und Inhalte, Einfluss auf das Informationsfeld haben und sich nicht in Luft auflösen, sondern möglicherweise als geistige Konstrukte irgendwo manifest werden. Mit anderen Worten: Wenn in Europa viele Männer Pornofilme ansehen, würde sich nach der Theorie der Meme irgendwo genau das materialisieren, was in der Konsequenz bedeuten würde, dass jeder Pornokonsument auch dazu beiträgt, dass die Welt pornografischer wird und ob das letzten Endes zur seelischen Gesundheit beiträgt oder am Ende zu Suchtverhalten führt bzw. bereits ist, wäre eine Frage, die ich heute nicht mehr stellen möchte, weil sie sich jeder Mensch selbst beantworten kann.

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Nachdem ich nun die Antwort auf Frage 1 wahlweise als Kurz- oder Langfassung von dir zur Verfügung gestellt bekommen habe, fragte ich mich, wieso du überhaupt darauf kommst, dass du Autist bist? An so eine Diagnose kommt man heute ja schneller als an 5 Euro. Bei dem Umfang an Gedanken zur ersten Frage brauchte ich erst einmal eine Atempause und überlegte, ob ich nicht gleich eine Interviewserie mit Dir starte, die immer nur aus einer Frage besteht, von Dir dann aber jeweils in Kurz- oder Langfassung beantwortet wird. „Stefans paradoxe Klarheit“ oder „Wessen ‚Wahrnehmung‘ stimmt eigentlich nicht – die der ‚Normalen‘ oder die der ‚Autisten‘? Ich rege an, dass wir dieses Ein-Frage-Interview mal als Test starten und gucken, was passiert. Wenn die ersten Millionen dann einlaufen und Nachfrage nach dem Buch „Interview mit einem Autisten“ sichtbar werden sollte, sehen wir weiter und halten es bis dahin wie Straßenfeger Beppo aus „Momo“, der dem (inneren…) Kind Momo erklärt: „Du darfst nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken – Atemzug und Schritt und Besenstrich, Atemzug und Schritt und Besenstrich…!“

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S. J.: Ich hielt Asperger für ein Spargelgemüse. Aspargarus ist der Spargel im Lateinischen und der offizielle Name im botanischen Verzeichnis. Bei der Hochbegabteninteressenvertretung Mensa traf ich auf einige, die in Sachen Psychologie und/oder Psychiatrie (manche in Personalunion) vom Fach sind. Die sagten mir, ich sei aber sowas von einem Bilderbuchfall eines unsichtbaren Aspergerautisten, ich solle das unbedingt mal prüfen lassen. Weil ich es nicht in der Krankenakte haben wollte, ging ich zu einem niedergelassenen Psychologen und zahlte privat. Ich wollte kein „Aspie“ sein. Mein Ziel war eine Ausschlussdiagnose. Da ich selbst zahlte, weiß ich, dass man mit 5 Euronen nicht hinkommt. 500 machten den Kohl fett. Zudem zog sich die Diagnose über Wochen hin. Für 150 Euro kann man allerdings für alles Psychologen finden. Man kann sich als Aspie diagnostizieren lassen, als schlafgestört, als hochbegabt, als fahrtauglichkeitsgeeignet, ohne dass das stimmt.

Mein Psychologe wollte dann unbedingt eine Therapie beginnen. An einer Diagnose verdient ein Psychologe einmal, an einer Therapie ewig, da Autismus nicht therapierbar ist, wie ich von einer Mitmensanerkoryphäe auf dem Gebiet genau weiß.

Einschub FRIEDA: Die Therapiebarkeit von „Autismus“, eine Diagnose, die ja für allerlei Symptome herhalten muss, wäre ein anderes Thema…

S. J.: Darum interessierte ich mich für eine zweite Meinung, dieses Mal als Kassenpatient und ohne Namen zu nennen. Ich stand eineinhalb Jahre auf der Warteliste zur Ein- bzw. Ausschlussdiagnose einer Universitätsklinik, einer anderen selbstverständlich, als der, an der „meine“ Mitmensanerkoryiphäe ihren Lehrstuhl inne hat. Die sollten ja nichts davon wissen, mit und von welcher Reputation der Verdacht kam. Das Diagnoseverfahren zog sich dann knapp ein Jahr hin. Das Abschlussgespräch fehlt noch, aber man signalisierte mir schon, dass im Befund der Asperger auftauche. Ich glaube nicht, dass das in Toto eine Fünfeurokaufdiagnose ist.

Des weiteren neigen Autisten dazu, wenn sie denn kommunizieren, vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen…

Einschub FRIEDA: Ach…? Obwohl – dazu neigen auch andere Menschen 😉

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S. J.: Das ist natürlich umfangreich, die Antworten betreffend. Wäre ich Du, schriebe ich dieses Interview immer weiter, wie einen Blog. Frage eins war allerdings auch kompliziert zu beantworten. Und meine Antwort war aus meiner Sicht schon die Vereinfachung. Nach Deinen langen Auslassungen davor, ging ich davon aus, dass ich auch lang antworten dürfe. 144 erogene Zonen. Der weibliche Körper. Die Orgasmen der jeweils anderen Person als ein Wunschziel beim Sex. Wenn es einfach wäre, könnte es jeder Kerl von selbst und auch jede Frau sehr leicht jedem Kerl beibringen, und dann müssten wir darüber kein Gespräch führen.

Wahrscheinlich veröffentlichte ich an Deiner Stelle auf Deiner Webseite auch Frage und Antwort und ginge dann weiter und hinge dann weitere Fragen und Antworten an. Und wenn wir dann irgendwann einmal damit durch wären mit „Interview mit einem Autisten… über Sex“ wechselte ich das Thema, oder holte eine zweite Meinung ein, oder beides.

Auf einer Webseite könntest Du sogar die Leser und Leserinnen bitten, zu dem jeweiligen Thema sich ergebende Fragen zu stellen. Dann bekäme das Ganze eine Interaktionsdimension und bestimmt noch mehr umfangreiche Antworten.

Einschub FRIEDA: Das könnte ausufern…die Korrespondenz leite ich dann an Dich weiter…

S. J.: Dein Buch wäre dann sehr schnell sehr dick, die Millionen sprudelten und Verlage morsten Dich an, weil Sie mich kennen lernen wollen, um mir meine Manuskripte abzukaufen und bei mir sprudelten dann auch die Millionen und in meiner Nobelpreisdankesrede erwähnte ich in den Danksagungen beiläufig Deinen Namen. Ich fabuliere amüsiert, aber ein Belletrist darf das. Und nun bin ich aber mal gespannt, ob und wie das weitergeht. Und freue mich schon auf Deine nächste Frage. Oder Deinen nächsten Einwand…

FRIEDA: Danke für das Interview. Als nächstes Thema rege ich „Das Inklusionskonzept in der öffentlichen Bildung“ an.

Anm.: Eine andere Idee wäre, die FRIEDA lesenden Frauen und Männer zu bitten, ein Thema für das nächste Interview mit Stefan anzuregen, so volksentscheidsmäßig. Das Thema, das am meisten Zuspruch bekommt, wird dann – Stefans Einverständnis vorausgesetzt – auch das nächste Interviewthema sein getreu nach Stefans Motto: „Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur erstaunliche Antworten!“ 😉

Ggf. zum Weiterlesen:

Die abgeschafffte Mutter, Gaia: Nach Hause kommen, Mütter für Mütter, Lustvoll gebären?, Heilung der Mutterwunde durch die eigene Stimme, Wissenschaftselite oder Markt der Eitelkeiten?, Souveränität: Von Karpfen und Delfinen, Emanzipation mal anders betrachtet, Linie41: Ein Beispiel für kollektive Anosognosie?, Trauma überwinden, Die Sache mit der roten und der blauen Pille, Spenderkinder ohne Lobby?, Kundenbindung mittels Hormonspirale, Risiko Silikonimplantate, Pfusch an der Frau, Co-Abhängigkeit – Im Schatten der Sucht, Militärmesse und „phallische Phase“, Gesellschaft im Aufbruch, Friedensweg: Die Welt braucht eine Umarmung, Weltmeisterinnen – Gewonnen wird im Kopf, Indigene Völker – Mogelpackung Naturschutz?, Politikum Glühlampe, anamed – allen Hürden zum Trotz, Verordnungsschungel am Beispiel EnEV, Glückliche Bindung von Anfang an, Parental Alienation Syndrome, Zwischen Täterschutz, Ohnmacht und Parteilichkeit, 6-fach-Impfung – Schütteltrauma – Kindesentzug, …u.v.a.m. 😉

Jetzt aber ’ne Kaffeepause…

FRIEDAs Kaffeekasse:

Danke.

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